Roboter im Hörsaal. „Er sagt Dinge, die wir Menschen uns nicht erlauben könnten“

Ich glaube, mehr mediale Aufmerksamkeit geht nicht. Erst Hessenschau und jetzt Spiegel Online.  Es geht natürlich um die Uni Marburg, um Anglistik-Professor Jürgen Handke und um seinen Roboter „Pepper“. Die Nachricht: „Zum ersten Mal hat ein Roboter an einer deutschen Uni eine Lehrveranstaltung eröffnet.“ Ein kurzes Interview, einige Eindrücke, vielmehr gibt es noch nicht zu berichten. Aber das Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching) hat auch erst im Mai begonnen. „Wir sind noch dabei auszuprobieren und zu evaluieren, was humanoide Roboter für die Lehre bringen können“, sagt Jürgen Handke. Ich bin gespannt.
Heike Klovert, Interview mit Jürgen Handke, Spiegel Online, 19. Oktober 2017

What Ivanka Trump Knows about Ed-Tech

Audrey Watters führt ein: Inside Higher Ed asked a group of “experts” “what should Ivanka Trump read in order to learn about education technology?” I submitted an answer but it was not what they were looking for. So I’m publishing my thoughts (or 500 words, at least) here.“

In der New York Post (nicht zu verwechseln mit der „Fake News“ New York Times!) gibt es ein Statement von Ivanka Trump („Why we need to start teaching tech in Kindergarten“). Audrey Watters vermisst dort „learning“, aber auch „Curiosity. Civics. Citizenship. Scholarship. Research. The liberal arts“. Und vieles mehr. Vielleicht hätte sie einfach ein paar Buchtitel aufzählen sollen …
Audrey Watters, Hack Education, 11. Oktober 2017

Design learning and build credibility through curation

„Content Curation“ ist eines der aktuellen Schlagworte in Corporate Learning. Denn es gibt ja im Netz keinen Mangel an Informationen oder Lerninhalten. Und wir suchen gleichzeitig nach Wegen, damit aus dem einmaligen Kurstermin eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit einer Sache wird. Hier ist Content Curation eine Antwort.

Wenn man im nächsten Schritt für eine Zielgruppe Inhalte kuratieren will („… you becoming the filter and sense maker of information“), muss man wissen, welche Themen sie beschäftigen, wie sie Informationen erhalten möchten, usw. Man sollte Wege kennen, um wichtige Informationen zu finden, wie z.B. mit Hilfe von Alerts, Newslettern oder Twitter.

Es bleibt aber eine Hürde: Denn als Learning Professional kann ich wahrscheinlich nur Inhalte über Weiterbildung suchen, einordnen und teilen. Auf fachliches Terrain werde ich mich nicht begeben. Also ist es naheliegend, meine Zielgruppen zu „Content Curators in eigener Sache“ zu machen. Content Curation als Teil des persönlichen Wissensmanagements.
Martin Couzins, Towards Maturity, 9. Oktober 2017

Corporate Learning Camp 2017 (#cl17)

Es ist schon fast wieder Geschichte, das 7. Corporate Learning Camp, das letzte Woche in Frankfurt stattgefunden hat. Dieses Mal mit fast 300 Teilnehmenden/ Teilgebenden und fast 70 Sessions, die von ihnen angeboten wurden. Das schließt eigentlich eine Zusammenfassung aus, und so will ich nur auf einige Themen verlinken, die mir auf dem Camp begegnet sind.

Vorneweg: Eigentlich bietet das Camp längst Stoff für unzählige Master-Arbeiten, wenn ich nur an die Stichworte „Vernetzung“ (Was könnte uns eigentlich die Social Network Analysis über das Netzwerk der Teilnehmenden erzählen?) oder „Themen-Sessions“ (Welche Inhalte und Formen des Austauschs werden eigentlich angeboten?) denke …

Simon Dückert hatte auf dem Camp ein kleines Podcast-Studio aufgebaut und interessierte Teilnehmende eingeladen, selbst einen Beitrag zu produzieren. So ist eine kleine Podcast-Reihe entstanden, die auf der Webseite der Corporate Learning Community verlinkt ist.Ich habe einmal in den Beitrag „LMS am Scheideweg?“ reingehört, in dem Axel Wolpert, Egon Fleischer und Björn Beil über ihre Eindrücke zum Thema diskutieren. Tenor: Kunden schreiben immer mehr Funktionen in die Pflichtenhefte, Anbieter versuchen, diesen Anforderungen nachzukommen, aber in der Unternehmenspraxis wird dann nur ein Bruchteil der Möglichkeiten genutzt. Konkret: Content- und Veranstaltungsmanagement. Das eröffnet dann Raum für neue Anbieter, die mit „Basispaketen“ auf den Markt kommen.

