Wie Studierende von digitalen Lehrangeboten profitieren

Christoph Meinel (Direktor und Geschäftsführer des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering) schreibt: Während sich die „Universität 1.0“ um einzelne, weise Persönlichkeiten und, später, die „Universität 2.0“ um regionale Bibliotheken organisierte, baut „Universität 3.0“ auf dem weltumspannenden Internet auf und „wird der zentrale Bildungsort werden für alle, die gesellschaftliche Verantwortung und Führungspositionen übernehmen, der Ort, an dem Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung in einem dynamischen und kollaborativen Prozess stattfinden kann.“

Die Konturen dieser „Universität 3.0“ skizziert Christoph Meinel in diesem Plädoyer. Es geht um die digitale Transformation, die digitale Lehre und das lebenslange Lernen. Es geht um MOOCs und die Erfahrungen, die das openHPI hier gesammelt hat. Learning Analytics, Lernvideos, Peer Assessments, Zertifikate und Abschlussquoten.

Kurz: „Ja, die Universität wird sich dafür neu erfinden müssen.“
Christoph Meinel, Deutscher Hochschulverband/ Forschung & Lehre, 1. Februar 2019

Bildquelle: Headway (Unsplash)

Vernetzung und Austausch durch neue Bildungsformate

In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Weiterbildung“ mit dem Schwerpunkt „Corporate Learning – Neue Formen des Lernens“ findet sich ein Interview mit mir. Hier der Teaser:

„Digitalisierung und vernetztes Lernen verändern auch die Weiterbildungslandschaft maßgeblich. Neue Formate prägen das Lernen, die ohne viel Aufwand ausprobiert und kennengelernt werden können. Für Unternehmen bietet sich hier die Chance, ihren Mitarbeitenden die nötigen Freiräume zu ermöglichen, um Projekte und Bildungsangebote anders zu gestalten.“
Rudolf Egger, Interview mit Jochen Robes, Weiterbildung, 01/2019, S. 6-8

Bildquelle: Weiterbildung

YouTube, WhatsApp, EduCamps, MOOCs und Co.: Wo und wie lernen wir morgen?

Unter dem Stichwort „Erweiterte Lernwelten“ sind die Volkshochschulen in die Digitalisierung aufgebrochen.  Ein Projekt auf diesem Weg sind die Digicircles. Auf den Seiten der vhs.cloud heißt es: „Digicircles sind Verbünde aus jeweils drei bis fünf Volkshochschulen. Sie kreieren und setzen gemeinsam digital gestützte Bildungsangebote und Veranstaltungen für ihre Region um und analysieren und reflektieren diesen Prozess.“

Das zum Hintergrund: Am 17. Januar hatten sich rund 100 VertreterInnen dieser Digicircles in Mannheim zur Digicircle-Konferenz 2019 getroffen, um Bilanz zu ziehen: Was wurde in den letzten Jahren erreicht? Wie geht es weiter mit den Volkshochschulen und der Digitalisierung? Ich war eingeladen, die Keynote zu halten. Was mich sehr gefreut hat, da ich mit einigen Mitstreitern der VHS wie Christoph Köck und Joachim Sucker schon lange verbunden bin. Hier gibt es einige Eindrücke, die die TeilnehmerInnen vor Ort festgehalten haben:

Bildquelle: Stephan Rinke (@edumorph)

Bildquelle: Karl Damke (@karlcdamke)

Jochen Robes, SlideShare, 29. Januar 2019

Bildquelle: Deutscher Volkshochschulverband (DVV)

The MOOC pivot

Um welchen „Schwenk“ geht es hier? MOOCs sind ja 2012 angetreten, die Hochschulbildung zu revolutionieren und sie in alle Ecken dieser Welt zu tragen (okay, zumindest dorthin, wo Internetanschluss zur Verfügung steht). Heute sieht das Geschäftsmodell der Anbieter etwas nüchterner aus: „… helping universities outsource their online master’s degrees for professionals“.

Um besser nachvollziehen zu können, was zu dieser Entwicklung geführt hat, haben sich die Autoren die Daten der edX-Plattform und unzähliger Kurse der letzten Jahre angeschaut. Ihre Erkenntnisse:
„The vast majority of MOOC learners never return after their first year, the growth in MOOC participation has been concentrated almost entirely in the world’s most affluent countries, and the bane of MOOCs – low completion rates – has not improved over 6 years.“

Das hat dazu geführt, dass sich die MOOC-Anbieter ganz auf zahlungskräftigere Lerner konzentrieren. Für die Hochschulen sind sie als Outsourcing-Partner attraktiv, weil sie ihre Prozesse skalieren und automatisieren können und damit preiswerter als etablierte Anbieter wie Pearson sind. Natürlich bedingt das Geschäftsmodell, dass die entsprechenden Kurse nicht mehr frei verfügbar im Netz stehen. Und deshalb taucht auch der Begriff „MOOC“ in der neuen Welt immer seltener auf …
Justin Reich und José A. Ruipérez-Valiente, Science, Vol. 363, No. 6423, Seite  130-131 (via Researchgate) 

