EmpaT – Interaktive Coaching Avatare für die Bewerbung

Ein interessantes Projekt: Es geht um eine interaktive 3D-Trainingsumgebung für Bewerbungsgespräche. „Das System erlaubt Bewerbern und Schulungspersonal, die eigenen sozialen und emotionalen Fähigkeiten in einem interaktiven Dialog mit virtuellen Avataren einzuschätzen und zu verbessern.“ Neu ist vor allem die Echtzeit-Analyse sozialer Signale wie Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung.

Das Projekt heißt EmpaT (Empathische Trainingsbegleiter für den Bewerbungsprozess), wurde vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) in Saarbrücken durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Projektergebnisse wurden in diesen Tagen präsentiert und sind hier in komprimierter Form beschrieben.

Ich habe Werkstattberichte aus diesem Projekt in den letzten Monaten gesehen. Wenn dann über die Möglichkeiten und Auswirkungen solcher Bewerbungsumgebungen diskutiert wurde, ging es immer ganz schnell um reale Bewerbungsgespräche. Dass es sich hier um eine Trainingssimulation handelt, wurde ganz schnell ausgeblendet. Vielleicht sogar zu Recht. Denn ich glaube, hier darf man sich nichts vormachen. Wenn das eine funktioniert, wird das andere kommen. Vielleicht sogar mit dem Argument gleich ablaufender bzw. vergleichbarer Auswahlverfahren (ich wollte zuerst „vorurteilsfreier Prozesse“ scheiben, bis mir wieder einfiel, dass die Avatare und Algorithmen ja nicht vom Himmel fallen …).

Avatar: Guten Tag Herr Langer. Schön, dass sie hergefunden haben. Mein Name ist Sonja Schneider und ich werde mit Ihnen das Bewerbungsgespräch durchführen. Bitte setzen sie sich!
– Bewerber: [setzt sich]
Avatar: Gut. Als erstes würde ich gerne zu Ihrem Lebenslauf kommen. Erzählen Sie mir bitte etwas über sich. Was haben Sie bis jetzt gemacht, was für die ausgeschriebene Stelle wichtig wäre?
– Bewerber: Ich bin 26 Jahre alt und habe nach der Schule eine Ausbildung bei […]
Avatar: Was Sie erzählt haben, haben alle anderen Bewerber auch schon gesagt. Sie haben da jetzt nicht gerade herausgestochen.

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI), 9. Februar 2018

Bildquelle: DFKI

Tech giants expand their presence in education

Die Beobachtung des Autors: „Amazon, Google, Microsoft, and other technology companies are growing their presence in online platforms, like edX and Coursera, to offer more courses aimed at individuals that seek training in their software or in tech subjects.“

Langsam schließt sich der Kreis: Coursera, Udacity und edX werden zu Vorposten der IT-Firmen. Sie bieten schnelle, flexible, globale und skalierbare Bildungslösungen, sie entwickeln den Nachwuchs, den die Großen brauchen, und sie folgen ihren Themen.
Alejandro Murillo, Observatory of Educational Innovation | Tecnológico de Monterrey, 2. Februar 2018 

Bildquelle: edX Blog

Mein Wochenausklang: Trends und Perspektiven im E-Learning

Trends im E-Learning sind so eine Sache. Meistens diskutieren wir ja, ob eine bestimmte Entwicklung wirklich ein Trend ist. Denn was für die einen ein alter Hut ist, klingt für andere wie ferne Zukunftsmusik. Alles eine Frage der Perspektive. Aber darum geht es mir gar nicht.

Audrey Watters hat uns kurz vor Jahresschluss noch einen schönen Artikel mit dem Titel „The Business of ‚Ed-Tech Trends’“ mitgegeben. Darin fragt sie sich, welche Themen es eigentlich in Trendreports schaffen und welche nicht. Anschließend gräbt sie sich in das Thema „personalized learning“ ein, das aus ihrer Sicht gerade die Schlagzeilen bestimmt. Doch keine klare Definition, keine Empirie, keine Erfolgsgeschichten, „so is “personalized learning” really a “trend”?“ fragt sie. Was sie zu der Beobachtung führt, dass es die großen Philanthropen dieser Tage, Bill Gates, Mark Zuckerberg und andere, sind, die die Richtung der Diskussion bestimmen. Silicon Valley und EdTech.

