2019 Tech Trends Report

Das amerikanische Future Today Institute hat seinen 12. Trend-Report veröffentlicht. Ein monumentales Werk, das 315 Tech-Trends auf 381 Seiten präsentiert („Do not try to read it in one sitting.“). Ich habe etwas gestöbert und gelesen. „Künstliche Intelligenz“ stellt nicht nur eine Reihe von Trends, sondern ist sicher der rote Faden, der sich durch die gesamte Studie zieht. Dann gibt es einleitend diese Key Takeaways:

„- Privacy is dead.
– VSO [Visual search optimization] is the new SEO.
– The Big Nine [Google, Amazon, Microsoft, Apple, IBM, Facebook; Baidu, Alibaba, Tencent].
– Personal data records are coming. China continues to ascend, and not just in artificial intelligence.
– Lawmakers around the world are not prepared to deal with new challenges that arise from emerging science and technology.
– Consolidation continues as a key theme for 2019.“

Wie gesagt, wenn wir an KI, an Chatbots, Robotics und Learning Analytics denken, betreffen unzählige Themen dieses Reports Weiterbildung und Lernprozesse. Drei Trends sprechen das Thema sogar direkt an:

– [274] Productivity Bots: Hier geht es zum Beispiel um Slack und viele andere nützliche Helfer im Arbeitsalltag …
– [275] Adaptive Learning: Hier geht es um personalisierte Lernangebote, die sich den Vorlieben und dem Wissen ihrer Nutzer anpassen …
– [276] Nanodegrees: Hier geht es um die neue Klasse von Zertifikaten, die Udacity (zumindest was den Begriff betrifft) vor einigen Jahren eingeführt hat … Was daran aber ein „Tech Trend“ sein soll, erschließt sich mir nicht ganz.
Future Today Institute, 9. März 2019

Horizon Report Preview| 2019 Higher Education Edition

Stephen Downes schreibt: „This report (11 page PDF) carries on Horizon’s long-standing tradition of predicting things that have already happened.“ Ein guter Punkt, denn auch die diesjährigen Vorhersagen nimmt man eher schulterzuckend mit: Mobile Learning und Analytics Technologies („Time-to-Adoption Horizon: One Year or Less“); Mixed Reality und Artificial Intelligence („Two to Three Years“); Blockchain und Virtual Assistants („Four to Five Years“).

Hinzukommt, so Stephen Downes, dass die Erklärungen einzelner Trends wie z.B. Blockchain noch sehr vage ausfallen. Okay, es ist eine Preview. Aber die Beteiligten scheinen schon seit einigen Jahren in ihrer Systematik von Trends, Challenges und Developments sowie ihren Abstimmungsprozessen (Delphi) festzustecken.
EDUCAUSE, 28. Februar 2019 (pdf)

Augmented Reality – technische Spielerei oder Bereicherung für den Unterricht?

Ich verlinke diesen Artikel, weil er noch einmal „Augmented Reality“ (AR) einführt, nicht nur, aber vor allem als Erweiterung des Klassenzimmers. Der Autor stellt AR als „computergestützte Erweiterung unserer Realität“ vor und merkt dann an, dass uns im Alltag heute AR an vielen Stellen begegnet, der Bildungsbereich aber diesen Entwicklungen hinterherhinkt. Praxistauglich sind, so der Autor, vor allem Location-Based-AR (ortsgebundene AR) und Image-Based AR (bildgestützte AR). Wichtig ist, dass die neuen Möglichkeiten in kooperative Lernprozesse eingebettet werden. Dass sich Lernen mit AR positiv auf das Interesse und die Motivation der Lernenden auswirken und zu besseren Testergebnissen führen, spricht auch nicht gegen AR.
Josef Buchner, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 11. Februar 2019

Bildquelle: zedinteractive (pixabay, CC0)

Deutschland: Wenn Roboter unterrichten

Über Anglistik-Professor Jürgen Handke und seinen humanoiden Roboter „Yuki“ habe ich hier schon mehrmals berichtet. Jetzt ist die erste Phase des Projekts abgeschlossen. Und der Film der Deutschen Welle (12:36 Min.) bringt die Möglichkeiten und Grenzen dieses Experiments sehr anschaulich auf den Punkt. „DW-Reporterin Anna Marie Goretzki begleitet Yuki einen Arbeitstag lang und schaut, wie viel Zukunft in diesem Projekt steckt.“
Deutsche Welle, 25. Februar 2019

Bildquelle: Deutsche Welle

 

Experten: Digitales Lernen schon fest im Alltag verankert

Gestern durfte ich im Haus der Musik im schönen Wien sprechen. Eingeladen hatten die APA – Austria Presse Agentur und styria digital one (sd one). Unter dem Label „Digital Business Trends“ veranstalten sie regelmäßige Themenabende für die digitale Community. Dieses Mal war „digitales Lernen“ an der Reihe.

