Top Tools for Learning 2021

Jane Hart hat gerade wieder ihre jährlichen “Top Tools for Learning” veröffentlicht. Zum 15. Mal bereits! Grundlage bilden die Einreichungen von 2.077 TeilnehmerInnen aus 33 Ländern. Mittlerweile ist die Gesamtschau auf 300 Tools (!) angewachsen, aber wie schon in den letzten Jahren bietet Jane Hart wieder verschiedene Filter an. So gibt es die “Top 150 Tools for Personal Learning (PL)”, “… for Workplace Learning (WL)” und “… for Education (ED)”. Hilfreich ist aus meiner Sicht auch die Kategorisierung aller Tools.

Was gibt es nun für Bewegungen zu verzeichnen? Jane Hart schreibt: “2020 was the year of video meeting platforms as organisations scrambled to support remote working and learning in lockdowns. However in 2021 it seems many organisations and education have been exploring and experimenting with a much wider range of tools and platforms.”

Ihre 15 kurzen Randbemerkungen beginnt sie mit folgenden Kategorien: “Video meeting tools”, “Live engagement tools”, “Online whiteboard tools”, “workflow/ project/ team management platforms” und “virtual training and workshop platforms”.

Wahrscheinlich bietet uns Jane Hart in den nächsten Tagen weitere Lesehilfen für einzelne Listen an. Bis dahin ist es eine schöne Gelegenheit, die eigenen Präferenzen mit denen der Community zu vergleichen oder einfach zu stöbern.
Jane Hart, 1. September 2021

Bildquelle: Pixelkult (pixabay)

Speech-based Learning with Amazon Alexa

“Because Alexa is becoming more and more popular in many households, we wanted to create anew learning experience with the help of a speech-based device.”

Ich bin noch nicht sicher, wie dieses Experiment mit Amazon`s Alexa einzuordnen ist. Die Kurzfassung: Es geht um das Üben einfacher mathematischer Grundlagen wie Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Dafür erzählt Alexa eine kleine Story, die immer wieder von Aufgaben unterbrochen wird, die die Lernenden beantworten müssen. Die Forscher haben es programmiert und mit einer Handvoll Probanden getestet. Auch wenn immer wieder nachjustiert werden musste, scheint man mit den ersten Rückmeldungen ganz zufrieden.
Michael Weiss, Markus Ebner und Martin Ebner, in Theo J. Bastiaens (Ed.), Proceedings of EdMedia + Innovate Learning, 2021, S. 156-163 (via Academia.edu)

Bildquelle: Nicolas J Leclercq (Unsplash)

There’s a New Wave of AI Research Coming to Transform Education

Noch einmal ein Blick in die Glaskugel: Im Artikel werden zwei Förderprojekte beschrieben. Im ersten werden KI und Storytelling zusammengebracht, im zweiten lebt die Idee des persönlichen Assistenten wieder auf, der nicht nur neue Lerninhalte empfiehlt, sondern mit dem Lernenden auf umfassende Weise interagiert:

““You could tune it to the teaching assistant interrupts you, motivates you, engages you at the times that you want it,” Goel says. “Some students have full-time jobs, and they can [study] only in the evenings. Some have families, the only time they can do it is one hour in the morning. So with 100 million workers, typical age 40 or 50, married or [with] families, how in the world are you going to do it if you don’t personalize it?”
Nadia Tamez-Robledo, EdSurge, 5. August 2021

Bildquelle: geralt (pixabay)

Widerstandsgeschichte auf Instagram: Was leistet das Projekt @ichbinsophiescholl?

Am 4. Mai 2021 haben der Südwestrundfunk (SWR) und der Bayerische Rundfunk (BR) das Projekt “@ichbinsophiescholl” gestartet. Hier diskutieren Social-Media-Redaktionsleiterin Suli Kurban und die Historikerin Charlotte Jahnz über Stärken und Schwächen des Formats. Es geht um neue, junge Zielgruppen, die das Projekt ansprechen soll, aber vor allem um die Frage, wie weit Fiktion und Storytelling gehen dürfen und ob zum Beispiel Sophie oder die Redaktion auf Kommentare der Nutzer:innen antwortet. Ich finde ja vor allem die 10-monatige Laufzeit des Projekts sehr herausfordernd.
Leonie Meyer, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 28. Juni 2021

Bildquelle: Instagram

Das Förderprojekt NAWID: KI-gestützte Systeme in der betrieblichen Bildung

In diesem Beitrag wird von einer neuen Lernumgebung bei Airbus berichtet, in der Mitarbeiter:innen in Echtzeit Hinweise von einem KI-basierten Assistenzsystem erhalten. Das geschieht mit Hilfe einer “technischen Kameralösung, die während der Schulung bei Airbus verwendet wird”. Entstanden ist die Lernumgebung im Rahmen eines INQA-Förderprojekts mit mehreren Partnern aus Wissenschaft und Industrie.

