Wie kommt die Bildung zum Lerner – Wie MOOCs, Blockchain, KI und Big Data den Lernprozess auf den Kopf stellen

Andreas Wittke (TH Lübeck) hat wieder eine interessante Übersicht über den Wandel des Lehrens und Lernens erstellt und auf dem Forum DistancE-Learning in Berlin präsentiert. Das Forum stand unter dem Motto „Künstliche Intelligenz und Bildung“, und diese Stichworte stehen auch im Fokus dieser Übersicht. Ich habe zwei Punkte für mich festgehalten: Zum einen den Link auf eine Vorstellung des Verbundprojekts „IMPactDigital“, das nützliche Hinweise zur Blockchain-Technologie enthält („Dein digitales Zertifikat in der Blockchain“); und zum anderen das Bedürfnis, an der einen oder anderen Stelle in dieser Abfolge technologischer Umwälzungen einmal innezuhalten und zu fragen, ob und wie hier Lernprozesse „auf den Kopf“ gestellt werden.

Für Andreas Wittke jedenfalls scheint der Weg klar: „Wie wir dahinkommen: Wir befreien uns von allen bisherigen Vorstellungen über Bildung, Hochschulen und Weiterbildung (denn sie sind ohne das Internet entstanden …).“
Andreas Wittke, SlideShare, 7. November 2019   

AI, education and training and the future of work

Graham Attwell hat den Start eines neuen ERASMUS-Projekts protokolliert („Improving skills and competences of VET teachers and trainers in the age of Artificial Intelligence“). Nichts Aufregendes, weil es ja gerade erst gestartet ist. Aber Graham Attwell hat seine Slides und mit ihnen einen Lektüretipp verlinkt: „Artificial Intelligence In Education: Promises and Implications for Teaching and Learning“ (Charles Fadel, Wayne Holmes, Maya Bialik). Lektüre für die Nach-Weihnachtszeit …

„AIED [Artificial Intelligence in Education] includes everything from AI-driven, step-by-step personalized instructional and dialogue systems, through AI supported exploratory learning, the analysis of student writing, intelligent agents in game-based environments, and student support chatbots, to AI facilitated student/tutor matching that puts students firmly in control of their own learning.“
Graham Attwell, Pontydysgu – Bridge to Learning, 5. November 2019

Your Interview With AI

Ein kurzer Blick über den Gartenzaun und ins Recruiting in den USA. Dort berichten Job-Suchende, dass sie die ersten Interviews nicht mehr mit einem menschlichen Gegenüber führen, sondern sich stattdessen auf einer Plattform anmelden, ihre Kamera einschalten und die Fragen des Systems beantworten. „AI-based hiring“ oder „AI-assessed interviews“, heißt der Trend.

Der längere Artikel berichtet über Möglichkeiten und Grenzen der Plattform („HireVue“), über Arbeitgeber, die sie einsetzen, und ob und wie Hochschulen ihre Studierenden auf diese Entwicklung vorbereiten. Schließlich geht es auch darum, was der Einsatz dieser Plattformen für klassische Abschlüsse und Qualifikationen bedeuten könnte.
Lilah Burke, Inside Higher Ed, 4. November 2019 

Bildquelle: Hitesh Choudhary (Unsplash)

Forecasts for 2020

So, E-Learning-Experte Craig Weiss ist dieses Jahr der Erste, der seinen Hut in den Ring wirft. Deshalb gebührt ihm noch die ganze Aufmerksamkeit. Zur Einordnung: Wenn er Trends nennt, dann hat er erstens Corporate Learning (Unternehmen) und zweitens Learning Management (Plattformen) im Blick. Hier ist seine zentrale Botschaft: „I am going to tell you something. shhh.. here it is – LMSs are here to stay. The market continues to grow at a very strong pace. …“