Gerade in diesen Tagen, Jahreswechsel und LEARNTEC, werden Trends ja überall gehandelt. Wenn man dem Augenschein traut, dann ist zum Beispiel Virtual Reality ein Trend. Auch in Karlsruhe waren die Brillen und die verzückten Gesichter ihrer Träger unübersehbar. Ein anderer Trend dreht sich um Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Analytics. Blockchain klopft leise an die Tür. Kaum ein Artikel, der nicht auch Bildung und Lernen hier Großes prophezeit. Virtual Reality und KI, aus Sicht der Industrie macht das Sinn.

Es ist noch gar nicht so lange her, da sprachen wir über Blogs, Wikis, RSS, Podcasts und die sozialen Netzwerke als die kommenden Lernthemen. Lerntechnologien, die vor allem die Nutzer stark machen sollten. Mit ihnen sollten Personal Learning Environments möglich sein und damit ein Gegengewicht zu den großen Lernplattformen. Edupunks und DIY-Learning. Heute schafft es gerade noch „Social Learning“ auf die Trendlisten. Irgendwie schlägt das Pendel also wieder in die andere Richtung aus. Denn Virtual Reality braucht Inhalte, Equipment und Experten. KI und Algorithmen brauchen Lernerdaten, aber ihre Lösungen sind deswegen noch nicht lernerzentriert. Aber vielleicht ist auch das eine Frage der Perspektive.

Bildquelle: Lindsay Henwood (Unsplash)

eLearning Trends And Predictions For 2018

Ich habe mich dieses Jahr mit Hinweisen auf eLearning-Trends und entsprechende Artikel zurückgehalten. Wenn es da eine Lücke gibt, so schließt dieser Beitrag sie. Die Autorin teilt ihre Aufzählung in drei Kapitel ein: „1. What will continue to offer value, 2. Coming of age – An increase in adoption, 3. Emerging or maturing – Watch out for“.

Im ersten Kapitel stehen die üblichen Verdächtigen – von Mobile Learning bis Informal Learning. Im zweiten Kapitel finden wir Learning Portals, Personalization und Curation; diese Trends werden bereits seit einiger zeit fleißig diskutiert, aber noch selten umgesetzt. Das Kapitel „Watch out for“ hält einerseits Augmented/ Virtual Reality, andererseits Artificial Intelligence, Big Data und Learner Analytics parat.

Die Crux an diesen Aufzählungen: Sie sind industrie- und technologie-getrieben. Es werden Unternehmen und Bildungsabteilungen angesprochen. Die Lernenden sind primär Adressaten neuer Technologien und Konzepte. Sie als Mitarbeiter und selbstorganisiert Lernende zu stärken, ihnen digitale Kompetenzen zu vermitteln, steht nicht auf dieser Tagesordnung. Auch wenn sich Social Learning in der Aufzählung befindet. Streng genommen ist auch Virtual Reality mit seinem Mehr an Technologie, Aufwand und Betreuung durch Experten hier ein Rückschritt.
Asha Pandey, eLearning Industry, 30. Januar 2018

eLearning Trends And Predictions For 2018

Ich habe mich dieses Jahr mit Hinweisen auf eLearning-Trends und entsprechende Artikel zurückgehalten. Wenn es da eine Lücke gibt, so schließt dieser Beitrag sie. Die Autorin teilt ihre Aufzählung in drei Kapitel ein: „1. What will continue to offer value, 2. Coming of age – An increase in adoption, 3. Emerging or maturing – Watch out for“.

Im ersten Kapitel stehen die üblichen Verdächtigen – von Mobile Learning bis Informal Learning. Im zweiten Kapitel finden wir Learning Portals, Personalization und Curation; diese Trends werden bereits seit einiger zeit fleißig diskutiert, aber noch selten umgesetzt. Das Kapitel „Watch out for“ hält einerseits Augmented/ Virtual Reality, andererseits Artificial Intelligence, Big Data und Learner Analytics parat.

