Microcredentials: go further, faster

Mal ist die Rede von Badges, mal von Microcredentials. Es sind vor allem die Anbieter von Online-Kursen bzw. MOOCs, die für die neuen Abschlüsse werben. Und Anbieter wie Udacity haben sich mit ihren Nanodegrees gleich eine Marke schützen lassen. Vor diesem Hintergrund verlinke ich hier auf einen aktuellen Prospekt von FutureLearn, der Kursplattform der britischen Open University. Hier erfahren wir, was aus ihrer Sicht Microcredentials auszeichnet:

„They’re accessible“ (100 Prozent online), „They’re fast“ (in kurzer Zeit erworben), „They’re prestigious“ (von renommierten Bildungsinstitutionen entwickelt), „They’re specialised “ (füllen aktuelle Lücken bzw. Nachfragen), „They’re global“ (eine weltweite Lern-Community).

Hinzu kommt: Microcredentials stehen für sich, können aber mit Credit Points verbunden sein und auf höhere Abschlüsse angerechnet werden.
FutureLearn, 28. Januar 2020 

Machen MOOCs Karriere?

Es gibt wieder ein Buch über Massive Open Online Courses (MOOCs)! Der schmale Band (133 S.), herausgegeben von Markus Deimann und Christian Friedl, umfasst sechs Beiträge und ein Nachwort. Der Untertitel verspricht „eine praxisnahe Reflexion über Erfahrungen von Unternehmen“ und so handeln vier Berichte von Unternehmen, die Corporate MOOCs im engeren Sinne, also für ihre Mitarbeitenden, durchgeführt haben:

Audi („Zusammenarbeit 2.0“, Petra Hörn, Frank Günther, Simon Dückert), Credit Suisse („Discover Social Learning“, Sabine Gori), Erste Bank („Expedition Lernen“, Caroline Hasenauer) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit („Discovering Digital Development“, Brigitta Villaronga Walker). Ein anderer MOOC der GIZ richtete sich an ein offenes Publikum („Leadership for Global Responsibility“).

In einem weiteren Beitrag (Jan Renz, Tobias Rohloff) wird die Plattform openSAP mit über 250 Online-Kursen vorgestellt. Und der MOOC „Human Resource Management in the Digital Age“ der German Graduate School of Management and Law lieferte das Material, um über Erfolgsfaktoren für die didaktische Gestaltung von MOOCs nachzudenken (Karina Piersig, Martina Pumpat, David Wagner, Andreas Eckhardt).

Doch was unterscheidet einen Corporate MOOC nun von einem MOOC auf einem der großen Plattformen wie Coursera, Udacity oder edX? Das ist vor allem und zuerst natürlich die Größe der Zielgruppe. Sie reicht von 37 (Erste Bank) über 107 (Credit Suisse) und 706 (Audi) bis zu 3.592 Teilnehmenden (GIZ). An Kursen im Ökosystem der SAP nehmen aber auch schon mal über 12.000 Interessierte teil. Hinzukommt, dass es sich bei Corporate MOOCs häufig um Projekte handelt, die ein strategisches Ziel verfolgen und sich nicht unmittelbar „rechnen“ müssen. Das kann mit Blick auf den enormen Aufwand, der mit Entwicklung und Durchführung eines MOOCs verbunden ist, Fluch und Segen zugleich sein. Auch davon berichten die AutorInnen dieses Bandes. Schließlich: Corporate MOOCs bewegen sich in der Kultur und Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Auch diesen Kontext machen die Beiträge transparent.  

Ansonsten bilden auch die hier vorgestellten Corporate MOOCs eine bunte Vielfalt an Lösungen ab: mal wollen sie als cMOOCs Vernetzung und Austausch fördern, mal setzen sie mehr auf die Vermittlung von Inhalten. Mal wird mit Badges experimentiert, mal auf besondere Formen der Partner- und Gruppenarbeit (Communities, Lernbuddies) gesetzt. Alle Projektteams haben konkrete Redaktions- und Ablaufpläne entwickelt, die zum Teil sehr detailliert in den einzelnen Beiträgen vorgestellt werden. Und alle Konzepte versuchen, durch konkrete, aber unterschiedliche Aufgaben die Beteiligung und den Lerntransfer der Teilnehmenden sicherzustellen. Auch hierüber gibt es viel Anschauungsmaterial.

