Offene Bildungsmaterialien als Weg zu medienpädagogischer Kompetenz für Erwachsenenbildner/innen

Es geht um die Medienkompetenz und die medienpädagogische Kompetenz, die Lehrende in der Erwachsenenbildung heute benötigen. Der Artikel stellt Zusammenhänge dar und verweist auf aktuelle Förderprojekte wie MEKWEP, die sich dem Thema widmen. Aber vor allem wird daran erinnert, dass gerade die Verwendung und die Entwicklung offener Bildungsmaterialien (OER) einen hervorragenden Praxisfall in Sachen Medienkompetenz bietet.
Jan Koschorreck, EPALE – E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa, 31. Juli 2018

Öffentliche Bibliothek als Bildungsplattform – OER für Lernteams in der Stadtbibliothek Köln

Die Bibliothek als Lernort, das ist jetzt eigentlich noch keine Nachricht. Aber es geht um Online-Kurse und um Menschen, die sich zum Lernen und zum Austausch über eben diese Kurse in der Bibliothek verabreden. Okay, Stand heute können sie sich nur in der Stadtbibliothek Köln verabreden. Aber das wird hoffentlich nicht lange so bleiben.

„Bei der re:publica 2018 stellten Philipp Schmidt vom MIT Media Lab und Bettina Scheurer von der Stadtbibliothek Köln in der Session „Fanclub Öffentliche Bibliotheken“ gemeinsam die Idee der Learning Circles in Öffentlichen Bibliotheken vor, die auf dem Konzept der von Philipp Schmidt gegründeten P2P-University basiert. Die Stadtbibliothek Köln bietet inzwischen eine Adaption des Konzeptes für „Lernteams“ innerhalb der Bibliothek an. Im Interview mit OERinfo sprechen sie über die Umsetzung von Lernen in „Lernteams“ in der Stadtbibliothek Köln.“
OERinfo – Informationsstelle OER, YouTube, 28. Juli 2018

Bildquelle: re:publica 2018

7 Things You Should Know About Open Education: Practices

Ich habe diese EDUCAUSE-Serie etwas aus den Augen verloren, aber es gibt sie noch. Hier wird im bewährten Format auf zwei Seiten erklärt, was hinter „open educational practices“ (OEP) steckt. Wichtige Stichworte sind: „a commitment to learner-driven education“ und „new approaches to co-creating knowledge“. Aber es gibt natürlich auch eine Definition:

OEP, das bedeutet „the use/reuse/creation of OER and collaborative, pedagogical practices employing social and participatory technologies for interaction, peer-learning, knowledge creation and sharing, and empowerment of learners”.

Im gleichen Format ist übrigens auch „7 Things You Should Know About Open Education: Content“ erschienen (via Feierabendbier).
Cable Green u.a., EDUCAUSE Learning Initiative (ELI), 12. Juli 2018

Open Educational Resources (OER): Eine Hilfestellung für digitales Lehren und Lernen

„In der beruflichen Weiterbildung ist das Thema bislang wenig bekannt“, schreiben die Herausgeber einleitend. Der Leitfaden (54 S.) soll diese Lücke schließen. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Wikimedia Deutschland. Die einzelnen Kapitel geben einen Überblick über OER, das Urheberrecht, freie Lizenzen sowie den praktischen Umgang mit OER. Empfehlenswert ist das Kapitel „OER für die eigene Arbeit nutzen“, das die verschiedenen Vorteile von OER vorstellt. Abschließend wird noch eine Reihe von weiterführenden Quellen genannt, wie die Informationsstelle OER oder wb-web.
Nele Hirsch, Christina Rupprecht und John H. Weitzmann, DIHK und Wikimedia Deutschland, 2. Aufl., Juni 2018 (pdf)

Twenty Years of Edtech

Beim ersten Überfliegen der Artikel und Links, die während meiner Urlaubszeit in meinen Netzwerken erschienen sind, bin ich bei diesem Überblick hängengeblieben. Martin Weller hat sich zum 20. Geburtstag von EDUCAUSE an einem Stück Technologiegeschichte versucht: „Twenty Years of EdTech“. Von 1998 bis 2018 hat er jedes Jahr mit einer bestimmten Bildungstechnologie verknüpft und diese Auswahl eingeordnet und kommentiert. Über die genaue Zuordnung kann man diskutieren, aber die kurzen Einschätzungen und Wertungen machen das Ganze zu einer lesenswerten Übung – vor allem, wenn man die Geschichte an vielen Stellen unmittelbar erlebt hat.

