Selbstgesteuertes Lernen erfordert anderes L&D Geschäftsmodell

Learning & Development tut sich schwer mit dem selbstgesteuerten Lernen in Netzwerken, weil es, so Karlheinz Pape, mit liebgewonnenen Routinen bricht, auch was die Budgetierung und die Verrechnung von Zeiten und Leistungen betrifft. Denn hier werden ja die Teilnehmer bzw. Kunden selbst aktiv. Und Bildungsexperten und Trainer moderieren, über einen längeren Zeitraum, auf neuem Terrain und häufig situationsbezogen.

Karlheinz Pape denkt dann noch laut über mögliche Lösungen nach, über zentrale Budgets, über Flatrates und über GEZ-ähnliche Gebühren. Ich glaube, diese Überlegungen setzen zu spät an. Wenn Unternehmen sich über eine Vision vom Lernen und eine Lernstrategie verständigen, die dem selbstgesteuerten Lernen in Netzwerken einen zentralen Platz zuweist, wird sich auch eine Finanzierung bzw. ein Geschäftsmodell finden lassen. Umgekehrt, wenn man immer wieder neu über die Kosten und Verrechnung einzelner Community-Projekte nachdenkt, wird es schwer, tragfähige Antworten zu finden.
Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, 19. Oktober 2017

Bildquelle: Hyunwoo Sun (Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Edu Trends | MENTORING

Gibt es eigentlich Informationen darüber, wie es hierzulande dem Thema bzw. dem Konzept Mentoring geht? Gerade im Zusammenhang mit dem Stichwort Medienkompetenz oder Netzkompetenzen höre ich ja immer wieder mal von Unternehmen, die auf Reverse Mentoring setzen und „Alt“ von „Jung“ lernen lassen. Das klassische Mentoring ist dann oft Führungskräfte-Trainings vorbehalten, wo Nachwuchskräften ein erfahrenes Leitungsmitglied an die Seite gestellt wird.

Die Experten des Observatory of Educational Innovation aus Monterrey (Mexiko) sprechen jedenfalls von einem „Boom“, der sie veranlasst hat, diese lesenswerte und ansprechend gestaltete Einführung und Übersicht vorzulegen.

„This edition offers an overview of mentoring as an educational trend, particularly in the field of higher education and entrepreneurship, including the following content:
– A tour of the evolution of mentoring in 10 key moments of history, from classical antiquity to the Digital Era.
– A proposal for the definition of mentoring in contrast to other terms with which it is oen easily confused in academic settings: tutoring, coaching, advising and counselling.
– A range of procedures to evaluate the quality of a mentoring process.
– And more…“

Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, Oktober 2017

Bildquelle: Umschlagbild „Edu Trends | MENTORING“ (pdf)

Entwicklung «digitaler» Kompetenzen: Leitende Fragestellungen zur Umsetzung

Joël Krapf hatte im Juni darüber berichtet, wie sich die Schweizerische Post mit der Entwicklung digitaler Kompetenzen auseinandersetzt. Sein Bericht war „work in progress“. Jetzt hat er einen weiteren Statusbericht nachgeschoben. Denn die Schweizerische Post hat inzwischen das erarbeitete Kompetenzmodell um drei Ebenen (normativ, strategisch, operativ) bzw. fünf Handlungsfelder erweitert und die Fragestellungen herausgearbeitet, die bei der Entwicklung entsprechender Lösungen aus Konzernperspektive beachtet werden sollen. Im nächsten Schritt geht es um die Entwicklung erster Maßnahmen. Wir werden auf dem Laufenden gehalten, so Joël Krapf (via Christoph Meier).
Joël Krapf, Blog, 12. Oktober 2017

#CLC17 Interview 02: Caroline Göbel und Martina Pumpat

Es ist erstaunlich, was alles auf dem Corporate Learning Camp in Frankfurt produziert wurde und jetzt in den verschiedenen Netzwerken auftaucht. In diesem Interview berichten Caroline Göbel und Martina Pumpat (beide Ottobock), wie sie zum anderen Lernevent der letzten Tage, dem Corporate Learning 2025-MOOCathon, gekommen sind. Die Fragen, die sie beantworten: Wie seid ihr überhaupt zum MOOCathon gekommen? Warum habt ihr teilgenommen? Was wurde eigentlich von Ottobock in der MOOC-Woche gemacht? Welche Ergebnisse und Erfahrungen nehmt ihr mit?
lutzland, YouTube, 10. Oktober 2017

Lernevents für selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung

Ob BarCamps oder MOOCs: Diese Lernevents leben von der Selbststeuerung der Teilnehmenden. Kompetenzen entwickeln sie, wenn sie sich selbst den großen oder kleinen Herausforderungen stellen, die solche Lernevents ausmachen. Eine Auswahl solcher Herausforderungen – von „Biete ich eine Session an?“ bis „Organisiere ich eine Gesprächsrunde zum Thema mit Aufzeichnung?“ – zählt Karlheinz Pape auf. Zugleich betont er die neue Rolle der Veranstalter, hier Freiräume zu gewähren, Möglichkeiten aufzuzeigen und Unterstützung anzubieten.