Im Bericht betonen die Beteiligten vor allem den sozialpartnerschaftlichen Austausch im Projekt, die intensive Beteiligung der Mitarbeiter:innen im Entwicklungsprozess und die konsequente Beachtung aller datenschutzrechtlichen Anforderungen. Die neue Lösung selbst rückt leider etwas in den Hintergrund …

“Wie das funktioniert? Das praktische Training bildet die manuelle Installation des A320-Klimarohrsystems ab. Als Explorationsobjekt wird ein physischer Demonstrator zur Nachbildung des Rohrsystems verwendet, der sich in der sogenannten Airbus Learning and Exploration Factory befindet. An diesem Ort wird den Trainingsteilnehmenden eine individuelle Begleitung und Lernunterstützung in Echtzeit geboten, indem sie Arbeitsanweisungen und Hilfestellungen per Tablet erhalten.”
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), 7. Juli 2021

Social robots for 21st century skills: The new EdTech frontier?

Nun haben wir in den letzten Monaten viele Möglichkeiten, online zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten, ausprobiert und diskutiert. Das Potenzial dieser Möglichkeiten haben wir sicher noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft. Welche Lücken sollen also “social robots” jetzt schließen? In den Projekten von Jürgen Handke aus Marburg zum Beispiel wurden sie vor Ort und in der Lehre eingesetzt. In diesem Artikel wird vor allem die Studierende angesprochen, “sitting alone, in front of a computer screen, learning by herself”. Was ihr fehlt, ist soziale Interaktion, und hier kommen jetzt Social Robots als “teaching assistants” zur Hilfe. Kurz: Ich finde die hier beschriebene Entwicklung interessant, aber man darf schon den Einsatzkontext etwas genauer beschreiben oder man lässt Beispiele sprechen.

Hier eines der wenigen konkreten Einsatzbeispiele, die im Beitrag erwähnt werden: “My current work focuses on what I consider to be one of the most important 21st century skills: ‘collaboration’. I have already been able to show that post-secondary students can learn when a social robot facilitates small group discussions, and I am now exploring how robots can encourage young children and adolescents, ages 6-18, to collaborate with one another.”
Goren Gordon, BOLD – Blog on Learning & Development, 8. Juli 2021

Bildquelle: Wikimedia (Mary Mark Ockerbloom, CC BY-SA 4.0)

Disneyfication of learning

Ich bin nicht sicher, ob dieser Post (oder Rant) hier passt. Denn Donald Clark spricht zum einen von “online learning”, das sich in eine bestimmte Richtung entwickelt, und ich frage mich, ob es dieses eine “online learning” überhaupt gibt; zum anderen scheint “disneyfication” auf dem amerikanischen Bildungsmarkt (noch) leichter als hierzulande zu beobachten sein. Obwohl ja viele Stimmen auch hier nach einem “Netflix” für die Bildung rufen.

So führt uns Donald Clark jedenfalls in seine Beobachtung ein: “If online learning were streamed, it would most resemble the Disney Channel. I don’t have the Disney channel. Its target audience is the parents of young kids. It’s a stream of cartoon and animation-skewed, apple-pie, American product. It’s a world where everything is controlled, safe and anodyne.”

Die Symptome, an denen wir die “disneyfication of learning” festmachen können, lauten: fun, engagement, cartoon learning, games, gamification, badges, conferences, moralising. Alles natürlich in einer betimmten Ausprägung und am liebsten kombiniert …
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 11. Juli 2021

Bildquelle: Tyler Nix (Unsplash)

Open Space und Barcamp – ist das eigentlich das Gleiche?

