Community Conversations: Audrey Watters on the Early Momentum of Edtech [video]

Okay, das Gespräch ist schon zu Ende, als ich dachte, dass es gerade anfängt. Aber wer schon in den 1990er Jahren mit Computer-based Training zu tun hatte, kann vielleicht etwas mitschmunzeln. In jedem Fall ist es eine schöne Erinnerung an „Teaching Machines: The History of Personalized Learning„, das Buch, das Audrey Watters letztes Jahr publiziert hat.
Audrey Watters und John O’Brien, EDUCAUSE, 28. Januar 2022

Is handwriting better than typing for note taking? Surprisingly, it’s not!

Notizen sind wichtig, ganz egal, ob man handschriftliche Notizen macht, wenn man einem Vortrag zuhört oder ein Buch liest, oder ob man sie direkt am Rechner oder auf dem Tablet eingibt. Und wenn handschriftliche Notizen schon keinen Lernvorteil bedeuten, dann kann man auch gleich die positiven Effekte des Digitalen mitnehmen. Also die Möglichkeiten, Notizen weiter zu bearbeiten, zu verlinken, aufzubewahren, zu drucken usw.

Donald Clark zitiert in seinem Artikel aus einer aktuellen Metaanalyse und arbeitet sich dabei an einem prominenten Artikel ab („The Pen is Mightier Than the Keyboard: Advantages of Longhand Over Laptop Note Taking“). Er merkt dabei aber auch an, dass Notizen keinen Wert an sich, sondern nur den Beginn einer Lernreise darstellen.

„This debate focuses on one issue, the method of note talking but the more important issue is to move beyond note taking to actual learning. Here we know that underlining, highlighting and rereading are not efficient learning strategies. One needs to move towards effortful, generative learning, deliberate, retrieval and spaced practice. Note taking is not an end in itself, merely the start of a learning journey. It is an important bridge to more effortful learning.“
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 29. Januar 2022

Bildquelle: Owen Michael Grech (Unsplash)

Online Coaching Is So Hot It’s Now Disrupting Leadership Development

Noch einmal Josh Bersin: War es gestern noch Gaming, das er als „new killer app“ vorstellt, ist es heute Online-Coaching: „Online coaching has become a white-hot market and it’s totally disrupting leadership development.“ Die neuen Anbieter sind Marktplätze, auf denen Kunden und Coaches zusammengebracht werden. Dazu gehören Assessments, AI, Lernangebote und Entwicklungspläne. Eine wachsende Zahl an Funktionen und Peripherie-Diensten, so der Autor.

Wie immer verlinkt Josh Bersin konkrete Anbieter, zitiert Erfahrungsberichte, skizziert Entwicklungen und spekuliert, wohin die Reise noch führen könnte. Und, ja, dazu gehört auch der obligatorische Satz zum Metaverse. Nun wird hier natürlich vor allem der amerikanische Markt bzw. der Markt internationaler Großunternehmen beschrieben. Vielleicht erklärt das den Hinweis auf die „Demokratisierung des Coaching“: „Every employee, every supervisor, and every manager can now have a coach. When you do business with the vendors listed above, per-session costs can be as low as $200, letting companies invest in coaching for everyone.“
Josh Bersin, Blog, 26. Januar 2022

Bildquelle: Toa Heftiba (Unsplash)

What Could Web3 Mean for Education?

In den letzten Jahren waren es noch Artikel, die vorsichtig nach der Bedeutung der Blockchain für die Bildung gefragt haben. Jetzt ist die Diskussion, so mein Eindruck, breiter geworden. Web 3.0, die Idee eines dezentralen Internets, taucht vermehrt in den Überschriften auf. Darunter gruppieren sich dann Blockchain, Kryptowährungen, NFTs (non-fungible tokens) und DAOs (decentralized autonomous organizations) ein. Und es darf munter spekuliert werden, ob, wie und wann sich Bildungs- und Lernprozesse unter diesen Vorzeichen verändern.

