Surfing on Three Waves of MOOCs: An Examination and Snapshot of Research in Massive Open Online Courses

Noch etwas MOOC-Research zum Jahresbeginn: Der Autor hat nach Forschungsbeiträgen aus den Jahren 2016 – 2018 gesucht, schließlich 633 Artikel gefunden und nach Schwerpunkten untersucht. Vier wiederkehrende Themen wurden dabei sichtbar: „(I) MOOCs as a mainstreaming learning model in HE, (II) motivation and engagement issues in MOOCs, (III) assessment issues in MOOCs, and (IV) MOOCs for social learning.“

Die Schlussfolgerung: „Overall, the research concludes that the first wave of MOOC research largely concentrated on the qualitative characteristics of the phenomenon, while the second and third waves of MOOC research concentrated on the quantitative characteristics.“

Wenn man die MOOC-Historie betrachtet, sind diese Beobachtungen gut nachvollziehbar. Allerdings bezweifele ich, ob die Keywords „MOOCs“ und „Massive Open Online Courses“ für die Suche nach passenden Artikeln in Zukunft ausreichen. Denn in den letzten fünf Jahren haben sich fast alle großen Kursanbieter vom Begriff „MOOC“ verabschiedet.
Aras Bozkurt, Open Praxis, 2021, 13(3), S. 296 – 311

A Decade of MOOCs: A Review of Stats and Trends for Large-Scale Online Courses in 2021

Zehn Jahre ist es her, dass der Hype um MOOCs begann. Was ist seitdem passiert bzw. was ist im letzten Jahr passiert? Dhawal Shah als unermüdlicher Chronist der MOOC-Entwicklung hält zum Jahreswechsel fest:

– Die großen Ereignisse 2021 waren der Börsengang von Coursera sowie die Übernahme von edX durch 2U.
– Dann hält er fest, dass immer mehr Online-Kurse nicht von Universitäten, sondern von Unternehmen entwickelt werden. Ein Trend, der sich 2021 fortgesetzt hat. 
– Die Nutzerzahlen, die 2020, im ersten Jahr der Pandemie, explodiert waren, haben sich 2021 auf hohem Niveau eingependelt.
– Weiterhin ist zu konstatieren, dass MOOCs heute weder „open“ noch „massive“ sind. Aber das war auch schon vor 2021 so.

Kurz: Die großen Plattformen haben ihr Geschäftsmodell und ihre Nutzer gefunden. Unternehmen und ihre Mitarbeitenden bilden die zentrale Zielgruppe. Auf den Begriff MOOC verzichten sie dafür gerne.

„In 2022, we can expect the top MOOC providers to further expand their catalog through non-university partners, as well as further expanding their businesses into the lucrative enterprise segment.“
Dhawal Shah, EdSurge, 28. Dezember 2021

Bildquelle: class central

Putting the Meh in MOOCs

Wie steht es eigentlich um die MOOC-Entwicklung? Martin Weller (Open University) hat drei Forschungspapiere gelesen und zusammengefasst (seine Reviews sind Teile eines Global OER/ Graduate Network-Dokuments). Die Lektüre hat ihn etwas ratlos gemacht. Was ist von den großen Versprechungen übriggeblieben? Oder ist es die Forschung, die über kleinteilige Studien nicht hinauskommt?

„We have online courses that don’t revolutionise employment, don’t democratise education and whose pedagogy is flawed. Of course, you could find examples to counter these, they weren’t selected to represent all MOOC findings. But they do feel typical of the sort of results we get now. And that should be a lesson for the next ed tech revolution – when it all washes out you’ll have some quite interesting findings, but hardly any of the initial claims will still be left standing. Vive la revolution.“
Martin Weller, The Ed Techie, 6. Dezember 2021

By The Numbers: MOOCs in 2021

Es sind wirklich nur Zahlen, die Dhawal Shah hier präsentiert, aufgeteilt in Kurse, Online-Degrees und Microcredentials. Spektakuläre Entwicklungen oder gar „Sprünge“ sind nicht zu verzeichnen. Auch die Geschäftsmodelle der MOOC-Plattformen scheinen sich eingependelt zu haben. Aber vielleicht hat sich der Autor noch etwas für einen weiteren Beitrag aufgehoben.

„Ten years ago, over 300k learners were taking the 3 free Stanford courses that kicked off the modern MOOC movement. I was one of those learners.
Now, a decade later, MOOCs have reached 220 million learners, excluding China. In 2021, providers launched over 3100 courses and 500 microcredentials.
In 2021, 40M new learners signed up for at least one MOOC, compared to 60M (fueled by the pandemic) in 2020.“


Dhawal Shah, The Report by class central, 1. Dezember 2021

Bildquelle: class central

Coursera’s Monetization Journey: From Zero to IPO

Coursera ist ein MOOC-Anbieter der ersten Stunde und heute die Plattform mit dem größten Kursangebot weltweit. Dhawal Shah nimmt den Börsengang von Coursera im Frühjahr 2021 zum Anlass, die Entwicklung des Unternehmens noch einmal Schritt für Schritt nachzuzeichnen. Das reicht von der Suche nach Geschäftsmodellen und Zielgruppen bis zum Pandemie-bedingten Hoch. Von MOOCs, also von offenen (kostenlosen) Online-Kursen, ist dabei schon lange nicht mehr die Rede.

