Is handwriting better than typing for note taking? Surprisingly, it’s not!

Notizen sind wichtig, ganz egal, ob man handschriftliche Notizen macht, wenn man einem Vortrag zuhört oder ein Buch liest, oder ob man sie direkt am Rechner oder auf dem Tablet eingibt. Und wenn handschriftliche Notizen schon keinen Lernvorteil bedeuten, dann kann man auch gleich die positiven Effekte des Digitalen mitnehmen. Also die Möglichkeiten, Notizen weiter zu bearbeiten, zu verlinken, aufzubewahren, zu drucken usw.

Donald Clark zitiert in seinem Artikel aus einer aktuellen Metaanalyse und arbeitet sich dabei an einem prominenten Artikel ab („The Pen is Mightier Than the Keyboard: Advantages of Longhand Over Laptop Note Taking“). Er merkt dabei aber auch an, dass Notizen keinen Wert an sich, sondern nur den Beginn einer Lernreise darstellen.

„This debate focuses on one issue, the method of note talking but the more important issue is to move beyond note taking to actual learning. Here we know that underlining, highlighting and rereading are not efficient learning strategies. One needs to move towards effortful, generative learning, deliberate, retrieval and spaced practice. Note taking is not an end in itself, merely the start of a learning journey. It is an important bridge to more effortful learning.“
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 29. Januar 2022

Bildquelle: Owen Michael Grech (Unsplash)

„Heutzutage kann man kein normales Gehirn besitzen“ – der moderne Mensch leidet an einem kollektiven Aufmerksamkeitsdefizit. Wie gewinnen wir unser Denken zurück?

Ein lesenswerter Text über ein häufig diskutiertes Phänomen: unser wachsendes, durch Smartphones und Social Media verursachtes Aufmerksamkeitsdefizit. Der Autor nähert sich dem Thema in einer interessanten Mischung aus Selbstbeobachtung und Selbstversuchen, Experteninterviews und Analysen. Das Problem, da besteht für ihn kein Zweifel, besteht. Er sieht dringenden Handlungsbedarf und hat deshalb ein ganzes Buch über das Thema geschrieben („Stolen Focus. Why You Can’t Pay Attention – and How to Think Deeply Again“). Ein Ausschnitt aus diesem Buch liegt hier in der NZZ vor.

Der Text liefert viele Stichworte, über die man jetzt diskutieren könnte: Handelt es sich beim Aufmerksamkeitsdefizit wirklich um ein Krankheitsbild oder vielleicht doch um einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess, den man gelassen konstatieren kann? Wie messen wir eigentlich die Konzentrationsfähigkeit des Menschen und wann reden wir über Abweichungen vom Ideal? Und wer hat ein Interesse daran, dass wir uns nicht ablenken lassen und auf eine Aufgabe konzentrieren?

Der Buchausschnitt schließt jedenfalls mit einem eindeutigen Appell: „Wir brauchen jetzt, wie ich glaube, eine Aufmerksamkeitsbewegung, die unser Denken zurückfordert.“

Wie auch immer: Aufmerksamkeitsspannen und -defizite spielen natürlich auch eine Rolle, wenn wir über Bildungs- und Lernprozesse nachdenken. Siehe zum Beispiel das Stichwort „Microlearning“.
Johann Hari, NZZ, 26. Januar 2022 

„Digitale Kompetenzen“ sind keine vierte Kulturtechnik – und dennoch von elementarer Bedeutung

Digitale Kompetenzen sind keine vierte Kulturtechnik, so Jöran Muuß-Merholz, weil die Digitalisierung auch die traditionellen Kulturtechniken – also Schreiben, Lesen und Rechnen – grundlegend verändert. Mit dem Abschieben der Digitalisierung in einen eigenständigen Bereich bestünde eher die Gefahr, diesen Veränderungen nicht aufmerksam genug zu begegnen.

