Massive Open Online Courses (MOOCs): Eine Standortbestimmung

Heute hatte ich wieder einmal eine Gelegenheit, in kleiner Runde zum Stichwort MOOCs zu präsentieren. Gastgeber war die thyssenkrupp Academy in Essen. Mark Sebastian Pütz, Head of Digital Learning, hatte dort bereits für unseren Corporate Learning 2025 MOOCathon Werbung gemacht und da es heute passte, haben wir die Gelegenheit vor Ort ergriffen, noch einmal nachzulegen. Denn das Konzept des vernetzten Lernens, soweit sind wir uns einig, ist für jedes Unternehmen und sein Learning & Development eine Bereicherung. Es braucht halt nur einen ersten Schritt, ein Pilotprojekt. Also habe ich den Bogen weit gespannt: von Begriff und Entwicklung der MOOC-Plattformen bis zu einigen Eindrücken aus unserem aktuellen MOOCathon.
Jochen Robes, SlideShare, 4. September 2017

 

openSAP: SAP-Know-how auf Eigeninitiative

Die MOOC-Plattformen hierzulande lassen sich an einer Hand abzählen. Aus dem universitären Diskurs sind sie fast verschwunden. Doch openHPI und openSAP waren schon früh dabei und machen keine Anstalten, ihr Engagement zurückzufahren.

„Knapp viereinhalb Jahre nach dem Launch der openSAP-Plattform haben sich die kostenlosen Online-Kurse, Massive Open Online Courses genannt, als Weiterbildungsformat für SAP-Themen längst etabliert. 125 „MOOCs“ gibt es bereits, mehr als 500.000 Mal wurden bereits Abschlusszertifikate vergeben.“

Der Artikel liefert noch weitere Zahlen über Kurse und Teilnehmer (siehe unten), stellt kurz den Aufbau der openSAP-MOOCs und zentrale Features vor und verweist darauf, dass fast jeder vierte Teilnehmer auch bis zum Ende durchhält. Die Veranstalter wiederum schätzen das schnelle, unmittelbare Feedback, wenn etwas gut oder schlecht läuft. MOOCs, zusammengefasst, haben sich als Form der Weiterbildung für Berufstätige etabliert. Offen bleibt, ob und wie sich das Lernen aus Sicht der Teilnehmer verändert hat und was es für sie bedeutet, eine/r von 10.000 Lernern zu sein.
Andreas Schmitz, SAP News Center, 26. Juli 2017

 

Corporate Learning 2025 MOOCathon – Woche 10 Abschluss Session am 21.07.2017

Als ich schon mit einem Bein im Urlaub war, haben meine Mitstreiter am Corporate Learning 2025 MOOCathon noch einige Daten zum MOOC und erste Rückmeldungen der Teilnehmenden präsentiert. Interessant ist zum Beispiel die Übersicht über Anzahl und Verteilung der Besucher und Kommentare: Während die Zahl der Besucher der Webseite erwartungsgemäß in der ersten Woche am größten war, gab es die meisten Kommentare in der siebten Woche (Viessmann). Knapp 60 Prozent der 88 Teilnehmenden, die den abschließenden Fragebogen ausgefüllt haben, kamen aus Großunternehmen. Joachim Niemeier hat dann noch die Rückmeldungen zu einzelnen Handlungsfeldern – von „Strategische Voraussetzungen für neues Lernen schaffen“ bis „Die Chancen von neuen Formaten und Methoden nutzen“ – vorgestellt. Aber hier findet ja im Rahmen unseres geplanten Hackathons am 7./ 8. September in Frankfurt ohnehin noch eine „Vertiefung“ statt, so dass sich die Themen, Aufgaben und Empfehlungen wahrscheinlich noch einmal neu sortieren werden.
Corporate Learning Community, YouTube, 21. Juli 2017

 

Trends and Patterns in Massive Open Online Courses: Review and Content Analysis of Research on MOOCs (2008-2015)

