Sehr geehrter Herr Heilmann, …

Joachim Sucker hätte am 30. Januar nach Berlin fahren können, um an einer Expertenrunde teilzunehmen, die sich mit MILLA, der Bildungsidee (auch: „Weiterbildungswende“) der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, auseinandersetzt. Eingeladen hat ihn der Abgeordnete Thomas Heilmann, einer der MILLA-Initiatoren. Eingeladen, obwohl oder weil Joachim Sucker sich kritisch über die Idee einer zentralen Lernplattform geäußert hat? Jedenfalls hat er die Einladung abgelehnt, und die Absage gleich öffentlich gemacht. Die Lektüre kann ich nur empfehlen.

Joachim Sucker ist übrigens gerne bereit, eine andere Frage zu diskutieren: „Wie können wir mit einem Einsatz von jährlich 3 Mrd. € das Ziel einer Teilhabe und Zukunftssicherung in der digitalisierten Gesellschaft auf eine sehr breite Basis stellen? Diese Frage würde ich öffentlich stellen und einen Ideenwettstreit, an dem am Ende die Gesellschaft als Gewinner dasteht, ausrufen.“

Da wäre ich auch dabei.
Joachim Sucker, allesauszucker, 14. Januar 2019

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10 things you need to know to before you buy or build a chatbot

Während andere noch grübeln, was Chatbots sind oder was sie leisten können, wenn es um Lernprozesse geht, ist Donald Clark schon einen Schritt weiter. Er hat gleich eine kleine Checkliste für die geschrieben, die mit dem Einsatz von Chatbots liebäugeln und dafür die Unterstützung eines entsprechenden Anbieters suchen. Die Liste umfasst Dinge, die man beachten sollte (domain knowledge, voice, natural language processing), aber vor allem die Botschaft: realistisch bleiben!

„We are only at the start of the use of chatbots in learning. The trick is to play around with all of the demos online, before you start.“
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 10. Januar 2019

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Innovating Pedagogy 2019

Die Open University UK gibt einen jährlichen Report heraus, „Innovating Pedagogy“, der neuen Formen des Lehrens und Lernens auf der Spur ist. Dem Horizon Report nicht unähnlich, aber etwas weniger technologisch, mehr pädagogisch orientiert. Kernstück des Reports sind zehn Innovationen, denen ein nachhaltiger Einfluss auf das Bildungsgeschehen zugeschrieben wird.

Ein schönes Zitat von Stephen Downes unterstreicht den Blickwinkel der AutorInnen: „… the core of learning is found not in what is defined in the curriculum, but in how teachers help students discover new possibilities from familiar things, and then from new things.”

In dieser siebten Auflage werden folgende Innovationen hervorgehoben:

  1. Playful learning
  2. Learning with robots
  3. Decolonising learning
  4. Drone-based learning
  5. Learning through wonder
  6. Action learning
  7. Virtual studios
  8. Place-based learning
  9. Making thinking visible
  10.  Roots of empathy

Die AutorInnen betonen, dass einige Innovationen, z. B. playful learning, bereits eine längere Geschichte haben (und trotzdem hat sich etwas entwickelt, das es wert ist, sie in diese Liste aufzunehmen). Viele nützliche Links ergänzen die kurzen Beschreibungen.
Ferguson, R. u.a., Open University, 2. Januar 2019

Wie der Fußball im Thermomix unsere Zukunft rettet

Wie sehr viele Akteure auf zukunftsweisende Beiträge der Politik zur Weiterbildung gewartet haben, zeigt sich daran, dass auch in der Weihnachtspause weitergedacht und -geschrieben wurde. Von Joachim Sucker zum Beispiel. Aber so richtig begeistern kann auch ihn MILLA nicht. Er sieht hier jedenfalls keine Impulse oder Konzepte, um das Interesse am lebenslangen Lernen im großen Stil zu entfachen.

