Learning theories timeline: key ideas from educational psychology

Eine schöne Idee und Umsetzung: 50 Modelle und Veröffentlichungen, die der Autor dem Stichwort „educational psychology“ zugeordnet hat, angeordnet auf einem Zeitstrahl, der von 1885 (Ebbinghaus!) bis in die Gegenwart reicht, und farblich nach neun Lerntheorien kodiert ist. Natürlich hat die Sammlung viele Lücken, und man sucht viele Namen vergeblich; aber die findet man vermutlich bei Donald Clark („100 learning theorists“).
Jonathon Thomas, myBRAINisOPEN, 16. Oktober 2020

Behaviorism Won

10 Minuten Lesezeit, heißt es auf dem Screen. Audrey Watters über Behaviorism. In medienpädagogischen Lehrbüchern markiert er eine historische Station, eng verbunden mit dem Namen B. F. Skinner und „abgelöst“ durch Kognitivismus und Konstruktivismus. Nicht so voreilig, meint Audrey Watters und zieht Verbindungen zu „personalized learning“, zu EdTech, KI und Algorithmen, zu Social Technologies und Facebook.

„Thorndike won, and Dewey lost. You can’t understand the history of education unless you realize this. I don’t think you can understand the history of education technology without realizing this either. And I’d go one step further: you cannot understand the history of education technology in the United States during the twentieth century – and on into the twenty-first – unless you realize that Seymour Papert lost and B. F. Skinner won.“
Audrey Watters, Hack Education, 8. Oktober 2020

Bildquelle: Audrey Watters

Ein „Netflix“ für die Online-Bildung? Brauchen wir in Deutschland „eine bundesweite Bildungsplattform für alle“ – und wie könnte diese aussehen?

Gleich vorweg: Der Artikel lässt mich mit vielen Fragezeichen zurück! Als ich die ersten Zeilen über die verschiedenen aktuellen „Initiativen für Bildungsplattformen“ gelesen habe, habe ich eine kleine Kritik einer fehlgeleiteten Bildungspolitik erwartet. Auch die folgende Aufzählung der Herausforderungen, die mit dem hiesigen Bildungssystem und -markt verknüpft sind, haben mich noch in dieser Lesart bestärkt. 

Aber dann schlagen die Autoren, Ulrich Schmid und Volker Zimmermann, denen ich nach vielen gemeinsamen Begegnungen und Projekten freundschaftlich verbunden bin, einen anderen Weg ein:
„Angesichts dieser Voraussetzungen ist natürlich zu fragen, ob es überhaupt gelingen kann, ein gemeinsames Bildungsportal zu etablieren, das allen Interessierten einen möglichst einfachen und umfassenden Zugang zur Welt des Online-Lernens ermöglicht? Aus unserer Sicht heißt die Antwort: Ja.“

Nun wurde ja im ersten Teil des Artikels von den Autoren aufgezählt, was gegen eine solche Idee einer Bildungscloud spricht: von der „immensen Heterogenität an Formaten und Angeboten“ ist die Rede, von der „Entgrenzung der formalen Bildung“, vom „Bildungsföderalismus“. Ergänzen möchte ich noch eine Herausforderung, die nicht aufgezählt wird, aber 2020 vielleicht doch erwähnt werden sollte: Wie sinnvoll ist überhaupt eine nationale deutsche Lösung? LinkedIn Learning lässt grüßen.

Vor diesem Hintergrund formulieren Ulrich Schmid und Volker Zimmermann ihre Idee sehr vorsichtig, sprechen vom Modell „Amazon“, das sie dem Modell „Netflix“ vorziehen, und davon, „dass es sich im Kern um eine Transaktionsplattfom für Bildung und Wissen handelt – wobei das eigentliche Lernen in anderen, externen Anwendungen stattfindet“. Das soll gewährleisten, dass „die Eigenständigkeit, Dezentralität und Heterogenität etablierter Bildungsanbieter und Plattformen nicht angetastet“ wird.

Aber dann gehen sie doch wieder einen Schritt weiter, dann soll die zukünftige Bildungscloud doch wieder mehr leisten, soll mit Hilfe künstlicher Intelligenz Kompetenzen automatisch einstufen und prüfen, Empfehlungen, Tests und Lernangebote bereitstellen, und Einiges mehr. Natürlich, und hier spätestens hört die Linksammlung auf, braucht es dafür „Standards“, braucht es „Service-, Sicherheits- und Qualitätskriterien“ sowie die „Gewährleistung rechtlicher und geschäftlicher Standards und Einhaltung entsprechender Regeln und Prozesse“.

