ZP Reconnect: Erfahrungen bei meiner ersten Präsenzmesse nach Corona

Auch Karlheinz Pape war mit einem Impuls (“Gebt den Lernenden ihr Lernen zurück!”) auf der ZP Reconnect und hat im Nachgang über seine Eindrücke reflektiert. Einerseits lobt er den Mut der Veranstalter, kommt dann aber schnell zu grundsätzlichen Fragen: Sollten sich Messen nicht stärker als Verkaufs- und Lernevents verstehen? Und was kann das für die Konzeption solcher Veranstaltungen bedeuten? Seine Wünsche bzw. Ideen:

“Wenn es bei Messen üblich würde, dass sich Besucher untereinander austauschen, dann würde das Lernen von den Kolleginnen und Kollegen enorm beschleunigt. Zusätzlich würden Netzwerke entstehen, die auch nach der Messe wirken. …
Vielleicht schaffen wir es ja, dass bei künftigen Messen jeder Besucher seine mitgebrachten Fragen erstmal in einer BarCamp-Session mit anderen Besuchern diskutiert – bevor er sich von Anbietern beraten läßt.”
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, 17. September 2021

Blick auf die Expert Stage der ZP Reconnect 2021

Bildquelle: Karlheinz Pape (CC BY 4.0)

Der Aufbau von Future Skills im Kontext von New Learning

Ich war ja als Teil des Expertenrats diese Woche auf der ZP Reconnect in Köln aktiv. Ein Gesprächsthema war natürlich die Messe selbst und ihr Versuch, der Pandemie eine Präsenzveranstaltung abzutrotzen. An dieser Stelle möchte ich aber auf Jan Foelsing verlinken, den ich überzeugen konnte, nach Köln zu kommen und dort sein Herzensthema “New Learning” vorzustellen. Er hat dankenswerter Weise auch gleich die Slides seines Vortrages verlinkt. In ihnen bringt er Future Skills und New Learning zusammen und leitet daraus gleich einige Appelle an Learning & Development ab.
Jan Foelsing, LinkedIn, 17. September 2021

Fakten zum Corporate Learning Camp #CLC21 Herbst

Beim Fazit von Karlheinz Pape zögere ich etwas: “Die klare Entscheidung von 96% der Teilgebenden für die Online-Variante, sehen wir als klaren Hinweis auf die inzwischen vermutlich höhere Akzeptanz für Online-Veranstaltungen gegenüber Präsenzveranstaltungen.” Ich glaube, die Alternative in der letzten Woche, sich unter den gegenwärtigen Bedingungen in kleinen Runden und verstreut in der Republik vor Ort zu treffen, um sich von dort dann in ein Online-BarCamp einzuloggen, war nicht besonders attraktiv. Das Votum mag anders ausfallen, wenn das BarCamp wieder an einem Ort stattfinden kann.

Wie auch immer: Es hatten sich wieder 369 Teilgebende angemeldet und in 71 Sessions ausgetauscht. Karlheinz Pape hat alles festgehalten: Technik, Tools, Themen, Herausforderungen (Experiment Miro!), Diskussionen (Klimafreundlichkeit!, zu viele Anbieter-Sessions?). Und wir haben heute in kleiner #clc069-Runde auch noch einige Ideen und Erfahrungen ausgetauscht, zum Beispiel: Warum nicht die Sessions mit Labeln wie “Vortrag”, “Frage”, “Erfahrungsaustausch/ Diskussion”, “Brainstorming” usw. versehen, die ihre Ausrichtung besser veranschaulichen?
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community/ Blog, 13. September 2021   

Lernkultur verstehen, analysieren, entwickeln – Beitrag zur eLearning eSUMMIT Eröffnungskonferenz

Ich hatte das Vergnügen, Christoph Meier auf dem gestrigen eSummit anzumoderieren. Dort hat er uns in 20 Minuten eine kurze und komprimierte Übersicht zum Thema “Lernkultur – verstehen, analysieren, entwickeln” präsentiert. Anschließend folgte noch sein Hinweis, dass es zum Vortrag auch ein Whitepaper gibt, das online zur Verfügung steht. Wer am Thema “Lernkultur” interessiert ist, sollte dieses Whitepaper (23 S.) unbedingt lesen!

