Sportkurs per Klick: Online- und Blended Learning im Sport

Die Botschaft des Artikels: Digitale Lernformate gehen auch im Sport. Das zeigen zwei Angebote, ein Kletter- und ein Volleyball-MOOC, die in den letzten beiden Jahren durchgeführt wurden und auf große Resonanz stießen.

Wenn ich diese Nachricht lese, bin ich etwas unsicher. Muss man heute noch Sport, Training, Ausbildung und Digitalisierung zusammenbringen? Haben wir nicht YouTube-Channel für alle möglichen Sportarten, Fitness-Gadgets und Self-Tracking, Online-Communities wie Strava und Runtastic, ganz zu schweigen von der digitalen Vermessung des Leistungssports und von eSport? Steht man dann wirklich noch staunend vor einem Volleyball-TrainerMOOC, dessen attraktivstes Merkmal die Tatsache ist, dass er als offizielle Weiterbildung anerkannt wird, „die zur Verlängerung der TrainerInnenlizenz befähigt“?
Karin Kulmer, erwachsenenbildung.at, 9. August 2018

Bildquelle: oncampus

Öffentliche Bibliothek als Bildungsplattform – OER für Lernteams in der Stadtbibliothek Köln

Die Bibliothek als Lernort, das ist jetzt eigentlich noch keine Nachricht. Aber es geht um Online-Kurse und um Menschen, die sich zum Lernen und zum Austausch über eben diese Kurse in der Bibliothek verabreden. Okay, Stand heute können sie sich nur in der Stadtbibliothek Köln verabreden. Aber das wird hoffentlich nicht lange so bleiben.

„Bei der re:publica 2018 stellten Philipp Schmidt vom MIT Media Lab und Bettina Scheurer von der Stadtbibliothek Köln in der Session „Fanclub Öffentliche Bibliotheken“ gemeinsam die Idee der Learning Circles in Öffentlichen Bibliotheken vor, die auf dem Konzept der von Philipp Schmidt gegründeten P2P-University basiert. Die Stadtbibliothek Köln bietet inzwischen eine Adaption des Konzeptes für „Lernteams“ innerhalb der Bibliothek an. Im Interview mit OERinfo sprechen sie über die Umsetzung von Lernen in „Lernteams“ in der Stadtbibliothek Köln.“
OERinfo – Informationsstelle OER, YouTube, 28. Juli 2018

Bildquelle: re:publica 2018

MOOCs in Deutschland, die verpasste Chance

Ja, es stimmt. Deutschland erfüllt viele Voraussetzungen, um auch in der Bildung Exportweltmeister zu sein (bis auf diese kleine sprachliche Hürde vielleicht …). Allein, wir versuchen es nicht einmal. Was Andreas Wittke, Chief Digital Officer bei oncampus, formerly known as mooin, am Beispiel MOOCs ausführt. Die großen, globalen Anbieter haben das Feld der freien Bildung längst geräumt. Hierzulande halten oncampus und openHPI das Fähnchen tapfer hoch. Und jetzt, nachdem 2008 oder 2011 (je nach Lesart) die ersten MOOCs an den Start gingen, wird offiziell über eine „nationale Bildungsplattform“ nachgedacht. Da ist Skepsis angebracht. Oder: „Es bleibt weiterhin spannend.“
Andreas Wittke, Online by Nature, 24. Juli 2018

Bildquelle: geralt (pixabay, CC0)

Analysis of 450 MOOC-Based Microcredentials Reveals Many Options But Little Consistency

Microcredentials: Die Rede ist von Nanodegrees, Specializations und XSeries, um nur einige zu nennen. Seit 2013 gibt es diese neue Währung, die heute von fast jeder MOOC-Plattform angeboten wird. Microcredentials „covers more than a single course but is less than a full degree“. Doch viel weiter reichen die Gemeinsamkeiten nicht, meint die Autorin, die sich bei den verschiedenen Anbietern umgeschaut hat. Wer sich zum Beispiel für das Thema „Business Analysis“ interessiert, findet Kurspakete, die sich im Preis, in der Dauer und im Workload (Arbeitsaufwand) deutlich unterscheiden. Und auch in den Kursinhalten, die allerdings nicht Teil der Untersuchung waren. Ihr Fazit:

