MOOCs in der Erwachsenenbildung: So gelingen sie

Die Macher*innen des EBmoocs haben diesen nützlichen Leitfaden (70 Seiten) erstellt. Der EBmooc fand im Frühjahr 2017 statt, war der „erste offene Onlinekurs für Erwachsenenbildner/innen in Österreich“ und beschäftigte sich mit digitalen Tools und Fertigkeiten für die Erwachsenenbildung. Er erreichte damit die stattliche Zahl von rund 3.000 Teilnehmer*innen!

Der Leitfaden behandelt die Themen Ressourcen, Öffentlichkeitsarbeit, Kooperationen, Didaktik, Lernmaterialien, Lizenzierung, Durchführung, Begleitangebote und Zertifizierungsformen. Der EBmooc wird dabei als Fallbeispiel immer wieder „eingeblendet“. Da dieser Kurs als xMOOC konzipiert war, nimmt auch der Leitfaden diese Perspektive auf. Wäre es ein Leitfaden für cMOOCs, würde man wahrscheinlich das Community Management sowie die Vernetzung, den Austausch unter den Teilnehmenden sowie ihre Motivation und Aktivierung stärker gewichten. Aber die Autor*innen wissen um die Unterschiede und sprechen sie eingangs selbst an.

„Drei Gestaltungselemente, die in beiden MOOC-Typen einen guten Platz brauchen, sind
– eine gewisse Vorstrukturierung des Geschehens (z. B. ein Ablaufplan und/oder andere klare Orientierungs- und Strukturierungs-Elemente);
– Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung (z. B. Social Media, Interessensgruppen, und dergleichen);
– eine mit unterschiedlichen Medien angereicherte Lernumgebung, die abwechslungsreich ist und verschiedenen Lerntypen entgegenkommt.“

CONEDU Birgit Aschemann mit Philipp Wurm, David Röthler, Martin Ebner, Wilfried Frei, Lucia Paar und Martina Süssmayer, www.erwachsenenbildung.at, Oktober 2017

A Proposal to Put the ‘M’ Back in MOOCs

Immer mehr Massive Open Online Courses (MOOCs) werden on demand zur Verfügung gestellt. Der Lerner kann sie jederzeit starten. Die Folge: Immer weniger Lerner nehmen zeitgleich an einem Kurs teil. Die Aktivitäten in den Foren nehmen ab. Dhawal Shah: „… Massive Open Online Courses are no longer as massive.“ Seine Vorschläge, um das Problem zu lösen:

„If providers of these online courses want to make MOOCs massive again, they will need to go back to the characteristics that made them popular in the first place: semi-synchronous, instructor led and sufficiently hyped.“

Klare Starttermine, aktive Lehrende und mehr Aufmerksamkeit, z.B. durch kostenlose Zertifikate. Dadurch, so der Autor, würde sich das gemeinsame Lernen in MOOCs wieder mehr anfühlen wie das gemeinsame Lernen im Klassenzimmer. Aber wer will das denn?
Dhawal Shah, EdSurge, 24. Oktober 2017

Bildquelle: Mace Ojala (Flickr, CC BY-SA 2.0)

The Pedagogic Architecture of MOOC: A Research Project on Educational Courses in Spanish

Aus den Forschungslaboren: Die Autor*innen haben sich einmal systematisch die MOOCs angeschaut, die 2015/16 zu pädagogischen Themen auf Spanisch erschienen sind. 36 Kurse auf fünf Plattformen haben sie gefunden und ihr Konzept, ihren Aufbau sowie die eingesetzten Medien und Tools betrachtet. Natürlich haben auch sie viele vertraute Elemente wiedergefunden, die man heute gemeinhin mit dem Label „xMOOC“ verbindet, „… such as the widespread use of traditional methodology based on video lessons (the “talking head” model). Communication tools are clearly underused and evaluation based on the use of questionnaires is dominant“. Aber von Kurs zu Kurs berichten sie im Detail auch wieder von vielen Unterschieden und Varianten.

