MOOCs in Hochschule und Betrieb: Sieht so das Lernen der Zukunft aus?

Jörn Loviscach (FH Bielefeld) gibt einen schönen fundierten Überblick über die MOOC-Entwicklung und -Szene: von den Anfängen und großen Versprechungen, über das Experimentieren mit verschiedenen Geschäftsmodellen und Angebotsformen bis zur Frage nach der aktuellen gesellschafts- wie bildungspolitischen Einordnung von MOOCs.

Vielleicht ist gerade der letzte Punkt – im Artikel überschrieben mit „Unklare Wirkungen auf die Arbeitswelt“ – der interessanteste: Jörn Loviscach stellt hier MOOCs in den Kontext einer „virtualisierten und prekarisierten Arbeitswelt“, stellt Verbindungen zu Crowdworking, Startups und verschiedenen Formen der Selbstausbeutung her und denkt an Bewerber, die für ihren Lebenslauf zukünftig MOOC-Zertifikate wie früher Praktika sammeln. Ob man dann noch vom „Lernen der Zukunft“ sprechen sollte, ist wirklich die Frage.

Der Artikel ist übrigens in DENK-doch-MAL.de erschienen, einem Online-Magazin von Verdi und IG Metall. Die Ausgabe 2/2018 ist ganz dem Thema „(Berufliches) Lernen in digitalen Zeiten“ gewidmet. Vielleicht schaffe ich es noch, auf weitere Artikel dieser Ausgabe einzugehen. Es scheint sich zu lohnen.
Jörn Loviscach, DENK-doch-MAL.de, 2/2018

Massive Open Online Courses: Offene Online-Kurse für Viele gestalten und umsetzen

Martin Ebner und Sandra Schön haben einige nützliche Erläuterungen, Empfehlungen und Checklisten für die Planung und Umsetzung von MOOCs zusammengestellt. Es ist eine Arbeitsversion. Sie enthält Informationen über die unterschiedlichen MOOC-Konzepte, Bausteine und Abschlussformen sowie Maßnahmen, um die Aktivität der Teilnehmer zu erhöhen. Kurz: Eine pragmatische Verbindung aus „Was Sie schon immer über MOOCs wissen wollten“ und „In sieben Schritten zum MOOC-Projektplan“.

Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, zu Beginn des Artikels einmal kurz aufzuzählen, welche unterschiedlichen Organisationen und Einrichtungen heute schon MOOCs durchgeführt haben. Das hätte es MOOC-Interessenten erleichtert, sich mit ihrem Vorhaben einzuordnen.
Sandra Schön und Martin Ebner, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 73. Erg. Lfg., April 2018 (via Academia.edu)

Bildquelle: Sandra Schön/ Martin Ebner

Openness als Gegenstand von Bildungstheorie und Medienpädagogik

Markus Deimann (Fachhochschule Lübeck) hat den Vortrag, den er gerade auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) an der Universität Duisburg-Essen gehalten hat, schon im Netz geteilt. Der Titel lässt erahnen, dass es hier um grundsätzliche Fragen geht, denen ich mit einem kurzen Verweis nicht gerecht werden kann. Markus Deimann will jedenfalls Brücken schlagen: zwischen Hochschulen, digitaler Bildung und Openness. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn der Autor zugibt, dass die Diskussion noch ganz am Anfang steht.

„Der Beitrag beleuchtet die an das Hochschulsystem herantretenden Öffnungsbewegungen wie Open Access, Open Educational Resources und Massive Open Online Courses aus bildungstheoretischer Sicht und diskutiert die medienpädagogischen Implikationen. Als ein System mit einer überaus langen Traditionslinie, verstanden es Hochschulen sehr gut, sich zu etablieren und einen eigenen Code – Wahrheit, mit den Ausprägungen wahr/unwahr – herauszubilden. Diese kulturelle Errungenschaft scheint nun durch die digitale Transformation ins Wanken zu geraten. Somit stellt sich die Frage, wie Hochschulen darauf reagieren können? Als Orientierungsperspektive bietet sich ein neuer Code (Offenheit) an, der durch die oben genannten Öffnungsbewegungen emergiert.“

Markus Deimann, Google Docs, 19. März 2018

Orphan MOOCs and the Digital Dark Ages

Ein etwas zu langer Artikel über ein interessantes Thema. Ausgangspunkt der Überlegungen des Autors ist ein MOOC auf Coursera, den er selbst entwickelt und geleitet hat und der heute, nach einem technischen Upgrade der Coursera-Plattform, nicht mehr zur Verfügung steht. Materialien, Diskussionen, alles weg, aber nicht, weil jemand über Nacht einen Schalter umgelegt hat, sondern vor allem, weil Interesse, Zeit und Ressourcen fehlten, diesen Kurs (und Hunderte weitere Kurse) zu migrieren oder zu dokumentieren. Und Coursera ist kein Einzelfall. Auf jeder Lernplattform einer Hochschule werden Kurse angelegt, die nach Semesterende „verschwinden“. Wem gehören diese Materialien eigentlich? Wer hat ein Interesse, sie zu konservieren? Fängt hier schon ein kulturelles Erbe an? Auf der anderen Seite sind es Fragen, die im vor-digitalen Zeitalter niemanden gekümmert haben.
Jeffrey Pomerantz, Hybrid Pedagogy, 8. März 2018