Zum Stichwort „Community“ gab es einige interessante Diskussionen. In den Sessions, an denen ich teilgenommen habe, ging es zum Beispiel um Erfolgsrezepte für Communities, denn was im Unternehmens- oder professionellen Kontext oft schwer ins Laufen kommt, funktioniert im Privaten (denken wir nur an Themen wie Gesundheit und Sport) ja sehr erfolgreich. Und selbstverständlich auch im IT-Bereich. In einer Session wurde deshalb auch die „E-Learning Heroes Community“ vorgestellt, in der Articulate ja über 300.000 Mitglieder zusammenführt.Auch die Corporate Learning Community selbst wurde thematisiert. Dabei standen u.a. folgende Fragen im Raum: Wie kann der Austausch zwischen den jährlichen Events bzw. Camps unterstützt werden? Welche Spielarten des Austauschs sind möglich bzw. interessant, z.B. lokal/ überregional, offline/ online? Auf welcher Plattform kann ein netzgestützter Austausch stattfinden?

Der Corporate Learning 2025 MOOCathon war natürlich auch auf dem #clc17 ein Thema, da sowohl die Veranstalter (Corporate Learning Community, zu dessen Kernteam ich ja auch gehöre), einige gastgebende Unternehmen (ich erinnere mich an Viessmann, Audi, Ottobock, Bosch …), aber auch viele MOOC-Teilnehmende in Frankfurt waren.An dieser Stelle sei deshalb auf das Wikibook „Organisationales Lernen im Digitalen Zeitalter“ verwiesen, das ja am 7./ 8. September in einer „konzertierten Aktion“ in Frankfurt entstanden ist und die Stichworte der MOOC-Wochen in eine erste Blaupause überführt. Das Dokument steht übrigens unter einer CC-Lizenz und kann entsprechend heruntergeladen, kopiert, verteilt usw. werden.

Ansonsten habe ich noch einige Erfahrungsberichte gefunden, die weitere Stichpunkte zum #clc17 bieten, zum Beispiel von Joachim Haydecker („Rückblick auf das Corporate Learning Camp 2017“), Simon Dückert („#clc17 Session “Meinen eigenen Podcast aufnehmen”), Daniela Schuchmann („#CLC17 – scil zu Besuch auf dem Corporate Learning Camp 2017 in Frankfurt a.M.“), Lutz Berger („CorporateLearningCamp – CLC17“), Alexander Klier („Corporate Social Learning“), Sirkka Freigang („Wie lernen & arbeiten wir in Zukunft? Ein Rückblick zu #CLC17 & #CHANGEC“), Martina Pumpat  („Stell dir vor, es gibt was zu lernen – und keine/r geht hin.“).

Weitere Stichworte, Anmerkungen und Links sind herzlich willkommen!

Bildquelle: Frank Rumpenhorst

11 Jahre Barcamping – Eine Retrospektive

Simon Dückert hat die laufende BarCamp-Saison zum Anlass genommen, um das Format, so wie es sich heute präsentiert, einmal zu beschreiben. Dabei erinnert er an wichtige Merkmale dieser „Un-Konferenz“ wie die Selbstorganisation der Teilnehmenden, das Prinzip der Augenhöhe und die Idee der Vernetzung und Community. Hinzu kommen die organisatorischen Rahmenbedingungen, von der Zahl der Teilnehmenden, den Räumlichkeiten vor Ort bis zur virtuellen Repräsentanz und Begleitung eines Camps.

Im letzten Abschnitt denkt Simon Dückert noch über die Zukunft des Formats nach und wirft die Stichworte „Online-Community“, „Kuratiertes Programm“, „Community Space“ und „Session-Dokumentation“ in die Runde: „… um das Format Barcamp vielleicht auf eine nächste Ebene zu heben“, wie er schreibt. In einem Kommentar habe ich angemerkt, dass kleinere Varianten der „Blaupause“ BarCamp hier etwas zu kurz kommen.
Simon Dückert, Cogneon Akademie, 1. Oktober 2017

Bildquelle: Jocian (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Top 200 Tools for Learning 2017

Jane Hart hat zum elften Mal die Top 200 Tools for Learning zusammengestellt. 2.174 Learning Professionals weltweit haben sich beteiligt und ihre Favoriten zugerufen. Die Zusammenstellung hat Jane Hart ja im letzten Jahr weiter ausdifferenziert, so dass man jetzt eine Übersicht über 200 Tools und separate Listen fürs Personal & Professional Learning (PPL), Workplace Learning (WPL) und Education (EDU) vorfindet.