Vor diesem Hintergrund ist er kritisch gegenüber Entwicklungen, die den Fokus verschieben und das Lernen verwässern. Talent Management oder Performance Management sind aus dieser Sicht eher Ablenkungen. Weitere Stichworte, die er uns für 2020 mitgibt: „Self Assessment for skills“, „Content Curation“, „Content First Strategy“, „Video Auto-Transcripts and Scan Features“, „Learning Experience Platforms“, „Netflix like experience“. Wer Buzzwords mag und freies Assoziieren schätzt, ist hier richtig.
Craig Weiss, elearninfo247.com, 31. Oktober 2019 

Bildquelle: Jen Theodore (Unsplash)      

Ein digitales Zeugnis für besondere Talente

Natürlich geht es um Open Badges. Ilona Buchem, die an der Beuth Hochschule Berlin schon lange mit „digitalen Kompetenznachweisen“ experimentiert, stellt im Interview noch einmal die Idee der Badges vor. Sie sieht hier vor allem eine Chance, studentisches Engagement abseits der Curricula und Lehrpläne sichtbar zu machen. Aber die Interviewern hakt nach: Ob es denn nicht besondere Qualitätskriterien für die Herausgabe von Badges braucht? Schließlich: „Also Open Badges, und alles ist gut?“ Nein, antwortet Ilona Buchem, ob Standards oder technische Schnittstellen, es gibt durchaus noch etwas zu tun.
Thekla Jahn, Gespräch mit Ilona Buchem, Deutschlandfunk/ Campus & Karriere, 21. Oktober 2019

Bildquelle: Beuth Hochschule für Technik Berlin

Trends des Lernens in digitalen Zeiten – ein Über- und Ausblick

Gleich zwei Arbeitsaufträge habe ich auf dem gestrigen DSAG-Thementag Bildung in Eschborn übernommen. DSAG, das vorneweg, steht für die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe, mit mehr als 60.000 Mitgliedern aus über 3.500 Unternehmen schon ein größeres Netzwerk. Zuerst durfte ich einen Aus- und Überblick über das aktuelle Bildungsgeschehen geben (siehe die Slides). Leitplanken für einige Trends und Beispiele bildeten die Kapitel „Bildungsmärkte“, „Bildungsthemen“, „Lerntechnologien“ und „Herausforderungen“. 

Im Anschluss habe ich noch ein Knowledge Café zum Thema „Social Learning“ moderiert. Dafür hatte ich mir einige Stichworte notiert:

Hier einige Fragen aus den Diskussionen (es waren fünf Café-Runden …):
– Welche Rolle spielen die Unternehmens- und Lernkultur, wenn es um Social Learning (Erfahrungsaustausch, Von- und Miteinander-Lernen) geht?
– Wie kann man zur Nutzung einer Kollaborationsplattform motivieren?
– Wo hört traditionelles Training (als strukturierte Informationsvermittlung) auf bzw. wo fängt das informelle Lernen an?
– Sind jüngere Mitarbeitende die Träger und Treiber eines netzgestützten Erfahrungsaustauschs?
– Wie passen neue Formate und Methoden wie BarCamps, cMOOCs und Working Out Loud (WOL) ins Bild?

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt eines langen, aber kurzweiligen Tages. Thomas Jenewein hat abschließend Statements aller Knowledge Café-ModeratorInnen aufgenommen und gedroht versprochen, sie demnächst als Education Newcast zu veröffentlichen. Da kommt also noch etwas …
Jochen Robes, SlideShare, 25. Oktober 2019

Punky Talk #1: Karlheinz Pape

Corporate Learning Community-Mitstreiter Karlheinz Pape spricht in diesem Video-Interview (11:54 Min.) über das selbstgesteuerte Lernen, über das Lernen mit Video, warum Twitter für ihn der Ausgangs- und Mittelpunkt aller Lernaktivitäten ist und warum er mit dem Begriff Mobile Learning wenig anfangen kann.
Vanessa Klein, Interview mit Karlheinz Pape, imc, 22. Oktober 2019

Bildquelle: imc

8. Treffen der Corporate Learning Community Frankfurt

Wieder nur ein kurzer Teaser an dieser Stelle (Annette Sell will noch ein paar Zeilen über das Treffen schreiben …): Das Thema der 8. Auflage der #clc069 am 21. Oktober waren Badges („Badges – Zwischen Kompetenznachweis & Gamification“). Ernst & Young in Eschborn hatte wieder Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und rund 15 TeilnehmerInnen hatten sich eingefunden, um Möglichkeiten und Grenzen dieses Trends zu diskutieren.