Hier die Zeilen, mit denen die Redaktion meinen Impuls zusammengefasst hat:

„„Wir brauchen nicht diskutieren, ob digitales Lernen kommt. Das ist bereits ein milliardenschwerer Markt“, so Jochen Robes vom Beratungsunternehmen Robes Consulting. Eine Unterscheidung zwischen „analog“ und „digital“ sei überflüssig. Wo und wann Lernprozesse beginnen, würden die Menschen heutzutage selbst entscheiden. Dabei gehe es nicht mehr um „elektronische Unterweisungen“. Im Vordergrund stünde Wissen und Erfahrung auszutauschen, beispielsweise auch über Netzwerke im Unternehmen.

Traditionelle Bildungsinstitutionen hätten aber noch Probleme, die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Bibliotheken und Volkshochschulen müssen sich neu erfinden, sonst sind sie in ein paar Jahren obsolet. Die sagen YouTubern nichts mehr“, ist Robes überzeugt. Es fehle oft noch an den digitalen Kompetenzen des Bildungspersonals, am Wissen um neue Bildungskonzepte, die das Alte mit dem Neuen kreativ verbinden, sowie an entsprechenden Geschäftsmodellen.“

Und hier geht es zu meinen Slides.
Digital Business Trends, 22. Februar 2019

Making Learning a Part of Everyday Work

Es geht ums lebenslange Lernen. Wie kann es umgesetzt, gelebt und gefördert werden? Die Autoren, Josh Bersin und Marc Zao-Sanders, haben da eine „Idee“, ja, ein neues „Paradigma“ (!?) entwickelt, das sie „learning in the flow of work“ nennen. Wenn man diese kleine gedankliche Hürde einmal genommen hat, erhält man eine Liste mit kurzen, pragmatischen Hinweisen und Tipps. Einige erinnern mich an „work hacks“ bzw. „learn hacks“, die ja gerade landaus, landein ums agile Arbeiten gehandelt werden.

Zuerst geht es um „bottom-up learning“ („the perspective of the individual“:
– Practice metacognition and mindfulness;
– Maintain a to-learn list;
– Use tech-enabled tips as you work
– Calendarize dedicated learning time into your work schedule
– Subscribe to a small number of high-quality, hyper-relevant newsletters;
– Contribute actively, expertly, and kindly to a learning channel where work actually happens.

Dann folgt „top-down learning“ („the perspective of the corporate“):
– Make sure corporate knowledge systems are accurate and easy to use;
– Share content internally;
– Leverage APIs to bring content to the workplace;
– Devote a channel in your corporate communications software to learning;
– Consider a conversational or chat interface;
– Place learning in the inbox.

Josh Bersin und Marc Zao-Sanders, Harvard Business Review, 19. Februar 2019

Bildquelle: Bram Naus (Unsplash)

What is ‘adaptive’ learning?

Eine gute Frage. Gerade, weil „adaptive“ überall gehandelt wird und sehr viel Spielraum für Deutungen lässt. Und jetzt kommt noch AI, also Künstliche Intelligenz, hinzu. Also versucht Donald Clark eine Übersicht. Vorab gibt er uns diese Definition mit auf den Weg: „In essence it means adapting the online experience to the individual’s needs as they learn, in the way a personal tutor would adapt.“ Dann noch eine kurze Leseempfehlung (Benjamin Bloom: The 2 Sigma Problem). Und schon sind wir mitten in der Aufzählung. Die einzelnen Gliederungspunkte lauten:
Pre-course adaptive, within-course adaptive, across courses adaptive, post-course adaptive.

