Digitale Bildungsnachweise – Der Stand 2020 in Deutschland und Europa

Es erleichtert die Lektüre dieser 24 Seiten, das vorweg, wenn man Berührungspunkte mit dem Thema hat. Zwar ist der Ausgangspunkt relativ klar und einfach: Es geht um die Ablösung unserer klassischen, papiergebundenen Zeugnisse und Zertfikate durch digitale Bildungsnachweise, also „Digital Credentials“ (DC), ein Thema, an dem seit zehn Jahren kräftig, wenn auch meist im Hintergrund geschraubt wird. Doch in den hier vorgestellten Projekten stehen technische Standards, Konventionen und Schnittstellen im Vordergrund, die über nationale Grenzen hinweg ausgehandelt werden müssen.

Das Dokument versucht eine Übersicht und stellt zuerst „übergreifende politische Projekte“ und anschließend „fokussierte Bottom-up-Projekte“ vor. In die letztgenannte Kategorie fallen auch die Stichworte „Badges“ und „Blockchain“, die mich besonders interessiert haben. Wer hier eine komprimierte Aufzählung aktueller Stakeholder und Projekte sucht, wird fündig. Der Autor weist zudem auf einige Punkte hin, die sich in der Diskussion quasi unter der Hand festgesetzt haben, zum Beispiel die Lesart von Badges als „Microcredentials“.

Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Ausblick“:
„Entscheidend für die nachhaltige Einführung digitaler Bildungsnachweise wird sein, wie eindeutig und stark die Incentives für die drei wichtigsten Stakeholder in diesem Prozess – Lernende, Bildungsanbieter und Arbeitgeber – herausgearbeitet werden können. …
– die vereinfachte Sichtbarmachung und Verwaltung individueller Lernleistungen für Lernende, etwa in OnlinePortfolios und Wallets,
– die bessere Vermarktung von Bildungsangeboten für Anbieter, etwa durch automatische Vorschlagssysteme, und
– erleichterte bzw. zielgenauere Recruiting-Prozesse für Arbeitgeber durch vereinfachtes Matching von Stellen mit Bewerber:innen.“
Robert Rentzsch, Institut für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin, Februar 2021

ENC133 – mmb-Institut und DFKI mit Ulrich Schmid

Das mmb Institut, „Denkwerkstatt und Impulsgeber für die Innovation von Bildung und Lernen“, ist ja an vielen Bildungsprojekten und -diskussionen hierzulande beteiligt – beratend, konzipierend, moderierend, evaluierend. Die Spanne reicht von Blended Learning über Augmented Reality bis zur Künstlichen Intelligenz in der Bildung. Hinzu kommen eigene Reports wie die jährlich erscheinenden Trend- und Branchenmonitore. Von daher lohnt sich das Gespräch (59:25 Min.) zwischen Ulrich Schmid (mmb) und Thomas Jenewein (SAP), das mit KI und dem KI-Campus beginnt und bei persönlichen Lernroutinen endet.
Education NewsCast, openSAP, Episode 133, 29. März 2021

Chatbots in der (Hochschul-)Lehre

Mit „künstlichen Interaktionspartner*innen“, „intelligenten digitalen Assistenzsystemen“ oder einfach „Chatbots“ beschäftigt sich diese Ausgabe des fnma Magazins. Vier kurze Beiträge widmen sich dem Schwerpunktthema. Es geht um eine Systematisierung von Einsatzfeldern in Lehre und Verwaltung, einen „Studicoachbot“ sowie einen Evaluationsansatz zum Einsatz von Chatbots. Die Projekte, zu denen die Stichworte gehören, sind gerade angelaufen. Bis wir erste Erfahrungsberichte erwarten dürfen, wird also noch etwas Zeit verstreichen. 
fnma Magazin 01/2021, 26. März 2021

Understanding Microlearning

Auf den Seiten des Learning Solutions Magazine finden sich jüngst einige Beiträge zum Thema Microlearning. Ein nach wie vor schwieriges, schwer zu fassendes Thema. Denn wo Microlearning anfängt bzw. aufhört, ist ja vor allem eine Frage der Perspektive. Bill Brandon jedenfalls warnt noch einmal davor, Microlearning als letzte oder allumfassende Antwort zu sehen. Er erinnert an Karl Kapp und Robyn Defelice („Microlearning: Short and Sweet“) und die von ihnen beschriebenen Use Cases für Microlearning:

„- Preparation for a larger learning event …
– A refresher after a larger learning event …
– Performance prompts at the point of need within a workflow …
– Reflective inquiry, to help users think through application of a learned idea, situation, or task, or to remediate performance.
– To persuade the learner to change their behavior by applying what they have previously learned or agreed to do.
– To provide practice that will help sharpen a new skill.“
Bill Brandon, Learning Solutions Magazine, 11. März 2021

