Class Central Learner Survey (2017): MOOC Users Highly Educated, Have Experienced Career Benefits

Class Central ist seit einigen Jahren die erste Anlaufstelle, wenn es um die Entwicklungen der MOOC-Anbieter und -Plattformen geht. In diesem Jahr haben sie die Nutzer ihres Dienstes nach ihren MOOC-Erfahrungen gefragt und die Rückmeldungen ausführlich aufbereitet. Ohne an dieser Stelle auf die Details einzugehen, hier eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:

„Overall, we found that Class Central users tend to be highly educated. You are interested in MOOCs for both personal and professional reasons, and many of you have experienced career benefit from MOOCs. On the whole, you aren’t keen to pay for MOOCs, and you are divided over the value of the social and interactive elements of MOOCs.“

Etwas irritierend fand ich allerdings den Hinweis, dass sich 21 Prozent der Teilnehmer an dieser Umfrage als “not familiar” mit MOOCs bezeichneten …
Dhawal Shah, Class Central, 27. November 2017

„Ich setze mich für eine digitale Volksbildung ein“

Wenn Joachim Sucker hier von der „Digitalisierung an Volkshochschulen“ spricht, dann beschreibt er einen andauernden Prozess, der vielleicht 2013 begonnen hat und jetzt langsam Fahrt aufnimmt. Seine Stationen lauten vhsMOOC und ichMOOC, ein Strategiepapier „Erweiterte Lernwelten“, ein Volkshochschultag, Digicircles, eine Blogwerkstatt und jetzt, ganz aktuell, die vhs.cloud, die „digitale Lern- und Arbeitsumgebung für die Volkshochschulen in Deutschland“. Inklusive Lernplattform, Videokonferenzsystem und Mediathek. Joachim Sucker erzählt aber auch, dass das Thema nicht an allen Volkshochschulen auf offene Türen trifft. Es gibt das ganze Spektrum: von den Ablehnenden bis zu den Machern, die bundesweit erste Webinare anbieten und „nach neuen öffentlichen Lernorten suchen“, was immer das auch im Einzelnen heißen mag.
Petra Schraml, Interview mit Joachim Sucker, Deutscher Bildungsserver/ Bildung + Innovation, 9. November 2017

Whatever Happened To MOOCs?

Eine kleine Dosis MOOC: Der Autor zeichnet kurz, knapp und korrekt die Entwicklung des noch jungen Phänomens nach. Die Fragen, die er dabei beantwortet, lauten: Where Did the Idea Originate? (hier bietet er drei Lesarten an und ordnet sympathischerweise Stanford und Sebastian Thrun erst im folgenden Absatz ein), What is a MOOC?, What Problems Did MOOCs Intend to Solve?, Do MOOCs Work?

Hier sein Fazit:

„They are still around but strikingly downsized and in the middle of being monetized and re-directed. The initial cheerleaders for MOOCs such as Sebastian Thrun, Daphne Koller, and Andrew Ng formed companies (e.g., Udacity, Coursera) that either stumbled badly, and subsequently altered their business plan. Many of these founders also departed for greener pastures …

MOOCs persist but as in the case of so many other hyped innovations using new technologies, a slimmer, more tempered, and corporate version exists in 2017 awarding certificates and micro-credentials …“

Larry Cuban, Larry Cuban on School Reform and Classroom Practice, 28. Oktober 2017

Online lernen mit MOOCs – ist das was für jedermann?

Ein Selbstversuch, den ich nicht so richtig einordnen kann: Ist es 2017 wirklich noch ein „Wagnis“, an einem Online-Kurs teilzunehmen und darüber auf einem Blog zu berichten? Macht es Sinn, mehrere Kurse „auszuprobieren“, um die eigene Lernmotivation und Disziplin zu beobachten? Und um dann Rückschlüsse auf die Abbrecherquoten der MOOC-Plattformen zu ziehen? Und will man als Pädagogin von einem „Erfolg“ sprechen, wenn man es irgendwie geschafft hat, einen Kurs komplett durchzuarbeiten und mit Auszeichnung abzuschließen?

