Der Tag des Shopping-Wahnsinns

In Ökosystemen denken. Bildungsangebote als Experience, als Entertainment, eingebettet in bestehende, lustvolle Interaktionsformate. Nicht online oder offline, sondern dort, wo sich die Menschen aufhalten. Und unter neuem Namen, denn „Weiter-Bildung“ passt irgendwie nicht ins Bild.

Zu diesen Stichworten inspiriert hat Anja C. Wagner Online-Händler Alibaba und der „Singles‘ Day“ (11.11.), mit dem sie uns in ihrem aktuellen Newsletter bekannt macht.
FrolleinFlow / FLOWCAMPUS, The NeWoS, November 2017

Bildquelle: Olaf Kosinsky (Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de)

Wächter des Weltwissens – wie Automaten Wikipedia beschützen

Die Bertelsmann Stiftung hat ein neues Projekt, „Ethik der Algorithmen“, gestartet, und im Projektblog findet sich dieser Artikel über den Einsatz von Bots in Wikipedia. Über 350 sind es, die heute die Funktionsfähigkeit der Online-Enzyklopädie gewährleisten. Denn während die Zahl der Artikel auf Wikipedia weiter steigt, hat die Zahl der aktiven Autoren von 50.000 auf 30.000 abgenommen. Um diese zu entlasten, werden Bots eingesetzt. Ich glaube, dass es zum Stichwort „Ethik der Algorithmen“ sicher Einsatzfelder gibt, auf denen der Einsatz von Bots strittiger oder überraschender ist. Trotzdem habe ich den folgenden Hinweis in mein persönliches Merkheft übertragen:

„Kernpunkt dabei ist, dass Wikipedia keine weitere soziale Plattform sein will. Das Projekt will  sich nicht darauf verlassen, dass die Leser selbst schon entscheiden, welchen Informationen sie trauen können. …“

Torsten Kleinz, Algorithmenethik/ Bertelsmann Stiftung, 8. November 2017

Roboter im Hörsaal. „Er sagt Dinge, die wir Menschen uns nicht erlauben könnten“

Ich glaube, mehr mediale Aufmerksamkeit geht nicht. Erst Hessenschau und jetzt Spiegel Online.  Es geht natürlich um die Uni Marburg, um Anglistik-Professor Jürgen Handke und um seinen Roboter „Pepper“. Die Nachricht: „Zum ersten Mal hat ein Roboter an einer deutschen Uni eine Lehrveranstaltung eröffnet.“ Ein kurzes Interview, einige Eindrücke, vielmehr gibt es noch nicht zu berichten. Aber das Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching) hat auch erst im Mai begonnen. „Wir sind noch dabei auszuprobieren und zu evaluieren, was humanoide Roboter für die Lehre bringen können“, sagt Jürgen Handke. Ich bin gespannt.
Heike Klovert, Interview mit Jürgen Handke, Spiegel Online, 19. Oktober 2017

An analysis of the future of Artificial Intelligence in Education

Die Bedeutung von Entwicklungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence/ AI) werden derzeit an vielen Stellen vermessen. Auch McKinsey hat jetzt eine Studie zum Thema vorgelegt und den Einfluss von KI für verschiedene gesellschaftliche Bereiche untersucht. Eine der fünf Case Studies der Studie betrifft Education. Auf der Seite des Observatory of Educational Innovation finden sich einige „Merksätze“ aus diesem Kapitel der Studie:

„- AI will play a key role in better connecting education systems and labor markets.
– AI may help detect promising candidates with less conventional credentials and free recruiters from using school reputation as a proxy to assess candidates’ potential.
– A huge risk is that AI could be used to optimize labor markets without regard to nuanced social preferences, make education decisions on citizens’ behalf, and sell valuable data on people’s skills to private companies or political parties. Protecting individuals’ data privacy is therefore critical.
– Alongside governments, educators themselves will be able to use personal, academic, and professional data to ensure that students benefit from the courses they choose.
– AI could improve adaptive learning and personalized teaching by identifying factors or indicators of successful learning for each student that were previously not possible to capture.
– AI could empower students by providing them with control over how fast they learn, awareness of how they learn best, and the lifelong feedback of one’s own cognitive and behavioral preference
– The role of teachers could be stripped of time-consuming administrative tasks, such as supervising and answering routine questions. Teachers would have more time to mentor and coach students.
– Advances in natural language could expand AI’s usefulness in automatically grading more creative work, such as essays and presentations.
– The use of AI in education raises legitimate concerns about how educational data, like other intimate personal data, are gathered and used.“

Observatory of Educational Innovation, 28. August 2017

Driverless Ed-Tech: The History of the Future of Automation in Education

Audrey Watters hat wieder ein kleines Lehrstück über Bildung geschrieben. Am Anfang steht eine Fahrt mit Sebastian Thrun in einem selbstfahrenden Auto, 2012, als Udacity gerade gegründet war. Von „driverless cars” geht es zur „driverless university”; Effizienz, Data, Automatisierung. Audrey Watters zeigt auf, wie sich die Philosophie Silicon Valley’s, der Libertarismus, in allen seinen Projekten wiederfindet. Mit Uber wird jeder zum Fahrer, mit MOOCs wird jeder zum Lehrer. Aber die Vision geht weiter. Denn so wie Uber mit „autonomous vehicles” experimentiert, so wird in EdTech an „automated education” gearbeitet. Und alles kann schon bei B.F. Skinner in den 1950er Jahren nachgelesen werden. „The “driverless university,” rather, is controlled by the engineers who write the algorithms”, schreibt Audrey Watters.
Audrey Watters, Hack Education, 30. März 2017