Eine mögliche Richtung: Bildung und Lernen lösen sich von den großen Institutionen und werden auf neuen Marktplätzen zwischen den Beteiligten direkt ausgehandelt. Das liest sich dann zum Beispiel so: „In the vein of MOOC platforms, Web3 systems could make it easier to “unbundle” college courses from degree programs and universities, enabling individuals to sign up for whatever classes they want and instructors to market their courses to consumers directly, says Vriti Saraf, a former charter school teacher and administrator and Teach for America alumna who founded a startup called k20 Educators.“

Aber, so die Autorin, um die neue Welt streiten sich „Missionare“ und „Söldner“, also Menschen mit Visionen und solche auf der Suche nach dem schnellen Geld. Und dann kommt noch das Metaverse hinzu, das im Artikel gleich zum Eduverse mutiert. Kurz: Wer seinen Ideen und Fantasien einmal freien Lauf lassen möchte, wird in diesem Beitrag fündig. Aber, das sei hinzugefügt, es kommen auch Skeptiker zu Wort: „Not everyone is sold on this vision, though. Blockchain credentials are currently “a solution in search of a problem,” says Kevin Werbach, a professor of legal studies and business ethics at the Wharton School at the University of Pennsylvania.“
Rebecca Koenig, EdSurge, 24. Januar 2022

Bildquelle: Hitesh Choudhary (Unsplash)

„Heutzutage kann man kein normales Gehirn besitzen“ – der moderne Mensch leidet an einem kollektiven Aufmerksamkeitsdefizit. Wie gewinnen wir unser Denken zurück?

Ein lesenswerter Text über ein häufig diskutiertes Phänomen: unser wachsendes, durch Smartphones und Social Media verursachtes Aufmerksamkeitsdefizit. Der Autor nähert sich dem Thema in einer interessanten Mischung aus Selbstbeobachtung und Selbstversuchen, Experteninterviews und Analysen. Das Problem, da besteht für ihn kein Zweifel, besteht. Er sieht dringenden Handlungsbedarf und hat deshalb ein ganzes Buch über das Thema geschrieben („Stolen Focus. Why You Can’t Pay Attention – and How to Think Deeply Again“). Ein Ausschnitt aus diesem Buch liegt hier in der NZZ vor.

Der Text liefert viele Stichworte, über die man jetzt diskutieren könnte: Handelt es sich beim Aufmerksamkeitsdefizit wirklich um ein Krankheitsbild oder vielleicht doch um einen gesellschaftlichen Veränderungsprozess, den man gelassen konstatieren kann? Wie messen wir eigentlich die Konzentrationsfähigkeit des Menschen und wann reden wir über Abweichungen vom Ideal? Und wer hat ein Interesse daran, dass wir uns nicht ablenken lassen und auf eine Aufgabe konzentrieren?

Der Buchausschnitt schließt jedenfalls mit einem eindeutigen Appell: „Wir brauchen jetzt, wie ich glaube, eine Aufmerksamkeitsbewegung, die unser Denken zurückfordert.“

Wie auch immer: Aufmerksamkeitsspannen und -defizite spielen natürlich auch eine Rolle, wenn wir über Bildungs- und Lernprozesse nachdenken. Siehe zum Beispiel das Stichwort „Microlearning“.
Johann Hari, NZZ, 26. Januar 2022 

„Digitale Kompetenzen“ sind keine vierte Kulturtechnik – und dennoch von elementarer Bedeutung

Digitale Kompetenzen sind keine vierte Kulturtechnik, so Jöran Muuß-Merholz, weil die Digitalisierung auch die traditionellen Kulturtechniken – also Schreiben, Lesen und Rechnen – grundlegend verändert. Mit dem Abschieben der Digitalisierung in einen eigenständigen Bereich bestünde eher die Gefahr, diesen Veränderungen nicht aufmerksam genug zu begegnen.

Ein weiteres, kurzes Video (6:20 Min.) aus der Reihe „Impulse zur Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung von und mit Jöran Muuß-Merholz“, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ).
Jöran Muuß-Merholz, J&K – Jöran und Konsorten, 25. Januar 2022

Der Einfluss der Pandemie auf die deutsche Hochschullehre – zwei Perspektiven

Noch agieren die Hochschulen im Corona-Modus. Aber das Nachdenken über die Hochschullehre, über die durch Corona losgetretenen Veränderungen und über die Frage nach dem, was davon bleibt, hat bereits begonnen. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen) weist auf verschiedene Herausforderungen hin, die nicht durch die digitale Lehre gelöst werden konnten. Zum Beispiel die Teilhabe der Studierenden am gesellschaftlichen Leben. Ansonsten plädiert er für didaktische Innovationen, „mit denen z.B. eine das aktive Lernen intensiviert, stärkere kooperative Lernformen oder eine stärkere Vernetzung mit externen und internationalen Partnern möglich werden“.