„Beide Veranstaltungen sind „inhaltslos“, bevor sie starten. Sie müssen durch Teilgebende gestaltet werden. Das ist schon die erste Herausforderung, die Einzelne annehmen können oder auch nicht. Das Annehmen von Herausforderungen ist immer der erste Schritt zum Lernen. Und wenn die Herausforderung gleich ein Handeln in der Echt-Situation fordert, dann ist das die Chance zur Entwicklung eigener Kompetenz, die ja nur durch Handeln entwickelt werden kann.“

Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, 11. Oktober 2017

Was Netzwerke für Unternehmen leisten – Konnektivismus im Praxistest

Ist die Lerntheorie des Konnektivismus eine Antwort auf die Herausforderungen, vor der Unternehmen und Corporate Learning im Zeichen der Digitalisierung und Vernetzung stehen? Charlotte Venema (Hessenmetall) meint „ja“ und zeichnet den Weg nach, den man in den letzten Jahren genommen hat, um Theorie und Praxis zusammenzuführen: vom Aufbau eines überbetrieblichen Netzwerks, der „Corporate Learning Community“ (seit 2007), des Corporate Learning Camps (seit 2010) bis zum aktuellen Corporate Learning 2025-MOOCathon (Mai – September 2017), den sie etwas ausführlicher vorstellt.

„Fazit: Wenn es gelingt, eine große und vielfältige Personengruppe mit einem gemeinsamen Thema anzusprechen, kann die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg außergewöhnlich produktiv sein und neue Ideen liefern. Die Voraussetzung sind eine offene, vertrauensbildende Kommunikation, ein verbindlicher, für alle hilfreicher gemeinsamer Rahmen und die Moderation durch ein eingespieltes Kernteam. Die Thesen des Konnektivismus haben den Praxistest bestanden.“

Charlotte Venema, Handbuch HR-Management (Open Content), 6. Oktober 2017

Corporate Learning Camp 2017 (#cl17)

Es ist schon fast wieder Geschichte, das 7. Corporate Learning Camp, das letzte Woche in Frankfurt stattgefunden hat. Dieses Mal mit fast 300 Teilnehmenden/ Teilgebenden und fast 70 Sessions, die von ihnen angeboten wurden. Das schließt eigentlich eine Zusammenfassung aus, und so will ich nur auf einige Themen verlinken, die mir auf dem Camp begegnet sind.

Vorneweg: Eigentlich bietet das Camp längst Stoff für unzählige Master-Arbeiten, wenn ich nur an die Stichworte „Vernetzung“ (Was könnte uns eigentlich die Social Network Analysis über das Netzwerk der Teilnehmenden erzählen?) oder „Themen-Sessions“ (Welche Inhalte und Formen des Austauschs werden eigentlich angeboten?) denke …

Simon Dückert hatte auf dem Camp ein kleines Podcast-Studio aufgebaut und interessierte Teilnehmende eingeladen, selbst einen Beitrag zu produzieren. So ist eine kleine Podcast-Reihe entstanden, die auf der Webseite der Corporate Learning Community verlinkt ist.Ich habe einmal in den Beitrag „LMS am Scheideweg?“ reingehört, in dem Axel Wolpert, Egon Fleischer und Björn Beil über ihre Eindrücke zum Thema diskutieren. Tenor: Kunden schreiben immer mehr Funktionen in die Pflichtenhefte, Anbieter versuchen, diesen Anforderungen nachzukommen, aber in der Unternehmenspraxis wird dann nur ein Bruchteil der Möglichkeiten genutzt. Konkret: Content- und Veranstaltungsmanagement. Das eröffnet dann Raum für neue Anbieter, die mit „Basispaketen“ auf den Markt kommen.

Zum Stichwort „Community“ gab es einige interessante Diskussionen. In den Sessions, an denen ich teilgenommen habe, ging es zum Beispiel um Erfolgsrezepte für Communities, denn was im Unternehmens- oder professionellen Kontext oft schwer ins Laufen kommt, funktioniert im Privaten (denken wir nur an Themen wie Gesundheit und Sport) ja sehr erfolgreich. Und selbstverständlich auch im IT-Bereich. In einer Session wurde deshalb auch die „E-Learning Heroes Community“ vorgestellt, in der Articulate ja über 300.000 Mitglieder zusammenführt.Auch die Corporate Learning Community selbst wurde thematisiert. Dabei standen u.a. folgende Fragen im Raum: Wie kann der Austausch zwischen den jährlichen Events bzw. Camps unterstützt werden? Welche Spielarten des Austauschs sind möglich bzw. interessant, z.B. lokal/ überregional, offline/ online? Auf welcher Plattform kann ein netzgestützter Austausch stattfinden?