2008 gab es den ersten MOOC. Als 2011 Stanford die Bühne betrat, nahm eine breitere Öffentlichkeit Notiz. Grund genug, sich einmal die Forschungsarbeiten anzuschauen, die sich in den letzten Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt haben und nach ihren Schwerpunkten zu fragen. 362 Artikel haben die Autor*innen unter die Lupe genommen. Was haben sie festgestellt? Hier einige Ergebnisse:

„The three most studied research areas (theories and models at the macro level; learner characteristics and instructional design at the micro level) constitute 53.7% of the overall corpus, …“

„Findings of this research revealed that the least explored research areas are learner support services; management and organization; access, equity, and ethics.“

„… the nature of the discourse across all the articles is 27.1% positive, 1.1% negative, 56.4% neutral, and 15.5% critical.“

„As stated in previous research, year 2012/2013 is the beginning of critical discourse that can be linked to high dropout rate that was diagnosed with the second generation xMOOCs which followed the first generation cMOOCs.“

„In terms of the types of MOOC that appear in the research, most of the selected articles deal with xMOOCs (32.1%), cMOOCs (7.5%), hybrid/dual-layer MOOCs (1.7%) or c/xMOOCs (14.7). However, many of the articles (44%) did not explain or clarify the type of MOOC that they were investigating.“

Die Autor*innen weisen auch die fünf MOOC-Artikel aus, die in der Literatur am häufigsten zitiert werden. Und sie schließen mit einer Reihe von Empfehlungen, die sich nicht zuletzt an den bis heute vernachlässigten Forschungsbereichen orientieren. Die aktuelle Ausgabe der International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), das nur am Rande, enthält übrigens weitere interessante Artikel zu den Stichworten OER und E-Learning.
Aras Bozkurt, Ela Akgün-Özbek und Olaf Zawacki-Richter, International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Volume 18, Number 5, August 2017

Social Networks and the Building of Learning Communities: An Experimental Study of a Social MOOC

Wer einen MOOC konzipiert, insbesondere einen cMOOC, der seinen Schwerpunkt auf den Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden legt, hofft natürlich, dass mit dem Kurs eine Community entsteht, die über das Kursende andauert. Das war auch eines der zentralen Ziele des Kurses, der im Mittelpunkt dieser Studie steht. Doch die Autoren konstatieren nach Auswertung ihrer Daten sehr offen und ehrlich:

“Unfortunately, we have not managed to generate a strong learning community either during the course or at its completion: the networks were created around teachers’ feedback, learners basically commented once per topic and, after the course ended, people did not return to Facebook or to the forum to participate. … Most learners were interested in learning but were not motivated enough to become drivers of a new MOOC course or to build a learning community on their own.”
Mariana de Lima und Marta Zorrilla, The International Review of Research in Open and Distance Learning (IRRODL), Vol 18, Nr 1, Februar 2017

MOOCs – eine gute Option für die Vermittlung von Wissen

Ich hätte zwar lieber den Titel gelesen: “MOOCs - eine gute Option für den Erfahrungsaustausch und das vernetzte Lernen”, aber so geht es auch. Denn Sarah Holstein, die am ZML - Zentrum für Mediales Lernen in Karlsruhe an der Entwicklung einiger MOOCs beteiligt war, stellt hier noch einmal das Format vor und kommt auch auf die unterschiedlichen Ausrichtungen (xMOOCs/ cMOOCs) zu sprechen.

“Was ich damit also sagen will, ist, dass die Bewertungsperspektive nicht von „zuerst hatte ich eine Präsenzveranstaltung und jetzt nur noch einen MOOC” sondern von „zuerst hatte ich zu bestimmten Informationen gar keinen Zugang und jetzt habe ich über einen MOOC immerhin digital vermittelten Zugang”hin reicht.”
Jennifer Eilitz, Interview mit Sarah Holstein, Netzpiloten Magazin, 21. November 2016

Digitale Lernwege und kollaborativer Wissenserwerb

Unser Corporate Learning 2.0 MOOC ist zwar schon seit einigen Wochen vorbei, aber es treffen immer noch Rückmeldungen ein. So wie diese von Alexander Klier. Er war Teilnehmer und hat sich in einem ausführlichen Artikel mit dem Format MOOC, den Themen des Kurses und seinen Eindrücken  auseinandergesetzt.

