2020 Global Human Capital Trends

Unter dem Titel „The social enterprise at work: Paradox as a path forward“ haben Deloitte wieder ihren jährlichen Human Capital-Report veröffentlicht, den zehnten seit 2011. Wieder haben sie ihre Beobachtungen in zehn Trends zusammengefasst. Zwei zahlen direkt auf Corporate Learning ein, „Knowledge management: Creating context for a connected world“ und „Beyond reskilling: Investing in resilience for uncertain futures“. Das Kapitel „Knowledge Management“ habe ich mir einmal näher angeschaut.

Der zentrale Appell dieses Absatzes lautet: Die meisten Befragten verbinden mit Knowledge Management heute noch „Sharing knowledge: Documenting and disseminating knowledge“, die wenigstens sind bereits beim „Creating knowledge: Developing new services, solutions, products, or processes“ oder gar „Deriving value from knowledge: Tying knowledge to action“ angekommen. Ansonsten machen die AutorInnen den Entwicklungsstand von Knowledge Management vor allem an der Frage fest, ob die Unternehmen das Potenzial technischer Lösungen ausschöpfen: von Enterprise Social Networks, aber vor allem von KI. An dieser Lücke werden entsprechende Empfehlungen festgemacht. Eine Reihe von kurzen Beispielen unterstreichen die Ergebnisse.

„KNOWLEDGE MANAGEMENT THROUGH THE YEARS IN GLOBAL HUMAN CAPITAL TRENDS
Knowledge management has evolved in leaps and bounds over the last decade with the emergence of new technologies that capture and disseminate information at rapid speeds. Our Global Human Capital Trends reports have reflected that journey, acknowledging the importance of employee knowledge-sharing to business success in 2014, discussing the development of internal knowledge-sharing programs in 2016, and marking the emergence of new learning and knowledge-sharing systems in 2018 that curate both internal content and open-source content for worker use and development. In 2019, our top-ranked trend was “Learning in the flow of life,” in which we discussed the shift from knowledge-sharing and learning as something that happens separately from work to something that is integrated into workflows in small doses, almost invisibly, throughout the workday. This year, we build on that perspective, describing ways that organizations should leverage new technologies that can not only contextualize information, but push it through an organization’s systems to teams in ways that support problem-solving and help workers innovate and uncover new insight.“ (S.66)

Empfehlen kann ich nach einem ersten Blick noch die Einführung, in der auf eine Dekade Human Capital-Studien zurückgeblickt wird. Und wie immer gibt es die Studie als komplettes Dokument (125 S.), aber auch in vielen weiteren medialen Bausteinen.
Deloitte, Mai 2020

„Auf Wissen bauen – mit systematischem Wissensmanagement zur digitalen Verwaltung“

Auf diesen Trendreport im Rahmen der Reihe „Digitaler Staat“ bin ich im aktuellen Newsletter der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) aufmerksam geworden. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Behörden Spiegel und Prognos AG. Die 28 Seiten sind eine vorsichtige Annäherung. Auf ihnen wird für ein systematisches Wissensmanagement als Antwort auf die durch Demografie und Digitalisierung gestellten Herausforderungen geworben, vor denen der öffentliche Sektor steht.

Den roten Faden des Reports bilden die einzelnen Bausteine des Wissensmanagements (Gilbert Probst u.a.). Sie ermöglichen den AutorInnen einen Überblick über einzelne Handlungsfelder, werden um ausgewählte Methoden ergänzt und mit kurzen Praxisberichten veranschaulicht (u.a. Stadt Karlsruhe, Rheinisch-Bergischer Kreis, BMVg, Bundesverwaltungsamt, Bundesagentur für Arbeit). Weitere Kapitel sind der strategischen Bedeutung des Themas, einer notwendigen Kultur des Wissensteilens und neuen Plattformen und Tools des Wissensmanagements gewidmet – wobei die Hinweise auf Social Intranets und Kollaborationstools wahrscheinlich als Aufruf und Ermunterung gedacht sind. Wie auch immer: eine nützliche Übersicht.
Behörden Spiegel und Prognos AG, Februar 2020 (pdf)