Simon Dückert schreibt einleitend: “Für Menschen, die es eilig haben: nein.” Allen anderen stellt er beide Formate kurz vor und kommt anschließend auf die Unterschiede zu sprechen:

“Beim Open Space steht ein zu lösendes Problem oder eine zu beantwortende Fragestellung im Mittelpunkt.” Am Ende gibt es häufig einen Abschlussbericht, der die nächsten Arbeitsschritte zusammenfasst.
“Ein Barcamp hat entweder gar kein Thema oder es gibt ein Thema, das aber nur einen schwachen Rahmen vorgibt.” Eine Dokumentation des BarCamps als Ganzes gibt es in der Regel nicht.

Daran anschließend könnte man ergänzen, dass beim Open Space der Fokus mehr auf dem Thema, beim BarCamp mehr auf dem Netzwerken liegt. Open Spaces sind deshalb häufig singuläre Ereignisse, BarCamps eher regelmäßige Treffen einer Community.
Simon Dückert, Cogneon/ Blog, 17. Juli 2021

Bildquelle: Teilnehmer des EduCamps 2008 #1 an der TU Ilmenau (Wikipedia, Christian Leschke, CC BY-SA 3.0)

Das CLC21 am 9. und 10. September 2021 soll hybrid werden?

Zum einen ist dieser Beitrag eine gute Gelegenheit, um auf das nächste Corporate Learning Camp im September hinzuweisen. Zum anderen ist “hybrid” ja gerade so etwas wie eine Kurzformel für die Lehren aus der Pandemie und für den Ausblick auf die nächsten Monate. Ich lese den Beitrag von Karlheinz Pape deshalb als einen weiteren Impuls zu der sich gerade warm laufenden Diskussion. 

Wenn das CLC21 “hybrid” werden soll, dann heißt es erst einmal nur, dass etwas online und dass etwas vor Ort stattfinden soll. Es beschreibt noch nicht genau, welche Bausteine des Camps es betrifft, was “online” und “vor Ort” genau bedeutet und wie das Zusammenspiel der Bausteine aussehen könnte. Vor diesem Hintergrund ist es hilfreich, wenn Karlheinz Pape an den “Informations-” und den “Netzwerk-Aspekt” erinnert, denen solche Veranstaltungen häufig gerecht werden wollen. Mit Blick auf die Erfahrungen der letzten Jahre und die technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, unterstreicht Karlheinz Pape die wachsende Bedeutung des “Netzwerk-Aspekts”:  

“Meine Vermutung: Dieses “Zur Community Dazugehören”, um von der Community zu lernen, ist heute der wesentliche Antrieb für den Besuch von Fach-Events. Wenn das der eigentliche Motivationskern für den Event-Besuch ist, dann sollten wir jeden Event als Community-Treffen ausrichten. Communities sind aber langlebiger als ein Tages-Event. Also müsste ein Event einer von vielen Bausteinen im Communityleben sein.”

Je nach Kontext, Ziel und Zielgruppen von Veranstaltungen wird die konkrete Ausgestaltung des “hybrid” sehr unterschiedlich ausfallen. Hinzu kommen Geschäftsmodelle und Kosten-Nutzen-Erwägungen, die schon immer Entscheidungen beeinflusst haben.
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community/ Blog, 13. Juli 2021   

The role of learning in employee experience

Ich bin kein Freund von Sätzen wie “creating happier employees through better learning experiences”. Trotzdem ist dieser Guide (21 S.) des englischen Bildungsanbieters Kineo lesenswert. Denn er verbindet aktuelle Schlagworte zu einer runden Story: Zu Beginn werden wir in die Begriffswelt von “employee experience” eingeführt (“employee experience is in every interaction, every touchpoint, every person and process they come into contact within an organisation”). Learning, heißt es mit Blick auf aktuelle Umfragen weiter, ist ein “critical tool in meeting changing expectations”.

Wenn man gedanklich so weit mitgegangen ist, sind es drei Fragen, die sich aus Sicht des Mitarbeitenden stellen und auf ihre/ seine Experience einzahlen. Die Kineo-Expert:innen verbinden sie gleich mit den entsprechenden Themenfeldern in L&D:
– Do I feel welcomed and supported? … Onboarding
– Am I growing and developing? … Career Development
– Do I feel part of something bigger than myself and my team? … Social Learning

In einzelnen Kapiteln wird anschließend kurz ausgeführt, wie sich Onboarding, Career Development und Social Learning gestalten lassen und wie Kineo auf diesem Weg unterstützen kann. Aber das Marketing konzentriert sich auf die letzten Absätze …
Kineo, 22. Juni 2021