Doch woher kommen diese Regeln und Prozesse? Soll schon der Entwicklungs- und Gestaltungsprozess einer Bildungscloud die Heterogenität und Vielfalt der Bildungslandschaft abbilden, dann wird das ein Lebenswerk. Oder holt man sich lieber eine Handvoll gestandener Bildungsanbieter an den Tisch und legt fest, was in die Bildungscloud darf bzw. was Bildungsangebote sind?

Zusammengefasst: Die Bedeutung von Investitionen in Bildung und Weiterbildung steht hier nicht in Frage. Doch Bildung und Lernen wird man nicht in einer Bildungscloud abbilden können, ohne ihre Offenheit einzugrenzen. Sind dann die Bildung und das Bildungsangebot „nebenan“ im Netz schlechter?

Es gibt genügend Spielfelder im Bildungs- und Weiterbildungsbereich, die auf Investitionen, Innovationen und Engagement warten. Auch Plattformen und Serviceangebote in einzelnen Bereichen gehören sicher dazu. Förderprogramme für EdTechs. Anlaufstellen für Bildungshungrige. Kampagnen. Dritte Orte und Lernräume. Aber ein „bundesweites Bildungsportal“?
Ulrich Schmid und Volker Zimmermann, LinkedIn, 7. Oktober 2020

Bildquelle: energepic.com (Pexels)     

Kurzformate boomen in der wissenschaftlichen Weiterbildung

Noch ein Beitrag aus dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung: Beim Stichwort „wissenschaftliche Weiterbildung“ denkt man wahrscheinlich zuerst an die berufsbegleitenden Studiengänge, die zu einem akademischen Abschluss wie dem Master führen. Eine Studie hat nun gezeigt, dass kürzere Formate, zum Beispiel Zertifikatskurse und -programme, immer populärer werden. Viele TeilnehmerInnen möchten sich schnell und gezielt weiterqualifizieren. „Baukastensysteme“ ermöglichen es Hochschulen, einzelne Kurse und Module flexibel zu kombinieren. Stichworte wie „Online-Kurse“ oder „Badges“ fallen allerdings (noch) nicht.
Sigrun Nickel, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, 3. September 2020

Bildquelle: Wokandapix (pixabay)

„Ein Ort, an dem Lehrkräfte ihre Inhalte teilen können“

Schul-Cloud und Digitalpakt sind eigentlich nicht das Thema dieses Blogs. Aber in diesem Interview setzt Saskia Esken (SPD) etwas andere Schwerpunkte: eine bundesweite Lernplattform auf der Grundlage von Open Educational Resources. Deshalb bin ich bis zum Ende dran geblieben.
Christian Füller, Interview mit Saskia Esken, Der Tagesspiegel, 30. August 2020

Bildquelle: MyEyeSees (flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Messung medienpädagogischer Kompetenz von Lehrenden in der Weiterbildung

Die AutorInnen haben ein Modell entwickelt, um die medienpädagogische Kompetenz von Professionellen in der Weiterbildung zu testen. Dieses Modell wurde auch erprobt, und im Artikel werden Modell, seine Ableitung sowie die Ergebnisse des Tests vorgestellt und eingeordnet. Zur Vorwarnung: Es ist ein fachwissenschaftlicher Artikel, aber durchaus mit Referenzen auf aktuelle Stichworte wie das „European Framework for the Digital Competence of Educators“ (DigiCompEdu) oder GRETA
Bernhard Schmidt-Hertha, Karin Julia Rott, Ricarda Bolten und Matthias Rohs, Zeitschrift für Weiterbildungsforschung (ZfW) 43/ 2020, S. 313–329

Wie Weiterbildung über Twitter gelingt

Es heißt einleitend: „Eine neue Studie der Universität Tübingen und der University of Michigan hat untersucht, inwieweit professionelle Fortbildung über Social Media möglich ist. Dazu wurden Lehrkräfte in Twitter-Communitys befragt und ihre Tweets ausgewertet.“

Wobei „professionelle Fortbildung“ hier nicht zwangsläufig organisierte Fortbildung heißt. Und befragt wurden Lehrerinnen und Lehrer der Fächer Biologie, Chemie und Physik in den USA. Dort ist die Nutzung sozialer Netzwerke wie Twitter schon viel weiter verbreitet als hierzulande. Was Christian Fischer (Universität Tübingen) hier berichtet, ahnte man als langjähriger Twitter-Nutzer natürlich schon. Aber es ist schön, die eigenen Erfahrungen auch einmal im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie bestätigt zu sehen.