Bildquelle: Science, 11. Januar 2019, Vol 363, Issue 6423

The Business of ‚Ed-Tech Trends‘

Das passt zu den vielen Trendberichten (und ist vielleicht die letzte Übersicht, die uns Audrey Watters schreibt!): Wie schon in den Jahren zuvor, hat sie wieder einen kritischen Blick auf Ed-Tech geworfen, also die Investitionen in Educational Technology bzw. Bildungstechnologien. Hier ihre wichtigsten Beobachtungen:

  • „… it was another record-setting year for ed-tech investment: Investment dollars: $4.46 billion“
  • „The most well-funded types of education company this year were those who offered tutoring. Tutoring, to be clear, here mostly means test prep.“
  • „Of the twenty some-odd tutoring companies that raised funding this year, ten were Chinese.“
  • „The industry’s fixation on “the future of learning” certainly seems to prevent many people from taking a good look at the past.“
    Zum Beispiel MOOC-Anbieter Udacity: „This year, Udacity ended its money-back guarantee. It upped the price of its “nanodegrees.” (Its MOOC competitor edX also announced this year that many of its courses would no longer be free.) Udacity laid off about a quarter of its staff mid-year. And its CEO stepped down.“
  • „The connections between tech and authoritarianism became a lot more obvious this year, I’d hope.“
  • The Business of Education Philanthropy: „… billionaires – tech billionaires and otherwise – all seem convinced that through their philanthropic efforts they can reshape education, reshape how education is funded and what is taught.“
    Aber: „… philanthropy is no substitute for not paying your taxes.“

Wie an anderer Stelle schon gesagt: Wenn Audrey Watters Analysen künftig fehlen werden, entsteht eine riesige Lücke!
Audrey Watters, Hack Education, 31. Dezember 2018

By The Numbers: MOOCs in 2018

Dhawal Shah hat wieder einige Zahlen und Beobachtungen rund um MOOCs mit uns geteilt. Der Tenor: Die Zahl der Kurse und Anmeldungen ist auch 2018 immer noch beeindruckend, aber das Tempo ist etwas raus. Die Highlights: Coursera ist unverändert der weltweit größte Anbieter („over 3,100 active courses“). Alle Anbieter schreiben inzwischen moderate Gewinne. Nicht mehr Microcredentials, sondern Online-Degrees stehen im Fokus ihrer Produktportfolios („This string of announcements led me to call the current moment the second wave of MOOC hype.“). Ich bin versucht zu sagen: unspektakuläre Nachrichten.
Dhawal Shah, MOOC Report, 11. Dezember 2018

Bildquelle: MOOC Report

Are MOOCs Going to Disappear? 4 Challenges to Overcome

MOOC ist nicht gleich MOOC. Und die großen Kursplattformen wie Coursera oder Udacity nennen ihre Kurse schon lange nicht mehr MOOCs. Mit Blick auf den Titel „Are MOOCs Going to Disappear?“ müsste man also fragen: Um welche Art von MOOCs geht es? Und: Sind MOOCs nicht schon lange verschwunden?

In der Zusammenfassung eines Vortrags von Ignacio Despujol (Valencia/ Spanien) werden die Fragen meines Vorspanns ausgelassen. Es geht direkt zur Sache. Vier Herausforderungen:
Challenge #1: Completion rates
Challenge #2: Accountability and Accreditation
Challenge #3: Accessibility
Challenge #4: Financial Sustainability

Der vierte Punkt überschattet die Diskussion der letzten Jahre. Denn die MOOC-Geschichte ist eine bis heute andauernde Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Dazu Ignacio Despujol: „Governments should start putting money in MOOCs if they want to keep them free.”
Laurie Pickard, MOOC Report by Class Central, 18. November 2018

Bildquelle: Universitat Politècnica de València/ YouTube

In der Beta-Phase: Weiterbildung wird digitaler

In diesem Artikel (in dem ich eine kleine Nebenrolle spielen darf) erläutert Tobias Pickl, Leiter Digitale Lernprozesse und Bildungscontrolling bei der Audi Akademie, wie er und sein Team „Beta-Phase“ für Corporate Learning übersetzen: ein neues Format wie MOOCs aufnehmen, einen Versuch im eigenen Unternehmen starten („Zusammenarbeit 2.0“) , Erfahrungen sammeln und auswerten („Es gibt unserer Erfahrung nach nur wenige Themen, bei denen es sich wirklich lohnt, einen eigenen MOOC zu organisieren.“) und weiter an neuen Ideen und Konzepten arbeiten, denn:

„Wir müssen immer weiter experimentieren. Und als Personal- und Learning-Manager selbst auch Erfahrungen mit den neuen Formaten sammeln.“
Sarah Sommer, Human Resources Manager, 15. November 2018

Bildquelle: Ali Yahya (Unsplash)