What We Learned in the “MOOC Moment” Matters Right Now

Ein interessanter, längerer Artikel. Er vergleicht die aktuelle Situation, also die komplette Umstellung auf digitale Lehre, mit Befürchtungen, Erwartungen und Erfahrungen, die mit der Entwicklung von MOOCs einher gingen. Es ist eine amerikanische Sicht, weil MOOCs hierzulande diese Spuren nicht hinterlassen haben. Der Autor jedenfalls hat viele Interviews mit MOOC-Lehrenden geführt, daraus ein Buch gemacht und die gewonnenen Einsichten auf die Corona-Krise übertragen.

Das führt zu interessanten Statements, zum Beispiel: „Online teaching takes A LOT more planning and more support staff than f2f teaching.“ Oder: „Video is a lot harder than you think, and probably overrated.“ Nun könnte man darauf hinweisen, dass der Autor, Steven D. Krause, vor allem institutionelle MOOCs im Blick hat. Aber ich möchte lieber eine seiner Beobachtungen zitieren, die den Einsatz vom Zoom an amerikanischen Hochschulen betrifft:

„My guess is that the Covid-19 crisis will require a lot of universities to make a variety of short and long-term deals with for-profit vendors that could be both beneficial and volatile. A really easy example of that is Zoom, an already popular video conferencing platform that quickly seems to be emerging as the preferred software in higher ed. All of a sudden, EMU has a site license, and I am sure we are not alone. As a result, Zoom’s stock in the last month has gone from about $65 a share in December 2019 to more than $150 a share in late March 2020.“
Steven D. Krause, Blog, 24. März 2020 

Aus der Not eine Tugend gemacht

Sind die Hochschulen (oder: ist die Weiterbildung …) auf die aktuelle Situation vorbereitet, nach drei Jahrzehnten E-Learning-Fördermaßnahmen? Nein, konstatiert Markus Deimann in seiner Kolumne ganz nüchtern. Hier ein opco11 (danke für die Erwähnung!), dort das Hochschulforum Digitalisierung. Die Bilanz ist ernüchternd. Es fehlt Expertise. Ein Notprogramm wird hochgefahren. Hier sein Fazit:

„Wenn – hoffentlich bald – in der Nach-Corona-Zeit die Lehre wieder regulär an den Hochschulen weitergeht, wird es auch wieder ein Zurück in die vordigitale Zeit geben. Es ist dann nicht mehr notwendig, soziale Präsenz durch E-Learning zu ersetzen. Aber notwendig wird sein, sich grundsätzlich über Medien und deren Möglichkeiten Gedanken zu machen. Dafür ist die aktuelle Zeit ein guter „Testlauf“, weil erkennbar wird, was gut und was weniger gut funktioniert und was es braucht, um digitale Bildung wirklich nachhaltig an Hochschulen zu verankern.“
Markus Deimann, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 20. März 2020

Bildquelle: Taken (pixabay)

Corporate Learning MOOCamp 2020

So, die Eckdaten stehen: Das MOOCamp wird in der Zeit vom 20. April bis 29. Mai stattfinden. Sein Motto lautet (natürlich) „Lernräume gestalten – offline, online und hybrid”. Und wir konnten die folgenden Unternehmen gewinnen, eine Kurswoche des MOOCamps zu übernehmen:

Woche 1, ab 27.04.: ZF Friedrichshafen, „Learning Challenge 2020. Corporate MOOC to make learning a habit“
Woche 2, ab 04.05.: Porsche, „Das Porsche Learning Lab. Lernen den richtigen Raum geben“,
Woche 3, ab 11.05.: Viessmann, „Viessmann Akademie. Lost in Space oder: wo finde ich den richtigen Lernraum?“
Woche 4, ab 18.05.: qualityminds, „Individuelle Lernräume. Individuelle Lernräume mit agilien Prinzipien öffnen und gestalten“

Weitere Nachrichten zum Ablauf des MOOCamps folgen in Kürze. Das MOOCamp ist übrigens nur ein Projekt, mit dem wir die Corporate Learning Community auf die neuen, veränderten Rahmenbedingungen einstellen (… wobei das MOOCamp schon vor Corona geplant wurde). Das digitale BarCamp (#CLC20Digital), das kürzlich stattfand, ist ein anderes. Die virtuelle Kaffeebar, die wir als Frankfurter Community (#CLC069) nächste Woche starten, ein weiteres.
Corporate Learning Community, 20. März 2020