Die Crux an diesen Aufzählungen: Sie sind industrie- und technologie-getrieben. Es werden Unternehmen und Bildungsabteilungen angesprochen. Die Lernenden sind primär Adressaten neuer Technologien und Konzepte. Sie als Mitarbeiter und selbstorganisiert Lernende zu stärken, ihnen digitale Kompetenzen zu vermitteln, steht nicht auf dieser Tagesordnung. Auch wenn sich Social Learning in der Aufzählung befindet. Streng genommen ist auch Virtual Reality mit seinem Mehr an Technologie, Aufwand und Betreuung durch Experten hier ein Rückschritt.
Asha Pandey, eLearning Industry, 30. Januar 2018

A Network of Experts: From Content Curation to Insight Curation

Das erste Thema des Artikels ist, wenn man so will, Organisationsentwicklung: neue Formen des Miteinanders, Expertennetzwerke, “wirearchy” als zeitgemäße Antworten auf die neuen Rahmenbedingungen (VUCA). Das zweite Thema betrifft die notwendige technische Infrastruktur, damit der Austausch unter Experten und in Netzwerken auch funktioniert. Hier kommt jetzt „insight curation“ ins Spiel. Es baut auf „content curation“, also der Auswahl und Sammlung von Informationen, auf, will aber auch die Erfahrungen, Ideen und den Kontext der Experten im Umgang mit diesen Materialien aufnehmen. Also all das, was im Alltag Bookmarks, Textmarker und gelbe Postits festhalten, was es aber in der Regel nicht in den organisationsweiten Austausch schafft.

Einerseits ist „insight curation“ also eine unmittelbar einleuchtende Idee. Andererseits aber sehr nahe an dem, was Enterprise Social Networks, News-Streams und Hashtags, richtig eingesetzt und genutzt, leisten können. Aber die Autoren wollen vielleicht nicht nur einen neuen Begriff, sondern auch eine neue Software-Lösung (Pandexio) promoten.
Joe Arets, Bob Danna, Charles Jennings und Laci Loew, Chief Learning Officer, 25. Januar 2018

Bildquelle: Patrick Perkins (Unsplash)

Innovations for Educators: IBM’s Teacher Advisor

„Welcome to the first entry in our “Innovations for Educators” series, spotlighting interesting technologies that have the potential to amplify and complement the work done by educators.“ So leitet das Clayton Christensen Institute, natürlich auf der Suche nach disruptiven Innovationen, diesen Artikel ein. Vorgestellt wird IBM’s Teacher Advisor, „a free online resource that helps elementary school teachers plan math lessons“. Der Teacher Advisor steht hier stellvertretend für die Versprechen der Künstlichen Intelligenz. Das Tool selbst, so heißt es, unterstützt bei der Entwicklung von Lehrplänen, indem es offene Ressourcen im Netz (OER) durchsucht und in Sekunden entsprechende Unterrichtseinheiten zur Verfügung stellt, die die Lehrenden weiter bearbeiten können. Und das System wird in der Anwendung besser. Der Autor ist jedenfalls ganz optimistisch, dass durch KI Routinetätigkeiten der Lehrenden abnehmen werden. Leider fehlen noch die Praxis- und Anwendungsfälle …
Luis Flores, Clayton Christensen Institute, 19. Januar 2018

Bildquelle: IBM/ Teacher Advisor With Watson

A Product at Every Price: A Review of MOOC Stats and Trends in 2017

Class Central hat seinen jährlichen MOOC-Überblick auf eine Reihe von Artikeln verteilt, aber hier ist sozusagen das Herzstück. Es gibt uns verschiedene Statistiken mit auf den Weg, von der Anzahl der weltweit zugänglichen Kurse bis zur Zahl der neu eingeschriebenen Studenten. Aber am interessantesten sind natürlich die sechs Trends, die aus Sicht von Class Central 2017 zu beobachten waren.

1. A product at every price point

Ursprünglich waren MOOCs offene Kurse, „open“, wie es ja das Akronym ausdrückt. Vom ersten Tag an stand aber die Frage im Raum, welches Geschäftsmodell hinter „open“ stecken kann. Heute haben die MOOC-Anbieter eine Reihe von kostenpflichtigen Formaten und Angeboten entwickelt. Class Central spricht von sechs Stufen, die von „free“ bis „corporate training“ reichen.

2. Content Paywalls

Der Punkt unterstreicht noch einmal die Geschäftspolitik der MOOC-Provider. Die Zahl der offenen Kurse nimmt ab. Immer mehr verschwindet hinter der Paywall.