Hervorheben möchte ich folgende Punkte: Zum einen ist das Interesse an EdTech und seiner Geschichte noch sehr jung. Und die Geschichte beginnt ja weit vor 1998. Eigentlich hat das Nachdenken über EdTech erst 2012, mit dem Start der MOOC-Anbieter und dem Einstieg des Silicon Valley in die Bildung, langsam begonnen.

Zum anderen ist die EdTech-Geschichte gespickt mit Hoffnungen und Erwartungen, die sich (noch) nicht erfüllt haben. Martin Weller zählt zum Beispiel auf: „failed to fulfill their potential“ (Wikis), „never really took off“ (Learning Objects), „remain so full of potential“ (Blogs), „has only just begun“ (Learning Analytics“). Überhaupt nehmen die „offenen“ Bildungstechnologien hier einen breiten Platz ein, was sicher mit der Herkunft und den Erfahrungen des Autors als Professor an der Open University (UK) zusammenhängt.

Martin Weller hat, wie er selbst einräumt, den Fokus mehr auf „Tech“ als auf „Ed“ gelegt. Begriffe bzw. Konzepte wie Blended Learning, die ja gerade im Unternehmenskontext feste Bausteine einer EdTech-Geschichte sind, sucht man vergebens. Aber vielleicht ist das noch einmal eine eigene, separate Perspektive.

Seine Anmerkungen zum Status Quo sind dann noch interessant: AI und Blockchain, meine Kandidaten für das laufende Jahr, hat er bereits für 2016 und 2017 verbucht. Blieben noch Augmented und Virtual Reality und Chatbots, um die er einen Bogen gemacht hat. Sein vorsichtiger Vorschlag für das laufende Jahr: „the dark side of edtech“, und hier verweist er auf Cambridge Analytica und andere Krisenphänomene.

„When we look back twenty years, the picture is mixed. Clearly, a rapid and fundamental shift in higher education practice has taken place, driven by technology adoption. Yet at the same time, nothing much has changed, and many edtech developments have failed to have significant impact. Perhaps the overall conclusion, then, is that edtech is not a game for the impatient.“

1998: Wikis
1999: E-Learning
2000: Learning Objects
2001: E-learning Standards
2002: Open Educational Resources (OER)
2003: Blogs
2004: The LMS
2005: Video
2006: Web 2.0
2007: Second Life and Virtual Worlds
2008: E-Portfolios
2009: Twitter and Social Media
2010: Connectivism
2011: PLE
2012: MOOCs
2013: Open Textbooks
2014: Learning Analytics
2015: Digital Badges
2016: The Return of AI
2017: Blockchain
2018: TBD

Martin Weller, EDUCAUSE Review, 2. Juli 2018

Bildquelle: EDUCAUSE

Open Education bei der re:publica 2018

Bildung auf der re:publica. Ich hatte bisher nur die Gelegenheit, überall mal kurz reinzuhören. Aber die Eindrücke reichen für eine Empfehlung. Free Knowledge, öffentliche Bibliotheken, edulabs, Makerspaces, Domain of One’s Own, natürlich Open Education sind einige Stichworte, die fallen. Referenten waren unter anderem Philipp Schmidt und „Edupunk“ Jim Groom. Kuratiert hat die kleine Sammlung Jöran Muuß-Merholz.
Jöran Muuß-Merholz, Jöran und Konsorten, 7. Mai 2018

Das Hamburger Projekt „Digitale Unterrichtsbausteine“ – Martin Brause im Interview

Ein Blick über den Tellerrand von Corporate Learning: In Hamburg will man den Einsatz digitaler Medien im Unterricht ausbauen und bündelt deshalb Ressourcen und Kompetenzen in einem gemeinsamen Projekt. Im Interview berichtet Martin Brause, Chief Digital Officer der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (BSB), von den Zielen, den Strukturen und den organisatorischen Prozessen des Projekts. Herauskommen sollen am Ende des Tages Open Educational Resources (OER), wobei um die genaue lizenzrechtliche Ausgestaltung der Unterrichtsbausteine wohl noch gerungen wird. Leider sind „benachbarte“ Punkte wie die Ausstattung der Schulen, Kompetenzen und Motivation der Lehrenden, etc. nicht Thema dieses Interviews.
Jöran Muuß-Merholz, Interview mit Martin Brause, OERinfo, 18. April 2018

Open Pedagogy Notebook

„This website is designed to serve as a resource for educators interested in learning more about Open Pedagogy“, heißt es einladend. Grundlage von Open Pedagogy (Notebook) sind die Prinzipien von Open Educational Resources (OER), die 5R’s und Offene Lizenzen, aber dann geht es um praktische Anwendungsfälle und Austausch. Die Seite scheint noch relativ neu zu sein. Der Grundsatzartikel „What is Open Pedagogy?“ ist empfehlenswert. Er spannt einen weiten Bogen, nicht nur zu OER, sondern zu „learner-centered approaches to education“, zu „constructivist pedagogy, connected learning, and critical digital pedagogy“.

