„Ein Klempner muss künftig auch IT-Spezialist sein“

Ein „Gespräch über die ideale Weiterbildung“ wird angekündigt. Wenn das kein Aufhänger ist! Volker Meyer-Guckel, Programm-Chef des Stifterverbandes, darf dann auch weit ausholen, um für sein Bild von Weiterbildung zu werben. Es hat viel mit Selbstorganisation, Selbstverantwortung und den Möglichkeiten des Internets zu tun. Aber das ist nur die eine Seite dieses Interviews. Auf der anderen geht es um den Stellenwert, den Weiterbildung heute und morgen einnimmt, und die Rolle, die Hochschulen im Weiterbildungssystem einnehmen sollen und müssen. Das Business-Netzwerk LinkedIn, eines meiner Lieblingsbeispiele für die veränderte Bildungslandschaft, hat es übrigens auch Volker Meyer-Guckel angetan.

„Werden Sie konkreter: Was gehört alles zu einer solchen systemischen Weiterentwicklung?
Erstens brauchen die Hochschulen bessere Anreize, die Weiterbildungsangebote voranzutreiben. Zweitens brauchen wir finanzielle und zeitliche Anreize für die Arbeitnehmer, sich in den Zukunftskompetenzen weiterzubilden. Drittens müssen wir akademische und berufliche Weiterbildungsformate verschmelzen lassen. Und viertens muss sich etwas ändern in der Verbindlichkeit: Der Staat könnte zum Beispiel im Öffentlichen Dienst, wo er ja als Arbeitgeber die Hoheit hat, bestimmte Weiterbildungen vorschreiben.“
Kilian Kirchgeßner, Interview mit Volker Meyer-Guckel, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 14. März 2019

Bildquelle: Andrew Neel (Unsplash)

Der Moment, in dem Chefs abdanken müssen

Die Personalvorständin der Allianz wirbt in Spiegel-Online für das lebenslange Lernen bzw. eine neue Art des Lernens. Ihre Punkte:

– „Der erste Ansatz lautet, das Lernen in die Arbeit zurückzubringen. …“
– „Dann müssen wir dringend Zeit zum Lernen schaffen. …“
– „Weiterhin müssen wir Lernen als Gemeinschaftsaufgabe verstehen. …“
– „Zum neuen Lernen gehört auch ein neues Verständnis von Führung. …“

Und in einem späteren Absatz kommen auch die digitalen Technologien zu ihrem Recht, verschaffen sie doch neue Möglichkeite des individualisierten Lernens. Hinzu kommen spielerisches Lernen (Gamification), virtuelle Lernmöglichkeiten und Assistenzsysteme.

Alles gute, wichtige Punkte. Wenn das Common Sense darstellt, geht es ja „nur“ noch um das Wie und die Umsetzung, oder? Wobei, vielleicht sollte man noch kurz überlegen, wie man Sinn und Motivation ins Lernen bekommt!? Lernen als „Kernbestandteil unternehmerischer Aktivität“ zu betonen, spricht halt nur eine kleine Zielgruppe an. 
Ana-Cristina Grohnert, SPIEGEL Online, 21. März 2019

Bildquelle: NeONBRAND (Unsplash)

Zukunft der Bibliotheken: Orte der Demokratie und Integration

Bibliotheken als „dritte Orte: „Die Menschen sollen sich wie zuhause fühlen, sich wohl fühlen. Und sich einfach hinsetzen mögen, um zu arbeiten, mit dem Laptop was zu machen oder ins Internet zu gehen.“ So Heinz-Jürgen Lorenzen, Präsident von Bibliothek und Information Deutschland (BID), dem Dachverband der deutschen Bibliotheksverbände, im Deutschlandfunk-Interview.

