Mit mehr Diversität zu einer Universität der Zukunft

Sascha Friesike, Professor für digitale Innovation der Vrije Universiteit Amsterdam, beschreibt in diesem lesenswerten Interview, wie er sich Hochschulen und Lehre vorstellt: das „Four C“-Konzept des Lernens im Blick haben (Critical Thinking, Collaboration, Communication, Creativity); Diversität in der Lehre und im Lehrkörper; Lehrende, die akzeptieren, dass sie nicht alles wissen können; Studierende, die auch mal mit Ideen zur Verbesserung von Kursen auf Dozenten zugehen. Sogar MOOCs haben in diesem Bild ihren Platz:

„Bei MOOCs habe ich erstmal kein soziales System, in dem ich lernen kann. Daher sind die Abbruchraten bei MOOCs auch so hoch. Aber sie können ein wunderbares Werkzeug sein, wenn ich sie mit einem bestehenden sozialen System kopple. Sagen wir mal eine Abteilung in einer Firma möchte sich zu einem bestimmten Thema besser informieren, dann wäre ein MOOC über den man innerhalb der Firma spricht, eine gute Option. Gerade wenn wir das Zauberwort des lebenslangen Lernens in den Ring werfen, werden wir sehen, dass unsere Universitäten das kapazitiv gar nicht könnten. MOOCs und andere Formate sind daher ungemein wichtig.“

Nadine Winter, Interview mit Sascha Friesike, politik-digital.de, 16. Februar 2018

Bildquelle: Alexis Brown (Unsplash) 

Design Thinking and the new Magenta-MOOC

Der Hinweis auf Design Thinking allein hätte noch nicht ausgereicht, um diesen Artikel hier zu verlinken. Dafür ist Design Thinking gerade zu allgegenwärtig, die Antwort auf alles, 42. Aber die Telekom hat ja das Label und das Format „Magenta MOOC“ schon mehrmals genutzt, um Themen unternehmensweit zu platzieren. 2014 hieß es „Share your entrepreneurial spirit“, 2016 „Go Digital“ (nachzulesen hier). Wer etwas in die Beschreibungen eintaucht, merkt schnell, dass es sehr spezielle Anpassungen des MOOC-Formats sind.

Jetzt also „Design Thinking“. Auch hier soll es nicht nur um die Methode gehen, wie Tim Höttges schreibt. Sondern um Haltung, um einen „mind shift“. „Our goal is, that everyone at DT gets familiar with this concept.“ Der Kurs begann für Telekom-Mitarbeitende am 15. Januar und endet am 15. März. Ich bin ja schon etwas neugierig zu erfahren, wie er im Detail umgesetzt wurde und wie er aufgenommen wird und hoffe einfach mal, dass auch diese Erfahrungen an irgendeiner Stelle geteilt werden.
Tim Höttges, LinkedIn/ Pulse, 5. Februar 2018

Working out loud!

Vielleicht sollte ich vorwegschicken, dass es in diesem Artikel nicht um die Methode „Working out loud“ geht. Sondern um offene Formen des selbstbestimmten Lernens, um Lerngemeinschaften und -communities, um Begegnungsmöglichkeiten für selbstlernende Gruppen. Natürlich gehört Working Out Loud in diesen Kontext, aber auch Corporate MOOCs, Inhouse-Barcamps und FuckUp-Nights. Der Autor beobachtet einen „rasanten Wandel“ in Unternehmen: „Lernen wird zum digitalen Networking-Event, innovative Technologien halten verstärkt Einzug.“ Das ist mutig formuliert, aber da er auf unseren letztjährigen Corporate Learning 2025 MOOCathon verweist und Stimmen aus Bosch, Merck und Continental zitiert, folge ich gerne.
Ernst Timur Diehn, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 31. Januar 2018

Bildquelle: rawpixel.com (Unsplash)

Tech giants expand their presence in education

Die Beobachtung des Autors: „Amazon, Google, Microsoft, and other technology companies are growing their presence in online platforms, like edX and Coursera, to offer more courses aimed at individuals that seek training in their software or in tech subjects.“