Abschließend lassen die Autor*innen keine Zweifel aufkommen, dass sie das Potenzial dieses Lernformats in konnektivistischen Ansätzen sehen. Dahin gehen auch ihre Empfehlungen, was zukünftige Studien und die Weiterentwicklung von MOOCs betreffen:

„Although in all of the courses traditional methodology predominates, it paves the way for more active methodologies, aimed at the creation of learning communities that strengthen learning feedback between the individual and the network. It is important to seek remixing and learning through the organisation of tasks that require more applied work and the organisation of authentic exchanges of ideas and experiences through the different communication tools available on the platforms that host the courses and also those available externally. As some studies have suggested, it is essential that beyond the possibility of connecting to a greater number of people we seek and design strategies aimed at promoting interaction between participants in these types of experiences.“

Elia Fernández-Díaz, Carlos Rodríguez-Hoyos und Adelina Calvo Salvador, The International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Vol 18, No 6 (2017)

MOOCs – eine gute Option für die Vermittlung von Wissen

Ich hätte zwar lieber den Titel gelesen: “MOOCs - eine gute Option für den Erfahrungsaustausch und das vernetzte Lernen”, aber so geht es auch. Denn Sarah Holstein, die am ZML - Zentrum für Mediales Lernen in Karlsruhe an der Entwicklung einiger MOOCs beteiligt war, stellt hier noch einmal das Format vor und kommt auch auf die unterschiedlichen Ausrichtungen (xMOOCs/ cMOOCs) zu sprechen.

“Was ich damit also sagen will, ist, dass die Bewertungsperspektive nicht von „zuerst hatte ich eine Präsenzveranstaltung und jetzt nur noch einen MOOC” sondern von „zuerst hatte ich zu bestimmten Informationen gar keinen Zugang und jetzt habe ich über einen MOOC immerhin digital vermittelten Zugang”hin reicht.”
Jennifer Eilitz, Interview mit Sarah Holstein, Netzpiloten Magazin, 21. November 2016

MOOCs no longer massive, still attract millions

Ein guter, nüchterner Überblick über die aktuelle MOOC-Szene: Die Zahl der Online-Kurse steigt nach wie vor stetig, aber Kurse mit über 10.000 Teilnehmern und einem regen Austausch unter Lernern sind schon lange die Ausnahme. Die MOOC-Anbieter haben viel experimentiert in den letzten Jahren. Gegenwärtig steigt die Zahl der Kurse ohne festen Starttermin (self-paced). Denn nicht mehr der lebenslang Lernende steht im Fokus, sondern “professional development courses”. “Availability” schlägt “activity”. Wohlgemerkt, hier geht es immer um den Mainstream, also um xMOOCs.

“Part of this shift towards more availability is driven by MOOC business models. Having more courses available at any given time simply means more opportunities for people to pay for certificates, or for other additional services.
Fundamentally MOOCs as a format haven’t changed much over the last five years. What’s really changed is the how they are packaged and promoted.”

Dhawal Shah, VentureBeat, 5. September 2016

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Rolle und Herausforderungen von Online-Kursen (MOOCs) für die Hochschullehre

Die Autoren und Autorinnen beleuchten in diesem Artikel die Herausforderungen, vor denen Entwicklung, Einsatz und Nutzung von xMOOCs an österreichischen Hochschulen stehen: aus Sicht der Lehrenden, der Bildungsinstitutionen, der Studierenden und der öffentlichen Hand. Das Ergebnis ist irgendwie ernüchtend, oder in den Worten der Autoren und Autorinnen: “Man könnte kritisch hinterfragen, ob diese Herausforderungen den Aufwand wert sind …”. Doch: “Andererseits haben österreichische Universitäten einen Bildungsauftrag zu erfüllen, der nicht nur das Regelstudium, sondern auch den Bereich des lebenslangen Lernens umfasst. MOOCs sind ein zeitgemäßes Element, um diesem öffentlichen Bildungsauftrag gerecht zu werden.”
Martin Ebner, Michael Kopp, Alexandra Dorfer-Novak, in: Qualität in Studium und Lehre - Kompetenz - und Wissensmanagement im steirischen Hochschulraum. Springer, 2016. S. 323 - 334 (via ResearchGate)

