Reviving the MOOC

Stephen Downes, einer der Gründerväter der MOOC-Bewegung, nimmt den Ball auf, den Dhawal Shah kürzlich gespielt hatte („A Proposal to Put the ‚M‘ Back in MOOC“). Dafür stellt er noch einmal das ursprüngliche Modell der cMOOCs den folgenden xMOOCs gegenüber. Im zweiten Teil beschreibt er zwei Geschäftsmodelle: das der heutigen Elite-Universitäten und das von Hochschulen, die den MOOC-Idealen folgen. Das Letztere gerät jedoch etwas schemenhaft.

Doch die Eckpfeiler des ursprünglichen Modells – Studierende, die selbstorganisiert ihre Lernprozesse steuern; keine Vorlesungen, sondern Lernimpulse; der wechselseitige Austausch in Communities – können nach wie vor auch für Corporate Learning als Blaupause dienen.
Stephen Downes, Half an Hour, 25. Oktober 2017

Lernevents für selbstgesteuerte Kompetenzentwicklung

Ob BarCamps oder MOOCs: Diese Lernevents leben von der Selbststeuerung der Teilnehmenden. Kompetenzen entwickeln sie, wenn sie sich selbst den großen oder kleinen Herausforderungen stellen, die solche Lernevents ausmachen. Eine Auswahl solcher Herausforderungen – von „Biete ich eine Session an?“ bis „Organisiere ich eine Gesprächsrunde zum Thema mit Aufzeichnung?“ – zählt Karlheinz Pape auf. Zugleich betont er die neue Rolle der Veranstalter, hier Freiräume zu gewähren, Möglichkeiten aufzuzeigen und Unterstützung anzubieten.

„Beide Veranstaltungen sind „inhaltslos“, bevor sie starten. Sie müssen durch Teilgebende gestaltet werden. Das ist schon die erste Herausforderung, die Einzelne annehmen können oder auch nicht. Das Annehmen von Herausforderungen ist immer der erste Schritt zum Lernen. Und wenn die Herausforderung gleich ein Handeln in der Echt-Situation fordert, dann ist das die Chance zur Entwicklung eigener Kompetenz, die ja nur durch Handeln entwickelt werden kann.“

Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, 11. Oktober 2017

Was Netzwerke für Unternehmen leisten – Konnektivismus im Praxistest

Ist die Lerntheorie des Konnektivismus eine Antwort auf die Herausforderungen, vor der Unternehmen und Corporate Learning im Zeichen der Digitalisierung und Vernetzung stehen? Charlotte Venema (Hessenmetall) meint „ja“ und zeichnet den Weg nach, den man in den letzten Jahren genommen hat, um Theorie und Praxis zusammenzuführen: vom Aufbau eines überbetrieblichen Netzwerks, der „Corporate Learning Community“ (seit 2007), des Corporate Learning Camps (seit 2010) bis zum aktuellen Corporate Learning 2025-MOOCathon (Mai – September 2017), den sie etwas ausführlicher vorstellt.

„Fazit: Wenn es gelingt, eine große und vielfältige Personengruppe mit einem gemeinsamen Thema anzusprechen, kann die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg außergewöhnlich produktiv sein und neue Ideen liefern. Die Voraussetzung sind eine offene, vertrauensbildende Kommunikation, ein verbindlicher, für alle hilfreicher gemeinsamer Rahmen und die Moderation durch ein eingespieltes Kernteam. Die Thesen des Konnektivismus haben den Praxistest bestanden.“

Charlotte Venema, Handbuch HR-Management (Open Content), 6. Oktober 2017

Was man tun muss, damit Corporate MOOCs nicht scheitern!

Joachim Niemeier hat auf dem Know How! – Bildungskongress über den Corporate Learning 2025 MOOCathon (#cl2025) berichtet und ist erst einmal auf fragende Gesichter gestoßen. Zum Beispiel, weil man MOOCs mit den üblichen Lernangeboten gleichsetzt, die von anderen für einen organisiert werden und deshalb an den persönlichen Bedürfnissen und Interessen vorbeigehen; oder dass MOOCs als freiwillige Lernangebote ja nicht funktionieren können, weil das Tagesgeschäft immer das letzte Wort hat.

Doch gerade mit dem #cl2025 haben wir ja versucht, andere Schwerpunkte zu setzen: indem zum Beispiel dem selbstorganisierten Lernen (Joachim Niemeier spricht hier vom „agilen Lernen“) viel Platz eingeräumt wurde; oder indem immer wieder Anknüpfungspunkte für die Vernetzung der Teilnehmer*innen – auch über den MOOCathon hinaus – geschaffen wurden; und schließlich, indem wir am Ende im Hackathon gemeinsam ein „Ergebnis“ entwickelt haben.

