Präsenz- oder Online-Trainings?

Karlheinz Pape versucht, erste Schlüsse aus den Erfahrungen der letzten Wochen zu ziehen. Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass uns Corona noch für einige Zeit erhalten bleibt. Im Kern läuft seine Zusammenstellung auf ein „digital first“ hinaus: „Und für alle Themen, die nicht unbedingt physisches Erscheinen brauchen, sollten wir auch künftig auschließlich die Online-Variante anbieten.“

Natürlich werden solche Entscheidungen in der Regel nicht von einzelnen Lehrkräften oder nur unter didaktischen Gesichtspunkten getroffen. Die Geschäftsmodelle der Bildungsanbieter müssen aufgehen. Und hier liegen wahrscheinlich die größten Hürden:

„Ja, das erfordert ein anderes Geschäftsmodell für L&D. Weniger Räume werden gebraucht, Ein Bericht über geleistete Teilnehmertage ist nicht mehr möglich. Trainerkapazität muss anders genutzt werden (Wenn man z.B. die 8 Stunden eines Trainertages auf 15 Tln verteilt, dann könnte jeder Tln 32 Minuten individuelle Betreuungszeit erhalten). Die Lerninhalte müssen modularisiert zugänglich gemacht werden. Und und und …

Nur – wenn wir das nicht machen, dann kommen ganz sicher andere auf die Idee, Lernen individueller zu gestalten.“
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community/ Blog, 13. September 2020

Why Organizations Don’t Learn?

Auch wenn der Artikel ein kleiner Werbeblock ist (Tanmay Vora bietet ein Paket mit wundervollen Sketchnotes über „Leadership, Learning and Change“ an), bündelt er eine Reihe von wichtigen Hinweisen und Links: Peter Senge („The Fifth Discipline: The Art & Practice of The Learning Organization“) taucht auf, die Bedeutung einer Lernkultur „that promotes informal learning and collective sense-making“ wird unterstrichen, Chris Argyris ist dabei und natürlich der titelgebende Aufsatz von Francesca Gino und Bradley Staats aus der Harvard Business Review (2015), den Tanmay Vora auch illustriert hat.
Tanmay Vora, 31. August 2020

Back to Basics: 10 lessons for virtual L&D for 2021

Jane Hart schreibt, dass mit Blick auf die nächsten Wochen und Monate „L&D will largely remain a virtual function“. Aber das bedeutet nicht, dass Unternehmen jetzt mit aller Macht in mächtige Lernplattformen, KI und „adaptive learning“ investieren müssen. Im Gegenteil. Ihre Empfehlungen („10 lessons“) setzen vielmehr auf einen Richtungswechsel, auf eine Neuorientierung von Learning & Development. Dafür reichen die „Top Tools for Learning 2020“ völlig aus.

1. Keep it short …
2. Keep it simple …
3. Remember that the oldies are the goodies!
„Don’t overlook email – the original distance learning format.“ …
4. Support social learning …
5. Help people learn from their daily work …
6. Think continuous learning …
7. Keep it flexible …
8. Promote personal learning …
9. Open up learning opportunities …
10. See the big picture …“

Gute, wichtige Punkte, die sie abschließend in einem Schaubild, dem „Modern Workplace Learning Technology Ecosystem“, zusammenführt:

Jane Hart, Modern Workplace Learning 2020 [Magazine], 7. September 2020

Bildquelle: © C4LPT, 2020

Lernen wird zunehmend mit Arbeiten verschmelzen

Thomas Jenewein (SAP) antwortet in diesem Interview auf Fragen über das „Lernen in der digitalen Transformation“. Stichworte sind unter anderem Lernprozesse, die in der täglichen Arbeit aufgehen, Freiräume für selbstgesteuertes Lernen, Personalentwickler als „Learning Experience Designer“ und, nicht zu vergessen, der Werbeblock fürs Podcasting, der bei Thomas Jenewein nicht fehlen darf.
Interview mit Thomas Jenewein, HR Performance, 4/ 2020, S. 46-48 (pdf)

5 Steps For Writing Achievable Organizational Objectives

For an organization to be able to achieve their organizational objectives, they must know how to write them first. It starts with a clear thought of what you want to achieve, followed by how you plan to achieve it, and then finally doing the hard work to achieve it.

This post was first published on eLearning Industry.

Skillsoft Reinvented: In A Bold And Exciting Way

Lange bevor es Coursera, Udacity, Udemy oder LinkedIn Learning gab, war da Skillsoft. „As the pioneering company in online learning …, the founders aggressively defined the market for web-based corporate training and rapidly dominated the landscape“, schreibt Analyst Josh Bersin. Vor einiger Zeit war zwar mal von Insolvenz die Rede. Aber das war wohl nur ein „formaler“ Akt im Rahmen einer groß angelegten Umstrukturierung.

Wie sich Skillsoft nun in den letzten Jahren neu erfunden hat, beschreibt Josh Bersin. Er zeigt aber auch auf, warum Skillsoft irgendwann von der Erfolgsspur abkam: Man hatte eine große Bibliothek an Kursen bzw. Content aufgebaut, die viele Unternehmenskunden irgendwann überforderte. Denn so faszinierend die Auswahl, die man bei Skillsoft einkaufte, auch war. Es war immer viel mehr als die Mitarbeitenden benötigten bzw. an Zeit investieren konnten. Man hatte also als Kunde immer zuviel eingekauft, war irgendwie unzufrieden und zögerte dann, die Lizenz zu verlängern. Ein Problem übrigens, das es heute noch gibt und das sich nicht nur auf Skillsoft beschränkt!