Bildquelle: Evan Dennis (Unsplash) 

Kritik zur Initiative Digitale Bildung und zum Digitalen Bildungsraum der Bundesregierung #bildungdigital

Es ist fast an mir vorbeigegangen: Am 22. Februar 2021 hat die Bundesregierung die „Initiative Digitale Bildung“ vorgestellt. Mit der Bundeskanzlerin und zahlreichen Akteuren aus verschiedenenen Bildungsbereichen, die zu Wort kamen (auf YouTube steht die Aufzeichnung online). Jöran Muuß-Merholz fasst seine Sicht zusammen:

– Ein Fortschritt im Diskurs um digitale Bildung ist unverkennbar.
– Das Thema Offenheit/ Öffnung der Bildung (Open Educational Resources) kam leider nicht vor.
– Dafür tauchte das Stichwort „zentrale Bildungsplattform“ wieder auf, das Jöran Muuß-Merholz kritisch sieht (und das aus meiner Sicht nach wie vor eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen darstellt).
Jöran Muuß-Merholz, Jöran & Konsorten, 22. Februar 2021

Bildquelle: BMBF

So hilft Achtsamkeit gegen Stress

Für Gert Scobel ist es klar: Achtsamkeit ist Teil einer universellen Bildung und gehört in jedes Curriculum. Das ist auch die Botschaft dieses Videos, das sich direkt an Studierende richtet. Gerd Scobel erklärt hier nicht, wie Achtsamkeit gegen Stress hilft. Das wäre Aufgabe entsprechender Kurse und Trainings. Er versucht vielmehr, die Bedeutung und den Nutzen von Achtsamkeit und Meditation – gerade in Zeiten von Corona – zu erklären. Das hat er übrigens auch schon in weiteren Videos getan, die er in den letzten Jahren zum Thema gedreht hat. Im letzten Teil wirbt er noch für das Netzwerk „Achtsame Hochschulen“, deren Newsletter ich auch diesen Link entnommen habe.
Gerd Scobel, YouTube, 18. Februar 2021   

Getting Started with Digital Badges

Hinter „Getting Started“ stecken die kompletten Workshop-Unterlagen (88 Slides), die Doug Belshaw vor einigen Tages eingesetzt hat, um Digital Badges zu erklären und zu diskutieren. Von „Bluffer’s guide to open badges“ bis „Designing your first badge“. Mit vielen Analogien, Beispielen verschiedener Badge-Plattformen und einer abschließenden Link-Sammlung („library“). Sehr schön illustriert von Bryan Mathers!
Doug Belshaw, Google Docs, 10. Februar 2021

Bildquelle: Doug Belshaw/ Bryan Mathers

Online Escape Game: Escape COVID-19

Ich wollte schon länger wissen, ob und wie „Escape Rooms“ online funktionieren. Letzte Woche hatte ich zweimal die Gelegenheit. Zuerst haben wir zu zweit „Die Schatzinsel“ gespielt, und dann mit sechs Personen „Escape COVID-19“, das ich hier auch als Referenz verlinke. Mein Eindruck: Die Idee, gemeinsam online ein Rätsel zu lösen, hat Potenzial, auch unter didaktischen Gesichtspunkten. Denn „Escape COVID-19“ ist so angelegt, dass man auch etwas über COVID-19 lernt. Ich kann das Spiel nur empfehlen und würde mich freuen, wenn andere ihre Erfahrungen mit dem Spiel teilen.

Ansonsten hatte ich im Vorfeld zum Stichwort „Online Escape Rooms“ etwas recherchiert. Das Angebot ist sehr vielfältig. Auch die Umsetzungsvarianten: Mal teilt man seinen Bildschirm, zum Beispiel via Zoom, und löst gemeinsam die einzelnen Aufgaben. Mal enthält man verschiedene Zugangscodes und individuelle Hinweise zum Lösen der Aufgaben, die man dann mit seinen MitspielerInnen teilt, zum Beispiel via WhatsApp. Dann haben die Spiele unterschiedliche Preismodelle, Längen, Themen (okay, Detektivgeschichten tauchen häufiger auf) und empfehlen oft eine bestimmte Anzahl von MitspielerInnen. Manchmal läuft eine Uhr, manchmal ist die Zeit egal. Aber das sind nur erste Eindrücke!