Ein weiteres, kurzes Video (6:20 Min.) aus der Reihe „Impulse zur Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung von und mit Jöran Muuß-Merholz“, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ).
Jöran Muuß-Merholz, J&K – Jöran und Konsorten, 25. Januar 2022

Die Wiederentdeckung der Freude am Lernen

Der Neurobiologe Gerald Hüther hat ja schon einiges zum Thema Lernen geschrieben und gesagt. Auch zum Stichwort „Freude am Lernen“. Hier ein längerer Artikel. Die Einleitung der wb-web-Redaktion bringt die Gedankenlinien sehr gut auf den Punkt:

„Dabei geht der Autor auf das Lernen aus neurobiologischer Sicht ein und betont die Bedeutung der Emotionen für das erfolgreiche und nachhaltige Lernen. Lernen ist ein Merkmal des Lebendigen, das Lernfreude empfindet. Diese kann im Laufe des Lebens verloren gehen, aber auch wiederentdeckt werden. So zeigt Hüther in seinem Beitrag, welche Lernerfahrungen kontraproduktiv für das Lernen und die Lernfreude sind.“

Und noch ein schöner Merksatz des Autors: „Wir könnten unser Zusammenleben also auch so gestalten, dass unsere Freude am Lernen zeitlebens erhalten bleibt. Unsere Gehirne hätten damit kein Problem. Im Gegenteil! Aber damit das geschieht, müssten wir es auch wollen. Das ist unser Problem. Denn wollen kann eine Person so etwas nur, wenn sie sich als Subjekt, als aktiver, lernfähiger und selbstverantwortlicher Gestalter ihres Zusammenlebens mit allen anderen Lebewesen versteht.“
Gerald Hüther, wb-web, 17. Januar 2022

Learning Design: ist das wichtig für die Erwachsenenbildung?

Wer sich mit dem Thema „Online-Lernen“ beschäftigt, wird auch dem Stichwort „Learning Design“ schon begegnet sein. Learning Design greift weiter als die klassische „Kursplanung“ oder das „Curriculum-Design“, aber auch als „Instructional Design“, das ja fast ausschließlich für die Gestaltung des Online-Lernens verwendet wird. Learning Designer, so Heike Kölln-Prisner, stellen die Bedürfnisse, Erfahrungen, Wünsche der Lernenden in den Mittelpunkt und haben dabei alle Komponenten einer Lernumgebung, analog wie digital, im Blick. Methoden wie Design Thinking helfen ihnen dabei, entsprechende Lernszenarien zu entwickeln.

Natürlich, so das Plädoyer von Heike Kölln-Prisner, würde die Perspektive des Learning Design auch der Erwachsenenbildung heute gut stehen. Gerade, wenn die Gestaltung hybrider Lernumgebungen mehr und mehr den Lernalltag bestimmt. Wie man sich ganz praktisch dem Thema „Learning Design“ nähern kann, zeigt sie ausführlich am Beispiel eines EU-Projekts unter Leitung des University College London, „ABC Learning Design“.
Heike Kölln-Prisner, Electronic Platform for Adult Learning in Europe (EPALE), 14. Januar 2022

Bildquelle: manfredsteger (pixabay)

Rezension: Grotlüschen, A., Pätzold, H.: Lerntheorien: in der Erwachsenen- und Weiterbildung (2020)

Um mich selbst etwas zu disziplinieren (mehr Bücher über Bildung und Lernen lesen!), habe ich zwischen den Jahren hier auf dem Blog eine Rubrik „Book Reviews“ angelegt. Und ein erstes Buch von meinem Stapel genommen und zusammengefasst. Den Anfang macht „Lerntheorien“ (2020) von Anke Grotlüschen und Henning Pätzold. Weitere sollen im Monatstakt folgen …
Jochen Robes, 22. Dezember 2022

Top 10 Buchempfehlungen zum Thema Lernen aus 2021

Dieser Beitrag macht mir ein schlechtes Gewissen. Matthias Wiencke breitet hier die Bücher zum Thema „Lernen“ aus, die er in diesem Jahr gelesen hat. Und einige davon liegen gerade in Sichtweite und warten auf die nächste Auszeit bzw. einen ruhigen Moment (über Weihnachten, ganz, ganz sicher!). Wie auch immer, ganz oben stehen auf der Liste von Matthias Wiencke „New Work braucht New Learning: Eine Perspektivreise durch die Transformation unserer Organisations- und Lernwelten“ von Jan Foelsing und Anja Schmitz sowie „Das neue Lernen heißt Verstehen“ von Henning Beck. Das sind gute Startpunkte …
Matthias Wiencke, LernXP: LernExplorer Podcast und Blog, 18. Dezember 2021

Bildquelle: Matthias Wiencke

Ich kann nicht mehr!