Doch von dem, was Josh Bersin heute sieht, ist er begeistert. Ein LXP, ein Brand, der anspricht, und irgendwie darf er wohl auch mit Skillsoft zusammenarbeiten …
Josh Bersin, Blog, 27. August 2020

Bildquelle: www.skillsoft.com 

Erdrutsch in der Weiterbildungslandschaft

Der Artikel, geschrieben von Stefanie Hornung für das personalmagazin, knüpft an die nüchterne Bestandsaufnahme des Wuppertaler Kreises an, der im Juni in seiner Trendstudie erhebliche Umsatzeinbußen der Weiterbildungsbranche für das laufende Jahr konstatierte. Also wurde nachgefragt: bei Audi, Ernst & Young und Viessmann. Hier heißt es, dass sich natürlich Bildungsangebote und Lernaktivitäten in den letzten Monaten stark verändert haben. Aber von Budgetkürzungen ist noch keine Rede. Was die einzelnen Unternehmen in ihren Statements berichten, ist zwar kurz, aber lesenswert. Und da ich in einem Absatz auch zu Wort komme, darf ich den Artikel an dieser Stelle verlinken. Danke!
Stefanie Hornung, personalmagazin, 09/ 2020

Corporate Learning Ecosystems

Letzte Woche haben die KollegInnen vom eLearning Journal zu einem Webinar über „Integrated Learning Ecosystems“ eingeladen. Impulse gab es von Anja Schmitz, Jan Foelsing, Suat Korkut und Kai Liebert, „Project Lead Learning and Education ‚Zukunftsfonds – struktureller Wandel in Deutschland'“ bei Siemens. Letzterer hat seine Gedanken zum Stichwort „Corporate Learning Ecosystems“ in einem Video noch einmal dargelegt (16:28 Min.).

Im Zentrum seiner Ausführungen steht das „Corporate Learning Multiverse“, dessen zentrale Bausteine (Strategy, Technology, Culture, Business) kurz vorgestellt werden. Eingebettet in das „Multiverse“ und mit diesem interagierend ist das „Corporate Learning Ecosystem“ im engeren Sinne. Zentrales Ziel aller Aktivitäten von Corporate Learning und deshalb im Zentrum des Schaubildes steht das klassische „Accelerate Time to Competency“.


Weil es derzeit die Runde macht, ein paar erste Gedanken zum Stichwort „Corporate Learning Ecosystems“:

– Das Bild spricht an, nimmt aktuelle Entwicklungen auf (VUCA, Vernetzung, Agilität) und könnte eine Lücke schließen. Bisherige Beschreibungsversuche der Lernwelten in Unternehmen konzentrieren sich ja oft auf einen Ausschnitt, zum Beispiel die technische Infrastruktur (Josh Bersin) oder die unterschiedlichen Lernformen (Jane Hart).

– Doch schon im Webinar, soweit ich mich erinnere, wurden verschiedene Bilder und Modelle verwendet, um „Ecosystems“ und ihre Bausteine zu beschreiben. Vielleicht liegt der Charme dieser Idee gerade in dieser Offenheit, aber vielleicht braucht es doch ein „Leitmodell“ …

– Im Moment haben „Corporate Learning Ecosystems“ vor allem eine beschreibende und erklärende Funktion. Das Stichwort bzw. die  Schaubilder bieten Orientierung. Ob das Modell auch für die Analyse und Weiterentwicklung bestehender Corporate Learning-Bereiche funktioniert, ob es auch mit alternativen Unternehmens- und Lern-Visionen (als „Accelerate Time to Competency“ …) verbunden werden kann, wird sich zeigen.

In jedem Fall regt das Schaubild zum Nach- und Weiterdenken ein!
Kai Liebert, YouTube, 4. August 2020     

Bildquelle: Kai Liebert

     

Was machen wir mit „Learning Experience Platforms“?

Der Beitrag hat zwei Teile. Im ersten Teil beschreibt der Autor, Daniel Stoller-Schai, was „Learning Experience Platforms“ (LXPs) eigentlich auszeichnet. Kurz könnte man sagen: Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf dem Management der Nutzer, der Inhalte und Lernprozesse, sondern auf dem „Lernerlebnis“, einem ansprechenden Design und auf personalisierten Lernangeboten. Es muss bei einer LXP, wie es im Artikel heißt, „WOW“ machen, bei den Lernenden wie bei den Administratoren.

Im zweiten Teil führen Stichworte die LeserInnen durch den Auswahl- und Implementierungsprozess einer LXP. Sehr pragmatisch. Aber wer noch nie eine Ausschreibung erstellt oder eine Lernplattform eingeführt hat, findet hier einen Startpunkt.
Daniel Stoller-Schai, eLearning Journal, 12. August 2020

Kollaboratives Arbeiten und Lernen im Netz

Kurz vor meinem Urlaub hat Werner Sauter noch einmal die Grundrisse kollaborativer Arbeits- und Lernprozesse beschrieben. Dabei spannt er einen Bogen vom Netz als alltägliche Arbeits- und Lernumgebung bis zur Frage, wie sich Personalentwicklung und Corporate Learning auf diese Wirklichkeit einstellen und MitarbeiterInnen als selbstorganisiert Lernende unterstützen. Kompetenzentwicklung im Prozess der Arbeit und das Zusammenwachsen von Arbeits- und Lernprozessen sind hier zentrale Stichworte.

„Die bisherige Personalentwicklung mit ihrer Konzentration auf formelles Lernen hat dementsprechend die Aufgabe, sich zum Kompetenzmanagement zu wandeln, das selbstorganisierte Lernprozesse der MitarbeiterInnen ermöglicht …“

Wichtige Botschaften, wenn auch etwas abstrakt verpackt.
Werner Sauter, Blog, 21. Juli 2020