Langsam schließt sich der Kreis: Coursera, Udacity und edX werden zu Vorposten der IT-Firmen. Sie bieten schnelle, flexible, globale und skalierbare Bildungslösungen, sie entwickeln den Nachwuchs, den die Großen brauchen, und sie folgen ihren Themen.
Alejandro Murillo, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 2. Februar 2018 

Bildquelle: edX Blog

Episode 47: Kutschen & Köpfe

Gerade ist noch eine neue Episode „Feierabendbier“ hereingekommen, die zum Podcast von Markus Deimann und Christian Friedrich gehört. Es ist bereits die 47. Folge, und Markus Deimann erzählt in den ersten Minuten von seinem Besuch auf der LEARNTEC in Karlsruhe. Die Tatsache, dass er mit dieser Veranstaltung etwas „fremdelt“, macht seinen Rückblick umso hörenswerter. So durfte er auf dem Kongress eine Reihe „OER und Social Collaboration“ moderieren, an der Interessenten nur nach strenger Zugangskontrolle teilnehmen durften. „Offen ist was anderes“, meint launig Markus Deimann. Dann hat er sich noch etwas auf der Messe umgetan …
Markus Deimann und Christian Friedrich, Feierabendbier Open Education, 2. Februar 2018

Bildquelle: Paloma A. (Unsplash)

Can MOOCs Solve Your Training Problem?

Vorneweg: Ja, MOOCs können Lücken in der Weiterbildung vieler Unternehmen schließen. Aber die meisten Unternehmen haben MOOCs heute nicht auf dem Radar. So bleibt es in der Regel einzelnen, engagierten Mitarbeitern überlassen, sich auf die neuen Lernangebote einzulassen. Andere wollen ganz bewusst ihren Managern nichts von ihren Lernaktivitäten erzählen.

Dabei gibt es gute Gründe, sich näher mit MOOCs zu beschäftigen. Und Unternehmen können einiges tun, um solche Lernerfahrungen zu fördern: Manager können das Lernen ihrer Mitarbeiter aktiv unterstützen und begleiten. Learning & Development kann die Qualität der Kursanbieter und Kurse prüfen. Unternehmen können sicherstellen, dass Kursabschlüsse auch erfasst und gewürdigt werden. Sind solche Rahmenbedingungen gegeben, halten die MOOC-Teilnehmer auch bis zum Kursende durch. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie Job und Arbeitgeber wechseln, sinkt. Diese Rückschlüsse zieht der Autor aus verschiedenen Befragungen von MOOC-Teilnehmern.

„It’s clear that MOOCs are playing an important role in individuals’ development. The question is whether more employers will support them. Doing so would benefit employees and organizations alike. But most employed learners are now making the journey on their own.“

Monika Hamori, Harvard Business Revue, Januar/ Februar 2018

A Product at Every Price: A Review of MOOC Stats and Trends in 2017

Class Central hat seinen jährlichen MOOC-Überblick auf eine Reihe von Artikeln verteilt, aber hier ist sozusagen das Herzstück. Es gibt uns verschiedene Statistiken mit auf den Weg, von der Anzahl der weltweit zugänglichen Kurse bis zur Zahl der neu eingeschriebenen Studenten. Aber am interessantesten sind natürlich die sechs Trends, die aus Sicht von Class Central 2017 zu beobachten waren.

1. A product at every price point

Ursprünglich waren MOOCs offene Kurse, „open“, wie es ja das Akronym ausdrückt. Vom ersten Tag an stand aber die Frage im Raum, welches Geschäftsmodell hinter „open“ stecken kann. Heute haben die MOOC-Anbieter eine Reihe von kostenpflichtigen Formaten und Angeboten entwickelt. Class Central spricht von sechs Stufen, die von „free“ bis „corporate training“ reichen.

2. Content Paywalls

Der Punkt unterstreicht noch einmal die Geschäftspolitik der MOOC-Provider. Die Zahl der offenen Kurse nimmt ab. Immer mehr verschwindet hinter der Paywall.