Hier einige Ausschnitte aus dem Gespräch:
„Die Lehrkräfte nutzen die Community vor allem, um Links zu Informationsquellen auszutauschen, curriculare Veränderungen zu besprechen und ihre Fragen zu stellen.“

„Allerdings generieren nur etwa zehn Prozent der User neuen Content. Der größte Teil der Lehrkräfte nutzt also diesen Content, ohne selbst welchen einzubringen.“

„Ich glaube, die Plattform [Twitter, JR] ist weniger wichtig als das Verhalten der Lehrkräfte auf diesen Plattformen.“

„Was ist der Vorteil von Social-Media-Kanälen gegenüber klassischen Weiterbildungsformaten?
Fortbildung über Social Media ist wesentlich direkter, und man bekommt Informationen immer zeitnah – also wenn man sie braucht. Außerdem ist die Struktur weniger hierarchisch. Weitere Vorteile sind, dass das Angebot kostenlos ist und dass der Austausch zu jeder Zeit, an jedem Ort möglich ist. Außerdem ist man hier schnell in einer fachspezifischen Community. Wenn es beispielsweise nur einen Physiklehrer an einer Schule gibt, hat er dort wenig Möglichkeiten, fachliche Probleme zu besprechen. Bei Twitter findet er sofort eine passende Community.“
Annette Kuhn, Interview mit Christian Fischer, Das Deutsche Schulportal, 7. September 2020

Bildquelle: MORAN (Unsplash)

The 7 Habits of Highly Successful Virtual Meetings

Es geht um das Format: einen Email-Kurs der We Are Open Co-op („We work to spread the culture, processes and benefits of open wherever we can.„). Eigentlich wollte ich ja den Kurs verlinken, dem ich gerade gefolgt bin („what we talk about when we talk about open“), aber ich habe den Einstiegspunkt im Web nicht mehr gefunden. Wahrscheinlich war es ein Link in den Newslettern von Doug Belshaw oder Laura Hilliger, die ich auch sonst nur wärmstens empfehlen kann.

Aber zurück zur Sache: Email-Kurs heißt im vorliegenden Fall: 7 Mails („7 Habits …“), die einige zusammenfassende Informationen über ein Stichwort bieten. Manchmal gibt es noch Links zum Vertiefen, manchmal sind die Mails aufgeteilt in Rubriken wie „Let’s practice …“ oder „Next up“.

Mir gefällt das Format, weil es da ankommt, wo bei mir die meisten Infos, Newsletter und Alerts zusammenkommen, nämlich im Email-Eingang (aber das ist natürlich eine Generationenfrage …). Und weil das Format flexibel und beliebig erweiterbar ist: Man kann es als Teaser für ein größeres, strategisches Lernthema nutzen, mit weiteren Ressourcen im Netz hinterlegen oder um eine Community erweitern. Je nach Thema und Ressourcen.
Doug Belshaw, We Are Open co-op/ Blog, 26. Juni 2020

Bildquelle: We Are Open Co-op

Warum digitale Präsenzlehre eine teure Sackgasse ist

Manchmal glaube ich, dass wir in diesen Wochen und an einigen Stellen schon etwas weiter sind: also Lernprozesse so gestalten, dass sie individuelle Vorlieben und institutionelle Rahmenbedingungen unter einen Hut bringen. Aber an vielen Stellen ist das noch nicht so. Allen voran die Schule. Christoph Schmitt weist darauf hin, dass wir unser gesellschaftliches Leben längst in einer „Kultur der Digitalität“ eingerichtet haben. Nur die Bildung haben wir vergessen.
Christoph Schmitt, Bildungsdesign, 28. August 2020

Bildquelle: sentidocomun (pixabay)

100 learning theorists… 2500 years of learning theory…

Eine beeindruckende Fleißarbeit hat Donald Clark hier in den letzten Monaten durchgeführt: 100 ExpertInnen, die unsere Vorstellungen vom Lernen beeinflusst haben, werden in kurzen Artikeln vorgestellt. Von den alten Griechen bis in die Gegenwart. Auch Salman Khan, Stephen Downes und Jimmy Wales tauchen zum Beispiel auf. Donald Clark schreibt: „These were written as quick, readable introductions to the many theorists who have shaped the world of learning.“ Respekt!
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 11. August 2020

Bildquelle: Jason Leung (Unsplash)