„… this analysis points to a lack of consistency among microcredentials, making it difficult to compare them or interpret their significance, for prospective learners and employers alike.“
Laurie Pickard, Class Central, 18. Juli 2018

Bildquelle: Udacity Blog

Inverse Blended Learning in der Weiterbildung für Erwachenenbildner_innen – Eine MOOC-Fallstudie

Offene Lernangebote wie MOOCs haben mit hohen Absprungquoten zu kämpfen, also TeilnehmerInnen, die sich still und leise aus dem Kurs verabschieden. Können hier möglicherweise begleitende Präsenzangebote wie wöchentliche Treffen in Lerngruppen vor Ort helfen? Die AutorInnen berichten von einem MOOC, der diesen Weg gegangen ist. Das Konzept nennen sie „Inverse Blended Learning“, weil hier – im Gegensatz zum Blended Learning – das Online-Angebot den Ausgangspunkt bildet.

Der EBmooc („Erwachsenenbildungs-MOOC“) fand 2017 statt und basierte auf diesem Konzept des „Inverse Blended Learning“. Mit 48,2 Prozent (bei 3.64 registrierten NutzerInnen) konnte der Kurs eine sehr Zertifizierungsquote aufweisen, die deutlich über den bekannten Werten anderer MOOCs liegt. Also haben sich die OrganisatorInnen die Aktivitäten und Rückmeldungen der TeilnehmerInnen genauer angeschaut (Stichwort „Learning Analytics“). Sie vermuten, dass nicht zuletzt das zusätzliche Angebot, sich mit anderen TeilnehmerInnen zu treffen und auszutauschen, zum überraschend hohen Aktivitätslevel über den gesamten Kursverlauf beigetragen hat. Die Ergebnisse der Befragung der AnbieterInnen von Begleitangeboten unterstützen diese Vermutung.
Martin Ebner, Sandra Schön, Mohammad Khalil, Markus Ebner, Birgit Aschemann, Wilfried Frei, David Röthler, in: ZHBW -Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung, 2018/ 1 (via Academia.edu)

Bildquelle: https://erwachsenenbildung.at/ebmooc/

Twenty Years of Edtech

Beim ersten Überfliegen der Artikel und Links, die während meiner Urlaubszeit in meinen Netzwerken erschienen sind, bin ich bei diesem Überblick hängengeblieben. Martin Weller hat sich zum 20. Geburtstag von EDUCAUSE an einem Stück Technologiegeschichte versucht: „Twenty Years of EdTech“. Von 1998 bis 2018 hat er jedes Jahr mit einer bestimmten Bildungstechnologie verknüpft und diese Auswahl eingeordnet und kommentiert. Über die genaue Zuordnung kann man diskutieren, aber die kurzen Einschätzungen und Wertungen machen das Ganze zu einer lesenswerten Übung – vor allem, wenn man die Geschichte an vielen Stellen unmittelbar erlebt hat.

Hervorheben möchte ich folgende Punkte: Zum einen ist das Interesse an EdTech und seiner Geschichte noch sehr jung. Und die Geschichte beginnt ja weit vor 1998. Eigentlich hat das Nachdenken über EdTech erst 2012, mit dem Start der MOOC-Anbieter und dem Einstieg des Silicon Valley in die Bildung, langsam begonnen.

Zum anderen ist die EdTech-Geschichte gespickt mit Hoffnungen und Erwartungen, die sich (noch) nicht erfüllt haben. Martin Weller zählt zum Beispiel auf: „failed to fulfill their potential“ (Wikis), „never really took off“ (Learning Objects), „remain so full of potential“ (Blogs), „has only just begun“ (Learning Analytics“). Überhaupt nehmen die „offenen“ Bildungstechnologien hier einen breiten Platz ein, was sicher mit der Herkunft und den Erfahrungen des Autors als Professor an der Open University (UK) zusammenhängt.

Martin Weller hat, wie er selbst einräumt, den Fokus mehr auf „Tech“ als auf „Ed“ gelegt. Begriffe bzw. Konzepte wie Blended Learning, die ja gerade im Unternehmenskontext feste Bausteine einer EdTech-Geschichte sind, sucht man vergebens. Aber vielleicht ist das noch einmal eine eigene, separate Perspektive.