Wenn man diese Fragen einmal beiseiteschiebt, bleiben nützliche Informationen über einige aktuelle Online-Kurse und -Plattformen, ihre Merkmale und mögliche Hürden für Lernende, sich aktiv einzumischen. Allerdings macht die Autorin um die Frage, welche Anbieter ihre Kurse heute noch „MOOCs“ nennen und welche Kurse das Attribut verdienen, einen Bogen. Dafür hat sie zum Abschluss noch einen wichtigen Hinweis, den auch Bildungsanbieter aktiv unterstützen können:

„Hilfreich könnte es sein, die Unverbindlichkeit und Anonymität dadurch abzuschwächen, dass man beispielsweise Freunde in den MOOC einlädt und sich mit diesen verabredet, gemeinsam zu bestimmten Zeiten zu lernen.“

Sabrina Thom, Digitalisierung der Bildung/ Bertelsmann Stiftung, 7. November 2017

MOOCs in der Erwachsenenbildung: So gelingen sie

Die Macher*innen des EBmoocs haben diesen nützlichen Leitfaden (70 Seiten) erstellt. Der EBmooc fand im Frühjahr 2017 statt, war der „erste offene Onlinekurs für Erwachsenenbildner/innen in Österreich“ und beschäftigte sich mit digitalen Tools und Fertigkeiten für die Erwachsenenbildung. Er erreichte damit die stattliche Zahl von rund 3.000 Teilnehmer*innen!

Der Leitfaden behandelt die Themen Ressourcen, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen, Didaktik, Lernmaterialien, Lizenzierung, Durchführung, Begleitangebote und Zertifizierungsformen. Der EBmooc wird dabei als Fallbeispiel immer wieder „eingeblendet“. Da dieser Kurs als xMOOC konzipiert war, nimmt auch der Leitfaden diese Perspektive auf. Wäre es ein Leitfaden für cMOOCs, würde man wahrscheinlich das Community Management sowie die Vernetzung, den Austausch unter den Teilnehmenden sowie ihre Motivation und Aktivierung stärker gewichten. Aber die Autor*innen wissen um die Unterschiede und sprechen sie eingangs selbst an.

„Drei Gestaltungselemente, die in beiden MOOC-Typen einen guten Platz brauchen, sind
– eine gewisse Vorstrukturierung des Geschehens (z. B. ein Ablaufplan und/oder andere klare Orientierungs- und Strukturierungs-Elemente);
– Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung (z. B. Social Media, Interessensgruppen, und dergleichen);
– eine mit unterschiedlichen Medien angereicherte Lernumgebung, die abwechslungsreich ist und verschiedenen Lerntypen entgegenkommt.“

CONEDU Birgit Aschemann mit Philipp Wurm, David Röthler, Martin Ebner, Wilfried Frei, Lucia Paar und Martina Süssmayer, www.erwachsenenbildung.at, Oktober 2017

Reviving the MOOC

Stephen Downes, einer der Gründerväter der MOOC-Bewegung, nimmt den Ball auf, den Dhawal Shah kürzlich gespielt hatte („A Proposal to Put the ‚M‘ Back in MOOC“). Dafür stellt er noch einmal das ursprüngliche Modell der cMOOCs den folgenden xMOOCs gegenüber. Im zweiten Teil beschreibt er zwei Geschäftsmodelle: das der heutigen Elite-Universitäten und das von Hochschulen, die den MOOC-Idealen folgen. Das Letztere gerät jedoch etwas schemenhaft.

Doch die Eckpfeiler des ursprünglichen Modells – Studierende, die selbstorganisiert ihre Lernprozesse steuern; keine Vorlesungen, sondern Lernimpulse; der wechselseitige Austausch in Communities – können nach wie vor auch für Corporate Learning als Blaupause dienen.
Stephen Downes, Half an Hour, 25. Oktober 2017

How can Gamification Improve MOOC Student Engagement?