Massive List of MOOC-based Microcredentials

Zuerst wird das Feld abgesteckt: „Microcredentials are part of the higher education trend toward modularity and stackability. They involve combining small, individual learning units into broader, cohesive qualifications. In that sense, they live somewhere in the space between single courses and full degrees.“

Seit 2013 gibt es Microcredentials. Alle großen Kursplattformen bieten sie an. Sie heißen Nanodegrees, XSeries, Micromasters, Specializations usw. Es sind weit über 800 und, wenn ich es richtig sehe, listet der Artikel sie alle auf. Aber der Analyst der MOOC-Szene schreibt auch: „The hype around microcredentials has subsided a bit in favor of online degrees.“
Dhawal Shah, Class Central, 16. März 2020

Bildquelle: Class Central

Der verlassene Campus

Ein Stanford-Professor berichtet. Natürlich lautet die zweite Überschrift „Coronavirus-Maßnahmen“. Man musste auch hier über Nacht umstellen: Technik, Tools, Dozenten, Prozesse, Kommunikation. Aber, halt, es ist ja Stanford, die Heimat der Massive Open Online Courses bzw. MOOCs!?

„Das Ganze entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie. Denn plötzlich muss sich die Universität auf die ganzen Technologien verlassen, mit der ihre Abgänger seit mehreren Jahrzehnten die Welt beglücken. Ein Heimspiel sozusagen. Aber während es bei den MOOCs („Massive Online Only Courses“) oder dem Angebot der vom Stanford-Professor Sebastian Thrun gegründeten Firma Udacity darum geht, das traditionelle Lehrmodell zu durchbrechen, muss in diesem Fall traditionelle Lehre simuliert werden – immerhin haben sich die Studierenden ja mit gewissen Grundannahmen in einen Kurs eingeschrieben und die darf man nicht komplett über den Haufen werfen. Besonders experimentell wirkt die Angelegenheit daher nicht. Man ist eher bemüht, die Offlineerfahrung so gut es geht ins Virtuelle hinüberzuretten. Das ist im sonst obsessiv innovativen Silicon Valley (das eigentlich nichts mehr als drei Minuten anschauen kann, ohne es disrupten zu wollen) schon eine etwas seltsame Erfahrung.“
Adrian Daub, ZEIT Online, 10. März 2020

One Course, Three Platforms: How a Popular Programming MOOC Differs on Coursera, edX, and FutureLearn

Okay, nichts Weltbewegendes, aber wenn ein und derselbe Online-Kurs auf drei populären Plattformen angeboten wird, lädt das natürlich zu einem Vergleich ein. Was hat die Autorin festgestellt? a) Es gibt wirklich Unterschiede – vom Preis bis zur Benutzerführung; b) Auf FutureLearn „you may pass the course without writing any code“, denn hier müssen nur die Quizzes, nicht die Programmieraufgaben, erfolgreich bestanden werden; c) Nur auf FutureLearn wiederum gelingt der Austausch: „FutureLearn makes discussions a central part of each course. Each course page includes a discussion section, shortening the distance between material and questions. And this seems to work: there were many participants and a very knowledgeable mentor …“
Pat Bowden, Class Central, 24. Februar 2020

Bildquelle: FutureLearn

Capturing the Hype: Year of the MOOC Timeline Explained

Wer den Anfang der MOOC-Bewegung nicht mitbekommen hat, kann hier eine kleine Zeitreise starten. Alles begann im Juli 2011. Dhawal Shah schreibt:

„In July 2011, Sebastian Thrun announced through his personal Youtube channel that he and Peter Norvig would be offering a Stanford course — CS221 Introduction to AI — online for free at ai-class.org (which now redirects to Udacity, an edtech startup later founded by Thrun).“

Dann ging es weiter, Schlag auf Schlag. Die Geschichtsstunde endet im November 2012, als die New York Times-Reporterin Laura Pappano das Jahr zum „Year of the MOOC“ erklärte.
Dhawal Shah, Class Central/ MOOC Report, 4. Februar 2020