Auf der inhaltlichen Seite weist er z.B. auf die Bedeutung einer konsequenten Kompetenzorientierung sowie die Rolle des informellen, selbstorganisierten Lernens, flankiert durch ein aktives Community Management, hin. Auf der methodischen Seite zieht er noch einmal die Verbindung zwischen cMOOCs und Social Learning. Und er unterstreicht den offenen, partizipativen Ansatz und das Diskussionsklima des CL20 MOOC: “Das am meisten motivierende und aktivierende Element aber, so glaube ich jedenfalls, war, dass die Teilnehmer*innen ernst genommen worden sind.”
Danke!
Alexander Klier, Homepage, 24. März 2016

Personal Learning MOOC

In der Regel halte ich mich an dieser Stelle mit Ankündigungen zurück. Aber wenn Stephen Downes, der ja 2008 zusammen mit George Siemens den ersten Massive Open Online Course duchgeführt hat, von einem neuen Kurs berichtet, mache ich gerne eine Ausnahme. Der #NRC01PL startet am 22. Februar, dauert sieben Wochen und wird sicher wieder eine ganz spezielle Lernerfahrung:

“Course objectives: participants will develop an appreciation of different models of online course delivery, ranging from the traditional LMS through connectivist MOOCs to potential future models of personal learning and performance support.”
Stephen Downes, Half an Hour, 12. Februar 2016

Understanding knowledge network, learning and co nnectivism

Ein akademischer Artikel, der sich systematisch mit den Grundlagen und Bausteinen des Connectivism auseinandersetzt. Und da ja der Connectivism bei den ersten Schritten der MOOC-Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt hat und wir ihm das Kürzel “cMOOCs” verdanken, verlinke ich den Beitrag an dieser Stelle. Stephen Downes spricht übrigens von einem “terrific paper”. “Knowledge as a network”, “node formation”, “flow of information”, “known and unknown knowledge” lauten die Kapitelüberschriften, bevor das “connectivism learning model” vorgestellt wird.

“Connectivists claim that the background or the general climate has recently changed: a new generation of researchers, connectivists propose a new way of conceiving knowledge. According to them, knowledge is a network and learning is a process of exploring this network.”
Alaa A. AlDahdouh, António J. Osório und Susana Caires, International Journal of Instructional Technology, Distance Learning, Vol. 12, No. 10, Oktober 2015 (pdf)

Corporate MOOCs: Modelle für das vernetzte Lernen in Unternehmen

Zu den vielfältigen Aktivitäten, die Audi im Rahmen seines Enterprise 2.0 Programms gestartet hat, gehört auch die Community “Zusammenarbeit 2.0″. Eine gerade laufende Community-Aktivität ist ein siebenwöchiger MOOC, für den sich bereits über 700 Mitarbeitende eingeschrieben haben. Von daher “passte” also mein Corporate MOOCs-Vortrag. Nach einem kurzen Rückblick habe ich  verschiedene Möglichkeiten skizziert, die sich Unternehmen durch die MOOC-Entwicklung eröffnen. Ein Schwerpunkt lag auf den Unternehmen, die - wie Audi - das MOOC-Modell bereits für den internen Erfahrungsaustausch adaptiert haben. Credit Suisse, Erste Bank, Telekom, Metro, GIZ, auch der Corporate Learning 2.0 MOOC. Zum Teil sehr unterschiedliche Konzepte, aber auch erst der Anfang einer Entwicklung.
Jochen Robes, SlideShare, 25. November 2015