Der Corporate Learning 2025 MOOCathon war natürlich auch auf dem #clc17 ein Thema, da sowohl die Veranstalter (Corporate Learning Community, zu dessen Kernteam ich ja auch gehöre), einige gastgebende Unternehmen (ich erinnere mich an Viessmann, Audi, Ottobock, Bosch …), aber auch viele MOOC-Teilnehmende in Frankfurt waren.An dieser Stelle sei deshalb auf das Wikibook „Organisationales Lernen im Digitalen Zeitalter“ verwiesen, das ja am 7./ 8. September in einer „konzertierten Aktion“ in Frankfurt entstanden ist und die Stichworte der MOOC-Wochen in eine erste Blaupause überführt. Das Dokument steht übrigens unter einer CC-Lizenz und kann entsprechend heruntergeladen, kopiert, verteilt usw. werden.

Ansonsten habe ich noch einige Erfahrungsberichte gefunden, die weitere Stichpunkte zum #clc17 bieten, zum Beispiel von Joachim Haydecker („Rückblick auf das Corporate Learning Camp 2017“), Simon Dückert („#clc17 Session “Meinen eigenen Podcast aufnehmen”), Daniela Schuchmann („#CLC17 – scil zu Besuch auf dem Corporate Learning Camp 2017 in Frankfurt a.M.“), Lutz Berger („CorporateLearningCamp – CLC17“), Alexander Klier („Corporate Social Learning“), Sirkka Freigang („Wie lernen & arbeiten wir in Zukunft? Ein Rückblick zu #CLC17 & #CHANGEC“), Martina Pumpat  („Stell dir vor, es gibt was zu lernen – und keine/r geht hin.“).

Weitere Stichworte, Anmerkungen und Links sind herzlich willkommen!

Bildquelle: Frank Rumpenhorst

Report: Associations Using Learning Technologies

The fifth edition of the report Association Learning + Technology 2017 represents an ongoing effort to assess the use of technology for learning in the association market and provide insight into how the role technology plays in learning may evolve.

This post was first published on eLearning Industry.

Was man tun muss, damit Corporate MOOCs nicht scheitern!

Joachim Niemeier hat auf dem Know How! – Bildungskongress über den Corporate Learning 2025 MOOCathon (#cl2025) berichtet und ist erst einmal auf fragende Gesichter gestoßen. Zum Beispiel, weil man MOOCs mit den üblichen Lernangeboten gleichsetzt, die von anderen für einen organisiert werden und deshalb an den persönlichen Bedürfnissen und Interessen vorbeigehen; oder dass MOOCs als freiwillige Lernangebote ja nicht funktionieren können, weil das Tagesgeschäft immer das letzte Wort hat.

Doch gerade mit dem #cl2025 haben wir ja versucht, andere Schwerpunkte zu setzen: indem zum Beispiel dem selbstorganisierten Lernen (Joachim Niemeier spricht hier vom „agilen Lernen“) viel Platz eingeräumt wurde; oder indem immer wieder Anknüpfungspunkte für die Vernetzung der Teilnehmer*innen – auch über den MOOCathon hinaus – geschaffen wurden; und schließlich, indem wir am Ende im Hackathon gemeinsam ein „Ergebnis“ entwickelt haben.

Vor diesem Hintergrund sind die Lessons Learned zu lesen, die Joachim Niemeier festgehalten hat:

“ – Die konkreten Inhalte wurden nicht Top-down vom Kernteam vorgegeben, sondern von den einzelnen gastgebenden Unternehmen eingebracht. Die Inhalte des #cl2025 entstanden sozusagen aus der Mitte der Teilnehmenden.
– Der #cl2025 MOOC lebte stark von den Beiträgen aller Teilnehmenden. Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv und gemeinsam Wissen. Dies erfordert eine Art „Community Manager”, welche die Teilnehmenden dazu anregt, Themen gemeinsam zu diskutieren und Probleme in Zusammenarbeit mit anderen zu lösen.
– Die Barrieren zum Mitmachen waren niedrig. Da es beispielsweise keine aufwendig produzierten Videos gab, musste auch niemand Scheu haben, ein selbst gedrehtes Smartphone-Video mit den anderen Teilnehmenden zu teilen.
– Der #cl2025 MOOC war immer offen für Exploratives und Unvorhergesehenes. Das ist etwas, was sich im Unternehmenskontext eine Herausforderung darstellt. Traut man sich das in den Unternehmen?“

Joachim Niemeier, Corporate Learning Community, 27. September 2017

Bildquelle: Startseite Corporate Learning Community