Communities können sehr viel, wenn man sie lässt

Die Fakten aus diesem Interview mit Achim Brueck, Coordinator Corporate Community Management bei Daimler: Seit 2012 pflegt man hier Community Management. Heute kann man auf 200 zertifizierte Community ManagerInnen zurückgreifen. Das Social Intranet des Konzerns verzeichnet über 210.000 aktive Nutzer und 17.000 Communities. Der Erfolg des Social Intranets, so Achim Brueck, baut neben dem Community Management auf dem Multiplikatoren-Netzwerk „netWork“, auf Working Out Loud und auf einem breiten Spektrum an Trainingsangeboten auf. Weitere Details im Interview. 

„Communities können sehr viel, wenn man sie lässt. … Communities stehen für Selbstorganisation gemeinsam mit anderen. Sich selbst zu helfen und seinen Zweck mit ein paar Klicks und ohne formales Trara selbst zu verfolgen, ist in Konzernstrukturen nicht immer selbstverständlich.“
David Wagner, Interview mit Achim Brueck, MUUUH!, 30. April 2020

The State of Knowledge Management in 2020

Natürlich sind die Corona-Krise und MitarbeiterInnen, die sich jetzt auf neuen Wegen und Kanälen zusammenschließen müssen, auch ein Anlass, das Ganze einmal aus der Brille des Knowledge Managements zu betrachten. Folgende Schwerpunkte gibt uns der Autor mit auf den Weg: Digital Workplace, Artificial Intelligence und Chatbots, Data Visualization, Agile Methodologies und Collaborative Knowledge Management/ Knowledge Sharing. Und diese abschließende Einschätzung:

„Knowledge management is not experiencing a revolution in 2020, but it is continuing to evolve to be more collaborative in a highly digital workplace, and has been a key part of helping businesses to survive in the crisis of our lifetimes. By learning to more effectively use all the collaboration, project management and communication methodologies that are available, along with the selective use of a few new technologies such as AI and visual data display, knowledge workers continue to play a vital role in enterprise business.“
Scott Clark, CMS Wire, 27. April 2020

Bildquelle: Glenn Carstens-Peters (Unsplash)

GfWM Kompetenzkatalog Wissensmanagement: Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz

Der aktuelle Newsletter der Gesellschaft für Wissensmanagement erinnert noch einmal an den Kompetenzkatalog Wissensmanagement der GfWM. Er führt die Anforderungen auf, die an die Profession Wissensmanagement gestellt werden. Auf dieser Grundlage, so die Idee, kann man jetzt hingehen und die Ausprägungen für konkrete Wissensmanagement-Profile definieren. 

Vergleicht man den Kompetenzkatalog Wissensmanagement mit dem jüngst aktualisierten Talent Development Capability Model des ATD, so fallen zwei Unterschiede auf: Beide Modelle führen personale und fachspezifische Kompetenzen auf. Während das TD Capability Model jedoch den dritten Bereich „organizational capability“ nennt und damit stärker an die Geschäftsprozesse von Organisationen anlehnt, bleibt der Kompetenzkatalog Wissensmanagement bei der klassischen Aufteilung und spricht lieber von „interpersonalen Kompetenzen“.

Ein zweiter Unterschied: Die fachspezifischen Kompetenzen für Talent Development-Professionals sind (natürlich!?) viel breiter angelegt. Sie reichen von „Learning Sciences“ bis „Evaluating Impact“. „Knowledge Management“ ist hier eine von acht fachspezifischen Kompetenzen. Im Kompetenzkatalog Wissensmanagement wiederum sind die fachspezifischen Kompetenzen wenig ausgeprägt und kreisen um generische Stichworte wie „Methoden“, „IT“ und „Evaluierung“.