Denn Christoph Meier geht es nicht darum, ein weiteres Bild von “New Learning” zu zeichnen. Er beschreibt vielmehr, wie man als Organisation das Thema “Lernkultur” operationalisiert, konkret: wie man eine Standortbestimmung der eigenen betrieblichen Lernkultur durchführt, welche Instrumente einem dafür zur Verfügung stehen (vorgestellt werden: “Dimensions of the learning organization/ DLOQ)”, “Lernkulturinventar” und “scil-Lernkulturanalyse”) und wie ein Zielbild hilft, konkrete Handlungsfelder zu identifizieren und Maßnahmen einzuleiten. 

Sein Abschluss gefällt mir sehr: “Betriebliche Lernkulturen, um ein Fazit zu ziehen, sind in nur schwer zu durchschauender Weise verwobene Netze von tief liegenden Annahmen mit Bezug zum Lernen, von Bewertungen, Präferenzen und Regelungen sowie von darauf bezogenen Symbolen, Gegenständen, Handlungen und Infrastrukturen. Lernkulturen können mit verfügbaren Instrumenten analysiert werden.

Die erzielten Ergebnisse können als Grundlage für die Entwicklung von Zielbildern sowie anschliessend für die Erarbeitung von Veränderungsimpulsen herangezogen werden. Allerdings: eine gezielte (und erfolgreiche) Lernkulturveränderung ist schwierig und alles andere als eine exakte Wissenschaft. Unerwartete Nebenwirkungen sind nicht auszuschliessen. Wichtig ist aber in jedem Fall ein systematisches Vorgehen und vor allem ein sorgfältiges Beobachten von Veränderungen gekoppelt mit wiederholtem Nachsteuern.”

Konkrete Schaubilder, Beispiele sowie ein umfassendes Literaturverzeichnis runden das Whitepaper ab. Empfehlenswert!
Christoph Meier, scil/ Blog, 2. September 2021

How L&D Teams Can Leverage Learning Consulting To Meet The Enhanced Expectations From The Business

L&D teams may not have all the skills or experience to efficiently address the rapidly changing demands of today's workplace. In this article, I outline how learning and performance consulting partners can support L&D teams to successfully meet the new mandate.

This post was first published on eLearning Industry.

lernOS State of the Union

Die lernOS Convention 2021 “Agil trifft Lernende Organisation” (#loscon21), organisiert von Cogneon bzw. Simon Dückert, hat am 24./ 25. Juni 2021 stattgefunden. lernOS steht für “ein offenes System für Lebenslanges Lernen und Lernende Organisationen”, wie es auf der Webseite des Projekts heißt. In den letzten Jahren ist lernOS stetig gewachsen – als Community, die sich auf Events wie der #loscon21 trifft und austauscht, aber auch als eine beeindruckende Sammlung von Ressourcen. Dazu gehören vor allem die lernOS-Leitfäden, die es für verschiedene Themen, von Achtsamkeit bis Sketchnoting, gibt und die in der lernOS-Toolbox zusammengestellt sind. Zusätzlich gibt es übergreifende Leitfäden, die den einzelnen Lernenden, Teams und Organisationen ansprechen (lernOS-Core genannt). Und alles steht unter offenen CC-Lizensen.

Weil sich lernOS auf so vielen Spielfeldern fortentwickelt, lohnt es sich, den “lernOS: State of the Union”-Impuls von Simon Dückert anzuschauen, der die #loscon21 einleitet. Hier ordnet er die genannten Stichworte noch einmal ein, sortiert und verknüpft und weist auf offene Baustellen hin. Auf der Veranstaltungsseite sind auch die weiteren Impulsvorträge und Lightning Talks verlinkt.
Simon Dückert, Cogneon Akademie, 24. Juni 2021 (via YouTube)

Bildquelle: https://cogneon.github.io/lernos

The role of learning in employee experience

Ich bin kein Freund von Sätzen wie “creating happier employees through better learning experiences”. Trotzdem ist dieser Guide (21 S.) des englischen Bildungsanbieters Kineo lesenswert. Denn er verbindet aktuelle Schlagworte zu einer runden Story: Zu Beginn werden wir in die Begriffswelt von “employee experience” eingeführt (“employee experience is in every interaction, every touchpoint, every person and process they come into contact within an organisation”). Learning, heißt es mit Blick auf aktuelle Umfragen weiter, ist ein “critical tool in meeting changing expectations”.