Vor diesem Hintergrund sind die Lessons Learned zu lesen, die Joachim Niemeier festgehalten hat:

“ – Die konkreten Inhalte wurden nicht Top-down vom Kernteam vorgegeben, sondern von den einzelnen gastgebenden Unternehmen eingebracht. Die Inhalte des #cl2025 entstanden sozusagen aus der Mitte der Teilnehmenden.
– Der #cl2025 MOOC lebte stark von den Beiträgen aller Teilnehmenden. Die Teilnehmenden erarbeiten aktiv und gemeinsam Wissen. Dies erfordert eine Art „Community Manager”, welche die Teilnehmenden dazu anregt, Themen gemeinsam zu diskutieren und Probleme in Zusammenarbeit mit anderen zu lösen.
– Die Barrieren zum Mitmachen waren niedrig. Da es beispielsweise keine aufwendig produzierten Videos gab, musste auch niemand Scheu haben, ein selbst gedrehtes Smartphone-Video mit den anderen Teilnehmenden zu teilen.
– Der #cl2025 MOOC war immer offen für Exploratives und Unvorhergesehenes. Das ist etwas, was sich im Unternehmenskontext eine Herausforderung darstellt. Traut man sich das in den Unternehmen?“

Joachim Niemeier, Corporate Learning Community, 27. September 2017

Bildquelle: Startseite Corporate Learning Community

The Pedagogic Architecture of MOOC: A Research Project on Educational Courses in Spanish

Aus den Forschungslaboren: Die Autor*innen haben sich einmal systematisch die MOOCs angeschaut, die 2015/16 zu pädagogischen Themen auf Spanisch erschienen sind. 36 Kurse auf fünf Plattformen haben sie gefunden und ihr Konzept, ihren Aufbau sowie die eingesetzten Medien und Tools betrachtet. Natürlich haben auch sie viele vertraute Elemente wiedergefunden, die man heute gemeinhin mit dem Label „xMOOC“ verbindet, „… such as the widespread use of traditional methodology based on video lessons (the “talking head” model). Communication tools are clearly underused and evaluation based on the use of questionnaires is dominant“. Aber von Kurs zu Kurs berichten sie im Detail auch wieder von vielen Unterschieden und Varianten.

Abschließend lassen die Autor*innen keine Zweifel aufkommen, dass sie das Potenzial dieses Lernformats in konnektivistischen Ansätzen sehen. Dahin gehen auch ihre Empfehlungen, was zukünftige Studien und die Weiterentwicklung von MOOCs betreffen:

„Although in all of the courses traditional methodology predominates, it paves the way for more active methodologies, aimed at the creation of learning communities that strengthen learning feedback between the individual and the network. It is important to seek remixing and learning through the organisation of tasks that require more applied work and the organisation of authentic exchanges of ideas and experiences through the different communication tools available on the platforms that host the courses and also those available externally. As some studies have suggested, it is essential that beyond the possibility of connecting to a greater number of people we seek and design strategies aimed at promoting interaction between participants in these types of experiences.“

Elia Fernández-Díaz, Carlos Rodríguez-Hoyos und Adelina Calvo Salvador, The International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Vol 18, No 6 (2017)

Massive Open Online Courses (MOOCs): Eine Standortbestimmung

Heute hatte ich wieder einmal eine Gelegenheit, in kleiner Runde zum Stichwort MOOCs zu präsentieren. Gastgeber war die thyssenkrupp Academy in Essen. Mark Sebastian Pütz, Head of Digital Learning, hatte dort bereits für unseren Corporate Learning 2025 MOOCathon Werbung gemacht und da es heute passte, haben wir die Gelegenheit vor Ort ergriffen, noch einmal nachzulegen. Denn das Konzept des vernetzten Lernens, soweit sind wir uns einig, ist für jedes Unternehmen und sein Learning & Development eine Bereicherung. Es braucht halt nur einen ersten Schritt, ein Pilotprojekt. Also habe ich den Bogen weit gespannt: von Begriff und Entwicklung der MOOC-Plattformen bis zu einigen Eindrücken aus unserem aktuellen MOOCathon.
Jochen Robes, SlideShare, 4. September 2017

 

openSAP: SAP-Know-how auf Eigeninitiative

Die MOOC-Plattformen hierzulande lassen sich an einer Hand abzählen. Aus dem universitären Diskurs sind sie fast verschwunden. Doch openHPI und openSAP waren schon früh dabei und machen keine Anstalten, ihr Engagement zurückzufahren.