3. MOOCs find their audience: Professional Learners

Auch was die Zielgruppen betrifft, folgen wir der Logik des Geschäftsmodells: „The real audience for these courses is not the traditional university student but what Levin calls the “lifelong career learner,” someone who might be well beyond their college years who takes online courses with the goal of achieving professional and career growth.“

4. Online Degrees and Corporate Training

Das sind die lukrativen Märkte, auf die die MOOC-Anbieter zielen. Zum Beispiel Coursera: „On the corporate training side, Coursera ended 2017 with more than 500 companies signed up for its Coursera for Business service, up from 30 last year.“

5. Increased Flexibility and Convenience

Ob feste Kurstermine oder „on demand“, ob längere oder kurze Module: Die Anbieter sind flexibel und passen sich den Wünschen ihrer Zielgruppen an.

6. MOOCs Are Showing Up On Campus

Erste Hochschulen beginnen, auch die MOOCs anderer Universitäten in ihre Curricula zu integrieren. Class Central zitiert hier ausführlicher einen Piloten, den die TU Delft mit acht anderen Hochschulen gestartet hat.

Auf der Plattform von Class Central findet sich eine Reihe von weiteren Artikeln, die diese Trends noch einmal vertiefen. Andere konzentrieren sich auf die Entwicklungen der großen Anbieter wie Coursera, Udacity, FutureLearn und edX. Die folgende Zusammenfassung bringt das vergangene Jahr noch einmal auf den Punkt:

„Over half a decade since their debut, MOOCs may finally have found their footing and a sustainable revenue model. No, they didn’t disrupt universities, but they may have changed how working professionals access continued learning and career advancement opportunities. The tiered monetization models enable MOOC providers and universities to monetize efficiently. The credibility and quality of the the lower tiers is boosted if the same courses are are available to earn credits or count towards degrees.

And who knows, 2017 could just have been the year MOOCs became big business.“

Dhawal Shah, Class Central, 22. Januar 2018

Bildquelle: Class Central

2018 eLearning Predictions: Updated Hype Curve

Vorneweg: Es ist alles eine Frage der Perspektive! Während Andy Hicken zum Beispiel „Curation and Subscription Learning“ heute im Tal der Enttäuschungen wähnt, werden sich andere fragen, was wohl hinter diesem E-Learning-Trend stecken mag. Und die Hoffnungsträger, die sich weiter vorne auf dem bekannten Hype Cycle wiederfinden, klingen noch verrückter. Blockchain und E-Learning zum Beispiel. Ansonsten: sehr technisch und amerikanisch. Aber es spricht ja nichts dagegen, am Ende seinen eigenen Hype Cycle á la Gartner zu bauen …
Andy Hicken, Web Courseworks, 29. Dezember 2017

Bildquelle: Web Courseworks

Prediction 5: The integration between work and learning will need to be seamless

Die HR Experten von Bersin by Deloitte haben am 15. Januar mit einer Reihe täglicher Trendartikel begonnen. Die fünfte Prognose bezieht sich unmittelbar auf Corporate Learning, wenn es heißt, dass die weitere Integration von Arbeiten und Lernen 2018 ins Zentrum vieler Lernstrategien und -aktivitäten rücken wird. Integration, das heisst für die Bersin-Autorin, „the focus shifts from programs and courses to creating a seamless experience for employees“. An drei Punkten kann diese Entwicklung festgemacht werden:

„1. New technology helps people learn as they work.“
Hier werden verschiedene neue Plattformen und Systeme genannt, „learning engagement platforms“, aber auch Plattformen, die nicht EdTech sind, aber auf das Lernen einzahlen.
„2. Learning organizations are getting better at using data.“
Big Data und Learning Analytics machen personalisiertes Lernen und die unmittelbare Verbindung von „learning and performance“ möglich. Vielleicht ist man in den USA schon weiter, aber aus heutiger Sicht ist das für die meisten Organisationen noch Zukunftsmusik.
„3. Learning organizations realize that learning and development can be its own reward.“
Hier geht es um exklusive Lern- und Entwicklungsangebote, um neue Mitarbeiter anzuziehen. Diese Trauben sind erreichbar …

Wie gesagt, der Beitrag bildet nur einen Ausschnitt der kommenden HR Agenda ab. Aber er nimmt die Digitalisierung als treibende Kraft in Unternehmen ernst und deutet an, was an Chancen oder Herausforderungen, je nach Perspektive, auf uns zukommt.
Dani Johnson, Bersin by Deloitte, 18. Januar 2018

Bildquelle: NordWood Themes (Unsplash)