A Network of Experts: From Content Curation to Insight Curation

Das erste Thema des Artikels ist, wenn man so will, Organisationsentwicklung: neue Formen des Miteinanders, Expertennetzwerke, “wirearchy” als zeitgemäße Antworten auf die neuen Rahmenbedingungen (VUCA). Das zweite Thema betrifft die notwendige technische Infrastruktur, damit der Austausch unter Experten und in Netzwerken auch funktioniert. Hier kommt jetzt „insight curation“ ins Spiel. Es baut auf „content curation“, also der Auswahl und Sammlung von Informationen, auf, will aber auch die Erfahrungen, Ideen und den Kontext der Experten im Umgang mit diesen Materialien aufnehmen. Also all das, was im Alltag Bookmarks, Textmarker und gelbe Postits festhalten, was es aber in der Regel nicht in den organisationsweiten Austausch schafft.

Einerseits ist „insight curation“ also eine unmittelbar einleuchtende Idee. Andererseits aber sehr nahe an dem, was Enterprise Social Networks, News-Streams und Hashtags, richtig eingesetzt und genutzt, leisten können. Aber die Autoren wollen vielleicht nicht nur einen neuen Begriff, sondern auch eine neue Software-Lösung (Pandexio) promoten.
Joe Arets, Bob Danna, Charles Jennings und Laci Loew, Chief Learning Officer, 25. Januar 2018

Bildquelle: Patrick Perkins (Unsplash)

„Lerner nicht wie Kinder behandeln“

Am 30. Januar 2018 hält Charles Jennings eine Keynote auf der LEARNTEC in Karlsruhe. Grund genug, ihn noch einmal nach dem 70:20:10-Konzept und der Rolle und Bedeutung des informellen Lernens am Arbeitsplatz zu befragen. Ich will an dieser Stelle nicht die Grundlagenarbeit von Charles Jennings zusammenfassen, die er in diesem Interview leistet, sondern picke mir einzelne Hinweise heraus:

– dass die meisten E-Learning-Angebote heute „noch viel zu contentlastig sind“;
– dass eine Verlagerung von „courses to resources“ notwendig ist, auf die „Unterstützung von Mitarbeitern in ihren täglichen Arbeitsabläufen“;
– dass soziale Netzwerke für Wissensarbeiter sehr wichtig sind;
– und dass die meisten Erwachsenen sehr wohl selbst wissen, welche Fähigkeiten sie benötigen.
Kirsten Seegmüller, Interview mit Charles Jennings, Haufe/ Redaktion wirtschaft+weiterbildung, 7. Dezember 2017

The 702010 Interplay

Auf den Punkt gebracht! Mark Britz legt dar, dass die 70:20:10-Formel nicht drei separate Lernformate beschreibt, sondern dass diese Lernformate eng miteinander verknüpft sind und sich wechselseitig beeinflussen (Wer einmal versucht hat, genau zu beschreiben, was die 70 und die 20 voneinander trennt, wird das sofort bestätigen …). Das Modell ist schließlich eingebettet in ein “framework consisting of mindset changes, individual behaviors, organizational structures and technology augmentation”.  Im Einzelnen:

“1. Social improves Formal Learning …
2. Social informs Informal Learning …
3. Informal inspires Social Learning …
4. Formal influences Informal Learning …
5. Informal (through social) informs Formal Learning …
6. Formal inspires Social Learning …”

Mark Britz, The Simple Shift, 1. Mai 2017

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Lernen und Arbeiten 4.0 – Das Lernen verschmilzt mit der Arbeitswelt

Rüdiger Keller und Sebastian Lesch (Apollo-Optik) beschreiben, wie Arbeiten und Lernen immer mehr zusammenfallen und welche Rolle die Digitalisierung in diesem Prozess spielt. Die Stichworte sind bekannt: sie reichen von der 70:20:10-Formel, über ein verstärktes Angebot kurzer Lernbausteine bis zur stärkeren Praxisorientierung aller Lernaktivitäten. Formales Lernen hat seinen Platz, wird sich aber auch verändern: kürzer, individueller, arbeitsplatzbezogener. Leider lassen die Autoren einen nicht über die Schulter schauen, um zu zeigen, wie sich unter diesen Vorzeichen die Personalentwicklung bei Apollo-Optik verändert. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung …
Rüdiger Keller und Sebastian Lesch, Bertelsmann Stiftung/ Blog “Zukunft der Arbeit”, 22. März 2017

Cracking The Code Of 70:20:10

In den letzten Monaten ist es etwas ruhiger um die Formel geworden, und das ist auch sicher gut so. Nehmen wir also diesen Artikel als eine kurze Wiederholung und Erinnerung. Er führt uns durch die verschiedenen Lesarten des 70:20:10, um schließlich festzuhalten, dass es nicht um Zahlen, sondern um ein neues Denk- und Handlungsmodell für Learning & Development geht:

“The job of HR and Learning and Development is not simply to offer formal learning, but to expand the service it provides using 70:20:10 to make the transition from learning to business value.”
Jos Arets, eLearning Industry, 14. März 2017

Social learning: how it works in the workplace

social_learning_201702.jpgDie Kineo-Experten versuchen in diesem Whitepaper ganz bewusst, Technologien (Social Media, “social technologies”) außen vor zu lassen. Plattformen, Systeme und Tools tauchen nur ganz am Rande auf. Denn Social Learning, so die Argumentation, hängt von Mitarbeitern ab, die mit “personal agency” handeln, und einer Arbeits- und Lernumgebung, die ihnen dafür Raum gibt. Dafür wird immer wieder Albert Banduras “Social Learning Theory” herangezogen. Die Titel der einzelnen Kapitel lauten entsprechend “People first, technology second”, “Implementing social learning in a 70:20:10 way” und “Learning & development as social facilitators”.