Bildquelle: New York Times

Microcredentials: go further, faster

Mal ist die Rede von Badges, mal von Microcredentials. Es sind vor allem die Anbieter von Online-Kursen bzw. MOOCs, die für die neuen Abschlüsse werben. Und Anbieter wie Udacity haben sich mit ihren Nanodegrees gleich eine Marke schützen lassen. Vor diesem Hintergrund verlinke ich hier auf einen aktuellen Prospekt von FutureLearn, der Kursplattform der britischen Open University. Hier erfahren wir, was aus ihrer Sicht Microcredentials auszeichnet:

„They’re accessible“ (100 Prozent online), „They’re fast“ (in kurzer Zeit erworben), „They’re prestigious“ (von renommierten Bildungsinstitutionen entwickelt), „They’re specialised “ (füllen aktuelle Lücken bzw. Nachfragen), „They’re global“ (eine weltweite Lern-Community).

Hinzu kommt: Microcredentials stehen für sich, können aber mit Credit Points verbunden sein und auf höhere Abschlüsse angerechnet werden.
FutureLearn, 28. Januar 2020 

Machen MOOCs Karriere?

Es gibt wieder ein Buch über Massive Open Online Courses (MOOCs)! Der schmale Band (133 S.), herausgegeben von Markus Deimann und Christian Friedl, umfasst sechs Beiträge und ein Nachwort. Der Untertitel verspricht „eine praxisnahe Reflexion über Erfahrungen von Unternehmen“ und so handeln vier Berichte von Unternehmen, die Corporate MOOCs im engeren Sinne, also für ihre Mitarbeitenden, durchgeführt haben:

Audi („Zusammenarbeit 2.0“, Petra Hörn, Frank Günther, Simon Dückert), Credit Suisse („Discover Social Learning“, Sabine Gori), Erste Bank („Expedition Lernen“, Caroline Hasenauer) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit („Discovering Digital Development“, Brigitta Villaronga Walker). Ein anderer MOOC der GIZ richtete sich an ein offenes Publikum („Leadership for Global Responsibility“).

In einem weiteren Beitrag (Jan Renz, Tobias Rohloff) wird die Plattform openSAP mit über 250 Online-Kursen vorgestellt. Und der MOOC „Human Resource Management in the Digital Age“ der German Graduate School of Management and Law lieferte das Material, um über Erfolgsfaktoren für die didaktische Gestaltung von MOOCs nachzudenken (Karina Piersig, Martina Pumpat, David Wagner, Andreas Eckhardt).

Doch was unterscheidet einen Corporate MOOC nun von einem MOOC auf einem der großen Plattformen wie Coursera, Udacity oder edX? Das ist vor allem und zuerst natürlich die Größe der Zielgruppe. Sie reicht von 37 (Erste Bank) über 107 (Credit Suisse) und 706 (Audi) bis zu 3.592 Teilnehmenden (GIZ). An Kursen im Ökosystem der SAP nehmen aber auch schon mal über 12.000 Interessierte teil. Hinzukommt, dass es sich bei Corporate MOOCs häufig um Projekte handelt, die ein strategisches Ziel verfolgen und sich nicht unmittelbar „rechnen“ müssen. Das kann mit Blick auf den enormen Aufwand, der mit Entwicklung und Durchführung eines MOOCs verbunden ist, Fluch und Segen zugleich sein. Auch davon berichten die AutorInnen dieses Bandes. Schließlich: Corporate MOOCs bewegen sich in der Kultur und Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens. Auch diesen Kontext machen die Beiträge transparent.  

Ansonsten bilden auch die hier vorgestellten Corporate MOOCs eine bunte Vielfalt an Lösungen ab: mal wollen sie als cMOOCs Vernetzung und Austausch fördern, mal setzen sie mehr auf die Vermittlung von Inhalten. Mal wird mit Badges experimentiert, mal auf besondere Formen der Partner- und Gruppenarbeit (Communities, Lernbuddies) gesetzt. Alle Projektteams haben konkrete Redaktions- und Ablaufpläne entwickelt, die zum Teil sehr detailliert in den einzelnen Beiträgen vorgestellt werden. Und alle Konzepte versuchen, durch konkrete, aber unterschiedliche Aufgaben die Beteiligung und den Lerntransfer der Teilnehmenden sicherzustellen. Auch hierüber gibt es viel Anschauungsmaterial.