Vielleicht sollte man hier etwas mutiger sein und Punkte wie zum Beispiel „Künstliche Intelligenz“, „Content Curation“, „Datensicherheit“ oder ethische Fragestellungen direkt in den Kompetenzkatalog aufnehmen. Das würde die Profession sicher attraktiver (und geschäftsrelevanter …) erscheinen lassen. Und, ja, die Kehrseite wäre die abnehmende Halbwertszeit eines solchen Kompetenzkatalogs. Aber mit der Herausforderung stünde Wissensmanagement ja nicht allein da.
Angelika Mittelmann, Gabriele Vollmar und Dirk Liesch, gfwm newsletter Q1 2020, 18. Februar 2020 

      

filter success

Harold Jarche denkt laut über „knowledge filter“ nach. Technische Filter wie wir sie von Plattformen wie Google oder Amazon kennen, haben den Nachteil, dass wir sie nicht wissen, wie sie funktionieren. Um so wichtiger sind und bleiben „menschliche Filter“, also Personen bzw. Experten, denen wir trauen und deshalb folgen. Sie zu finden, ist aufwändig. Harold Jarche zeigt kurz auf, wie Unternehmen hier unterstützen können („The identification of knowledgeable people should be an important management function. The organization can also help people to codify some of their knowledge, especially through stories.“) und erinnert an den Unterschied zwischen Netzwerken und Communities.
Harold Jarche, Blog, 14. Oktober 2019

GfWM Kompetenzkatalog Wissensmanagement – Folge1

Zuerst habe ich etwas im aktuellen Newsletter der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) geblättert. Ein schönes Editorial von Manfred Bornemann, das GfWM KnowledgeCamp im November, der Start des Wissensmanagement-MOOCs. Hängengeblieben bin ich am Beitrag von  Angelika Mittelmann und Gabriele Vollmar über die Entwicklung eines „Kompetenzprofils Wissensmanagement“, das einmal als Vorstufe angedacht war, um im nächsten Schritt so etwas wie ein GfWM Gütesiegel zu gewinnen. Dann bin ich beim Video von Gabriele Vollmar gelandet, das ich an dieser Stelle auch verlinke.

Ich muss zuerst gestehen, dass ich zwar GfWM-Mitglied bin, aber Arbeitsgruppe und Projekt nicht mehr auf dem Radar hatte. Von daher habe ich dem angenehm offenen und selbstkritischen Bericht von Gabriele Vollmar aufmerksam zugehört. Sie berichtet darin vom Scheitern des ersten Anlaufs, nämlich der Entwicklung eines Kompetenzprofil. Jetzt, im zweiten Anlauf, will man es mit einem offenen Kompetenzkatalog versuchen. Er umfasst, in aller Kürze, eine Reihe von personalen, interpersonalen und fachspezifischen Kompetenzen, die anderer Stelle ausführlich vorgestellt und in vier Ausprägungsstufen beschrieben werden.

Mein Eindruck: Der Wissensmanagement-Kompetenzkatalog erreicht nicht die Qualität von Kompetenzprofilen, wie ich sie aus Bereichen wie „Learning & Development“ kenne (hier zum Beispiel das ATD Competency Model). Das kann daran liegen, dass es nicht das klare Berufsbild „Wissensmanager/-in“ gibt, so dass gerade die fachspezifischen Kompetenzen blass und wenig differenziert wirken. Irgendwie ist das natürlich ein Teufelskreis, will man doch dieses Berufsbild stärken und professionalisieren … Aber es soll noch eine Folge 2 zum Thema geben.
Gesellschaft für Wissensmanagement, YouTube, 3. Oktober 2019

Bildquelle: GfWM-Newsletter

 

Knowledge Management and Reuse in Virtual Learning Communities

Nehmen wir zum Beispiel die Corporate Learning Community. Unzählige Aktivitäten, von den großen Camps, den Webinaren, den MOOCs bis zu den regionalen Netzwerktreffen, auf verschiedenen Plattformen wie Twitter, Facebook oder Xing. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel User-Generated Content, entwickelt von den Mitgliedern des Netzwerks. Regelmäßig gibt es Versuche, hier etwas Ordnung zu schaffen und Orientierung zu bieten. Konventionen wie Hashtags gehören dazu. Auch das Aufbereiten von Ereignissen und Themen für die Webseite colearn.de in Form von Blogbeiträgen oder Regionalseiten ist ein Versuch, Erfahrungen für andere zugänglich zu machen. Aber diese Anstrengungen laufen den wirklichen Aktivitäten natürlich immer hinterher, und es ist immer wieder eine Abwägung, ob man seine Energie lieber in die Aufbereitung vergangener oder in die Planung zukünftiger Aktivitäten steckt.