Corporate MOOCs sind in der Regel „Einzelstücke“. Sie binden Ressourcen und benötigen Engagement, dauern zwischen drei Wochen und sechs Monaten (sechs Wochen bilden die Regel in diesem Band) und bedeuten ein enormes Investment auf Seiten der Lernenden wie der ModeratorInnen. „Fünf Wochenstunden Lernzeit“ bilden eine Obergrenze. Für den Aufwand der ModeratorInnen gibt es keine.

Als Erfolgsfaktoren für MOOCs werden im entsprechenden Beitrag genannt: 1. Einbindung von Praxispartnerinnen und-partnern, 2. Bildung von Lerngruppen, 3. Projektbasierte Übungsaufgaben, 4. Ergebnispräsentationen und Prozessfeedback, 5. Proaktives Communitymanagement, 6. Rahmung durch ein Auftakt- und ein Abschlussmodul. Dadurch, so die These, gelingt es, Engagement und Zufriedenheit hochzuhalten und den Lernerfolg zu fördern.  

Nun fragt der Titel des Buches: „Machen MOOCs Karriere?“ Nehmen wir die Lesart „Sind MOOCs ein Erfolgsmodell?“ Die meisten der vorgestellten Projekte wurden zwischen 2014 und 2016 umgesetzt. Seitdem haben sich weitere Unternehmen am Konzept versucht (und darüber berichtet!), wie zum Beispiel die Telekom, ZF, SAP, Swisscom, Union Investment. Die Corporate Learning Community hat zwei MOOCs (2015 und 2017) durchgeführt, an denen sich eine Reihe weiterer Unternehmen beteiligt hat. Das Format „Corporate MOOC“ ist heute also in Großunternehmen bekannt, aber es boomt nicht. Dabei bietet es unbestritten OrganisatorInnen, ModeratorInnen und TeilnehmerInnen eine große Chance, neue, unmittelbare und vielfältige Lernerfahrungen mitzunehmen.

Was sich vielleicht in den letzten Jahren verändert hat: Neben cMOOCs stehen heute weitere Formate, die die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch unterstützen: BarCamps, Hackathons, Working Out Loud-Circles und (wieder) Communities of Practice sowie verschiedene Work Hacks/ Learn Hacks, die im Umfeld agiler Organisationsentwicklung entstanden sind.               

Zusammengefasst: Die Erfahrungsberichte des vorliegenden Bandes lösen ihr Versprechen ein und liefern Corporate Learning-PraktikerInnen, die mit der Entwicklung eines MOOCs liebäugeln, detaillierte Blaupausen und AnsprechpartnerInnen. Vielleicht hätte dem Band etwas „Entwicklungs- bzw. Transformationsgeschichte von Corporate Learning“ gutgetan. Aber ich muss leise sein: In einige Projekte, die in diesem Band vorgestellt werden, war ich involviert, und auch an der Herausgabe dieses Bandes hatte ich mich (vergeblich) versucht …
Markus Deimann und Christian Friedl, Springer Gabler (Berlin, Heidelberg), 2020

Corporate Learning MOOCamp 2020

Auf der LEARNTEC in Karlsruhe habe ich zusammen mit Simon Dückert auch das Corporate Learning MOOCamp vorgestellt, das wir als Corporate Learning Community dieses Jahr durchführen wollen. Vier Wochen Online-Diskussionen zu unserem Jahresmotto „Lernräume gestalten – offline, online und hybrid“, verbunden mit den BarCamps im Frühjahr und Herbst. Dafür suchen wir wieder vier Organisationen, die für eine Kurswoche die Rolle des Gastgebers übernehmen wollen. Bewerbungen sind herzlich willkommen! Losgehen soll es übrigens am 20. April. Weitere Stichworte finden sich auf den Slides, die wir in Karlsruhe hochgehalten haben.
Corporate Learning Community, 28. Januar 2020

The Essential Clayton Christensen Articles

Clayton M. Christensen verdanken wir die Theorie der disruptiven Innovation. Aber nicht nur. Weiterbildung bildete einen Arbeitsschwerpunkt des Clayton Christensen Institutes. Und so habe ich auch an dieser Stelle immer wieder auf Artikel über Innovationen in der Weiterbildung, MOOCs und Blended Learning verlinkt, die direkt oder indirekt den Stempel des Institutsgründers trugen.