Seine Anmerkungen zum Status Quo sind dann noch interessant: AI und Blockchain, meine Kandidaten für das laufende Jahr, hat er bereits für 2016 und 2017 verbucht. Blieben noch Augmented und Virtual Reality und Chatbots, um die er einen Bogen gemacht hat. Sein vorsichtiger Vorschlag für das laufende Jahr: „the dark side of edtech“, und hier verweist er auf Cambridge Analytica und andere Krisenphänomene.

„When we look back twenty years, the picture is mixed. Clearly, a rapid and fundamental shift in higher education practice has taken place, driven by technology adoption. Yet at the same time, nothing much has changed, and many edtech developments have failed to have significant impact. Perhaps the overall conclusion, then, is that edtech is not a game for the impatient.“

1998: Wikis
1999: E-Learning
2000: Learning Objects
2001: E-learning Standards
2002: Open Educational Resources (OER)
2003: Blogs
2004: The LMS
2005: Video
2006: Web 2.0
2007: Second Life and Virtual Worlds
2008: E-Portfolios
2009: Twitter and Social Media
2010: Connectivism
2011: PLE
2012: MOOCs
2013: Open Textbooks
2014: Learning Analytics
2015: Digital Badges
2016: The Return of AI
2017: Blockchain
2018: TBD

Martin Weller, EDUCAUSE Review, 2. Juli 2018

Bildquelle: EDUCAUSE

Free MOOCs Face the Music

Es ist nur ein kleiner, weiterer Schritt in dieselbe Richtung: Schon seit längerer Zeit sind die großen MOOC-Provider wie Coursera oder Udacity dabei, das Angebot an offenen, kostenlosen Kursen und Inhalten immer weiter zurückzufahren. edX, als Non-Profit, hinkte dieser Entwicklung etwas hinterher. Zwar müssen Nutzer auch hier für Zertifikate zahlen, aber der Zugang zu den Kursinhalten stand jedem offen. Jetzt wird mit neuen Optionen experimentiert: „On May 3, edX began testing the introduction of a “modest support fee” that will “enable edX and partners to continue to invest in our global learning platform.”

Der Artikel ordnet die Nachricht ein und lässt Beteiligte wie Experten zu Wort kommen.
Lindsay McKenzie, Inside Higher Ed, 14. Juni 2018

Studium digital: Brauchen wir eine nationale Hochschulplattform für Lehre und Weiterbildung?

Für Menschen wie mich, die es noch nicht geschafft haben, die aktuelle „Machbarkeitsstudie für eine nationale Plattform für die Hochschullehre“ zu lesen, hat Ulrich Schmid (mmb Institut) wahrscheinlich diesen Artikel geschrieben. Um mit dem Ende zu beginnen: Der Beitrag schließt mit einem Plädoyer für eine gemeinsame hochschul- und länderübergreifende Bildungsplattform. Das mag als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie wenig überraschend sein, mit Blick auf die Rahmenbedingungen digitaler Bildung ist es aber zumindest herausfordernd.

Ausgangspunkt des Artikels ist die „virtuelle Zurückhaltung“ der deutschen Hochschulen in Sachen digitaler Bildung. Dabei teilt Ulrich Schmid digitale Bildung in drei Marktsegmente ein: a) nutzergenerierter Micro-Content, b) Open Learning und MOOCs sowie c) Virtuelles Studium. Beim Punkt „nutzergenerierter Micro-Content“ kann ich jetzt auf den ersten Blick das Marktsegment nicht so richtig erkennen, aber vielleicht muss man einfach den Begriff hier sehr offen lesen.

Der Artikel führt die bekannten Gründe auf, die hinter der virtuellen Zurückhaltung gesehen werden: von organisatorischen Fragen bis zum fehlenden digitalen Mindset vieler Hochschullehrer*innen – ohne allerdings näher auf diese Gründe einzugehen. Das macht dann auch den nächsten Schritt, die Entwicklung einer nationalen Bildungsplattform, und ihre Einordnung schwer. Ulrich Schmidt gibt dem Projekt mit Blick auf den Markt digitaler Bildung und mögliche Ziele erste Konturen:

„Es bräuchte also wahrscheinlich beides: Einerseits eine technologisch zeitgemäße Plattformlösung, die das vorhandene und künftig entstehende digitale Angebot der Hochschulen maximal vernetzt und erschließbar macht, und andererseits neue Inhalte, Kurse, MOOCs, Video-Lectures aus den Hochschulen heraus, die didaktisch, fachlich und methodisch gleichermaßen attraktiv wie hochwertig sind und daher auf ein breites Interesse der Nutzer aus Hochschulen, Unternehmen und dem privaten Umfeld rechnen dürfen.“

Er nennt das Projekt bildungspolitisch einen „großen Wurf“. Da nicke ich erst einmal, denn die Gründe, die zur „virtuellen Zurückhaltung“ geführt haben, sind ja nicht aus der Welt. Aber vielleicht schließt die Machbarkeitsstudie hier noch einige Lücken …
Ulrich Schmid, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 7. Juni 2018

Lernteams – Eine neue Lernmethode in der Stadtbibliothek

Ich habe ja an dieser Stelle schon ein- oder zweimal auf Stadtbibliotheken verlinkt, die ihren Mitgliedern Zugang zu Online-Kursen anbieten. Die Stadtbibliothek Köln geht jetzt noch einen Schritt weiter: Wer online lernt, kann sich in moderierten Lernteams wöchentlich mit anderen darüber austauschen. Aufhänger können Kurse auf Lynda.com sein, aber auch jeder beliebige MOOC. Mir gefällt die Idee, weil sie online und Präsenz nicht als Gegensätze oder konkurrierende Angebote sieht, sondern beides zu verbinden versucht. Gerade die Infrastruktur vor Ort und ihr Platz in der lokalen Community zeichnet ja Bibliotheken (aber auch Volkshochschulen!) aus. Indem sie aktiv aufnehmen, dass sich ihre Mitglieder heute selbstverständlich in virtuellen Netzen bewegen und dort auch lernen, kommen sie der Idee von Bildung in einer digitalen Welt ein Stück näher.

By the way, die Stadtbibliothek Köln lädt nicht nur zu Lernteams ein. Es gibt eine Digitale Werkstatt, Makerspace Workshops, Maker Kids, Virtuelle Realität, Nao-Roboter, 3-D-Druck und -Scan, Gaming und und und ….

„Man lernt nie aus und am besten lernt man gemeinsam! Unsere Lernteams verbinden die Vorteile des zeitlich flexiblen E-Learnings mit dem Erlebnis, mit anderen zusammen Neues zu entdecken.

Sechs Wochen lang lernen Sie zu Hause zu einem bestimmten, vorher angekündigten Thema an Hand von Online-Kursen von Lynda.com/Video2brain oder MOOCs (Massive Open Online Courses). Die Videotrainings können alle Bibliotheksmitglieder kostenlos über die E-Ausleihe nutzen oder sie sind frei im Netz verfügbar.

Unterstützend bieten wir eine kleine Lerngruppe von maximal 10 Personen an, die sich wöchentlich in der Bibliothek trifft. Während der Teamtreffen können Sie sich über Ihre Erfahrungen austauschen und weiter lernen. Die Gruppentreffen werden moderiert. Pro Kurs ist eine Reihe von sechs Treffen vorgesehen, danach beginnt wieder ein neues Lernteam zu einem neuen Thema.“

Stadtbibliothek Köln

Bildquelle: Raimond Spekking (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

The Second Wave of MOOC Hype Is Here, and It’s Online Degrees

Die Nachricht steht im Titel des Beitrags. 25 verschiedene Online-Degrees zählt Dhawal Shah bereits, der den MOOC-Markt vom ersten Tag an aufmerksam beobachtet. Für die Hochschulen (ich glaube, es sind derzeit vor allem amerikanische Hochschulen) bilden die MOOC-Plattformen wie Coursera oder edX offensichtlich attraktive Marketing-Kanäle, mit denen sie neue Zielgruppen zu erreichen hoffen. Ob die Rechnung aufgeht, ist für Dhawal Shah noch offen:

„The reason I believe we are witnessing a second round of MOOC hype is because the model is still unproven at this point. It is still too early to tell whether the market will support so many MOOC-based degrees, and whether these programs can be sustained at price points so much lower than traditional online or on-campus degrees.“
Dhawal Shah, EdSurge, 21. Mai 2018