Essay von Habermas: Es bleibt die Literatur

So viel Zeit muss sein: Jürgen Habermas hat über die sozialen Medien nachgedacht. Arno Widmann wiederum hat den Essay gelesen und zusammengefasst. „Jürgen Habermas sieht unsere politische Zukunft durch die sozialen Medien bedroht. Hoffnung macht ihm die Asozialität von Kunst und Literatur.“

Noch ein halbes Zitat: „Habermas sieht die Gefahr, dass „sich die Meinungsbildung in den zersplitterten und gleichzeitig von selektiven Standards entlasteten Kommunikationsblasen gegen die rationalisierende Kraft einer diskursiven Vielfalt der Beiträge immunisiert.“
Arno Widmann, Berliner Zeitung, 28. Juni 2020

Bildquelle: Wolfram Huke (Wikipedia, CC BY-SA)

LearningLab – Eine zeitgemäße Architektur für digitale Lernangebote

Eigentlich liegt mit dieser Broschüre (37 S.) ein kompletter Fahrplan für ein Weiterbildungsangebot für ErwachsenenbildnerInnen vor: Ausgangslage, Konzeption, Gestaltung, Umsetzung, alles wird detailliert und mit viel Hintergrundmaterial beschrieben.

Das Angebot, „LearningLab“ genannt, wurde, wenn ich es richtig lese, 2019 als Förderprojekt in Berlin entworfen und umgesetzt. Den TeilnehmerInnen wurde ein Rahmen geboten, um – mit Blick auf die Anforderungen wie Möglichkeiten der Digitalisierung – ihre eigenen Bildungsangebote zu überprüfen bzw. zu modernisieren.

Im Vordergrund standen die selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung und die Arbeit an einem selbstgewählten Praxisprojekt. Deshalb wurde das LearningLab als „Social Blended Learning“ konzipiert. Drei Präsenzveranstaltungen, zwei Webinare und eine kollaborative Lern- und Arbeitsumgebung. Slack und Zoom kamen unter anderem zum Einsatz. Acht von elf TeilnehmerInnen haben bis zum Ende durchgehalten. Alle waren sehr zufrieden. Wie gesagt, Ablauf, Bausteine und Ressourcen werden genau beschrieben. Das Heft steht unter einer CC-Lizenz online zur Verfügung. Eine runde Sache.

Lisa Kammerer und Maximilian Welter, k.o.s GmbH (Hrsg.), Dezember 2019 (via EPALE – E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa)

Bildquelle: LearningLab

Personaler als Netzwerker – Realität oder Illusion?

Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement an der HTWK Leipzig, Blogger und eifriger Twitter-Nutzer, beklagt die fehlende Begeisterung der Personaler für das Netzwerken und die sozialen Netzwerke. Dabei liegt der Nutzen für ihn auf der Hand: sowohl für ihre Arbeit und Akzeptanz im Unternehmen wie auch für ihre eigenen Lern- und Wissensprozesse.

„Das Agieren in Netzwerken aber auch der Aufbau und die Pflege von Netzwerken und Communities wird zunehmend zum Erfolgsfaktor einer modernen Personalarbeit. Soziale Netzwerke, Blogging und HR sehe ich künftig als untrennbaren Zusammenhang!“
Peter M. Wald, Leipziger HRM-Blog, 10. Februar 2020

Das Etherpad-Prinzip weitergeführt: 5 Tools für spezifische Kollaborationsherausforderungen

Wer gerne mit neuen Tools und Methoden in der Bildung bzw. in Lernzusammenhängen experimentiert, sollte den Newsletter („EduMail“) von Nele Hirsch abonnieren. In der aktuellen Ausgabe stellt sie fünf Tools vor, die dem Etherpad-Prinzip („synchrone Kollaboration, offen nutzbar, hierarchiefrei und möglichst simpel“) folgen und auf neue Zusammenhänge übertragen. Etherpads sind ja web-basierte Editoren, um gemeinsam an Texten zu arbeiten. Aber das funktioniert auch mit Tabellen, Landkarten, Spielfeldern, Zeichnungen und Kanban-Boards, wie Nele Hirsch zeigt.
Nele Hirsch, eBildungslabor, 11. Januar 2020