Es ist schon oft gesagt und beklagt worden: Man wünscht sich in Online-Kursen gerne mehr aktive Teilnehmer und mehr Teilnehmer, die auch bis zum Ende eines Kurses durchhalten. Das betrifft vor allem MOOCs, die als offene Angebote häufig eine große Zahl an Lernern anziehen, aber auch hohe Abbruchquoten verzeichnen. Könnte Gamification hier eine Lösung sein?

Die Autoren dieser Studie sind davon ausgegangen, dass „student engagement“ ein erfolgskritischer Faktor für den Lernprozess der Teilnehmenden ist. Gamification, so das Konzept, könnte diesen Faktor positiv beeinflussen. Um diese These zu überprüfen, haben die Autoren die Lernerdaten eines Kurses untersucht, der 2014, 2015 und 2016 stattfand („Gratis Online Lernen“ auf der österreichischen MOOC-Plattform iMooX) und dessen letzte Durchführung um ein entsprechendes Gamification-Element erweitert wurde: Wenn die Lernenden sich im Kurs einloggten, wenn sie ein Quiz bearbeiteten oder wenn sie im Diskussionsform aktiv waren, wurde ihnen jede Woche ihr Status angezeigt – in Form einer Batterie und ihres Ladezustands.

Das Ergebnis: Vergleicht man die Quiz-Aktivitäten und die Zahl der Kursabschlüsse (in Relation zu den registrierten Teilnehmern) der letzten drei Jahre, so schneidet der „gamifizierte“ Kurs besser ab. Der Ausblick der Autoren:

„Finally, gamification may carry tremendous potential behind. That is, it ties strongly with student motivation and therefore increases the general completion rate. The big MOOC players like edX, Khan Academy, and Coursera have become aware of the importance of gamification designs and the future will carry new techniques that will verify their impact on the success of MOOCs.“

Mohammad Khalil, Martin Ebner und Wilfried Admiraal, Conference Paper, European Conference on Game Based Learning, Oktober 2017 (via ResearchGate)

A Proposal to Put the ‘M’ Back in MOOCs

Immer mehr Massive Open Online Courses (MOOCs) werden on demand zur Verfügung gestellt. Der Lerner kann sie jederzeit starten. Die Folge: Immer weniger Lerner nehmen zeitgleich an einem Kurs teil. Die Aktivitäten in den Foren nehmen ab. Dhawal Shah: „… Massive Open Online Courses are no longer as massive.“ Seine Vorschläge, um das Problem zu lösen:

„If providers of these online courses want to make MOOCs massive again, they will need to go back to the characteristics that made them popular in the first place: semi-synchronous, instructor led and sufficiently hyped.“

Klare Starttermine, aktive Lehrende und mehr Aufmerksamkeit, z.B. durch kostenlose Zertifikate. Dadurch, so der Autor, würde sich das gemeinsame Lernen in MOOCs wieder mehr anfühlen wie das gemeinsame Lernen im Klassenzimmer. Aber wer will das denn?
Dhawal Shah, EdSurge, 24. Oktober 2017

Bildquelle: Mace Ojala (Flickr, CC BY-SA 2.0)

Udacity Official Declares MOOCs ‘Dead’ (Though the Company Still Offers Them)

Sebastian Thrun und Udacity waren 2012 die ersten, die MOOCs entwickelten und anboten. Doch bereits Ende 2013 erkannte man, dass die Zukunft (okay, das Geschäftsmodell) nicht in kostenlosen Kursen liegen kann. Also setzte man auf kostenpflichtige Services und Nanodegrees. Irgendwo auf der Seite gibt es noch Inhalte, die offen zugänglich sind, aber sie spielen in der Unternehmensplanung keine Rolle mehr. Udacity’s Vizepräsidentin Clarissa Shen im Interview:

„Shen stressed that the problem with the old MOOC model is a focus on video libraries for teaching. She said the strength of the nanodegree program is that students are required to complete projects. “We care about completion rates, projects student build, and ultimately career readiness,” she said. “MOOCs have been too content-only focused and not a model that engages our students deeply.“

Mittlerweile hat Udacity über 18.000 Nanodegrees ausgestellt. Das Modell scheint zu funktionieren, heißt es.
Jeffrey R. Young, EdSurge, 13. Oktober 2017