Am Ende zählen die Initiatoren, Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, einige Beispiele für Open Educational Practices auf:

„- Adapt or remix OERs with your students. …
– Build OERs with your students.
– Teach your students how to edit Wikipedia articles. …
– Facilitate student-created and student-controlled learning environments. …
– Encourage students to apply their expertise to serve their community.
– Engage students in public chats with authors or experts.
– Build course policies, outcomes, assignments, rubrics, and schedules of work collaboratively with students.
– Let students curate course content. …
– Ask critical questions about “open.” …“

Ich werde Open Pedagogy Notebook mal auf dem Radar behalten.
Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, April 2018

Openness als Gegenstand von Bildungstheorie und Medienpädagogik

Markus Deimann (Fachhochschule Lübeck) hat den Vortrag, den er gerade auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) an der Universität Duisburg-Essen gehalten hat, schon im Netz geteilt. Der Titel lässt erahnen, dass es hier um grundsätzliche Fragen geht, denen ich mit einem kurzen Verweis nicht gerecht werden kann. Markus Deimann will jedenfalls Brücken schlagen: zwischen Hochschulen, digitaler Bildung und Openness. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn der Autor zugibt, dass die Diskussion noch ganz am Anfang steht.

„Der Beitrag beleuchtet die an das Hochschulsystem herantretenden Öffnungsbewegungen wie Open Access, Open Educational Resources und Massive Open Online Courses aus bildungstheoretischer Sicht und diskutiert die medienpädagogischen Implikationen. Als ein System mit einer überaus langen Traditionslinie, verstanden es Hochschulen sehr gut, sich zu etablieren und einen eigenen Code – Wahrheit, mit den Ausprägungen wahr/unwahr – herauszubilden. Diese kulturelle Errungenschaft scheint nun durch die digitale Transformation ins Wanken zu geraten. Somit stellt sich die Frage, wie Hochschulen darauf reagieren können? Als Orientierungsperspektive bietet sich ein neuer Code (Offenheit) an, der durch die oben genannten Öffnungsbewegungen emergiert.“

Markus Deimann, Google Docs, 19. März 2018

Auf ein Wort: OER haben enormes Potenzial für das lebenslange Lernen

In Deutschland ist in Sachen Open Educational Resources (OER) viel passiert in den letzten Jahren. Das betonen Ingo Blees (Koordinator der Informationsstelle OER), Verena Metze-Mangold (Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission) und Jöran Muuß-Merholz (OER-Experte der Bildungsagentur Jöran & Konsorten) in diesem Interview. Aber es geht noch mehr. Eine Schwierigkeit beim Sprechen über OER wird in den Statements auch wieder deutlich: Mal adressiert man Lernende, die Zugang zu Bildung benötigen, mal Lehrende, die Zugang zu Bildungsmaterialien benötigen, ohne sich um Urheberrechte sorgen zu müssen. Und nur im zweiten Fall geht es ausschließlich mit OER weiter.

„Muuß-Merholz: Wenn ich die Perspektive eines Educators irgendwo auf der Welt übernehme, ob in Deutschland oder Kirgisistan oder Swasiland, ob an einer Schule oder Hochschule oder im Weiterbildungsbereich, dann würde ich mir für 2030 wünschen, dass ich mich mit Hilfe von offenen Bildungsmaterialien voll auf meine Pädagogik, ihre Qualität und den Zugang dazu konzentrieren kann. Ich wünsche mir, dass sich Lehrkräfte dann keine Gedanken mehr um juristische, organisatorische oder technische Fragen machen müssen. OER kann viele Antworten liefern, um das Leben der Menschen zu erleichtern, die letztlich für die Bildung vor Ort verantwortlich sind, nämlich der Pädagogen.“

Deutsche UNESCO-Kommission, Newsletter, 1/2018