Education NewsCast 068 – Digitale Weiterbildung – Basics: Social Learning

Nach Blended Learning nun Social Learning: Thomas Jenewein und Christoph Haffner, beide SAP, geben in dieser ersten Episode im neuen Jahr einen Überblick über ein weiteres Basiskonzept der Weiterbildung bzw. digitalen Bildung. Dabei spielen sie sich verschiedene Bälle zu: Sie versuchen sich an einer Definition, betten die Lernform in Konzepte wie das 70:20:10-Modell, den Connectivism und Working Out Loud ein, schlagen den Bogen zu Plattformen und Tools, erzählen von Projekten aus der SAP-Community und schließen mit Pro’s und Con’s sowie persönlichen Tipps.  

Mein kurzes Fazit: Social Learning ist ein schwieriges Thema. Man kann es auf Lernformen beziehen, die in Präsenz oder im virtuellen Raum stattfinden und die – in irgendeiner Form – auf Austausch setzen. Man kann aber auch konstatieren, dass alle Lernprozesse sozialer Natur sind (auch wenn mir hier und jetzt niemand gegenübersitzt, ist der Kontext immer sozialer Natur).

Vielleicht ist es an dieser Stelle hilfreich, stärker mit einigen Unterscheidungen zu arbeiten, um die Qualität von Social Learning in verschiedenen Kontexten herauszuarbeiten: unterschieden werden könnte zum Beispiel zwischen formalen und informellen Lernprozessen, zwischen pädagogischen Konzepten der Informationsvermittlung und des Erfahrungsaustauschs, zwischen dem Austausch in „Work Teams“, „Communities of Practice“ und „Social Networks“ (Harold Jarche).
Thomas Jenewein und Christoph Haffner, Education NewsCast 068, 6. Januar 2020

Twitter-Chats effizient planen und durchführen

Oliver Ewinger hat schon im August diesen ausführlichen Guide online gestellt. Höchste Zeit also, ihn hier zu verlinken. Im Kern ist es eine Einladung, Twitter einmal als Lernwerkzeug zu betrachten und sich, in einem zweiten Schritt, mit dem besonderen Format des Twitter-Chats anzufreunden: „Ein Twitter-Chat ist eine themenbezogene Konversation auf Twitter mit vielen Beteiligten.“

Da dieses Format selbst unter Twitter-Nutzern wenig bekannt ist, lohnt es sich, die bisherigen Chat-Erfahrungen in einem Vorgehensmodell zusammenzufassen. Vorab versucht Oliver Ewinger zudem, das Format „Twitter-CHat“ auch theoretisch/ didaktisch einzuordnen (informelles Lernen, Microlearning, peer-to-peer). Und überprüft wurde das Vorgehensmodell schlussendlich auch schon und zwar im Rahmen der Corporate Learning Community (#CLchatDE).
Oliver Ewinger, 25. August 2019 (via ResearchGate)

Bildquelle: Oliver Ewinger (#CLchatDE auf der LEARNTEC am 30.01.2019)

What Is Social Learning? 6 Essential Elements Of A Successful Social Learning Strategy

Nach einem kurzen Hinweis, dass Social Learning nicht mit Social Media gleichzusetzen ist, kommt der Artikel zur Sache. Hier die sechs Punkte:
„1. Facilitates In-House Knowledge Sharing …
2. Incorporates Live Models That Foster Real-World Application …
3. Includes Gamification Elements To Motivate Employees And Boost Collaboration …
4. Grabs Employee Training Participants’ Attention By Building Interesting And Eliminating Distractions …
5. Makes The Most Of Social Media To Foster Meaningful Exchange …
6. Includes Visual Reinforcement Tools To Improve Knowledge Retention …“

Social Learning, daran lässt der Artikel keinen Zweifel, wird von Bildungsexperten und Trainern angestoßen und moderiert.
Christopher Pappas, eLearning Industry, 15. September 2019