Bildquelle: David Barnas (Flickr, CC BY-NC 2.0)

Mit mehr Diversität zu einer Universität der Zukunft

Sascha Friesike, Professor für digitale Innovation der Vrije Universiteit Amsterdam, beschreibt in diesem lesenswerten Interview, wie er sich Hochschulen und Lehre vorstellt: das „Four C“-Konzept des Lernens im Blick haben (Critical Thinking, Collaboration, Communication, Creativity); Diversität in der Lehre und im Lehrkörper; Lehrende, die akzeptieren, dass sie nicht alles wissen können; Studierende, die auch mal mit Ideen zur Verbesserung von Kursen auf Dozenten zugehen. Sogar MOOCs haben in diesem Bild ihren Platz:

„Bei MOOCs habe ich erstmal kein soziales System, in dem ich lernen kann. Daher sind die Abbruchraten bei MOOCs auch so hoch. Aber sie können ein wunderbares Werkzeug sein, wenn ich sie mit einem bestehenden sozialen System kopple. Sagen wir mal eine Abteilung in einer Firma möchte sich zu einem bestimmten Thema besser informieren, dann wäre ein MOOC über den man innerhalb der Firma spricht, eine gute Option. Gerade wenn wir das Zauberwort des lebenslangen Lernens in den Ring werfen, werden wir sehen, dass unsere Universitäten das kapazitiv gar nicht könnten. MOOCs und andere Formate sind daher ungemein wichtig.“

Nadine Winter, Interview mit Sascha Friesike, politik-digital.de, 16. Februar 2018

Bildquelle: Alexis Brown (Unsplash) 

Design Thinking and the new Magenta-MOOC

Der Hinweis auf Design Thinking allein hätte noch nicht ausgereicht, um diesen Artikel hier zu verlinken. Dafür ist Design Thinking gerade zu allgegenwärtig, die Antwort auf alles, 42. Aber die Telekom hat ja das Label und das Format „Magenta MOOC“ schon mehrmals genutzt, um Themen unternehmensweit zu platzieren. 2014 hieß es „Share your entrepreneurial spirit“, 2016 „Go Digital“ (nachzulesen hier). Wer etwas in die Beschreibungen eintaucht, merkt schnell, dass es sehr spezielle Anpassungen des MOOC-Formats sind.

Jetzt also „Design Thinking“. Auch hier soll es nicht nur um die Methode gehen, wie Tim Höttges schreibt. Sondern um Haltung, um einen „mind shift“. „Our goal is, that everyone at DT gets familiar with this concept.“ Der Kurs begann für Telekom-Mitarbeitende am 15. Januar und endet am 15. März. Ich bin ja schon etwas neugierig zu erfahren, wie er im Detail umgesetzt wurde und wie er aufgenommen wird und hoffe einfach mal, dass auch diese Erfahrungen an irgendeiner Stelle geteilt werden.
Tim Höttges, LinkedIn/ Pulse, 5. Februar 2018

Working out loud!

Vielleicht sollte ich vorwegschicken, dass es in diesem Artikel nicht um die Methode „Working out loud“ geht. Sondern um offene Formen des selbstbestimmten Lernens, um Lerngemeinschaften und -communities, um Begegnungsmöglichkeiten für selbstlernende Gruppen. Natürlich gehört Working Out Loud in diesen Kontext, aber auch Corporate MOOCs, Inhouse-Barcamps und FuckUp-Nights. Der Autor beobachtet einen „rasanten Wandel“ in Unternehmen: „Lernen wird zum digitalen Networking-Event, innovative Technologien halten verstärkt Einzug.“ Das ist mutig formuliert, aber da er auf unseren letztjährigen Corporate Learning 2025 MOOCathon verweist und Stimmen aus Bosch, Merck und Continental zitiert, folge ich gerne.
Ernst Timur Diehn, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 31. Januar 2018

Bildquelle: rawpixel.com (Unsplash)

Tech giants expand their presence in education

Die Beobachtung des Autors: „Amazon, Google, Microsoft, and other technology companies are growing their presence in online platforms, like edX and Coursera, to offer more courses aimed at individuals that seek training in their software or in tech subjects.“

Langsam schließt sich der Kreis: Coursera, Udacity und edX werden zu Vorposten der IT-Firmen. Sie bieten schnelle, flexible, globale und skalierbare Bildungslösungen, sie entwickeln den Nachwuchs, den die Großen brauchen, und sie folgen ihren Themen.
Alejandro Murillo, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 2. Februar 2018 

Bildquelle: edX Blog