Eigentlich beschreibt er etwas Naheliegendes. Und nach einigen Verweisen auf Dänemark und die Niederlande fragt der DLF-Redakteur vorsichtig, ob es denn kein Beispiel in Deutschland gäbe, das man hervorheben könnte? Doch, antwortet Heinz-Jürgen Lorenzen, es gibt eins, in Köln-Kalk. Na, Gott sei Dank!
Heinz-Jürgen Lorenzen im Gespräch mit Vladimir Balzer, Deutschlandfunk Kultur, 18. März 2019

Bildquelle: Stadtteilbibliothek Köln-Kalk (Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW, flickr, CC BY 2.0)

Coworking aus Unternehmenssicht II: Out of Office – into the Flow?

Mit dem Phänomen Coworking hatte ich in der Vergangenheit nur am Rande zu tun. Die aktuelle Studie der Universität St. Gallen bot eine Gelegenheit, hier etwas aufzuholen. Worum ging es? In einem 12-monatigen Experiment, genannt „VillageOffice Coworking Experience“, konnten die Mitarbeiter aus fünf Unternehmen neben ihrem Arbeitsplatz oder dem Homeoffice auch Coworking Spaces frei nutzen. Die Universität St. Gallen (das Institut für Wirtschaftsinformatik und das Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitswelten) haben die Unternehmen und ihre Mitarbeiter begleitet und ihre Erfahrungen ausgewertet.

Die Studie ist vor allem interessant, weil sie in das Thema Coworking einführt und es in den größeren Rahmen einer Auseinandersetzung mit neuen Formen der Zusammenarbeit und des Austauschs von Wissen stellt. Dazu wird die Entwicklung dieser Angebote kurz skizziert, es werden verschiedene Angebotsformen vorgestellt sowie Rahmenbedingungen und Nutzungsszenarien diskutiert. In der vorliegenden Studie wurde dann ja noch einmal ein spezieller Fall untersucht: Die Teilnehmer kamen aus Unternehmen, konnten, mussten aber nicht, Erfahrungen mit Coworking sammeln – als weiteres, alternatives Arbeitsszenario. Das hat wohl auch dazu geführt, dass das Angebot im Untersuchungszeitraum von den Teilnehmern nur sehr verhalten genutzt wurde.

Coworking Spaces können sich als „Innovation Cluster“ präsentieren und bewusst mit Angeboten des Austauschs und der Vernetzung werben. Das macht sie auch als „Lernorte“ interessant. Leider kam dieser Aspekt im Rahmen der vorliegenden Studie aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Tragen. Aber ich werde mal schauen, ob es über diese Seite des Phänomens Coworking bereits Studien gibt.

„Was, wenn Coworking Spaces die neuen Bibliotheken wären – eine solidarische Investition unserer Gesell­schaft in Bildung, Kultur und Chancengleichheit? Die Idee, Coworking Spaces als Dorfplatz 4.0 – einfach mit Steckdosen – zu sehen, besticht und beflügelt. Es wäre eine Antwort auf viele aktuelle Chancen und Herausforderungen des digitalen Zeitalters: von der Entlastung der Verkehrsinfrastruktur zu reduzierten Pendlerzeiten, der Belebung der Dörfer, bis hin zur Verhinderung von Entsolidarisierung und der Spal­tung der Gesellschaft.“
Barbara Josef, Anastasia Sapegina, Andrea Back und Antoinette Weibel, Universität St. Gallen, Januar 2019

Bildquelle: Shridhar Gupta (Unsplash)

Lernassistenten und Instant Messaging als neue Lernformen

Seit einigen Jahren taucht diese nützliche Übersicht auf vielen Slides und in unzähligen Artikeln auf. Sie sortiert Lernformen, eher spielerisch als akademisch. Auf der vertikalen Achse geht es vom „individuellen“ bis zum „kollaborativen“, auf der horizontalen Achse vom „formellen“ bis zum „informellen“ Lernen. Drei Lernformen haben die mmb-Experten jetzt, 2019, hinzugefügt: Internet-Kollaborationstools (z. B. Google Docs), Instant Messaging (z. B. WhatsApp) und Persönliche Lernassistenten (z. B. Alexa).