Clayton M. Christensen ist am 23. Januar 2020 verstorben. Harvard Business Review verlinkt deshalb „the most essential and influential of Christensen’s HBR articles“.

„Clayton M. Christensen is best known for his theory of disruptive innovation, in which he warns large, established companies of the danger of becoming too good at what they do best. To grow profit margins and revenue, he observes, such companies tend to develop products to satisfy the demands of their most sophisticated customers. As successful as this strategy may be, it means that those companies also tend to ignore opportunities to meet the needs of less sophisticated customers — who may eventually form much larger markets. An upstart can therefore introduce a simpler product that is cheaper and thus becomes more widely adopted (a “disruptive innovation”). Through incremental innovation, that product is refined and moves upmarket, completing the disruption of the original company.“
The Editors, Harvard Business Review, 24. Januar 2020

Bildquelle: World Economic Forum (Wikipedia, CC BY-SA 2.0)

From MOOCs to TikTok: The Unexpected Impact of the MOOC Hype

Die Botschaft von Dhawal Shah: „I don’t know if MOOCs changed the world, but the hype itself had an impact.“ Zu dieser Erkenntnis haben ihn folgende Beobachtungen geführt: „Universities teaching online“, „Governments taking notice“, „Large-scale degree programs“, „On-campus impact“, „EdTech and industry growth“. Das, so Dhawal Shah, bleibt, auch wenn die MOOC-Plattformen immer noch mit hohen Abbruchquoten kämpfen und an ihren Angeboten schrauben. Und ein Pfad führt sogar von MOOCs zu TikTok …
Dhawal Shah, Class Central, 12. Januar 2020

Stichwort: Künstliche Intelligenz

Aus dem aktuellen Themenheft von „weiter bilden“ sind einige Beiträge online zugänglich. Auch diese zwei Seiten, in denen Lutz Goertz (mmb Institut) auf einige Meilensteine in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI), auf Merkmale von KI sowie drei Beispiele aus dem Bildungsbereich eingeht: Knewton, AI Coaching und edX. Seine abschließende Empfehlung:

„Doch Vorsicht: Nicht alle kI ­Anwendungen halten, was sie versprechen. Der Lackmus­-Test: Stellen Sie mehrmals die gleiche Anfrage, schauen Sie sich die Rückmeldung des KI-Systems an und geben Sie jeweils hierauf ein unterschiedliches Feedback. Verändern sich die Antworten des Computers? Dies wäre ein Hinweis darauf, dass das System wirklich lernt.“
Lutz Goertz, weiter bilden, 4/2019

The 100 Worst Ed-Tech Debacles of the Decade

Audrey Watters hat den Jahreswechsel zum Anlass genommen, um wieder etwas zu publizieren. Dabei hat sie ihre Jahresrückblicke der Jahre 2010 bis 2019 genommen und eine umfassende Liste erstellt: „chronicle for you a decade of ed-tech failures and fuck-ups and flawed ideas“.

