Entwicklungstendenzen technologiegestützten Lernens

Den relativ offenen Titel habe ich der Messe Zukunft Personal vor einigen Wochen zugerufen, um später noch überlegen zu können, wie ich ihn fülle. Da ich den letzten Vortrag der Veranstaltung hatte, wollte ich den verbliebenen Besuchern etwas Nützliches an die Hand geben und habe mich für einen Überblick über einige wichtige, etablierte Trendberichte und Studien entschieden. Wenn ich in der Aufzählung etwas vergessen haben sollte, bitte einfach ergänzen bzw. kommentieren.
Jochen Robes, Zukunft Personal Europe, 13. September 2018 (via SlideShare)

Bildquelle: Zukunft Personal Europe

Entwicklungstendenzen technologiegestützten Lernens

Den relativ offenen Titel habe ich der Messe Zukunft Personal vor einigen Wochen zugerufen, um später noch überlegen zu können, wie ich ihn fülle. Da ich den letzten Vortrag der Veranstaltung hatte, wollte ich den verbliebenen Besuchern etwas Nützliches an die Hand geben und habe mich für einen Überblick über einige wichtige, etablierte Trendberichte und Studien entschieden. Wenn ich in der Aufzählung etwas vergessen haben sollte, bitte einfach ergänzen bzw. kommentieren.
Jochen Robes, Zukunft Personal Europe, 13. September 2018 (via SlideShare)

Bildquelle: Zukunft Personal Europe

Artificial Intelligence Is Poised to Expand in Higher Education

Der Artikel hat keinen aktuellen Aufhänger, deshalb lege ich ihn einmal unter „Stimmungsbild“ ab. „Artificial Intelligence“, so eine Zwischenüberschrift, „serves faculty as time-saving assistants“. So gibt es bereits AI-Anwendungen, die bei der Beantwortung wiederkehrender Fragen von Studierenden unterstützen oder ihre  Lösungswege in Mathe-Hausaufgaben analysieren. Die abschließende Empfehlung lautet deshalb: „… AI could prove to be a valuable support tool if faculty and curriculum development experts have a voice in its adoption“.
Erika Gimbel, EdTech, 10. September 2018

Bildquelle: Markus Spiske (Unsplash)

Chatbots a gamechanger in learning? The BIG debate at LPI

Donald Clark hat sich auf der LPI Konferenz in London für diese These ins Rennen geworfen und die finale Abstimmung gewonnen. Seine Punkte: „AI is a gamechanger“, „Evidence from consumers“, „Chatbots across the learning journey“ und einiges mehr. Aber er gibt auch den Fragen der Teilnehmenden Raum, z.B. „Chatbots need to capture pedagogy“.

„An important feature of modern chatbots, compared say to ELIZA from the 1960s, is the fact that they now learn. This matters as the more you train and use them, the better they get. We used to have just human teachers and learners, we now have technology that is both a teacher and learner.“
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 7. September 2018

Bildquelle: methodshop.com (flickr, CC BY-SA 2.0)

25 Years of Ed Tech: Themes & Conclusions

Anfang Juli hatte Martin Weller bereits einen lesenswerten Artikel zum Thema veröffentlicht („Twenty Years of Edtech“), auf den ich auch an dieser Stelle hingewiesen hatte. Was ich in der Folge jedoch übersehen habe: Martin Weller hat anschließend jedem Jahr und jeder Technologie noch einen eigenen Blogbeitrag gewidmet. Es sind jetzt sogar 26 Jahre bzw. Beiträge geworden. 2018, das nur am Rande, steht übrigens für ihn im Zeichen von „Critical Ed Tech“.

Mit dem vorliegenden Beitrag schließt diese Serie. Martin Weller hält hier hoch, was sich aus seiner Sicht durch alle Jahre und Entwicklungen zieht: zum Beispiel, dass im Widerstand der Hochschulen gegenüber schnellen Veränderungen auch eine Stärke liegt; dass EdTech ein Bereich ist, wo sich viele Disziplinen und Menschen für eine bestimmte, oft kurze Zeit treffen – was zu fortwährenden Wiederholungen und Schleifen in der Diskussion führt; dass sich die Frage, ob neue Technologien in der Bildung eine unterstützende oder (die Lehrenden) ersetzende Funktion haben, wie ein roter Faden durch die Geschichte von EdTech zieht.

Kurz: Ein schöner Abschluss einer Serie, die sich zu den Highlights des Jahres gehört und die man auch als Corporate Learning-Interessierte mit Gewinn lesen kann.
Martin Weller, The Ed Techie, 5. September 2018

Bildquelle: Jeff Cooper (Unsplash)

Zugführer im Cyberspace

Die Nachricht: „Bei der Deutschen Bahn bereiten sich derzeit rund 100 Zugführer per Virtual-Reality-Training auf ihre Arbeit im ICE 4 vor.“ Also hat die Redaktion von Golem.de einen Mitarbeiter losgeschickt, um sich das Ganze einmal aus der Nähe anzuschauen. Jetzt kann er erzählen, dass ein Training in „echten Zügen“ schwierig ist, denn die sollen ja fahren und Kunden befördern. Also können einzelne Arbeitsschritte auch virtuell geübt werden. Dafür braucht es eine HTC Vive, Zugang zur Plattform „Engaging Virtual Education“ (Eve) und natürlich einen Trainer, der das Ganze steuert und aufpasst, „dass keiner über die Kabel der HCT Vive stolpert“. Training in echten Zügen gibt es aber auch noch. Ganz am Ende des Artikels findet sich dann der Hinweis, dass die Bahn auch mit Augmented Reality experimentiert: „Wartungstechniker können sich etwa mit einem Microsoft Hololens auf der Nase bei der Beschäftigung mit Weichensystemen oder Technikschränken zusätzliche Informationen einblenden oder bei der Überprüfung der Toleranzwerte von Schienen helfen …“
Peter Steinlechner, Golem.de, 5. September 2018