„In this article, I explain how Coursera evolved over the last decade from a startup with no revenue stream to a public company that will make over $400 million in 2021.“
Dhawal Shah, The Report by Class Central, 16. November 2021

Thrun – Udacity and MOOCs

Ich will schon seit einigen Tagen auf die interessante Porträt-Reihe hinweisen, die Donald Clark prominenten Bildungsexperten widmet. Jetzt gab es einen willkommenen Anlass, denn Sebastian Thrun war an der Reihe. Er wird eingeführt als “one of the original MOOC evangelists” und Gründer von Udacity. Unter der Überschrift “Pedagogy” geht Donald Clark in seinem Steckbrief vor allem auf das Video-Format ein, das Sebastian Thrun in seinem ersten MOOC einsetzte (“Another innovation was the hand (not head) writing on a whiteboard …”). Und unter “Criticism” werden die mit dem Format einst verbundenen Ansprüche (“a scalable alternative to college courses”) und die hohen Abbruchquoten aufgeführt.

“Influence: Thrun, while known as the founder of Udacity, delegated business responsibility down in 2016. Although Udacity had to experiment with course and business models, it remains a learning force in the MOOC movement, after its pivot towards vocational courses.”
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 1. Oktober 2021

Bildquelle: Alexander Migl (Wikipedia, CC BY-SA 4.0)

Hamburg hOERt ein HOOU! Katharina Fegebank zur HOOU

Ich kann mich noch gut erinnern, wie Olaf Scholz, damals Hamburger Bürgermeister, auf der Campus Innovation-Konferenz 2014 die Hamburg Open Online University (HOOU) ankündigte. Damals war das auch ein Zeichen gegen das Vordringen der amerikanischen MOOC-Anbieter. Vor einigen Monaten hat Olaf Scholz selbst in einem Interview über sein Projekt Auskunft gegeben. In diesem Podcast tut es Katharina Fegebank, seit 2015 die Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg. Wieder geht es um die Öffnung der Hochschulen und die Frage, wie sie zu Orten des lebenslangen Lernens für alle Zielgruppen werden können. Aber man könnte auch fragen, warum die HOOU auch hierzulande noch so wenig bekannt ist und warum sie bis heute keine Nachahmer gefunden hat.
Christian Friedrich und Nicola Wessinghage, Gespräch mit Katharina Fegebank, Hamburg hOERt ein HOOU!, 22. Juni 2021

Bildquelle: Hamburg Open Online University

Class Central Study Groups: Common Questions

Die Study Groups erinnern mich stark an die Idee der Learning Circles (Peer 2 Peer University). Oder an die lernOS-Leitfäden. Wie auch immer, der Autor zieht jedenfalls eine Verbindung zu Buchklubs bzw. Lesezirkeln: “Study Groups are an ongoing project at Class Central. You can think of them like a book club, but instead of reading a book, we’re taking an online course together with learners worldwide, supporting each other through a discussion forum, and meeting weekly for a Zoom chat.”

Der Punkt ist, dass es keine direkte, organisatorische Verbindung zwischen den Online-Kursen und den Studier-Gruppen auf Class Central gibt. Aber es ist eine naheliegende Idee, wenn man an die wachsende Zahl von Online-Ressourcen für das Selbststudium und an die Vorteile des gemeinsamen Lernens denkt. Es braucht nur etwas Initiative, entweder von öffentlichen Bildungseinrichtungen oder von engagierten Lernenden.
Manoel Cortes Mendez, The Report by Class Central, 13. Juli 2021

Bildquelle: Class Central

EMOOCS 2021 conference proceeding

Das “seventh European MOOCs Stakeholder Summit”, die EMOOCs 2021, wurde am 22. – 24. Juni 2021 vom Hasso Plattner-Institut in Potsdam als Online-Konferenz durchgeführt. Das Schöne: Die Konferenzbeiträge, über zwei Dutzend Artikel, liegen bereits online als eBook und unter einer CC-Lizenz vor. Ein kleines Manko: Es fehlt an einem einleitenden Beitrag, der einen Überblick über die Entwicklung des Marktes bzw. des Formats bietet und so die einzelnen Artikel, Themen und Perspektiven zusammenhält.
Christoph Meinel u.a. (Hrsg.), Universitätsverlag Potsdam, 2021 (via Academia)

2U + edX Analysis: Win for 2U, Risk for edX, Opportunity for Coursera

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass edX, einer der drei großen, 2012 gestarteten MOOC-Anbieter, von 2U, einem kommerziellen Anbieter von Online-Studiengängen und -Abschlüssen, übernommen wird. Dhawal Shah hat jetzt eine umfassende und kritische Analyse dieser Übernahme geschrieben. Sie enthält viele Hintergrundinformationen und Einblicke in dieses Segment des internationalen Bildungsmarktes. Aus seiner Sicht gibt edX mit dieser Übernahme seinen letzten Pluspunkt auf, nämlich das „nonprofit“ in der Riege der Online-Kursanbieter zu sein. Coursera, den Marktführer, sollte es freuen.

„If you’ve made it this far, you probably have figured out by now that I’m extremely disappointed with this development. As someone who’s followed edX and the MOOC space since day 1, this just looks like capitulation.
For years, edX presented itself as a morally superior alternative to Coursera due to its nonprofit status. But now, they’re relegated to the status of a “marketplace” that might push thousands of learners into debt.“
Dhawal Shah, The Report by Class Central, 5. Juli 2021

Bildquelle: Class Central