Digital Intelligence: Roboter als Assistenz-Professoren?

Ein Werkstattbericht, der eigentlich niemanden beunruhigen sollte, der in der Lehre tätig ist. Jürgen Handke von der Uni Marburg experimentiert mit zwei Robotern, die ihn bei einfachen Aufgaben in der Lehre unterstützen sollen und lässt sich dabei von einem Kamerateam über die Schulter schauen. Vieles läuft schief, aber es setzt Fantasien frei …

“Super gelaufen. Den Pepper werden wir jetzt richtig fit machen, der wird unser Assistent werden, meine Mitarbeiter werden den auch einsetzen.”
Fabian Mader, ARD-alpha/ Campus Magazin, 3. Mai 2017

Open Badges – die unterbeleuchtete Seite von Open Education

Wenn es um Open Education geht, stehen die Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources, OER) klar im Vordergrund. Open Badges oder “digitale Kompetenzabzeichen”, wie Ilona Buchem von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin sie in diesem Video nennt, stehen noch etwas im Abseits. Potenzial, z.B. als digitale CVs oder ePortfolios, wird ihnen gerne bescheinigt. Was fehlt, ist Aufmerksamkeit und eine breitere Diskussion über ihren Sinn und Nutzen. Manchmal denke ich, dass eine solche Infrastruktur vor allem zukünftigen Programmen bzw. Algorithmen hilft, automatisiert Profile und Lebensläufe auszulesen. Aber das wäre vielleicht schon Teil der Diskussion …
OERinfo - Informationsstelle OER,  YouTube, 1. Mai 2017

The Future of Jobs and Jobs Training

Das amerikanische Pew Research Center hat vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Einfluss von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung auf die Zukunft der Arbeit eine große Zahl von Experten gefragt, ob sie sehen, dass neue Bildungs- und Lernprogramme hier Antworten liefern können. Die Meinungen und Kommentare der Experten haben sie in fünf Blöcken zusammengefasst. Hier die Blöcke, die im Dokument (92 S.) näher vorgestellt und mit Zitaten gefüllt werden:

“Theme 1: The training ecosystem will evolve, with a mix of innovation in all education formats
Theme 2: Learners must cultivate 21st‑century skills, capabilities and attributes
Theme 3: New credentialing systems will arise as self-directed learning expands
Theme 4: Training and learning systems will not meet 21st‑century needs by 2026
Theme 5: Jobs? What jobs? Technological forces will fundamentally change work and the economic landscape”

Lee Rainie und Janna Anderson, Pew Research Center, 3. Mai 2017

10 uses for Amazon Echo in corporates

Okay, ich hatte etwas mehr erwartet, als ich die Überschrift las. Und irgendwie auch “Training/ Learning” mitgelesen. Doch Donald Clark, glücklicher Besitzer eines neuen Familienmitglieds, konzentriert sich auf die Frage: “Could its frictionless, hands-free, natural language interface be of use in the office environment?” Und bleibt bei sehr administrativen Übungen stehen. Das ist sicher nur der Anfang.
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 4. Mai 2017

Wie lernen wir (über-)morgen? Ein Ausblick auf die Bildung der Zukunft [Buch]

Eigentlich heißt der Buchartikel, den Jöran Muuß-Merholz geschrieben hat und auf den er hier verweist, “Lernen zwischen Kaffee und künstlicher Intelligenz”. Den roten Faden seiner Geschichte bildet Familie Müller, mit deren Hilfe er einen Blick auf das Lernen in Unternehmen, Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen wirft. Am ausführlichsten kommen die Volkshochschulen weg, die sich 2041 in “Community Learning Center” gewandelt haben werden. Überhaupt enthalten die Szenarien, die Jöran Muuß-Merholz zeichnet, viele schöne Bilder, Ideen und Stichworte. Wenn man eine zentrale Botschaft des Artikels sucht, so lautet sie vielleicht: Auch wenn wir die Digitalisierung und Automatisierung weiterdenken, behalten Begegnungen, das Lokale und Räumliche, der Austausch und konkrete Aktivitäten ihre Bedeutung. Aber - auch durch die Digitalisierung - oft eine neue, andere.