“Looking to the thinking of Albert Bandura and the utilising frameworks such as 70:20:10 should offer a strong enough indication that learning in the modern workplace is not something to be owned and controlled. It should be enabled, facilitated and guided. Modern workplaces require employees to behave differently, to be more responsive, more agile and able to solve problems in the moment.” (S. 25)
Jez Anderson, Kineo, 3. Februar 2017

Informelles Lernen. Zwischen Bildungsmanagement und Selbstorganisation

digitale_bildungslandschafteb_201611.jpgMittwoch und Donnerstag findet ja in Saarbrücken der 10. Nationale IT-Gipfel statt. Digitale Weiterbildung ist dieses Jahr das zentrale Thema. Nun bin ich zwar nicht vor Ort, habe aber dennoch einen kleinen Beitrag zum Anlass leisten können. Denn der beiliegende Artikel ist Teil eines Bandes mit dem Titel „Digitale Bildungslandschaften”, der von August-Wilhelm Scheer und Christian Wachter herausgegeben und in Saarbrücken vorgestellt wird. Ich habe über informelles Lernen geschrieben und über verschiedene Optionen für Corporate Learning, auf diesem Feld aktiv zu werden. Stichworte sind die 70:20:10-Formel, Working Out Loud, Social Learning und Persönliches Wissensmanagement.

„Informelles Lernen ist ein Thema, das schon lange auf der bildungspolitischen Agenda steht. Denn Kompetenzentwicklung und Lernprozesse finden nicht nur in Seminaren und Workshops, sondern vor allem im Arbeitsalltag, aber auch in der Freizeit und aus eigenem Antrieb statt. Der folgende Beitrag will das Thema aus zwei Perspektiven beleuchten: Zum einen aus der Perspektive des Bildungsmanagements, das versucht, Arbeits- und Lernumgebungen so zu gestalten, dass informelles Lernen erfolgreich umgesetzt und gelebt werden kann. Zum anderen aus der Perspektive des Mitarbeiters, hier des Wissensarbeiters, der aus eigenem Interesse und Antrieb Lernmöglichkeiten sucht und aufnimmt, um seine Produktivität und auch sein Profil zu verbessern.”
Jochen Robes, in: August-Wilhelm Scheer und Christian Wachter (Hrsg.): Digitale Bildungslandschaften. Vorlage für den 10. Nationalen IT-Gipfel. Saarbrücken 2016 (pdf)

New Perspectives on 70:20:10

Es ist nicht der erste und sicher nicht der letzte Reader zum Thema 70:20:10. Er beschreibt angenehm unaufgeregt die Sachlage und ist gegliedert in die Kapitel: “What is 70:20:10?”,  “70:20:10 in context”, “70:20:10 in practice” und “Guidance for using 70:20:10″. Zitate verschiedener Interviewpartner (u.a. Nigel Paine, Clive Shepherd, Jane Hart, Harold Jarche, Ger Driesen) unterstützen den Lesefluss. Wobei sich das “new” im Titel auf die herangezogenen Quellen, weniger auf die dargelegten Argumente bezieht. Als kurzer Auszug hier die fünf zentralen Fragen, die uns die Autoren zum Stichwort “Getting started with 70:20:10″ mitgeben:

- “How are people learning in your organisation? …
- Will your organisation’s most senior people get behind? …
- Does L&D have the skills to promote all aspects of 70:20:10? …
- Is 70:20:10 the right mix for your organisation? …
- How can your managers best support learning? …”

Stef Scott und Owen Ferguson, GoodPractice, Oktober 2016 (pdf)

70-20-10: Origin, Research, Purpose

Man mag es ja kaum glauben, aber die 70:20:10-Formel hat wirklich einen Ursprung und einen Beleg. Und zwar hat Bob Eichinger, zusammen mit Wissenschaftlern des Center for Creative Leadership, in den später 1980er jahren 191 Executives befragt, “where they thought they learned things from that led to their success”. Heraus kamen 616 unterschiedliche “Learning Events”, die die Experten schrittweise zu dem verdichtet haben, was wir heute kennen:

“So the final easy-to-communicate meme was: 70% Learning from Challenging Assignments; 20% Learning from Others; and 10% Learning from Coursework. And thus we created the 70-20-10 meme widely quoted still today.”

Bob Eichinger selbst hat diese Entstehungsgeschichte noch einmal niedergeschrieben; Cal Wick hat ihn dazu angestiftet und ordnet die Formel noch einmal kurz ein und fragt u.a.: “What approaches can we take to enable self-directed 70-20 learning that improves capabilities and performance throughout an organization?”
Cal Wick, Fort Hill Company/ Blog, 9. August 2016

Challenge: Make Informal Learning Visible & Valuable

Cal Wick hatte die Teilnehmer einer Konferenz-Session in Denver gebeten, ihm Beispiele für informelle Lernaktivitäten via Twitter zu schicken, die sie im Rahmen der Konferenz erlebt haben. Diese Beispiele hat er ausgewertet. Interessant ist z.B. die “70-20 Learning Activation MatrixTM”, die er zur Systematisierung genutzt hat. Und folgende Beobachtung, die auf die Verbindung zwischen formalen und informellen Prozessen hinweist:

“The experiment of challenging participants in the session to post examples of informal learning (the “70″) and social learning (the “20″) on Twitter demonstrates the power of a formal learning session (the “10″) to act as a catalyst to cause 70-20 learning.”
Cal Wick, Fort Hill Company/ Blog, 27. Juni 2016