The crisis of the college degree

Lange Zeit bildete der Hochschulabschluss die Eintrittskarte in das Berufsleben. Das, so heißt es in der Studie „The Future of the Degree: How Colleges Can Survive the New Credential Economy“, beginnt sich zu ändern. Im Zeiten des lebenslangen Lernens sind Abschlüsse gefragt, die nicht die an einer Hochschule verbrachten Jahre, sondern die Kompetenzen der Lernenden widerspiegeln. Die Rezension der Studie geht auf verschiedene Entwicklungen und Veränderungen ein, aber am interessantesten sind aus meiner Sicht die folgenden Trends, die zukünftige Qualifikationen prägen sollen:

1. Instead of paper records housed by universities, credentials will be electronic assets belonging to the learner and maintained in a virtual network using the same blockchain technology that makes cryptocurrencies like bitcoin safe and decentralized. MIT has already awarded its first diplomas through this method.

2. In addition to traditional certificates, universities will grant new types of micro-credentials like badges that recognize lifelong learning.

3. Rather than exist as a single document, credentials will need to be communicated through portfolios that demonstrate the knowledge and skills of the bearer.

4. The increasing use of data analytics in hiring decisions could reduce the importance of the certificate, but increase the relevance of specific learning experiences within university.

Esteban Fredin, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 30. Oktober 2017

Bildquelle: Jonathan Daniels (Unsplash)

Universität 4.0 – Gedanken im Vorfeld eines Streitgesprächs

Im Umfeld der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) mit dem überraschenden Titel „Universität 4.0“ haben jetzt einige Referenten und Referentinnen ihre Beiträge publik gemacht. Dazu gehört auch Gabi Reinmann. Sie hat sich, zur Vorbereitung auf ein Streitgespräch, mit verschiedenen Fragen rund um die Digitalisierung auseinandergesetzt und stellt uns ihre Antworten im Nachhinein zur Verfügung. Im Grunde sind sie alle ein Appell, sich auf die Aufgabe der Universität zu besinnen, „einen verantwortungsvollen Umgang mit der Digitalisierung zu finden“ – und nicht immerzu die gleichen Fragen nach dem Nutzen und Mehrwert digitaler Medien zu beantworten. Was sie als „digitale Grenzgängerin“ aber dennoch, den Vorgaben ihrer Mitstreiter folgend, tapfer tut.

„Es gilt, der Digitalisierung forschend und lehrend, offen und kritisch zugleich zu begegnen – mit einer Idee der Universität als Richtschnur. Es gilt, gerade in der Universität über den Tellerrand der Digitalisierung zu schauen.“

Gabi Reinmann, Hochschuldidaktik, 3. November 2017

My part in the battle for Open (universities)

Wenn ich die Zeilen von Martin Weller über Open Education und seine Arbeit an der Open University lese, kommen mir zwei Gedanken: zum einen frage ich mich, warum ich das deutsche Pendant, die FernUni Hagen, in dieser Diskussion so viel weniger und leiser wahrnehme; und dann überlege ich, ob es nicht vielleicht Zeit für ein Rebranding ist, ob nicht die Vorsilbe „Fern“ etwas aus der Zeit fällt und ob nicht „open“ ein zeitgemäßeres, bildungspolitisches Statement wäre.

Wie auch immer: Martin Weller sieht jedenfalls auch in Zeiten von Massive Open Online Courses noch genügend Gründe für die Existenz einer Open University. Stichworte seines Beitrages sind unter anderem „reclaiming the open history“ und „open educational practice“.
Martin Weller, The Ed Techie, 25. Oktober 2017

What I learned from the ICDE World Conference on Online Learning

Tony Bates war in Toronto auf der World Conference on Online Learning und fasst seine Eindrücke zusammen. Er schreibt zum einen „The future is scary“, denn:

„It is clear that post-secondary education will eventually be targeted on a significant scale by global, highly commercial, digital Internet companies, such as Amazon, Alibaba, and Facebook, and by technologies such as big data, massive online courses, and artificial intelligence.“

Diese Entwicklung wird möglicherweise Bildung kostengünstiger und damit für neue Zielgruppen erreichbarer machen, aber die Bildungsvielfalt reduzieren. „….but there is hope, too“, wenn Bildungsinstitutionen die digitale Transformation selbst aktiv gestalten und staatliche Stellen die Entwicklungen des Bildungsmarktes kritisch begleiten.