Allerdings haben mich die Stichworte, die 2041 das Lernen in Unternehmen charakterisieren sollen, nicht so richtig inspiriert. Sie lauten “Lernraum, Lerncoach und Communities of Practice”. Lernräume sind in der Fantasie von Jöran Muuß-Merholz eine “Fusion aus Coffeeshop und Bibliothek”, ein zukünftiger Unternehmensstandard. Aber wieso eigentlich noch “Lernräume”? Wenn wir uns heute geplante Arbeitsumgebungen anschauen, so sehen wir ein Nebeneinander von Schreibtischen, Ruheräumen mit Sofas, Begegnungsräumen, Kreativplätzen, Sitzungszimmern usw. Braucht es da noch explizite Lernräume? Auch die Lerncoaches und Communities kommen in der Beschreibung sehr “analog” daher und könnten aktuellen Bildungskonzepten entnommen worden sein. Wenn das die Visionen sind, die 2041 zum Alltag geworden sind, dann macht die betriebliche Weiterbildung in den nächsten Jahren keine allzu großen Sprünge. Die finden sich dann eher beim “Educational Friday” an der Hochschule, “an dem Mitarbeiter in die Hochschule gehen oder Studierende ins Unternehmen kommen”.
Jöran Muuß-Merholz, Jöran und Konsorten, 1. Mai 2017

Learning Analytics in Hochschulen

Seit fünf Jahren ist Learning Analytics (LA) ein Thema. Dahinter steckt die systematische Auswertung von Daten, die im Lernkontext anfallen, um Lernprozesse zu optimieren - auf individueller, auf Kurs- wie auf Ebene der Institutionen. Im Artikel werden verschiedene Tools, Frameworks und Systeme vorgestellt, die für den Hochschulbereich entwickelt wurden. Vieles fällt in den Bereich “Frühwarnsysteme”, um Lernende rechtzeitig bei Schwierigkeiten unterstützen zu können. Einige Daten zum Einsatz oder zur Nutzung der vorgestellten Systeme, gerade im deutschsprachigen Bereich, wären ganz interessant gewesen, fehlen aber. Wie auch immer: LA, so die Autoren, bleibt ein Thema, wird sich aber verändern: Echtzeit-Feedbacks, Dashboards, Predictive Analytics und Standards rücken in den Vordergrund.
Philipp Leitner und Martin Ebner, in: John Erpenbeck, Werner Sauter (Hrsg.): Handbuch Kompetenzentwicklung im Netz. Bausteine einer neuen Lernwelt. Schäffer-Poeschel, März 2017 (pdf, via Academia.edu) 

Lernen im Wandel – Rückblick auf die SeLC 2017

Am 4./ 5. April hat in Zürich die 8. Auflage der SeLC (Swiss eLearning Conference) stattgefunden. Christoph Meier (scil) war da und hat seine Eindrücke zusammengefasst. Was hebt er hervor: die Arbeit im Rahmen einer „kollektiv-kollaborativen Werkbank” (Design Thinking) am Beginn der Veranstaltung mit der Aufgabenstellung “Wie könnte Lernen im Jahr 2025 aussehen?”; ein Vortrag von Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen) zum Thema „Digitale Transformation: (Wie) Kann digitales Lernen Veränderung unterstützen?”; die Marktplatz-Tische am zweiten Tag.
Christoph Meier, scil-blog, 6. April 2017

Corporate Learning wird zum Cyber-Learning

Die inzwischen 11. Trendstudie des mmb Instituts in Essen liegt vor und informiert wieder über die Entwicklungen in Corporate Learning, die aus Expertensicht in den nächsten Jahren das digitale Lernen bestimmen werden. Neu in die Liste der wichtigsten Lernformen wurden in diesem Jahr “Videos/ Erklärfilme” und “Micro-Learning” aufgenommen, und das hat das Ranking gleich kräftig durcheinandergewirbelt. Dann wurde für diese Ausgabe etwas intensiver nach Augmented/ Virtual Reality gefragt, und schon hatte man einen zweiten Schwerpunkt identifiziert. Das Lernen im virtuellen Raum erklärt übrigens auch das “Cyber-Learning” im Titel dieses Trendmonitors.