Bildquelle: Daniel Abadia (Unsplash)

The Education Revolution will not be televised

Ein längeres Interview mit Anthony Seldon, der gerade ein Buch geschrieben hat: „The Fourth Education Revolution: Will Artificial Intelligence liberate or infantilise humanity?“ Im Gespräch ist der Autor positiv gestimmt und schwärmt von den Möglichkeiten, die AI bieten kann: personalisiertes Lernen mit neuen Schwerpunkten („curiosity intelligence, emotional intelligence, artistic intelligence“) und in offenen Lernumgebungen, in denen sich Lernende ihre Kurse nach persönlichen Vorlieben und über institutionelle Grenzen hinweg zusammenstellen.

„Seldon draws attention to the fact that the first educational revolution began when Homo sapiens emerged around 200,000 years ago. This was the beginnings of learning, when our humanoid forebears gathered around fires and learned how to make clothes and tools, handing this knowledge down to their offspring. The second education revolution began with the rise of institutionalised learning in schools and writing in Ancient Egypt and Mesopotamia around 2000 BC. The third revolution began with mass education, helped by the printing press during medieval Europe, and the fourth revolution is the coming of AI, robotics in our present age.“

JP O’Malley, Scenario Magazine, 30. August 2018

Real learning in a virtual world

Es geht, natürlich, um Virtual Reality. Die Deloitte-Autor*innnen schildern, wie es gerade für komplexe, gefährliche, seltene Szenarien eine neue und wirkungsvolle Option bietet. Von offensichtlichen Handlungsfeldern wie der Luftfahrt und der Medizin ist die Rede, vom Handeln in Krisen und bei Unfällen, aber auch von alltäglichen Aufgaben wie der Zubereitung eines Chicken Sandwichs (wird wirklich erwähnt!).

Der Artikel holt etwas aus („Was ist Expertise?“), schildert zahllose Beispiele und gibt Kriterien an die Hand, um zu entscheiden, ob sich mit Blick auf die Aufgabenstellung und die Entwicklungskosten der Einsatz von Virtual Reality lohnt. Die Beispiele sind zum Teil offensichtlich. Offen bleibt das Operative: Wie sieht eigentlich eine Lernumgebung aus, die mit Virtual Reality arbeitet? Erweitert sie bestehende Trainingsszenarien einfach um ein Tool? Taucht jeder Teilnehmer dann für sich und nacheinander in eine virtuelle Welt? Braucht es die Trainer noch, die etwas zurückmelden oder ergibt sich das Feedback aus der Simulation selbst? Kurz: Eine Case Study wäre jetzt hilfreich.
Tony DeMarinis, Lynne Calligaro, Cary Harr und Joe Mariani, Deloitte Insights, 14. August 2018

Bildquelle: Deloitte analysis/ Deloitte Insights

“My teacher is a hologram”. Tec gives classes using telepresence technology

Dieses Spielfeld ist nicht so einfach einzuordnen: Ein weiterer Schritt in Richtung Virtualisierung der Lehre? Oder eine Entwicklung „to personify and humanize education“, wie es die Beteiligten selbst einschätzen? Nun ist schon Telepresence, also die Darstellung der Gesprächsteilnehmer in Lebensgröße, an besondere technische Rahmenbedingungen gebunden. Lehrende wie Studierende müssen sich in entsprechend ausgestatteten Räumen befinden. Jetzt kommt noch die holografische Komponente hinzu, die den Lehrenden (und um ihn geht es in diesem Kontext zunächst) „lebensechter“ erscheinen lässt. Fernlehre plus sozusagen. Jüngst erprobt an der Tecnológico de Monterrey.
Tecnológico de Monterrey/ Observatory of Educational Innovation, 28. August 2018

Bildquelle: Observatory of Educational Innovation

20 Ways Blockchain Will Transform (Okay, May Improve) Education

Geht noch etwas über die Blockchain? Der Artikel kommt nach einem kurzen Vorspann direkt zur Sache und zählt 20 Use Cases auf, von 1. Transcripts bis 20. Bonds. Nicht alle Beispiele betreffen das Kerngeschäft von Bildung, einige eher äußere Arbeitsbereiche von Bildungsinstitutionen (z.B. 8. Energy management). Aber Tom Vander Ark weist bei vielen Punkten auf (amerikanische) Startups und Projekte hin, die bereits aktiv sind.

„Blockchain is a public ledger that automatically records and verifies transactions. The distributed ledger technology (DLT) powers Bitcoin, Ethereum and other virtual currencies [… ] Use cases for a transparent, verifiable register of transaction data are numerous because DLT operates through a decentralized platform making it fraud resistant.“
Tom Vander Ark, Forbes, 20. August 2018

Bildquelle: Hitesh Choudhary (Unsplash)