Und dann noch: „Printed books are still popular“, zumindest, wenn sie von Tony Bates geschrieben und signiert sind.
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 23. Oktober 2017

A Domain of One’s Own

International, zum Beispiel an der University of Mary Washington, ist es schon länger ein Thema: „A Domain of One’s Own“. Also höchste Zeit, es auch hierzulande einmal auszuloten. So geschehen vor einigen Tagen auf dem ersten Netzwerktreffen für die Hochschullehre, organisiert vom Hochschulforum Digitalisierung. Ein Protokoll des Workshops zum Thema liegt hier vor. Doch was verbirgt sich hinter dem Stichwort „A Domain of One’s Own“?

„Eine Studentin oder ein Student erhält von der Hochschule zu Beginn des Studiums eigenen Webspace inklusive einer eigenen Domain, die sie ab diesem Moment für Lehr- und Lernzwecke, aber auch darüber hinaus als eigene Webpräsenz nutzen kann und darf. Die Nutzung der Domain wird daher idealerweise in Lehre und Lernen an der Hochschule integriert.“

Wenn man es genau nimmt, dann bilden die Projekte und Ideen rund um „A Domain of One’s Own“ das Gegenstück zur Debatte um Edtech & die Personalisierung des Lernens. Vielleicht geht es noch nicht einmal um die Verknüpfung mit der Hochschullehre, sondern um die Frage, wie wir uns in Zukunft souverän und selbstorganisiert im und mit dem Netz bewegen, jenseits von Facebook und Google. Stichworte wie „digital literacy“ und „eportfolio“ fallen fast zwangsläufig im Artikel. Und die Hochschulen bilden biografisch nicht den schlechtesten Startpunkt.

In Berlin haben es die Teilnehmenden im knappen Zeitfenster eines Workshops immerhin geschafft, die Aspekte „Governance, policy and administration“, „Technology, infrastructure, and production“ sowie „Pedagogy, learning and collaboration“ zu diskutieren. Jetzt darf man gespannt sein, ob eine Hochschule den Ball aufnimmt.
Jane Brückner, Markus Deimann und Christian Friedrich, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 4. Oktober 2017

 

How Generations X, Y, and Z May Change the Academic Workplace

Das Thema ist übertragbar: Wir haben die Silent Generation, Baby Boomers, Generation X, Millennials und Generation Z, die heute nebeneinander in Unternehmen und Organisationen arbeiten und sich in wesentlichen Routinen und Bedürfnissen voneinander unterscheiden, nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit neuen Technologien. Die Autorin macht die Unterschiede zwischen den Generationen und mit Blick auf die Hochschulen an vier Punkten fest: „smartphone use“, „teaching styles“, „the value of college“ und „faculty culture“ und gibt etwas praktische Lebenshilfe. Übertragen auf Corporate Learning wären das: unterschiedliche Anforderungen an den Zugang zu Lernangeboten, an Lehr- und Lernformate und an die Unternehmens- und Lernkultur.
Sarah Brown, The Chronicle of Higher Education, 17. September 2017 (Registrierung erforderlich)

Hamburg gestaltet Zukunft der digitalen Hochschullehre

Ich habe immer noch keine Ahnung, wie man das Akronym HOOU ausspricht. Am besten gar nicht, sondern brav von „Hamburg Open Online University“ sprechen. Die ist nämlich heute, knapp drei Jahre nach der Grundsteinlegung, als „öffentlicher Prototyp“ gestartet. In der Pressemitteilung des Hamburger Senats heißt es einleitend:

„Das digitale Kooperationsprojekt Hamburg Open Online University (HOOU) aller staatlichen Hamburger Hochschulen und des UKE geht heute (19. September 2017) mit einer ersten prototypischen Version ans Netz. Die Kernidee der HOOU ist, dass die Hamburger Hochschulen auf einer gemeinsamen Plattform innovative digitale Lernformate entwickeln, die Studierenden und interessierter Öffentlichkeit gleichermaßen zur Verfügung stehen.“

