Erweiterung des Training-Formate-Mix bei Swissmem Academy

„Die Swissmem Academy ist das Bildungszentrum von Swissmem, dem führenden Verband für KMU und Grossfirmen der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) sowie verwandter technologieorientierter Branchen“, heißt es einleitend. Dort hat man sich vor zwei Jahren entschlossen, das Lernportfolio um SwissmemSpaces, zu erweitern, eine Desktop-VR-Umgebung, hinter der die TriCAT GmbH steht. Christoph Bosshard, Bildungsmanager bei der Swissmem Academy, berichtet in diesem Interview von den Erwartungen, die man mit der Einführung dieses Angebots verbindet, und ersten Erfahrungen von Lehrenden und Lernenden. 

„Das virtuelle Gebäude ist mit kleinen und grossen Meetingräumen, einem Auditorium für bis zu 100 Personen, einem Coachingbereich sowie einem weitläufigen Garten mit Feuerstelle, Schachspiel und einer Vielzahl von Sitzgelegenheiten ausgestattet. Es bietet eine grosse Anzahl von Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten, Lernen und informellen Austausch – vorausgesetzt man lässt sich im Aussenbereich nicht zu sehr vom Zwitschern der Vögel und dem Luftschiff mit der Aufschrift «Swissmem Academy» ablenken.“

Gibt es eigentlich schon weiteren Akademien und Bildungsträger im deutschsprachigen Bereich, die VR-Lernumgebungen einsetzen?
Christoph Meier, Gespräch mit Christoph Bosshard, scil/ Blog, 10. Juli 2020

Teilstudie: Künstliche Intelligenz in der betrieblichen Bildung

Ich verlinke diese Studie, weil die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in der Bildung derzeit an vielen Stellen diskutiert werden. Leider wirft diese Studie mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Doch der Reihe nach: Die Studie liefert einige Definitionen zum Thema, zeichnet historische Entwicklungen in der KI-Forschung und -Anwendung nach, um schließlich bei einzelnen Anwendungsfeldern in der Bildungsarbeit anzukommen. Das sind die bekannten Chatbots und adaptiven Lernsysteme, die Lerninhalte kuratieren, erstellen und personalisieren. Learning Analytics wird noch genannt. Diese Beispiele werden durch kurze Experten-Statements gestützt. Einen roten Faden bieten ausgewählte Ergebnisse der eLearning BENCHMARKING Studie 2020.

Jetzt zu meinen Fragezeichen: Da heißt es zum Beispiel, „34,1% der Befragten der BENCHMARKING Studie 2020 gaben an, bereits ein Adaptives Lernsystem in der betrieblichen Bildung ihres Unternehmens zu nutzen oder kurz- bis mittelfristig zu planen“. Das hilft dem neugierigen Leser nur bedingt weiter.

Stichwort „Adaptive Lernsysteme“: Ich wüsste gerne genauer, was die Beteiligten darunter verstehen und an welche konkrete Systeme und Anbieter sie hier denken. Das könnte helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Oder wenn in der Studie von der „fehlenden Akzeptanz von KI bei den Lernenden“ als Herausforderung die Rede ist. Worauf basiert diese „fehlende Akzeptanz“? Sind es Annahmen der Personalentwicklung? Allgemeine Bedenken der Lernenden gegenüber Big Data? Oder konkrete Rückmeldungen der Lernenden? Aber was sollten Nutzer gegen adaptive Lernsysteme oder Chatbots haben, soweit sie ihren Einsatz überhaupt bemerken …  
Frank Siepmann (Hrsg.), eLearning Journal, Juli 2020 (Registrierung erforderlich)  

Leben, Arbeit, Bildung 2035+

Vorneweg: Ich habe es noch nicht geschafft, diese Studie des Münchner Kreises und der Bertelsmann Stiftung, die diese Woche erschienen ist, komplett zu lesen (168 Seiten). Aber nach einem ersten Blick könnte sich die Lektüre lohnen. An dieser Stelle schon einmal die wichtigsten Eckdaten zur ersten Einordnung:

  • Der Münchner Kreis, so heißt es bescheiden auf der hauseigenen Webseite, ist „die führende unabhängige Plattform zur Orientierung für Gestalter und Entscheider in der digitalen Welt“.
  • Die aktuelle Zukunftsstudie geht der Frage nach, „wie Künstliche Intelligenz (KI) in den kommenden Jahren die Bereiche Leben, Arbeit und Bildung verändern wird“.
  • Um diese Frage zu beantworten, wurden über 500 ExpertInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft befragt (Delphi-Methode).
  • Dabei wurden von den Herausgebern und ExpertInnen 53 Zukunftsthesen entwickelt und bewertet. Hinzu kommen Empfehlungen an die Politik.
  • 16 Thesen betreffen den Bereich „Bildung“. Und bei vier dieser 16 Thesen kamen die ExpertInnen zu der Einschätzung, dass ihre Realisierung in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich ist.
  • Eine „wahrscheinliche“ These lautet zum Beispiel:
    „Der KI-Architekt (analog zum Software-Architekten) ist ein anerkanntes Berufsbild in Deutschland.“
  • Eine „abgelehnte“ These dagegen lautet:
    „KI -Technologien haben das bestehende Bildungssystem (klassische Akteure, Einrichtungen, Abschlüsse) in Deutschland aufgelöst.“

    Die Erklärung: „52 Prozent der befragten ExpertInnen gehen davon aus, dass die These wahrscheinlich nie eintreffen wird. Aus einer Vielzahl an verschiedenen Gründen gehen die Angst vor Kontrollverlust, eine drohende Entmenschlichung und die fehlende technische Machbarkeit als die drei Hauptgründe gegen die These hervor.“

Angemerkt sei noch, dass auch eine Reihe von Thesen, die im Bereich „Arbeit“ entwickelt wurden, mit Bildungs- und Lernprozessen zu tun hat. Alle Thesen werden in Form von kurzen, einheitlichen  Steckbriefen vorgestellt.
Münchner Kreis und Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), 24. Juni 2020 (pdf)

Modulare Ausbildung Qualitätsmanagement

Ich will jetzt nicht für dieses Weiterbildungsangebot der TÜV Süd Akademie werben. Aber die geplante Umsetzung hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Teilnehmende können nämlich ab Juli 2020 zwischen drei Formaten wählen („Welcher Lerntyp sind Sie?“). Es gibt die Ausbildung als Präsenzseminar, als Blended Learning und als Onlinetraining. Auf der Webseite heißt es:

Präsenztraining:
– 5 Tage Präsenzseminar
– „Klassische Ausbildung, wie Sie es gewohnt sind“

Blended Learning:
– Begleitete Selbstlernphase
– 3 Tage Präsenzseminar

Onlinetraining:
– Begleitete Selbstlernphase
– 3 Tage Live Onlinetraining

Die Kosten für die drei Formate sind übrigens gleich. Ich bin gespannt, ob sich dieses Modell durchsetzen wird. Oder ob Bildungsanbieter im Zeichen der Corona-Krise weitere Varianten entwickeln.
TÜV Süd Akademie, Juni 2020


TikTok makes moves into education market

Ich bin kein TikTok-Nutzer, so dass ich diese Nachricht einfach weiterreiche. Hier das Wichtigste:

„Social media giant TikTok has announced plans to commission hundreds of experts and institutions to produce educational content for the platform.
Universities and charities are among those who will be paid to create bespoke content for the social media giant.
The new focus could appeal to the trend for micro-learning, said one expert.“

Ein Zuruf von außen: Die Einbeziehung von Plattformen wie Instagram, WhatsApp oder TikTok in Bildungs- und Lernprojekte kann ein spannendes Experiment sein, gerade um mit jüngeren Zielgruppen zu arbeiten. Als ein Baustein solcher Projekte. Social Media-Plattformen wie TikTok haben hier natürlich eine andere Perspektive, wenn sie von Microcontent oder Microlearning sprechen: Sie wollen die Nutzung ihrer Plattform steigern und suchen nach entsprechenden Strategien. Was außerhalb ihrer Plattformen passiert, steht erst einmal nicht im Fokus.
Osman Iqbal, BBC News, 18. Juni 2020

Bildquelle: Kon Karampelas (Unsplash)

