Chapter 8.7c Artificial intelligence

Tony Bates überarbeitet gerade sein Online-Werk „Teaching in a Digital Age“. Die zweite Auflage soll auch ein Kapitel über Künstliche Intelligenz enthalten. Einen ersten Entwurf stellt er hier zur Diskussion. Im ersten Teil dieses Kapitels definiert er, was Künstliche Intelligenz eigentlich bedeutet, setzt Kriterien und nennt Beispiele. Im zweiten Teil wirft er einen kritischen Blick auf diese Beispiele. Das führt ihn zu zwei Erkenntnissen:

a) Zum einen steckt in vielen KI-Beispiele gar nicht KI, weil sie eines oder mehrere der gesetzten Kriterien nicht erfüllen, konkret: „… very few so-called AI applications in teaching and learning meet the criteria of massive data, massive computing power and powerful and relevant algorithms.“

b) Zum anderen sieht Tony Bates nicht, dass und wie KI derzeit bei der Entwicklung der so wichtigen Future Skills wie Critical Thinking, Problem-solving oder Creativity unterstützen kann. Denn der Schwerpunkt vieler Beispiele und Anwendungen liegt auf „content presentation and testing for understanding and comprehension“ und zielt auf effizientere Prozesse in der Weiterbildung.

Sein Fazit ist also eher ernüchternd. „Big Data“ ist heute noch die Schwelle, die KI nehmen muss. Aber Tony Bates deutet auch an, wer diese Schwelle nehmen kann:

„In education, AI is still a sleeping giant. ‘Breakthrough’ applications of AI for teaching and learning are probably not going to come from the mainstream universities and colleges, but from outside the formal post-secondary system, through organizations such as LinkedIn, lynda.com, Amazon or Coursera, that have access to large data sets that make the applications of AI scalable and worthwhile (to them).“
Tony Bates, Online Learning and Distance Education Resources, 13. September 2019

Bildquelle: Teaching in a Digital Age
 

 

KI trifft Bildung – 6. scil Trend- & Community Day 2019

Eine sehr anschauliche und (wie immer) ausführliche Zusammenfassung des 6. scil Trend- & Community Days hat Christoph Meier geschrieben. Ich möchte fast sagen: Langsam werden die Beispiele für das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und Bildung konkreter. So wurden vor Ort unter anderem algorithmenbasierte Empfehlungssysteme, Chatbots, teilautomatisierte Feedback- und Korrektur-Programme sowie ein humanoiden Roboter (Pepper) vorgestellt und diskutiert. 

Bildungsverantwortliche, so Christoph Meier mit Blick auf diese Entwicklungen,
„- … müssen sich auf KI einlassen;
– sie müssen in der Lage zu sein, anderen Orientierung zu diesem Thema und den Folgen für Kompetenzentwicklung zu geben;
– und sie sollten allgemeine Leitlinien zum Einsatz von KI kennen und berücksichtigen“.
Christoph Meier, scil-blog, 11. September 2019

Bildquelle: scil

Learning In The Flow Of Work: Now Available For HR

Josh Bersin hat seine Idee von „Learning in the Flow of Work“ weiter vorangetrieben. Es gibt jetzt die „Josh Bersin Academy for MS Teams“. Unternehmen können sie installieren, und ihren Mitarbeitern stehen dann die Inhalte der JBA direkt über bzw. in Teams zur Verfügung. „Learning in the Flow of Work“ ist also ein Produkt, ein Geschäftsmodell. Josh Bersin stellt zwei Szenarien vor:

„First, a professional wants to learn something quickly on the job“: Er oder sie kann dann direkt in Teams auf die Online-Bibliothek der JBA zugreifen.

„Second: Professionals Want To Break Out From A Learning Program To Collaborate“: Sie können in Teams ein Thema diskutieren, auch mit Nicht-Abonnenten der JBA. Sogenannte „Conversation Starters“ ermuntern sie dazu.

Ein interessantes Angebot. Ob die Schnittstelle in MS Teams auch für weitere Anbieter und ihre Bibliotheken offen ist, bleibt abzuwarten. Josh Bersin deutet jedenfalls an, dass die beiden vorgestellten Einsatzszenarien nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Und er lehnt sich noch weiter aus dem Fenster: „Third, and even more important, is the way workforce productivity platforms like Microsoft Teams, Slack, Salesforce, and Workplace by Facebook are turning into learning platforms.“
Josh Bersin, 10. September 2019

Bildquelle: Josh Bersin Academy

Chatting with Chatbots

Ich weiß nicht, wie es hierzulande aussieht, aber in den Staaten scheint es ein Thema zu sein: der Einsatz von Chatbots an den Hochschulen. Wobei es in den genannten Beispielen ausdrücklich nicht um die Lehre, sondern um die täglichen Fragen des studentischen Lebens geht. Aber die wiederum können sehr vielfältig sein.