Der Senat, heißt es, unterstützt die HOOU auch in ihrer weiteren Projektphase von 2017 bis Ende 2018 mit rund 8,86 Millionen Euro (nach 3,7 Millionen Euro für 2015/2016). Da sich das Angebot auch an „Interessierte außerhalb der Hochschulen“ richtet, werde ich in den nächsten Tagen mal schauen, ob das „Nicht-Hamburger“ einschließt.
Freie und Hansestadt Hamburg, Pressestelle, 19. September 2017

It’s official – higher education students want staff to be better with digital, not to use more of it

Diese Studie („Student digital experience tracker 2017“, 40 S., pdf), an der 22.000 Studierende in UK teilgenommen haben, enthält viele Informationen über die Nutzung und die Erwartungen, was den Einsatz digitaler Systeme und Tools im Studium betrifft. Der Titel der Meldung bildet dabei nur einen Teilaspekt. Kapitelüberschriften lauten u.a.: „Access to basic services and digital devices“, „Course-related digital activities“ und „Institutional-level digital provision and support“. Was nach einer ersten Durchsicht, so Stephen Downes, auffällt: Viele Fragen kreisen um die Einbindung digitaler Systeme und Endgeräte und den Online-Zugriff auf Informationen. Themen wie „‚learn‘, ‚experience new things‘, or ‚go beyond the curriculum'“ mit Hilfe neuer Netztechnologien rücken da schnell in den Hintergrund.
Joint Information Systems Committee (Jisc), News, 11. September 2017

Hochschulen brauchen Strategien für das digitale Zeitalter

„Digitalisierung verändert unsere Hochschulen. Diese Veränderung muss gestaltet werden“, heißt es einleitend. Und zwar auf strategischer Ebene. Dabei sehen die Autor*innen zwei Strategien, die sie vorstellen und mit verschiedenen Beispielen unterlegen: a) eine Modernisierungsstrategie, „beispielsweise um existierende Herausforderungen wie die einer zunehmend heterogenen Studierendenschaftzu bewältigen“; b) eine Profilierungsstrategie, wenn Hochschulen die Möglichkeiten der Digitalisierung „mit einer spezifischen institutionellen Identität verknüpfen“. Modernisierung ist die Pflicht, Profilierung die Kür, heißt es. Und: Digitalisierung ist nicht das Problem, sondern das Werkzeug, um mit neuen gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen.

Der Artikel beschreibt wesentliche Themen, die auch im Mittelpunkt der Arbeit des Hochschulforums Digitalisierung stehen. Ich hätte es begrüsst, wenn die Autoren auch die zwei unterschiedlichen, zum Teil widerstreitenden Ziele der Modernisierung, nämlich Effizienz und Innovation, etwas herausgearbeitet hätten. Aber das findet sich vielleicht an anderer Stelle des Sammelbandes.
Jörg Dräger, Julius-David Friedrich, Lisa Mordhorst, Ulrich Müller und Ronny Röwert, in: Rat für Forschung und Technologieentwicklung (austrian council) (Hrsg.): Zukunft und Aufgaben der Hochschulen. Digitalisierung – Internationalisierung – Differenzierung, Wien 2017, S. 263-278

Forschendes Lernen – Vorbereitung für die zukünftigen Herausforderungen im Arbeitsprozess

Wenn Kompetenzen vor allem in der Praxis und im Handeln erworben werden, was bedeutet das für das Studium? Nimmt man die Frage ernst, so Werner Sauter, „rückt die didaktische Verknüpfung von Forschen, Lehren und Lernen in Form des forschenden bzw. forschungsnahen Lernens in den Fokus“. Denn im Prozess des forschendes Lernens durchlaufen Studierende alle Phasen einer Forschung, von der Formulierung der Fragestellung bis zur Präsentation, Diskussion und Reflexion der Erkenntnisse. Die Konsequenzen selbstorganisierter Lernarrangements liegen auf der Hand: „Die Studierenden

– bauen nachhaltig Kompetenzen zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt auf,
– entwickeln ihre Medienkompetenz, um digitale Systeme zum selbstorganisierten Aufbau von Wissen, Qualifikation und Kompetenzen zu nutzen,
– sichern nachhaltig Wissen und Qaulifikation über die Interirorisierung ihrer Erfahrungen,
– bauen ihr persönliches Netzwerk und ihre Netzwerk-Kompetenz weiter aus,
– erarbeiten kollaborativ unter professioneller Begleitung Problemlösungen in Forschungsprojekten.“

Werner Sauter, Blended Solutions Blog, 27. August 2017