Schönes neues Lernen

Ein interessanter Artikel, der die Geschichte von Derek Haoyang Li erzählt, dem Gründer von „Squirrel AI“, einem chinesischen Anbieter von Online-Unterricht. Es geht folgerichtig um AI, um Algorithmen und um adaptives Lernen: 

„„Squirrel AI“ verbessert seine Ergebnisse unter anderem dadurch, dass es ständig Daten über seine Nutzer aufsaugt. Während Huangs Unterrichtseinheit speicherte das System jeden Tastendruck, jede Cursor-Bewegung, richtige oder falsche Antworten, welche Texte er gelesen und welche Videos er geguckt hat. Diese Daten erhalten einen Zeitstempel. So lässt sich erkennen, wo er eine bestimmte Aufgabe übersprungen oder zögerlich bearbeitet hat. Jedes „Nugget“ wird ihm dann basierend auf der Analyse der gesammelten Daten kombiniert mit den Daten von zwei Millionen anderen Schülern angeboten. „Computer-Tutoren haben mehr Lehrerfahrung zur Verfügung, als Menschen jemals sammeln könnten, selbst nach einhundert Jahren Lehrtätigkeit“, sagt „Squirrel“-Chef Tom Mitchell.“

Im zweiten Teil des Artikels kommt der Autor auch auf die Schattenseiten der „KI-Bildungsrevolution“ zu sprechen: Systeme der Gesichtserkennung, mit denen der Unterricht optimiert werden soll, die Fokussierung von KI-Systemen auf einfache Bildungsaufgaben wie die Prüfungsvorbereitung sowie die Einbettung der KI in ein System des Überwachungsstaats.
Alex Beard, der Freitag, 2020/ 21

Die Zukunft der Personalentwicklung – Wie Künstliche Intelligenz das menschliche Lernen verändern wird

Ich zögere etwas bei diesem KI-Überblick. Zum einen, weil viele Beispiele für Künstliche Intelligenz in der Personalentwicklung noch in den Kinderschuhen stecken, wie auch Nicole Behringer schreibt. Zum anderen, weil mich die Beispiele aus der Lernendenperspektive nicht richtig „packen“. Meine Anfrage an die Seminarorganisation beantwortet in Zukunft ein Chatbot: Okay! Der Vortrag einer chinesischen Expertin wird mit KI live untertitelt: Sehr schön! Aber es bleiben die gleichen Lernkonzepte und -prozesse. Sie funktionieren zukünftig automatisierter, effizienter, auch individualisierter. Ob die dabei eingesparten Ressourcen dann an anderer Stelle in Beratung, Coaching und direkte Kontakte investiert werden, ist eine nachgelagerte, strategische Entscheidung und hat mit KI erst einmal nichts zu tun.

Bleibt der persönliche Lernassistent, der uns, so die abschließende KI-Vision von Nicole Behringer, „ein Leben lang begleitet“. Ich mag dieses Bild (und denke an Apple’s „Knowledge Navigator“ aus dem Jahr 1987). In der Schilderung von Nicole Behringer heißt ihr Assistent „Matti“, und sie schreibt: „Übrigens sind Matti, Siri und Alexa „dicke Freunde“ und nachts, wenn ich schlafe, schmieden sie Pläne, was sie am nächsten Tag mit mir vorhaben… eine dystopische Vorstellung, oder?“ Ja, irgendwie schon.
Nicole Behringer, wissensdialoge.de, 9. Juni 2020

Bildquelle: Markus Spiske (Unsplash)

Agiles Lernen: Interview mit Prof. Dr. Nele Graf

Nele Graf (Hochschule für angewandtes Management/ Mentus GmbH) ist hier zu Gast in der zweiten Folge des Podcast „Klartext HR“. Im Gespräch mit Stefan Scheller führt sie uns durch das Konzept des Agilen Lernens und grenzt es dabei von Begriffen wie  „Learning 4.0“ und „New Learning“ ab. Dabei bringt sie viele Stichworte sehr klar und konsistent unter einem Dach zusammen.