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MOOCs as granular systems: design patterns to foster participant activity

“High drop-out and low completion rates”. Das ist einer der Punkte, die die Diskussion über Massive Open Online Courses von Beginn an bestimmen. Erfolg oder Scheitern des MOOC-Experiments werden unmittelbar mit der Antwort auf diese Herausforderung verknüpft. Also ist die Forschungswerkstatt um Martin Ebner in Graz hingegangen und hat die Lerneraktivitäten in drei MOOCs untersucht (Stichwort: Learning Analytics!) Ihre Frage: “Is there a specific point during an xMOOC where learners decide to drop out of the course or to become lurkers?”

Was haben die Autoren und Autorin nun festgestallt? In den untersuchten Online-Kursen zeigte sich, dass viele Teilnehmer zwischen der vierten und fünften Kurswoche verlorengehen. MOOC-Designern wird deshalb empfohlen: “Think granular!” Und das könnte z.B. bedeuten: “four-week MOOCs, granular certificates and suspense peak narratives.”
Elke Lackner, Martin Ebner und Mohammad Khalil, eLearning Papers, No. 42, Juni 2015 (pdf)

Challenging MOOCs

Audrey Watters hat einen MOOC auf edX bearbeitet (”The Rise of Superheroes and Their Impact On Pop Culture.”) und einen Erfahrungsbericht geschrieben. Ihr Urteil: “Rather, I worry that MOOCs will increasingly deliver all studies in a similarly “lite” version, that MOOCs will be unlikely to provide much critical analysis or equip students to develop any, particularly on topics where there are passionate feelings or entrenched opinions.”
Audrey Watters, Hack Education, 23. Juni 2015

All about MOOCs

Die Vorgabe “all about MOOCs” können die sechs Seiten natürlich nicht einlösen. Aber sie bieten einige Einsichten in iMOOX, die “erste und einzige MOOC-Plattform Österreichs”, die seit 2013 in Betrieb ist. Die Autoren geben Auskunft über die demografischen Daten ihrer Nutzer, die Abschlussraten sowie Fragen der langfristigen Finanzierung. Auch die zukünftige Ausrichtung (Zielgruppe) steht, so heißt es, noch zur Diskussion.
Martin Ebner, e-Learning-Blog, 19. Juni 2015

Massive Open Online Courses: Modelle und Konzepte des Online-Lernens

Für das Handbuch E-Learning durfte ich Anfang des Jahres meinen Artikel über Massive Open Online Courses (MOOCs) fortschreiben. Hier der Vorspann:

“Seit der Durchführung der ersten Massive Open Online Courses (MOOCs) 2008 hat das neue Lernformat eine erstaunliche Karriere erlebt. In nur wenigen Jahren ist ein weltweiter Markt mit neuen Anbietern und neuen Plattformen entstanden, auf der Suche nach Geschäftsmodellen und Zielgruppen. Neben das ursprüngliche Modell des vernetzten Lernens traten klassische Online-Kurse, die Inhalte für große Teilnehmerzahlen aufbereiten. Bildungsinstitutionen, allen voran die Hochschulen, aber auch Unternehmen, nehmen MOOCs zum Anlass, um sich der Digitalisierung des Lehrens und Lernens neu zu stellen. Der folgende Beitrag schließt an eine erste Bestandsaufnahme der MOOC-Entwicklung an (2012, Beitrag 7.21 in diesem Werk) und zeichnet die Entwicklungen und Veränderungen der letzten Jahre nach.”
Jochen Robes, in: Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Handbuch E-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), Köln, 56. Erg.-Lfg., April 2015 (pdf)