Corporate MOOCs sind in der Regel „Einzelstücke“. Sie binden Ressourcen und benötigen Engagement, dauern zwischen drei Wochen und sechs Monaten (sechs Wochen bilden die Regel in diesem Band) und bedeuten ein enormes Investment auf Seiten der Lernenden wie der ModeratorInnen. „Fünf Wochenstunden Lernzeit“ bilden eine Obergrenze. Für den Aufwand der ModeratorInnen gibt es keine.

Als Erfolgsfaktoren für MOOCs werden im entsprechenden Beitrag genannt: 1. Einbindung von Praxispartnerinnen und-partnern, 2. Bildung von Lerngruppen, 3. Projektbasierte Übungsaufgaben, 4. Ergebnispräsentationen und Prozessfeedback, 5. Proaktives Communitymanagement, 6. Rahmung durch ein Auftakt- und ein Abschlussmodul. Dadurch, so die These, gelingt es, Engagement und Zufriedenheit hochzuhalten und den Lernerfolg zu fördern.  

Nun fragt der Titel des Buches: „Machen MOOCs Karriere?“ Nehmen wir die Lesart „Sind MOOCs ein Erfolgsmodell?“ Die meisten der vorgestellten Projekte wurden zwischen 2014 und 2016 umgesetzt. Seitdem haben sich weitere Unternehmen am Konzept versucht (und darüber berichtet!), wie zum Beispiel die Telekom, ZF, SAP, Swisscom, Union Investment. Die Corporate Learning Community hat zwei MOOCs (2015 und 2017) durchgeführt, an denen sich eine Reihe weiterer Unternehmen beteiligt hat. Das Format „Corporate MOOC“ ist heute also in Großunternehmen bekannt, aber es boomt nicht. Dabei bietet es unbestritten OrganisatorInnen, ModeratorInnen und TeilnehmerInnen eine große Chance, neue, unmittelbare und vielfältige Lernerfahrungen mitzunehmen.

Was sich vielleicht in den letzten Jahren verändert hat: Neben cMOOCs stehen heute weitere Formate, die die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch unterstützen: BarCamps, Hackathons, Working Out Loud-Circles und (wieder) Communities of Practice sowie verschiedene Work Hacks/ Learn Hacks, die im Umfeld agiler Organisationsentwicklung entstanden sind.               

Zusammengefasst: Die Erfahrungsberichte des vorliegenden Bandes lösen ihr Versprechen ein und liefern Corporate Learning-PraktikerInnen, die mit der Entwicklung eines MOOCs liebäugeln, detaillierte Blaupausen und AnsprechpartnerInnen. Vielleicht hätte dem Band etwas „Entwicklungs- bzw. Transformationsgeschichte von Corporate Learning“ gutgetan. Aber ich muss leise sein: In einige Projekte, die in diesem Band vorgestellt werden, war ich involviert, und auch an der Herausgabe dieses Bandes hatte ich mich (vergeblich) versucht …
Markus Deimann und Christian Friedl, Springer Gabler (Berlin, Heidelberg), 2020

Corporate Learning MOOCamp 2020

Auf der LEARNTEC in Karlsruhe habe ich zusammen mit Simon Dückert auch das Corporate Learning MOOCamp vorgestellt, das wir als Corporate Learning Community dieses Jahr durchführen wollen. Vier Wochen Online-Diskussionen zu unserem Jahresmotto „Lernräume gestalten – offline, online und hybrid“, verbunden mit den BarCamps im Frühjahr und Herbst. Dafür suchen wir wieder vier Organisationen, die für eine Kurswoche die Rolle des Gastgebers übernehmen wollen. Bewerbungen sind herzlich willkommen! Losgehen soll es übrigens am 20. April. Weitere Stichworte finden sich auf den Slides, die wir in Karlsruhe hochgehalten haben.
Corporate Learning Community, 28. Januar 2020