An der einen oder anderen Stelle hätte ich etwas vorsichtiger formuliert und ein „ich verstehe darunter …“ anstelle einer Definition angeboten. Und manchmal denke ich, dass agiles Lernen jetzt einfach noch den Schriftzug  „Anpassungsfähigkeit“ über bekannte Themen wie Ermöglichungsdidaktik und selbstgesteuertes Lernen sowie Formate wie BarCamps, Communities of Practice und Working Out Loud setzt. Aber das nur am Rande …
Stefan Scheller, Gespräch mit Nele Graf, 31. Mai 2020

Bildquelle: https://persoblogger.de/klartext-hr

Virtual reality and augmented reality: overhyped or new industry standard?

Wenn ich die einzelnen Statements dieses Artikels zusammenfasse, kommt heraus: Wenn wir Virtual Reality einmal ganz selbstverständlich im Alltag nutzen, wird es auch ein fester Baustein unserer Lernumgebungen. Aber davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Das unterstreichen auch die Zahlen des amerikanischen 2019 Training Industry Reports: „1.6 percent of training is delivered with AR; 1.9 percent of training is delivered with VR.“ 

Die Möglichkeiten, die VR und AR bieten, sind indes unbestritten, und die Autorin zählt eine breite Palette in ihrem Artikel auf. Und auch wenn ihre Sympathien offenliegen, bleibt ihre Vorhersage offen: „As for VR/AR, eventually it’ll either go mainstream making the decision less difficult or it’ll fade into the night like other technologies making it pointless to implement. I’m crossing my fingers I’ll have an AR eyepiece in the next few years.“
Celeste Martinell, Chief Learning Officer, 29. Mai 2020

Bildquelle: Hammer & Tusk (Unsplash)

Lockdown oder Disruption? 10 Thesen zur Zukunft der Bildung

Der Einstieg: „Aus unserer Sicht spricht vieles dafür, dass wir gerade einen digitalen Paradigmenwechsel im Bildungssystem erleben: …der Schalter bleibt auf „digital“.“ Die 10 Thesen, die das mmb-Team im Folgenden präsentiert, liefern die Argumente und sind ein erster Versuch, die Erfahrungen der letzten Wochen zu bilanzieren. Einige Thesen standen schon vor der Corona-Krise im Raum, andere haben sich gerade aus der jüngsten Online-Praxis heraus entwickelt. Manche lesen sich sehr selbstverständlich, manche regen die Fantasie und das Mutmaßen an (zumindest bei mir). Einen Punkt habe ich gleich etwas hervorgehoben. Spannend und offen!

1.    Von 3 auf 100 in sechs Wochen. …
2.    „Content is King – Pedagogy is Queen“: Digitale Didaktik ist anders und neu. …
3.    Upskilling der Lehrenden ist DER kritische Faktor. …
4.    EdTech wird erwachsen. Und v.a. einfach(er). …
5.    Online => Standard / Präsenz => Premium. …

„Wenn auf der einen Seite digitale Bildung zum Mainstream wird, dann könnte man in Analogie zu anderen Sektoren (wie z.B. dem Handel oder der Musikindustrie) davon ausgehen, dass auf der anderen Seite das Live-Erlebnis – sprich das Präsenzlernen – immer mehr zum Premium-Ereignis wird. Für langwierige Fakten-Folienvorträge wird künftig kaum mehr jemand bereit sein, ihr oder sein halbes Wochenende im Schulungsraum zu opfern, das kann genauso gut oder besser im Webinar oder WBT erfolgen. Für das intensive „Boot-Camp“ hingegen, in dem gemeinsam mit anderen praktische Aufgabenstellungen gelöst und relevante Expertise aufgebaut wird, lohnt sich die Reise an einen gemeinsamen Lernort.“

6.    Klassische Weiterbildungsanbieter kommen massiv und nachhaltig unter Druck. …
7.    Blended Schools & Universities?! …
8.    Die E-Learning Branche profitiert (nicht). …
9.    KI meets Education! …
10. Neue Lernertypen und Kompetenzen. …

Wie gesagt, eine interessante Aufzählung, in der sich viele wichtige Stichworte und vor allem viele Perspektiven (Bildungspolitik, Anbieter, Lehrende, Lernende) wiederfinden. Die Diskussion ist eröffnet …
Ulrich Schmid, Lutz Goertz und Lutz Michel, LinkedIn/ pulse, 27. Mai 2020

Bildquelle: Changbok Ko (Unsplash)