„Was bleibt: Eine langersehnte Initiative aus der Berliner Politik. Dafür ist in jedem Fall zu danken. Gedanklich passend für die Jahrtausendwende ist sie 2018 vom Ansatz her nicht mehr relevant. Neues Interesse an Weiterbildung zu wecken kann nicht über eine Datenbank erfolgreich sein. Bei aller Kritik ist dieser Schritt mutig und sollte zum Anlass für weitere Debatten genommen werden.“

Und wenn ich schon mal dabei bin, hole ich gleich ein Versäumnis nach: Denn Markus Deimann hatte bereits im November darüber geklagt, dass beim Stichwort Bildung alle nur reflexartig an eine zentrale, nationale Lernplattform denken („Und täglich grüßt die Super-Plattform“). Zuerst die „Schulcloud“, dann die „nationale Plattform für digitale Hochschullehre“ und jetzt MILLA, das „Bildungs-Netflix“:

„Allen drei Plattformbeispielen ist gemeinsam, dass sie Menschen in einen abgeschlossenen virtuellen Raum einsperren wollen. Dies ist das genaue Gegenteil von dem, wie man sich ursprünglich die digitale Gesellschaft vorgestellt hat.“

Joachim Sucker, allesauszucker, 4. Januar 2019

Bildquelle: Pexels (pixabay, CC0)

The Business of ‚Ed-Tech Trends‘

Das passt zu den vielen Trendberichten (und ist vielleicht die letzte Übersicht, die uns Audrey Watters schreibt!): Wie schon in den Jahren zuvor, hat sie wieder einen kritischen Blick auf Ed-Tech geworfen, also die Investitionen in Educational Technology bzw. Bildungstechnologien. Hier ihre wichtigsten Beobachtungen:

  • „… it was another record-setting year for ed-tech investment: Investment dollars: $4.46 billion“
  • „The most well-funded types of education company this year were those who offered tutoring. Tutoring, to be clear, here mostly means test prep.“
  • „Of the twenty some-odd tutoring companies that raised funding this year, ten were Chinese.“
  • „The industry’s fixation on “the future of learning” certainly seems to prevent many people from taking a good look at the past.“
    Zum Beispiel MOOC-Anbieter Udacity: „This year, Udacity ended its money-back guarantee. It upped the price of its “nanodegrees.” (Its MOOC competitor edX also announced this year that many of its courses would no longer be free.) Udacity laid off about a quarter of its staff mid-year. And its CEO stepped down.“
  • „The connections between tech and authoritarianism became a lot more obvious this year, I’d hope.“
  • The Business of Education Philanthropy: „… billionaires – tech billionaires and otherwise – all seem convinced that through their philanthropic efforts they can reshape education, reshape how education is funded and what is taught.“
    Aber: „… philanthropy is no substitute for not paying your taxes.“

Wie an anderer Stelle schon gesagt: Wenn Audrey Watters Analysen künftig fehlen werden, entsteht eine riesige Lücke!
Audrey Watters, Hack Education, 31. Dezember 2018

MILLA – Die digitale Lernplattform

Darf ich noch einmal? Genau … MILLA. Es geht auch ganz schnell: Es gibt nämlich jetzt eine Video-Botschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die MILLA bewirbt. In drei Szenen schildern Menschen, wie ihnen MILLA in ihrem Alltag helfen würde. Danach kommen die Macher*innen des Konzepts zu Wort. 5:49 Min. Das Ganze ist professionell gemacht, ohne der Sachlage bzw. laufenden Diskussion etwas Neues hinzuzufügen.

Apropos laufende Diskussion: Die CDU hat letzte Woche auf ihrem Parteitag nicht nur einen Vorsitz gewählt. Es wurden auch Beschlüsse gefasst. So heißt es in dem entsprechenden Dokument unter „C 4, C 126“: „Deutschland braucht eine neue Weiterbildungskultur“, kurz MILLA. Ich bin allerdings kein CDU-Experte und weiß nun nicht, welche konkreten Handlungen mit einem Parteitags-Beschluss verknüpft sind.
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, YouTube, 6. Dezember 2018

 

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)

Trendstudie 2018 des Wuppertaler Kreises

Der Wuppertaler Kreis, soviel vorweg, ist ja ein eher bodenständiger Verband wirtschaftsnaher Weiterbildungsanbieter. Für diese Einschätzung reicht ein kurzer Blick auf die Webseite des Verbandes. Von daher suche ich hier selten nach Impulsen oder Nachrichten. Aber der Verband gibt seit einigen Jahren eine Trendstudie heraus, und die Digitalisierung hat mittlerweile auch hier ihre Spuren hinterlassen – ob es um die Zukunft der Weiterbildung, die zeitlichen Rahmenbedingungen für Bildungsangebote oder die Zukunftserwartungen an verschiedene Weiterbildungsformate geht. Von daher lohnt ein Blick, auch weil es ja hierzulande nur eine kleine Handvoll vergleichbarer Trendstudien gibt (via Christoph Meier).