Ich nehme diesen interessanten Erfahrungsbericht von Nele Hirsch gerne mit in die Weihnachtstage! Er ist weniger ein Eingeständnis der eigenen Erschöpfung als ein lautes Nachdenken darüber, wie wir nach fast zwei Jahren Pandemie mit solchen Momenten umgehen. Nele Hirsch schildert ihre Gedanken aus der Perspektive „einer freiberuflich arbeitenden Pädagogin, die nicht institutionell eingebunden ist“. Aber ihre Stichpunkte – von „Offen kommunizieren“ bis „Krise als kollektiver Lernprozess“ passen sicher für viele, die im Bildungs- oder Weiterbildungsbereich arbeiten. Zum letzten Punkt merkt sie an:

„Was mir ein bisschen fehlt, ist Kommunikation darüber, wie man vom einen zum anderen kommt, d.h. Erfahrungsberichte, was man tun kann, gegen lähmende Erschöpfung und Ausgebranntsein. Besonders großartig fände ich es, wenn wir alle die derzeitigen Schwierigkeiten nicht nur als Anstoß zu mehr individueller Achtsamkeit verstehen, sondern vielmehr als kollektive Lernherausforderung, die dringenden Änderungsbedarf sichtbar macht. Die grundlegende Frage wäre dann nicht: ‘Wie kann ich besser funktionieren?’, sondern: ‘Was ist das für ein Bildungssystem, in dem wir alle immer funktionieren müssen – und wie könnte es anders sein?’“
Nele Hirsch, eBildungslabor, 16. Dezember 2021

Bildquelle: Matthäus-Heinrich (Wunderstock, CC0)

Was ist Neuroandragogik?

Der Artikel, das vorweg, kann nicht einlösen, was sein Titel verspricht. Einleitend heißt es: „Die Neuroandragogik befasst sich sowohl mit der Anatomie und Physiologie des erwachsenen Gehirns als auch mit den kognitiven Funktionen der für die Intelligenz, das Gedächtnis und das Lernen verantwortlichen Gehirnregionen.“

Es folgt eine kurze Aufzählung bekannter didaktischer Grundsätze – von der aktiven Einbeziehung der Lernenden bis zu dem Hinweis, dass aussagekräftige und für die Einzelnen relevante Informationen den Lernprozess bzw. Lernerfolg unterstützen. Es schließt mit einem Hinweis auf die Methode „Elevator Pitch“. Den habe ich mir notiert.
Ieva Margeviča-Grinberga, EPALE – Electronic Platform for Adult Learning in Europe, 29. Oktober 2021

Bildquelle: Annie Spratt (Unsplash)

Online-Workshop: BMBF Projekt Open Source Metabildungsplattform

Die CampusSource Geschäftsstelle hatte vor einigen Tagen zu einem Workshop eingeladen, der sich mit der Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform befasste. Die Nationale Bildungsplattform als „Meta-Plattform vernetzter digitaler Bildungsangebote“ wurde ja im Frühjahr 2021 von der Bundesregierung angestoßen, und an verschiedenen Stellen wird bereits an der Entwicklung erster Prototypen gearbeitet (unter anderem: BIRD, Fraunhofer FOKUS/ CLM, L3OOP). Von daher bieten die im Workshop-Programm aufgeführten Institutionen, ReferentInnen sowie die verlinkten Materialien eine gute Gelegenheit, Einblicke in die laufenden Projekte und Diskussionen zu gewinnen. Oder andersherum: Das BMBF bietet jedenfalls keinen mir bekannten Überblick über die Förderprojekte, die seit der Bekanntmachung am 26.04.2021 an den Start gegangen sind.
CampusSource, 9. November 2021

Quelle: Peter Hassenbach (BMBF)