Das als Vorspann. Denn der vorliegende Artikel nimmt genau diese Frage auf: „One of the main sources of knowledge in the web is the social networks and especially online communities because they contain human experiences which are considered as a rich source of information. This knowledge is in the most cases unstructured and is in the form of discussions organized generally by topics. If that knowledge could be represented and stored in order to be reused, it would facilitate the knowledge acquisition by members.“

Um hier eine Antwort zu finden, schauen sich die AutorInnen zuerst bereits vorliegende Studien zum Thema an. Einen Ausgangs- bzw. Vergleichspunkt bietet ihnen der „Knowledge Reuse Process“ (M. Lynne Markus). Anschließend entwickeln sie ein eigenes „Framework for Knowledge Management in Virtual Learning Communities“ (1. Content extraction and normalization; 2. Knowledge extraction; 3. Knowledge capitalization, formalization and storage; 4. Knowledge recommendation). Eine schnelle Lösung des Problems ist jedoch nicht sichtbar. Wie auch immer: Ohne maschinelle Unterstützung (Natural Language Processing) wird es nicht gehen.
Houda Sekkal, Naila Amrous und Samir Bennani, International Journal of Emerging Technologies in Learning, Vol 14, No 16, August 2019

Bildquelle: Chris Potter (Flickr, CC BY 2.0)

Curation as an Educational Challenge

Ein empfehlenswerter, ausführlicher Artikel für alle, die sich für das Thema Content Curation interessieren! Und zwar für Content Curation als Haltung und als Teil dessen, was man Persönliches Wissensmanagement nennen kann (und weniger als die Frage nach automatisierten Curation-Plattformen und -Prozessen). Silvia Rosenthal Tolisano geht auf folgende Punkte ein:

„(1) being aware of curation (What is it? What are strategies? What is the urgency to bring curation into the classroom?)
(2) curating as an integral part of our own “NOW skills and literacies”?
(3) gaining skills and fluency in the use of current curation tools and platforms
(4) embedding curation skills in our current curriculum/subject area/ grade levels.“

Es beginnt mit grundsätzlichen Fragen und den persönlichen Erfahrungen, Strategien und Routinen der Autorin. Am Ende wird sie praktisch und verbindet Tools (Pinterest, Instagram, Twitter, Blogs, Wakelet, Diigo) mit konkreten Curation-Aufgaben und Beispielen. Viele Links.
Silvia Rosenthal Tolisano, Langwitches, 19. Mai 2019

Bildquelle: Silvia Rosenthal Tolisano/ Langwitches

The Netflix of Knowledge Management

Netflix steht hier für „Smart Recommendation Systems“, also Empfehlungssysteme, die uns die Suche nach passenden Inhalten abnehmen, indem sie uns Inhalte vorschlagen – auf der Grundlage unserer bisherigen Aktivitäten, unserer Profile oder unserer Netzwerke. Mercy Harper macht die Vorteile an zwei Punkten fest: 

„- Improve enterprise search by ensuring the top results are relevant and tailored to individual employees.
– Enable alerts that push content to employees based on who they are, what they’re working on, and their prior interactions with KM systems and other work applications.“

Selbstredend, dass hier Inhalte auch Lerninhalte sein können … Und mit Content Curation besitzen wir ein weiteres Stichwort für diese Funktion.
Mercy Harper, APQC Blog, 18. April 2019

Bildquelle: Charles PH (Unsplash)