Meine protokollarischen Notizen zum Ablauf: Oliver Lorenz (Ernst & Young) hat natürlich das tolle Projekt „EY Badges“ vorgestellt. Anschließend habe ich kurz die verschiedenen Mitspieler, Ideen und Erwartungen skizziert, die heute mit Badges verbunden werden. Und Annette Sell hat wieder den Pool der Liberating Structures angezapft, um uns alle ins Gespräch und in den Austausch zu bringen. Eine kleine Runde ist dann noch weiter zum Koreaner um die Ecke gezogen. Schließlich: Am 9. Dezember treffen wir uns zum letzten Mal in diesem Jahr!

via @holger_moller (https://twitter.com/holger_moller/status/1186302243311624192)

Bildquelle: Joao Tzanno (Unsplash)

7 Argumente für einen nationalen Ansatz zur Öffnung von Badges in der Hochschulbildung

Noch einmal Badges: In den Niederlanden entwickelt SURF eine Infrastruktur, mit der niederländische Bildungseinrichtungen edubadges ausstellen können. Badges sollen so etwas wie eine Währung für Bildung werden, die der Dynamik und Vielfältigkeit des lebenslangen Lernens entspricht. Der Autor macht folgende Punkte:

1) Kenntnisse und Fähigkeiten transparent gestalten …
2) Flexibler Transfer an verschiedene Bildungseinrichtungen …
3) Weniger Arbeit und gleiche Wahlfreiheit für die Bildungseinrichtung …
4) Proliferation verhindern und sinnvolle Badges gewährleisten …
5) Authentifizierung, Verifizierung und Datenschutz gut organisiert …
6) Anpassung an internationale Standards …
7) Einfachere Zusammenarbeit durch Open Source …
Philipp Kürten, Hochschulforum Digitalisierung, 17. Oktober 2019

Bildquelle: surf

Themenschwerpunkt: Bildungsinfluencer*innen

Von „Bildungsinfluencern“ hatte ich bisher noch nicht gehört, wobei der Begriff ja fast selbsterklärend ist: Menschen, die in Sachen Bildung unterwegs sind und Social Media zur Kommunikation ihrer Aktivitäten und Projekte nutzen. Noch klarer wird es, wenn Andreas Wittke (Chief Digital Officer, Institut für Lerndienstleistungen an der TH Lübeck, berichtet: „Hilfe, meine Tweets werden zitiert – Aus dem Leben eines Social-Media-Influencers“.

Ansonsten folge ich am besten dem Editorial des fnma Magazins: „In dieser Aufgabe widmen wir uns einem weiteren Trend, den der
Bildungsinfluencer*innen. Wobei: In dem Interview mit Julia Althof von der Bildungsinitiative MESH Collective (@UFA X) erfahren Sie, ob das überhaupt der richtige Begriff dafür ist oder ob nicht doch eher von den Wissens-Youtuber*innen gesprochen werden sollte. Anne Martin von der FernUniversität in Hagen geht der Frage nach, ob E-Tutor*innen Bildungsinfluencer*innen sein können, Michael Stöger von der Universität Graz zeigt die Kooperationsmöglichkeiten mit Youtuber*innen auf. In einem weiteren Beitrag widmet sich Karl Peböck von der PH Vorarlberg der Twittercommunity als mögliche Influencer*innen.“

Alles klar?
FNMA Magazin, 03/2019 (pdf)