Journalism That Stands Apart

Die New York Times, das journalistische Flagschiff, hat über ihre Strategie nachgedacht. Dafür haben sich sieben Times-Journalisten, “the 2020 Group”, hingesetzt, recherchiert, analysiert und diskutiert und jetzt einen Report veröffentlicht, der die aus ihrer Sicht notwendigen Veränderungen beschreibt. Natürlich ist die Digitalisierung der Treiber. Und natürlich geht es in jeder Zeile um Journalismus im digitalen Zeitalter. Aber wie sich die Autoren mit ihrer Zukunft auseinandersetzen, liest sich spannend und anregend: “Our report must change. Our staff must change. And the way we work must change.”

Ein Gedankenexperiment: Man ersetze “Verlag” durch “Akademie”, dann “Print” durch “Seminare” und dann die letzten Jahre des Online-Journalismus durch die ersten Gehversuche in Richtung E-Learning. Und lese dann einfach die Kapitelüberschriften in der Sektion “Report” (”Produkt”):

1. The report needs to become more visual. …
2. Our written work should also use a more digitally native mix of journalistic forms. …
3. We need a new approach to features and service journalism. …
4. Our readers must become a bigger part of our report. …

The 2020 Group, The New York Times, Januar 2017

Deutsche Universitäten 2017 im digitalen Ausnahmezustand: Kämpfen oder Kapitulieren?

Ein interessanter Blick über den Gartenzaun (für alle, die nicht an Hochschulen arbeiten): Denn eine Vielzahl deutscher Universitäten und Forschungsinstitute befindet sich im Clinch mit Elsevier, dem größten Wissenschaftsverlag. Und gleichzeitig weigert man sich, aus nachvollziehbaren Gründen, einen neuen Rahmenvertrag mit der VG Wort zu unterzeichnen. 55 Kommentare.

“Die Weigerung das Preisdiktat Elseviers sowie unverhältnismäßige Forderungen der VG Wort zu akzeptieren, ist eine längst überfällige Kampfansage. Ein völlig veraltetes und restriktives Urheberrecht behindert schon lange die Freiheit von Forschung und Lehre im digitalen Zeitalter. Bleibt zu hoffen, dass die Universitäten nicht am Ende doch noch kapitulieren.”
Leonhard Dobusch, netzpolitik.org, 6. Dezember 2016

JIM-Studie 2016

jim_201611.jpgSeit 1998 erhebt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest in repräsentativen Umfragen, welche Medien bei Jugendlichen gerade hoch im Kurs stehen und wie ihr Medienalltag in Schule und Freizeit aussieht. So können wir zum Beispiel lesen, dass in den Familien von zwölf- bis 19-Jährigen heute Smartphones, Computer/Laptop, Fernsehgeräte sowie ein Internetzugang flächendeckend vorhanden sind. Also lenkt die erste Pressemitteilung unseren Blick gleich auf die angesagten sozialen Netzwerke:

“95 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland tauschen sich regelmäßig über WhatsApp aus. Auf Platz zwei der mindestens mehrmals pro Woche genutzten Kommunikationsanwendungen steht Instagram (51 %), knapp dahinter liegt Snapchat mit 45 Prozent regelmäßigen Nutzern, dicht gefolgt von Facebook (43 %).”

Die Studie enthält viele weitere Daten zur Mediennutzung. Zu Recht heißt es in die Studie einleitend: “Während man also durchaus noch diskutieren kann, wie man am besten mit Medien im Unterricht erfolgreich Wissen vermitteln und lernen kann, so sollte das Lernen über die Funktionsweise der Medien selbstverständlich sein. Da Medien ein wichtiger Bestandteil der heutigen Lebenswelt sind, gilt es bspw. als Internetnutzer zu verstehen, wie Algorithmen unsere Suchanfragen und auch unsere Wahrnehmung prägen.”
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), 25. November 2016

Bildung der Zukunft (mit Bonus-Track)

Mitten in den Sommerferien hat die unermüdliche Anja C. Wagner noch einige Stichworte und Trends aufbereitet, die ursprünglich als Beitrag zu einer Arbeitsgruppe Arbeit 4.0 der Arbeits- und Sozialministerkonferenz entstanden sind. Sie reichen vom Netzzugang, der Netzkultur und dem Internet der Menschen bis zum Internet der Dinge und der Frage, ob wir die kommenden Entwicklungen nur beobachten oder auch gestalten wollen. Letzteres setzt allerdings voraus, sich auch mit ihnen zu beschäftigen.
Anja C. Wagner, FlowCampus, 27. Juli 2016