Knowledge Management and Reuse in Virtual Learning Communities

Nehmen wir zum Beispiel die Corporate Learning Community. Unzählige Aktivitäten, von den großen Camps, den Webinaren, den MOOCs bis zu den regionalen Netzwerktreffen, auf verschiedenen Plattformen wie Twitter, Facebook oder Xing. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel User-Generated Content, entwickelt von den Mitgliedern des Netzwerks. Regelmäßig gibt es Versuche, hier etwas Ordnung zu schaffen und Orientierung zu bieten. Konventionen wie Hashtags gehören dazu. Auch das Aufbereiten von Ereignissen und Themen für die Webseite colearn.de in Form von Blogbeiträgen oder Regionalseiten ist ein Versuch, Erfahrungen für andere zugänglich zu machen. Aber diese Anstrengungen laufen den wirklichen Aktivitäten natürlich immer hinterher, und es ist immer wieder eine Abwägung, ob man seine Energie lieber in die Aufbereitung vergangener oder in die Planung zukünftiger Aktivitäten steckt.

Das als Vorspann. Denn der vorliegende Artikel nimmt genau diese Frage auf: „One of the main sources of knowledge in the web is the social networks and especially online communities because they contain human experiences which are considered as a rich source of information. This knowledge is in the most cases unstructured and is in the form of discussions organized generally by topics. If that knowledge could be represented and stored in order to be reused, it would facilitate the knowledge acquisition by members.“

Um hier eine Antwort zu finden, schauen sich die AutorInnen zuerst bereits vorliegende Studien zum Thema an. Einen Ausgangs- bzw. Vergleichspunkt bietet ihnen der „Knowledge Reuse Process“ (M. Lynne Markus). Anschließend entwickeln sie ein eigenes „Framework for Knowledge Management in Virtual Learning Communities“ (1. Content extraction and normalization; 2. Knowledge extraction; 3. Knowledge capitalization, formalization and storage; 4. Knowledge recommendation). Eine schnelle Lösung des Problems ist jedoch nicht sichtbar. Wie auch immer: Ohne maschinelle Unterstützung (Natural Language Processing) wird es nicht gehen.
Houda Sekkal, Naila Amrous und Samir Bennani, International Journal of Emerging Technologies in Learning, Vol 14, No 16, August 2019

Bildquelle: Chris Potter (Flickr, CC BY 2.0)

Messenger-Projekt: Der Mauerfall und ich

Ein weiteres Messenger-Projekt ist gestartet. Messenger-Projekt heißt: Wir können einem Protagonisten und seinen Nachrichten über einen Dienst wie WhatsApp oder Telegram folgen. Im letzten Herbst war es Kurt Eisner („Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern“), dann folgte Joseph von Fraunhofer („Hallo, Joseph! #WHATSNEXT“) und jetzt die fiktive 19-jährige Leipziger Studentin Kathrin, die uns an ihrer persönlichen Geschichte des Herbstes 1989 teilhaben lässt. In der Ankündigung heißt es: „Zusätzlich zu den Nachrichten werden zentrale Begriffe aus der DDR-Geschichte und der Friedlichen Revolution erklärt und sind direkt im Messenger abrufbar. Nutzer können Kathrin auch zurückschreiben und eigene Fragen stellen.“

Storytelling via Messenger-Projekt. Ich habe mich jedenfalls gleich angemeldet und die erste Nachricht von Kathrin erhalten …

Bundeszentrale für politische Bildung, August 2019

Geschichte lernen per Messenger

Noch einmal 5:04 Minuten über ein Bildungs-Highlight der letzten Monate, das digitale Storytellingprojekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner!“ BR-Redakteurin Eva Deinert berichtet über die Überlegungen, die zum Projekt führten, sowie einige Herausforderungen, die entstehen, wenn historische Komplexität auf einen Kurznachrichtendienst trifft.
Theresa Samuelis, Interview mit Eva Deinert, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 18. Juni 2019

Bildquelle: Unbekannt (Wikipedia)