Wuppertaler Kreis, Juli 2018

Blockchain in der digitalen Bildung – Hype oder Zukunft

Nach der Lektüre dieses Beitrags muss jeder selbst entscheiden. Einerseits wird die Blockchain-Technologie wohl kommen, irgendwann, und auch in der Bildung gibt es mit der Verwaltung digitaler Zertifikate einen Anwendungsfall. Einen einzigen … Irgendwie ist Andreas Wittke (TH Lübeck, oncampus) wohl selbst hin- und hergerissen. Als Chief Digital Officer möchte er gerne mitmachen, nicht abwarten. Aber er sieht auch die Fragen, die mit der Blockchain verbunden sind.

Sein Fazit: „Ich bin nicht so optimistisch zu glauben, dass Blockchains die Hochschulverwaltung reformieren wird. Ob sie überhaupt einen Einfluss auf die digitale Bildung haben, darf stark bezweifelt werden, denn ob eine Urkunde aus Papier ist oder auf einer MySQL-Datenbank oder in einer Blockchain liegt, ändert gar nichts am didaktischen Konzept. Allerdings ändern sich durch Technologien wie Blockchain, ähnlich wie Webkonferenzsysteme oder Smartphones, die Rahmenbedingungen. Verwaltung wird einfacher, Reichweite wird größer und Bildung wird globaler. Skalierbarkeit ist hier das Zauberwort und wir werden in Deutschland keine 400 Blockchains für 400 Hochschulen benötigen, genauso wenig, wie wir 400 LMS oder 400 Streamingserver brauchen. Hier wird es Zusammenschlüsse geben und das sind die Bildungsnetzwerke der Zukunft.“

Andreas Wittke, Online by Nature, 10. Dezember 2018

Bildquelle: Hitesh Choudhary (Unsplash)

Was will MILLA?

Auch Bernd Käpplinger, Weiterbildungsforscher aus Gießen, kann mit MILLA, der Idee einer zentralen Bildungsplattform, wenig anfangen. Gibt es nicht schon genügend Angebote und Anlaufstellen im Netz? Eigentlich könnte das Interview nach zwei oder drei Absätzen schließen. Aber beide Gesprächsteilnehmer spekulieren noch eine Weile über mögliche Motive und Interessen hinter der Idee. Das Schlusswort hat wieder Bernd Käpplinger:

„Darum lautet meine Botschaft an den CDU-Parteitag: Wenn schon MILLA, dann nur als Teil einer weitergehenden Weiterbildungsinitiative, in die sich die Plattform sinnvoll und bürgernah einfügen müsste.“
Jan-Martin Wiarda, Interview mit  Bernd Käpplinger, Blog, 7. Dezember 2018

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)


Companion robot trialled in Victorian classrooms

Es ist sicher nicht der letzte Artikel, der uns von „teaching robots“ berichtet. In diesem Beispiel ist es „Matilda“, die australische LehrerInnen im Unterricht unterstützen soll. Das Besondere: Matilda kann an die spezifischen Bedürfnisse und Wünsche der LehrerInnen angepasst werden. Die großen Sprünge im Vergleich zu Programmen mit Spracheingabe und -ausgabe oder virtuellen Assistenten wie Alexa sehe ich nicht, aber das kommt vielleicht noch.

„Matilda can recognise human voices and faces, detect emotions, read and recite text, dance, and play music,“ said La Trobe Research Centre for Computers, Communication and Social Innovation (RECCSI) research project manager Dr Seyer Mohammed Sadegh Khaksar.“
Campbell Kwan, ZD Net, 5. Dezember 2018