Ansonsten bietet die Studie viele Ergebnisse bzw. Antworten, mit denen man weiter arbeiten und denken kann. An einigen Stellen wünscht man sich eine Definition (z.B. Micro-Learning), an anderen Stellen (z.B. Virtual Reality) ist es noch der Fantasie des Lesers überlassen, wie sich die Bedeutung des Trends in der Weiterbildung wohl später einmal äußern mag. An vielen Stellen ist das Dilemma der Autoren gut nachvollziehbar: Eigentlich müsste man die Liste der Lernformen alle zwei Jahre anpassen, doch bleibt dann natürlich die Vergleichbarkeit auf der Strecke. Also ergänzt man “neue” Lernformen wie Erklärfilme und Micro-Learning erst im letzten Moment, was dazu führt, dass sie gleich an die Spitze der Liste springen. An anderen Lernformen wie Twitter/ Micro-Blogging hält man fest, obwohl sie im Kontext von Corporate Learning längst in “Social Networks/ Communities”, einer anderen Kategorie der Studie, aufgegangen sind oder sich zu Messaging-Diensten (siehe Slack) gewandelt haben.

Aber hier bin ich noch bei den Lernformen. In der Studie findet sich daneben auch wieder, was die Experten über Lernthemen, Zielgruppen, Events und politische Initiativen geantwortet haben. Teilgenommen haben dieses Jahr (Herbst 2016) 74 Experten. Ich bin wahrscheinlich auch dabei gewesen …
mmb Institut – Gesellschaft für Medien - und Kompetenzforschung, mmb-Trendmonitor I/2017 (pdf)

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The Top Ed-Tech Trends (Aren’t ‘Tech’)

Einmal im Jahr berichtet Audrey Watters über ihre “top ed-tech trends”. Nicht in Form einer kurzen Aufzählung. Es ist immer eine Sammlung langer, faktenreicher Aufsätze. In diesem Vortrag an der Coventry University (dessen Transkript wir lesen können) klärt sie darüber auf, was sie treibt und motiviert, so und nicht anders über “ed tech trends” zu berichten. “Technology is never neutral”, schreibt sie. Es geht um Ideologien, es geht um das “Silicon Valley narrative” und um den darin verwurzelten Neoliberalismus. Und, ganz aktuell, wie er sich in der Bildung bzw. “EdTech” auf das Thema “Personalization” fokussiert.

“I’m not sure there’s any better expression of this “Silicon Valley narrative” or “California ideology” than in “personalization,” a word used to describe how Netflix suggests movies to us, how Amazon suggests products to do, how Google suggests search results to us, and how educational software suggests the next content module you should click on. Personalization, in all these manifestations, is a programmatic expression of individualism.”
Audrey Watters, Hack Education, 3. April 2017

2017 Workplace Learning Report

Ich bin sicher, dass LinkedIn Learning ganz andere Learning-Reports schreiben könnte, wenn es denn wollte. Oder schreiben wird, wenn alle Profile und Daten einmal sauber verknüpft sind. Eine Umfrage unter 500 amerikanischen Learning Professionals und LinkedIn-Kunden, wie im vorliegenden Fall, wäre dann nur noch zur Abrundung nötig. Aber bis dahin müssen wir noch mit den vertrauten Top Trends vorliebnehmen: von 1) „organizations are investing more in talent development” bis „L&D professionals see room for improvement in their own programs”. Auf S.17 findet sich noch eine Liste der derzeit angebotenen Lernformate, die von „In-house instructor-led classes” und „Peer-to-peer coaching” angeführt wird. Das eigene LinkedIn Learning-Angebot wird nur sichtbar, wenn es „video-based online training” heißt, wo auch „online training” ausgereicht hätte.
LinkedIn Learning Solutions, März 2017