Wer Audrey Watters kennt, kennt auch ihren kritischen Blick. Der gilt aber nicht der Sache „EdTech“, sondern der Industrie, ihren Versprechungen, ihren Verschleierungen und ihrer Ignoranz gegenüber der Geschichte von EdTech. Eine Liste mit 100 Einträgen aus einem Jahrzehnt bedeutet natürlich auch, dass es keinen Trend gibt, der hier heil davon kommt. Vom Flipped Classroom über Badges bis zu Interaktiven Whiteboards. Auf einige Einträge konnte man wetten, wie zum Beispiel den über das Projekt „One Laptop per Child“, das ich auch an dieser Stelle viele Jahre aufmerksam begleitet (und schließlich überlebt …) habe. Einige Beiträge hängt sie an Schlagworten auf, die für einige Zeit die Runde machten, wie „Unbundling Education“ oder „Uber for Education“. Einige widmet sie direkt einzelnen Tools und Plattformen wie Ning, Google Reader und AltSchool. Andere hängt sie populären Forderungen wie „Everyone Should Learn to Code“ auf.

Aber am tiefsten holt sie Luft, als es um MOOCs (4. „The Year of the MOOC“) geht: „The New York Times declared 2012 “the Year of the MOOC.” And I chose „The Year of the MOOC“ rather than „The MOOC“ as the big disaster because I wanted to underscore how much of the problem here was the PR, the over-promising and the universities and startups believing their own hype. …
Investors continued to fund MOOCs nonetheless. … But even with all that venture capital to keep the lights on, MOOCs have had to look for some sort of revenue model. So gone — mostly gone, at least — are the free online courses. Gone are the free certificates. The MOOC revolution simply wasn’t.“

Ihre Liste endet, reichlich desillusioniert, mit einem Eintrag über die Amokläufe an amerikanischen Schulen.
Audrey Watters, Hack Education, 31. Dezember 2019

Bildquelle: Robert Claypool (Flickr, CC BY 2.0)

40 years of ed tech at the OU

Noch etwas EdTech zum Jahresabschluss: Martin Weller, Professor für Educational Technology an der Open University, erinnert daran, warum die Geschichte der Bildungstechnologien für unser Verständnis zukünftiger Entwicklungen so wichtig ist. Aufhänger ist für ihn eines von unzähligen MOOC-Zitaten aus dem Silicon Valley (“higher education is now being disrupted …“). Aber der eigentliche Anlass seines Beitrages ist ein Buch, das sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt, „Educational visions. The lessons from 40 years of innovation“, und das online unter einer offenen Lizenz heruntergeladen werden kann.
Martin Weller, The Ed Techie, 19. Dezember 2019 

Udacity’s 2019: Year in Review

Mit Sebastian Thrun begann ja 2011 die eigentliche MOOC-Welle. Dann gründete er 2012 Udacity. Ende 2013 wendete sich Udacity als erster MOOC-Anbieter der beruflichen Weiterbildung zu, mit einem steigenden Angebot kostenpflichtiger Kurse. Und kurze Zeit später entwickelten sie die ersten Nanodegrees. Von daher lese ich gerade die Jahresrückblicke über Udacity mit großem Interesse.

Über Udacity 2019 schreibt Manoel Cortes Mendez: „2019 was an eventful year for Udacity. After a lackluster 2018 — plagued by underwhelming growth, a decrease in paid enrollments, and a lack of blockbuster Nanodegrees — Udacity needed to react strongly to steady the ship. …
But if we had to condense Udacity’s 2019 in a single sentence, we’d go with “Doing more with less.”“

„Doing more with less“ meint: mehr Kurse bzw. Nanodegrees mit weniger Mitarbeitern. Class Central hat übrigens auch für edX und FutureLearn kurze Jahresrückblicke geschrieben.
Manoel Cortes Mendez, Class Central/ MOOC Report, 11. Dezember 2019

By The Numbers: MOOCs in 2019

Die Zahl der Kurse und Lernenden, sie steigen auch im achten Jahr weiter, berichtet der MOOC-Informationsdienst Class Central. Wobei man sich schwer tut, verlässliche Zahlen der populären chinesischen Anbieter zu erhalten. Und es gibt noch mehr Online-Degrees und Microcredentials, aber nicht mit dem Schwung des letzten Jahres, als Dhawal Shah von der „second wave of MOOC Hype“ und „the year of MOOC-based degrees“ sprach. Weitere MOOC-Reports sollen zum Abschluss des Jahres folgen.
Dhawal Shah, Class Central/ MOOC-Report, 2. Dezember 2019