3. MOOCs find their audience: Professional Learners

Auch was die Zielgruppen betrifft, folgen wir der Logik des Geschäftsmodells: „The real audience for these courses is not the traditional university student but what Levin calls the “lifelong career learner,” someone who might be well beyond their college years who takes online courses with the goal of achieving professional and career growth.“

4. Online Degrees and Corporate Training

Das sind die lukrativen Märkte, auf die die MOOC-Anbieter zielen. Zum Beispiel Coursera: „On the corporate training side, Coursera ended 2017 with more than 500 companies signed up for its Coursera for Business service, up from 30 last year.“

5. Increased Flexibility and Convenience

Ob feste Kurstermine oder „on demand“, ob längere oder kurze Module: Die Anbieter sind flexibel und passen sich den Wünschen ihrer Zielgruppen an.

6. MOOCs Are Showing Up On Campus

Erste Hochschulen beginnen, auch die MOOCs anderer Universitäten in ihre Curricula zu integrieren. Class Central zitiert hier ausführlicher einen Piloten, den die TU Delft mit acht anderen Hochschulen gestartet hat.

Auf der Plattform von Class Central findet sich eine Reihe von weiteren Artikeln, die diese Trends noch einmal vertiefen. Andere konzentrieren sich auf die Entwicklungen der großen Anbieter wie Coursera, Udacity, FutureLearn und edX. Die folgende Zusammenfassung bringt das vergangene Jahr noch einmal auf den Punkt:

„Over half a decade since their debut, MOOCs may finally have found their footing and a sustainable revenue model. No, they didn’t disrupt universities, but they may have changed how working professionals access continued learning and career advancement opportunities. The tiered monetization models enable MOOC providers and universities to monetize efficiently. The credibility and quality of the the lower tiers is boosted if the same courses are are available to earn credits or count towards degrees.

And who knows, 2017 could just have been the year MOOCs became big business.“

Dhawal Shah, Class Central, 22. Januar 2018

Bildquelle: Class Central

2018 eLearning Predictions: Updated Hype Curve

Vorneweg: Es ist alles eine Frage der Perspektive! Während Andy Hicken zum Beispiel „Curation and Subscription Learning“ heute im Tal der Enttäuschungen wähnt, werden sich andere fragen, was wohl hinter diesem E-Learning-Trend stecken mag. Und die Hoffnungsträger, die sich weiter vorne auf dem bekannten Hype Cycle wiederfinden, klingen noch verrückter. Blockchain und E-Learning zum Beispiel. Ansonsten: sehr technisch und amerikanisch. Aber es spricht ja nichts dagegen, am Ende seinen eigenen Hype Cycle á la Gartner zu bauen …
Andy Hicken, Web Courseworks, 29. Dezember 2017

Bildquelle: Web Courseworks

Education’s Online Futures

Dies ist bereits die sechste Folge von Audrey Watters jährlichem Jahresrückblick, und dieser Blogbeitrag soll mich vor allem daran erinnern, alle Beiträge später noch einmal zu überfliegen. Denn sie sind zum Teil mit den Jahren fast schon zu detailliert geworden, mit zu vielen nationalen (amerikanischen) Eigenarten und Ereignissen. Dieser Beitrag startet zum Beispiel mit einer lesenswerten Zusammenfassung der MOOC-Ereignisse und -Entwicklungen, bevor er sich – aus hiesiger Sicht – in US-Bildungsprojekten verliert. Wie auch immer: Wenn es um EdTech und die Geschichte des Online-Lernens geht, ist und bleibt Audrey Watters die erste Adresse.
Audrey Watters, Hack Education, 13. Dezember 2017

Class Central Learner Survey (2017): MOOC Users Highly Educated, Have Experienced Career Benefits

Class Central ist seit einigen Jahren die erste Anlaufstelle, wenn es um die Entwicklungen der MOOC-Anbieter und -Plattformen geht. In diesem Jahr haben sie die Nutzer ihres Dienstes nach ihren MOOC-Erfahrungen gefragt und die Rückmeldungen ausführlich aufbereitet. Ohne an dieser Stelle auf die Details einzugehen, hier eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:

„Overall, we found that Class Central users tend to be highly educated. You are interested in MOOCs for both personal and professional reasons, and many of you have experienced career benefit from MOOCs. On the whole, you aren’t keen to pay for MOOCs, and you are divided over the value of the social and interactive elements of MOOCs.“

Etwas irritierend fand ich allerdings den Hinweis, dass sich 21 Prozent der Teilnehmer an dieser Umfrage als “not familiar” mit MOOCs bezeichneten …
Dhawal Shah, Class Central, 27. November 2017