Wie immer veranschaulicht die Liste sehr schön, wo sich heute Digitalisierung und Bildung kreuzen (und das passiert halt nicht erst beim E-Learning und der Lernplattform), welche Rolle das informelle Lernen in und durch soziale Netzwerke spielt (wenn man nur schaut, wie viele Dienste auf der Liste das gemeinsame Arbeiten unterstützen und in der Cloud liegen) und was heute auch zum persönlichen Wissensmanagement und den digitalen Kompetenzen von Bildungsexperten gehört.

Ansonsten finden wir viel Mainstream auf den ersten Plätzen: YouTube, Google Search, PowerPoint,  Google Docs/Drive, Twitter, Word, LinkedIn, Facebook, WordPress und Wikipedia. Dann wird es schnell bunt. Jane Hart hat selbst noch einige erste Beobachtungen nachgeschoben:

„- Office tools dominate the list – word processing, presentation, spreadsheet – whether it be MS Office suite or Google  Docs/Slides/Sheets. …
– There is now an extensive range of content authoring tools on the list – both to create linear e-learning as well as timeline-based animation and videos. Whilst corporates are making heavy use of commercial tools, in Education they are opting much more for free tools.
– There is also now a variety of learning platforms on the list – many replacing the traditional LMS with novel approaches. …
– Enterprise social collaboration platforms have also increased in popularity this year and are being used to underpin both informal and formal social learning experiences.“

Jane Hart, Centre for Learning & Performance Technologies (C4LPT), 2. Oktober 2017

Innovation in education: A glossary

Nützlich! Fast 50 Begriffe werden kurz und knapp vorgestellt, aufgeteilt in „trends in pedagogy“ und „trends in educational technology“ (mit fließenden Übergängen). Und ich habe kaum etwas vermisst von dem, was heute in Trendberichten behandelt wird. Die Autoren schreiben: „OER, VR, IoT, CBE… This glossary of educational innovation seeks to be a guide for teachers who want to keep up with emerging trends (and buzzwords) in pedagogy and educational technology.“ Hier eine Kostprobe:

„Badges and Microcredits
Badges are a mechanism for granting a certification to students for informal learning in the form of microcredits. Students can gather, organize and publish them to demonstrate their skills and achievements, in different websites, such as social networks, professional networks, and virtual communities, among others.“

Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, 26. September 2017

Bildquelle: Dan Taylor-Watt (Flickr, CC BY 2.0)

„Digitale Kompetenzen – Kompetenzentwicklung digital“ – Rückblick auf den 4. scil Trend- & Community Day 2017

Christoph Meier berichtet ausführlich vom 4. scil Trend- und Community Day, der letzte Woche im Würth Haus in Rorschach stattgefunden hat (ich hätte also meinen Radausflug nur ein paar Tage verlängern müssen …). Natürlich stand die digitale Transformation und ihre Bedeutung für L&D auch hier über allen Themen und Projekten. Die Hausaufgabe, die man diesem Protokoll ablesen kann: Technologisch auf dem Laufenden bleiben, aber Bildung als Management-Aufgabe nicht aus den Augen verlieren.

Hier eine Auswahl der Stichworte, die in diesem Bericht fallen: digitale Kompetenzen, Learning Apps, Content Curation, MOOCs, Adaptive Learning, Working Out Loud, KI und Teaching Bots. Und viele Links … Sabine Seufert (scil) hat ihren Vortrag, „Personal- und Persönlichkeitsentwicklung in einer digitalen Welt?“, in einem separaten Beitrag veröffentlicht.
Christoph Meier, scil-Blog, 19. September 2017

Learning By Virtual Reality: It’s Here And It Works

Josh Bersin hat eine VR-Company besucht und ruft Corporate Training zur nächsten „killer app“ aus. Er hat sehen dürfen, dass Unternehmen wie Walmart und KFC bereits heftig in Hardware und Software investieren. Und nicht zu vergessen Google Glass und Augmented Reality, die still und leise Corporate Training erobern. Sagt der technikbegeisterte Berater mit Blick auf den amerikanischen Markt.

„Applications for this technology are vast: safety training in hazardous conditions (you can go to an oil well or a construction site virtually), simulations of job interviews to identify bias and discrimination, and applications in retail, hospitality, and other customer-facing situations where employees need to see and feel the “real world” to really know what to do. (UPS uses VR to simulate and train drivers, for example.)“

Josh Bersin, LinkedIn/ Pulse, 23. August 2017