Mir haben jedenfalls beide Varianten Spaß gemacht („Escape COVID-19“ gibt es sogar kostenlos!), und ich könnte mir gut vorstellen, dass das Prinzip „Escape Room“ auch als spielerische Lernumgebung trägt. Hier noch der Wikipedia-Eintrag über „Escape Game“.
House of Tales

Home-Office mischt die E-Learning-Branche auf

Zum 15. Mal hat das mmb Institut die Ergebnisse ihrer jährlichen Trendstudie veröffentlicht. Wieder wurden Experten und Expertinnen gebeten, die Trends und Themen einzuschätzen, die in Zukunft das digitale Lernen bestimmen werden. Dieses Mal unter den besonderen Bedingungen der COVID 19-Pandemie. 61 ExpertInnen haben sich im Winter 2020/ 2021 an der Befragung beteiligt (auch ich war dabei).

In einem zentralen Schaubild werden jedes Jahr die Lernformen nach ihrer Bedeutung für die Befragten zusammengefasst. Hier stehen dieses Jahr „Blended Learning“ (100 %) und „Virtuelle Klassenräume/ Webinare“ (97 %) ganz oben, gefolgt vom Spitzenreiter des letzten Jahres, „Videos/ Erklärfilme“ (90 %), und „Micro Learning/ Learning Nuggets“ (87 %). Corona hat hier sicher beeinflusst, zum Beispiel, wenn es um die große Aufmerksamkeit für „Virtuelle Klassenräume“ geht. Die mmb-ExpertInnen deuten auch die kleineren Bewegungen und Veränderungen in der Aufstellung, so dass ich hier gerne auf die Trendstudie verweise. 

Ansonsten setzen sich viele Schwerpunkte des letzten Jahres fort. So stimmen 87 Prozent der Befragten diesem Trend zu: „Unternehmen werden dazu übergehen, Social Media-Dienste (wie z. B. Slack oder Teams) einzuführen – mit dem Ziel eines breiteren, bereichs- und fachübergreifenden Austauschs und Lernens“. Kurz: Virtuelle Lernumgebungen umfassen heute für die Befragten weit mehr als nur das traditionelle Learning Management System.

Es gibt weitere Schaubilder, die über allgemeine Trends, kommerzielle Aussichten, Lernthemen und Zielgruppen informieren. Über die Zielgruppen heißt es in der einleitenden Summary hoffnungsfroh: „KMU und Großunternehmen sind dichter zusammengerückt. Hochschulen, Schulen, Individuelle Lernende und die Öffentliche Verwaltung haben einen großen Sprung nach vorn getan. Ganz offensichtlich spielt die Corona-Pandemie hier die Rolle des Accelerators“. Dann erhält auch Künstliche Intelligenz als Thema wieder einen eigenen Absatz. Insgesamt ist es fast etwas verwirrend, wenn die gleichen Stichworte aus immer wieder wechselnden Perspektiven aufbereitet werden.

Ich schaue dann immer noch gerne nach, welche Veranstaltungen von den Befragten als „bedeutend“ eingestuft werden: Hier liegt die LEARNTEC dieses Jahr vor der didacta und der Corporate Learning Community. Aber während einige Veranstaltungen noch zu Beginn des letzten Jahres wie gewohnt stattfanden, mussten andere später ins Virtuelle umziehen. Das mag die Rückmeldungen beeinflusst haben.

Aber das sind nur einige Stichworte. Viele weitere Informationen und Deutungen finden sich im Original.
mmb Institut, mmb-Trendmonitor 2020/ 2021, 8. Februar 2021    

 

The L&D Global Sentiment Survey 2021 – the impact of Covid

Wenn auf die eine Frage, „What will be hot in L&D in 2021?”, die meisten Befragten mit „Reskilling/upskilling“ antworten, was bedeutet das? Denn „Reskilling/upskilling“ meint ja nichts anderes als das Tagesgeschäft von L&D (Learning & Development). Donald H Taylor interpretiert das Votum als einen Corona-bedingten „move to the familiar“, denn im Gegenzug verloren vor allem Künstliche Intelligenz und Learning Analytics Prozentpunkte und Plätze.

Das einzige Thema, dem dieses Jahr mehr Aufmerksamkeit als im letzten Jahr geschenkt wurde, ist übrigens „Collaboration/social learning“. Donald H Taylor schreibt hier mit Blick auf die COVID-19 Pandemie: „Last year, collaboration and social learning moved from theoretical to practical, and became super hot.“

Die Umfrage wurde in der achten Auflage zwischen dem 30. November 2020 und dem 31. Januar 2021 durchgeführt. 3.114 Menschen haben teilgenommen. Ich nutze sie vor allem, um über die Stichworte mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Donald H Taylor, Blog, 1. Februar 2021