Wenn man gedanklich so weit mitgegangen ist, sind es drei Fragen, die sich aus Sicht des Mitarbeitenden stellen und auf ihre/ seine Experience einzahlen. Die Kineo-Expert:innen verbinden sie gleich mit den entsprechenden Themenfeldern in L&D:
– Do I feel welcomed and supported? … Onboarding
– Am I growing and developing? … Career Development
– Do I feel part of something bigger than myself and my team? … Social Learning

In einzelnen Kapiteln wird anschließend kurz ausgeführt, wie sich Onboarding, Career Development und Social Learning gestalten lassen und wie Kineo auf diesem Weg unterstützen kann. Aber das Marketing konzentriert sich auf die letzten Absätze …
Kineo, 22. Juni 2021

Bildungsdienstleister: Weiterentwicklung des Geschäftsmodells nach Covid-19

Viele Bildungsdienstleister gehen in diesen Tagen hin und überlegen, wie es weitergeht und welche Lehren sie aus der Covid-19-Pandemie ziehen. Für einige ist es der Anlass, das eigene Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen. Wer diesen Weg gehen will, findet im Beitrag von Christoph Meier (vorgetragen auf der Learntec xChange 2021) einen komprimierten Überblick über die wichtigsten Gestaltungsfelder. Die Stellschrauben im einzelnen:

– Wer? Die Fragen nach den Kunden(segmenten) …
– Was? Die Frage nach dem Leistungsportfolio … 
– Wie? Die Frage nach der Leistungserbringung, nach Rollen, Prozessen, Infrastrukturen …
– Wert? Die Frage nach der Ertragsmechanik, nach dem Ausweis von Nutzen und Erfolgen …
Christoph Meier, scil/ Blog, 3. Juli 2021

Bildquelle: Christoph Meier/ scil 

New Learning: Wie sich das Lernen bei der Arbeit verändert

Im Artikel werden sehr viele Stichworte auf knappem Raum zusammengeführt: die Unterscheidung von formalem, selbstreguliertem und informellem Lernen sowie das Oktagonmodell des informellen Lernens; die Methode des agilen Lernens; Selbstorganisation, New Work und Lernkultur. Das funktioniert überraschend gut, da alle Stichworte ja ein gemeinsames Ziel eint: Weiterbildung und Lernen als fortwährende, tägliche Prozesse zu betrachten, die im Arbeitsalltag von den Mitarbeitenden ganz selbstverständlich gelebt werden. In drei Thesen werden die Stichworte und die mit ihnen verbundenen Trends kurz vorgestellt. „New Learning“ bildet dabei so etwas wie ein Dach:

„Zusammenfassend kann man „New Learning“ als eine situativ angemessene Kombination verschiedener Lernformen verstehen, die sich typischerweise im Einsatz neuer Lernmethoden zeigt. Das Lernen geht dabei selbstbestimmt von den Lernenden aus und wird in der Folge als sinnvoll erlebt oder bereitet Freude.“

Natürlich verändert „New Learning“ auch Aufgabe und Rolle der Personalentwicklung:
„Da sich „New Learning“ typischer im Einsatz neuer Methoden zeigt, spielt die Methodenkompetenz (z. B. für die Anwendung des Scrumbasierten „agilen Lernens“) eine zentrale Rolle. Eine Aufgabe der Personalentwicklung sollte deshalb sein, Beschäftigte zum Umgang mit Methoden des „New Learning“ zu befähigen. Damit verschiebt sich der Fokus von inhaltlichen Trainings auf lernmethodische Angebote.“

Nun passen unter das Dach „New Learning“ sicher noch weitere Begriffe, die zwar im Artikel nicht erwähnt, aber heute an anderen Stellen diskutiert werden: zum Beispiel „Learning Ecosystems“ oder Formen des Peer-to-Peer-Lernens wie Working Out Loud oder BarCamps. Vielleicht muss man am Ende des Tages aufpassen, dass der Werkzeugkoffer nicht zu groß wird, um für das vermeintlich Selbstverständliche (informelles Lernen) zu werben.
Timo Kortsch, Julian Decius und Hilko Paulsen, Wirtschaftspsychologie aktuell, 1/ 2021 (via ResearchGate)

Bildquelle: Wirtschaftspsychologie aktuell