Was berichtet also der Artikel? Dass Bots immer umfassender werden („… from admissions to student affairs, career services and even test prep“) und dass Personalisierung der nächste große Schritt ist. Zwei Anbieter werden prominent genannt (AdmitHub, Ivy.ai). Auch Eliza taucht natürlich auf. Schließlich: „Alexander would like to see more institutions doing their own research into how students respond to chatbots.“
Lindsay McKenzie, Inside Higher Ed, 6. September 2019

Bildquelle: Markus Spiske (Unsplash)

Hologramm-Professor hält Vorlesung

Die Nachricht macht gerade die Runde. 15.000 Kilometer Unterwasserkabel wurden verlegt, damit Studierende auf den Samoa-Inseln an der Vorlesung teilnehmen können, die Umweltwissenschaftler Chris Shuler an der Universität Hawaii in Honolulu hält. 15.000 Kilometer Unterwasserkabel – für eine Vorlesung? Ich hoffe, die Verantwortlichen haben noch ein paar weitere Use Cases in der Hinterhand.
Spiegel Online, 28. August 2019 

Bildquelle: @HawaikiCable

Messenger-Projekt: Der Mauerfall und ich

Ein weiteres Messenger-Projekt ist gestartet. Messenger-Projekt heißt: Wir können einem Protagonisten und seinen Nachrichten über einen Dienst wie WhatsApp oder Telegram folgen. Im letzten Herbst war es Kurt Eisner („Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern“), dann folgte Joseph von Fraunhofer („Hallo, Joseph! #WHATSNEXT“) und jetzt die fiktive 19-jährige Leipziger Studentin Kathrin, die uns an ihrer persönlichen Geschichte des Herbstes 1989 teilhaben lässt. In der Ankündigung heißt es: „Zusätzlich zu den Nachrichten werden zentrale Begriffe aus der DDR-Geschichte und der Friedlichen Revolution erklärt und sind direkt im Messenger abrufbar. Nutzer können Kathrin auch zurückschreiben und eigene Fragen stellen.“

Storytelling via Messenger-Projekt. Ich habe mich jedenfalls gleich angemeldet und die erste Nachricht von Kathrin erhalten …

Bundeszentrale für politische Bildung, August 2019

Automatisierte Produktion von Lernressourcen: Sammlungen, Quizzes, Bücher, Videos, etc.

Christoph Meier (scil) hat zum Stichwort „Automatisierung“ einige Beispiele zusammengetragen und kommentiert. Das Kuratieren von Lernressourcen ist dabei nur ein Aspekt. Produktion meint: Programme lesen Texte aus und erstellen anschließend kurze Wissenstests. Oder sie scannen Forschungsdatenbanken und stellen Fachbücher zu bestimmen Themen zusammen. Oder sie erstellen aus vorhandenen Videosequenzen einer Person und später aufgenommenen Sprachaufzeichnungen neues Video.

„Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung ergeben sich auch neue Möglichkeiten der Produktion von medialen Inhalte bzw. Lernressourcen. Für Bildungsverantwortliche und Inhalte-Entwickler ist es ratsam, diese Entwicklungen im Blick zu behalten.“
Christoph Meier, scil-blog, 24. August 2019

Bildquelle: scil

Augmented Reality: Transforming Training with Immersive Experiences

Ich überlege noch, wie man die neue Qualität, die Augmented Reality in bestimmte Prozesse bringt, am besten beschreiben kann. Vielleicht so: Augmented Reality ermöglicht unmittelbare, wirklichkeitsnahe Einsichten in Objekte und Prozesse, die man ohne diese Hilfe gar nicht oder nur behelfsmäßig, mit Hilfe von Text, Filmen und Bildern, vermitteln kann. Auch in diesem Artikel stammen deshalb die Beispiele aus Industrie (hier BMW, Honeywell) und Medizin. Hinzu kommt, dass Augmented Reality immer mehr zur Alltagstechnologie wird, die Arbeit, Freizeit und eben auch Training umspannt.

Abschließend: Die Beispiele und Artikel über Augmented Reality, auf die ich hier regelmäßig verweise, ähneln sich alle. Die neue Qualität, die AR mit sich bringt, ist offensichtlich. Aber auch (noch?) begrenzt auf bestimmte Einsatzfelder und Kompetenzbereiche. Vielleicht muss man deshalb das „Training“ im Titel wörtlich nehmen.
Dhaval Sarvaiya, readwrite, 13. August 2019

Bildquelle: zedinteractive (pixabay, CC0)

7 Things You Should Know About Digital Badges

Über Badges, das zur Vorwarnung, wird es auf diesem Blog in Kürze noch mehr geben. Von daher kommt dieser Überblick im bewährten „7 things you should know“-Format gerade recht. Er wird mit einer Definition eingeleitet:

„Digital badges are validated indicators of skills or competencies, often representing the completion of a microcredential. Badges typically represent competencies not shown on a transcript, including learning from internships, volunteer work, and other co-curricular activities. Increasingly, badges conform to the Open Badges standard, and many are stackable, meaning that they can be credited toward an advanced badge, a certificate, or a degree.“

Interessant ist hier die enge Verknüpfung von Microcredentials und Badges. Es folgen Antworten auf die Fragen „How does it work?“, „Who’s doing it?“, „Why is it significant?“, „What are the downsides?“, „Where is it going?“ und „What are the implications for teaching and learning?“. Nützlich.
EDUCAUSE Learning Initiative (ELI), 3. Juli 2019

Education publisher Pearson to phase out print textbooks

Die Nachricht: „The world’s largest education publisher has taken the first step towards phasing out print books by making all its learning resources „digital first“.“ Mit sanftem Druck will der Verlagsgigant seine Leser vom neuen Geschäftsmodell überzeugen. So werden zum Beispiel nur noch die eBooks kontinuierlich aktualisiert.
BBC News, 16. Juli 2019

Bildquelle: hannah grace (Unsplash)