Wer ein adaptives Lernsystem einmal selbst erleben will, dem empfiehlt Donald Clark Duolingo. Nützlich.
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 12. Februar 2019

Bildquelle: Helloquence (Unsplash)

Der Computer hilft beim Sprachenlernen

Skurril? Oder nützlich? Ist das der Segen von KI? Forscher, so zu lesen in der NZZ, sind dabei, einen lernenden Algorithmus zu entwickeln, um das Vokabellernen zu optimieren. Denn bisher sind die entsprechenden Hilfen, ob Karteikartensysteme oder Online-Algorithmen, noch ziemlich grobkörnig und schematisch. Was können nun die neuen Systeme?

„Unser Algorithmus kann für jeden Lerninhalt und jeden Lernenden eine eigene optimale Wiederholungsfrequenz aus den beobachteten Vergessensraten berechnen“, sagt Manuel Gomez-Rodriguez vom Max-Planck-Institut für Software-Systeme. Für jeden Lerninhalt ein eigenes Modell der Vergessenswahrscheinlichkeit, heißt es. Dann kämen noch die individuellen Nutzungsdaten hinzu. Erprobt wird es derzeit mit Duolingo, der Sprachlernplattform.

Immerhin schließt der Artikel dem Hinweis: „Modelle wie die von Gomez-Rodriguez seien ein klarer Fortschritt, aber sie bildeten nicht alles ab, was das Lernen beeinflusse.“
Christian Honey, Neue Zürcher Zeitung, 2. Februar 2019

Bildquelle: strichpunkt (pixabay, CC0)

L&D GSS 2019: The results

Der etwas kryptische Titel steht für die Learning and Development Global Sentiment Survey, die der britische Bildungsexperte Donald H. Taylor einmal im Jahr durchführt. Sie umfasst eine einzige, kurze Frage: „What will be hot in workplace L&D in [this year]?“ Fast 2.000 Interessierte haben an dieser Auflage mitgewirkt. Die Resultate will Donald Taylor noch etwas aufbereiten, aber das Ranking steht bereits online.

 

 

Für die ersten Plätze gibt es auch eine kleine Lesehilfe des Experten:
„- Personalization leads the table for the third year, but for how long will this continue? Its share of the vote declined this year, as it did the previous year. 
Artificial intelligence continues its unprecedented rise from #8 in 2017 to #3 in 2018 to #2 today. No option has seen such growth in interest across the 6 years of the survey.
Learning analytics led the voting for several weeks at the beginning of polling. This new entry is clearly a strongly-favoured topic.
Collaborative/social learning once dominated these rankings. What does it fall from last year’s #2 position to #4 this year mean?“

Anzumerken ist auch, dass MOOCs, Games/ Gamification und Next Generation Learning Platforms aus der diesjährigen Wertung gefallen sind (wobei der letzte Punkt durch „learning experience platforms“ eine würdige Vertretung gefunden hat). Welche konkreten Berührungspunkte Learning & Development hierzulande allerdings mit den ersten drei Plätzen haben wird, bleibt abzuwarten.
Donald H. Taylor, Blog, 25. Januar 2019

Bildquelle: Donald H. Taylor

VR Enters Corporate Learning With A Vengeance: And The Results Are Amazing

Josh Bersin ist Fan geworden. Virtual Reality (VR) besitzt „riesiges Potenzial“ für Corporate Learning“, die Technologie ist „erwachsen“ geworden, ein „großer Markt“ entsteht. Ja, „Immersive Learning“, das für die Lernerfahrungen mit VR steht, ist gar ein neues Lernparadigma geworden.  So der Analyst.

Ich bin da noch etwas zurückhaltender. Da sind wir mittendrin, das Lernen aus den Schulungsräumen in den Arbeitsalltag zu holen, da entstehen mit VR wieder neue, künstliche Lernumgebungen. Auf der anderen Seite: VR ermöglicht Lernerfahrungen, die der Wirklichkeit nahe kommen – ohne die Risiken und Kosten, die ein Training in realen Situationen mit sich bringen würde.

„And there are a myriad of high-risk, high-cost operational environments to consider. How will you train someone to deal with a robber who points a gun in their face? How will you train a utility service worker to crawl into a manhole safely? How will you train a driver to avoid an accident?“

Josh Bersin zählt viele solcher Beispiele auf und verlinkt einige Videos. Dabei kommt er leider fast ausschließlich auf STRIVR Labs zu sprechen, „the leader in the space …“
Josh Bersion, 27. Januar 2019

Bildquelle: Martin Sanchez (Unsplash)