„Knapp viereinhalb Jahre nach dem Launch der openSAP-Plattform haben sich die kostenlosen Online-Kurse, Massive Open Online Courses genannt, als Weiterbildungsformat für SAP-Themen längst etabliert. 125 „MOOCs“ gibt es bereits, mehr als 500.000 Mal wurden bereits Abschlusszertifikate vergeben.“

Der Artikel liefert noch weitere Zahlen über Kurse und Teilnehmer (siehe unten), stellt kurz den Aufbau der openSAP-MOOCs und zentrale Features vor und verweist darauf, dass fast jeder vierte Teilnehmer auch bis zum Ende durchhält. Die Veranstalter wiederum schätzen das schnelle, unmittelbare Feedback, wenn etwas gut oder schlecht läuft. MOOCs, zusammengefasst, haben sich als Form der Weiterbildung für Berufstätige etabliert. Offen bleibt, ob und wie sich das Lernen aus Sicht der Teilnehmer verändert hat und was es für sie bedeutet, eine/r von 10.000 Lernern zu sein.
Andreas Schmitz, SAP News Center, 26. Juli 2017

 

Corporate Learning 2025 MOOCathon – Woche 10 Abschluss Session am 21.07.2017

Als ich schon mit einem Bein im Urlaub war, haben meine Mitstreiter am Corporate Learning 2025 MOOCathon noch einige Daten zum MOOC und erste Rückmeldungen der Teilnehmenden präsentiert. Interessant ist zum Beispiel die Übersicht über Anzahl und Verteilung der Besucher und Kommentare: Während die Zahl der Besucher der Webseite erwartungsgemäß in der ersten Woche am größten war, gab es die meisten Kommentare in der siebten Woche (Viessmann). Knapp 60 Prozent der 88 Teilnehmenden, die den abschließenden Fragebogen ausgefüllt haben, kamen aus Großunternehmen. Joachim Niemeier hat dann noch die Rückmeldungen zu einzelnen Handlungsfeldern – von „Strategische Voraussetzungen für neues Lernen schaffen“ bis „Die Chancen von neuen Formaten und Methoden nutzen“ – vorgestellt. Aber hier findet ja im Rahmen unseres geplanten Hackathons am 7./ 8. September in Frankfurt ohnehin noch eine „Vertiefung“ statt, so dass sich die Themen, Aufgaben und Empfehlungen wahrscheinlich noch einmal neu sortieren werden.
Corporate Learning Community, YouTube, 21. Juli 2017

 

Trends and Patterns in Massive Open Online Courses: Review and Content Analysis of Research on MOOCs (2008-2015)

2008 gab es den ersten MOOC. Als 2011 Stanford die Bühne betrat, nahm eine breitere Öffentlichkeit Notiz. Grund genug, sich einmal die Forschungsarbeiten anzuschauen, die sich in den letzten Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt haben und nach ihren Schwerpunkten zu fragen. 362 Artikel haben die Autor*innen unter die Lupe genommen. Was haben sie festgestellt? Hier einige Ergebnisse:

„The three most studied research areas (theories and models at the macro level; learner characteristics and instructional design at the micro level) constitute 53.7% of the overall corpus, …“

„Findings of this research revealed that the least explored research areas are learner support services; management and organization; access, equity, and ethics.“

„… the nature of the discourse across all the articles is 27.1% positive, 1.1% negative, 56.4% neutral, and 15.5% critical.“

„As stated in previous research, year 2012/2013 is the beginning of critical discourse that can be linked to high dropout rate that was diagnosed with the second generation xMOOCs which followed the first generation cMOOCs.“

„In terms of the types of MOOC that appear in the research, most of the selected articles deal with xMOOCs (32.1%), cMOOCs (7.5%), hybrid/dual-layer MOOCs (1.7%) or c/xMOOCs (14.7). However, many of the articles (44%) did not explain or clarify the type of MOOC that they were investigating.“

Die Autor*innen weisen auch die fünf MOOC-Artikel aus, die in der Literatur am häufigsten zitiert werden. Und sie schließen mit einer Reihe von Empfehlungen, die sich nicht zuletzt an den bis heute vernachlässigten Forschungsbereichen orientieren. Die aktuelle Ausgabe der International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), das nur am Rande, enthält übrigens weitere interessante Artikel zu den Stichworten OER und E-Learning.
Aras Bozkurt, Ela Akgün-Özbek und Olaf Zawacki-Richter, International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Volume 18, Number 5, August 2017

Social Networks and the Building of Learning Communities: An Experimental Study of a Social MOOC

Wer einen MOOC konzipiert, insbesondere einen cMOOC, der seinen Schwerpunkt auf den Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden legt, hofft natürlich, dass mit dem Kurs eine Community entsteht, die über das Kursende andauert. Das war auch eines der zentralen Ziele des Kurses, der im Mittelpunkt dieser Studie steht. Doch die Autoren konstatieren nach Auswertung ihrer Daten sehr offen und ehrlich:

“Unfortunately, we have not managed to generate a strong learning community either during the course or at its completion: the networks were created around teachers’ feedback, learners basically commented once per topic and, after the course ended, people did not return to Facebook or to the forum to participate. … Most learners were interested in learning but were not motivated enough to become drivers of a new MOOC course or to build a learning community on their own.”
Mariana de Lima und Marta Zorrilla, The International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL), Vol 18, Nr 1, Februar 2017