Die Autor/-innengruppe AEDiL (eine Gruppe von 16 Hochschullehrenden, die im Projekt „Autoethnographische Beforschung digitaler Lehre und deren Begleitung“ zusammenarbeiten) merkt an, dass nicht die Präsenzlehre, sondern der „Sozialraum Hochschule“ zur Diskussion steht. Man setzt auf kollaborative Reflexionen, „um die eigenen Lehrkompetenzen weiterzuentwickeln und das eigene Verständnis von gelingender Lehre zu hinterfragen. Vor allem, um vermeintliche Selbstverständlichkeiten in der Lehre zu entdecken, diese gemeinsam infrage zu stellen und so aus den Erfahrungen der Pandemie zu lernen.“
Autor/-innengruppe AEDiL, Michael Kerres, werkstatt.bpb.de, 18. Januar 2022

Bildquelle: Pixabay (pexels, CCO)

The Metaverse Is Here, And Why Gaming Is The New Killer App

Josh Bersin erklärt uns, warum Microsoft gerade für 75 Mrd. Dollars das Unternehmen Activision Blizzard, die Entwickler von Call of Duty und Candy Crush, übernommen hat: „Gaming is now the killer app.“ Weiterbildung und Spielen, Business und Unterhaltung gehören zusammen. Oder in seinen Worten:
„Game designers understand this: that’s how they get us hooked on these wonderful games. TikTok, NetFlix, YouTube, Wordle: they’re all growing fast because they’re fun. Not because they’re educational.“

Am Ende erinnert er sich an den Titel seines Beitrags und nimmt auch das Metaverse noch schnell in sein Plädoyer auf.
Josh Bersin, Blog, 25. Januar 2022

Bildquelle: Stem List (Unsplash)

Die Wiederentdeckung der Freude am Lernen

Der Neurobiologe Gerald Hüther hat ja schon einiges zum Thema Lernen geschrieben und gesagt. Auch zum Stichwort „Freude am Lernen“. Hier ein längerer Artikel. Die Einleitung der wb-web-Redaktion bringt die Gedankenlinien sehr gut auf den Punkt:

„Dabei geht der Autor auf das Lernen aus neurobiologischer Sicht ein und betont die Bedeutung der Emotionen für das erfolgreiche und nachhaltige Lernen. Lernen ist ein Merkmal des Lebendigen, das Lernfreude empfindet. Diese kann im Laufe des Lebens verloren gehen, aber auch wiederentdeckt werden. So zeigt Hüther in seinem Beitrag, welche Lernerfahrungen kontraproduktiv für das Lernen und die Lernfreude sind.“

Und noch ein schöner Merksatz des Autors: „Wir könnten unser Zusammenleben also auch so gestalten, dass unsere Freude am Lernen zeitlebens erhalten bleibt. Unsere Gehirne hätten damit kein Problem. Im Gegenteil! Aber damit das geschieht, müssten wir es auch wollen. Das ist unser Problem. Denn wollen kann eine Person so etwas nur, wenn sie sich als Subjekt, als aktiver, lernfähiger und selbstverantwortlicher Gestalter ihres Zusammenlebens mit allen anderen Lebewesen versteht.“
Gerald Hüther, wb-web, 17. Januar 2022

CLP123: Bosch – 2 Wochen – 150.000 Teilnehmer – 354 Sessions

Hinter den beeindruckenden Zahlen stehen die „Global Days of Learning“, die im Oktober 2019 bei Bosch stattfanden. Nina Lumpp und Natasa Jankovic (Bosch Training Center) erzählen in diesem Podcast (40:01 Min.), was sich in den zwei Wochen abspielte. Im Mittelpunkt stand das Mit- und Voneinander-Lernen und damit der Blick auf eine Lernkultur, die nicht nur formale Kurse und Trainingsangebote, sondern auch das informelle Lernen umfasst.

Zwei Wochen lang waren die Mitarbeitenden eingeladen, selbst Sessions via MS Teams anzubieten. Die Initiatoren stellten Plattform, Kalender und Kategorien, warben in Netzwerken (auch via LinkedIn!) und bei Führungskräften fürs Mitmachen und gaben Tipps zur Umsetzung. Alles war möglich. Die meistbesuchte Session hatte, wenn ich richtig zugehört habe, den Titel „How to become a PowerPoint-Ninja“. 

Das Feedback, wen wundert es, war durchweg positiv. Man will am Thema „informelles Lernen“ dranbleiben. Viele Punkte, das nur am Rande, haben mich an das Projekt „LEX – Lernen von Experten“ der Deutschen Telekom erinnert.
Karlheinz Pape, Gespräch mit Nina Lumpp und Natasa Jankovic, Corporate Learning Community/ Podcast, 21. Januar 2022