„Bemerkenswert ist, dass alle drei neuen Formen nicht ausschließlich für Lernzwecke konzipiert sind und als kostenlose Anwendungen schon länger auch für viele andere Zwecke genutzt werden. Werden unsere Lernwerkzeuge daher in Zukunft vermehrt „Universal-Tools“ sein, bei denen das Lernen eine Funktion unter vielen ist? mmb wird dies weiter verfolgen.“

Lutz Goertz, mmb Institut, März 2019

Bildquelle: mmb Institut

Weiterbildung 4.0: Solidarische Lösungen für das lebenslange Lernen im digitalen Zeitalter

Die Autoren und Autorinnen dieser Studie, die von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben wurde, plädieren für eine neue Weiterbildungskultur: Weiterbildung muss zur gleichberechtigten vierten Säule unseres Bildungsstems werden, wenn wir die durch Digitalisierung und Automatisierung gesetzten Anforderungen meistern wollen. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, Vorgaben, Strukturen, so dass jede/r die Möglichkeiten hat, an dieser neuen Bildungskultur teilzunehmen. Kurz: „Weiterbildung gehört in öffentliche Verantwortung.“

Die Eckdaten dieser neuen Weiterbildungskultur, soweit sie im Dokument beschrieben werden, lauten: ein Bundesweiterbildungsgesetz, ein „Parlament der beruflichen Weiter­bildung“, neue Formen der Bildungsberatung, eine flächendeckende Weiterbildungsinfrastruktur sowie Instrumente der gesamtgesellschaftlichen Finanzierung.

Man müsste das Dokument einmal neben MILLA („Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“, CDU/ CSU) legen. In der Analyse läuft vieles parallel. Allerdings setzen die Autoren und Autorinnen des böll.briefes (auf den ersten Blick!) auf bewährte Strukturen, Träger und Denkmuster, wenn sie von einer neuen Weiterbildungskultur sprechen. Den direkten Sprung ins Netz zur Lösungssuche sparen sie sich an dieser Stelle. 
Brigitte Pothmer, Philipp Antony, Mechthild Bayer, Ute Brümmer, Michael Heister, Thomas Kruppe, Wolfgang Schroeder, böll.brief, Heinrich-Böll-Stiftung, Februar 2019

Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern

Am 28. Februar gab es die letzte persönliche Sprachnachricht von Kurt Eisner, dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern und dem Helden des Messenger-Projekts des Bayerischen Rundfunks. Ein tolles Projekts ging damit zu Ende. 15.000 Abonnenten haben zwischen dem 14. Oktober 2018, dem Tag der Entlassung Kurt Eisners aus dem Gefängnis, und dem 21. Februar 2019, dem Tag seiner Ermordung, persönliche Nachrichten via WhatsApp erhalten. Live, um 100 Jahre versetzt. In einem virtuellen Kondolenzbuch konnte man sich jetzt sogar von Kurt Eisner verabschieden.

Gerade in den letzten Tagen haben die Macher des Projekts noch einmal an verschiedenen Stellen über das Projekt, ihre Ziele, ihre Erfahrungen und die Reaktionen ihrer Zuhörer berichtet. Empfehlen kann ich den Podcast „Wie wir einen Toten lebendig gemacht haben“, in dem es unter anderem auch um die Grenzen von Chatbots geht (denn auch diese gab es, um die Fragen der WhatsApp-Abonnenten zu beantworten).  

Und in einem Liveblog („Ask me anything“) haben Autoren-Team und Eisner-Biograf viele Fragen der Nutzer beantwortet. Hier ein Auszug:

Frage: Was war Ihre Motivation für dieses Projekt?

Antwort Autoren-Team: Am Anfang stand die Idee, Storytelling im Messenger auszuprobieren. Die Kommunikation verlagert sich immer mehr nach WhatsApp und Co. Wir wollten schauen, ob man dort auch Geschichten erzählen kann. Das Thema 100 Jahre Revolution in Bayern hat sich gut angeboten. Als Autorenteam haben wir dann überlegt, wie beides für die Nutzer gut funktioniert. Wir haben mehrere Erzählvarianten durchgespielt und es hat sich gezeigt: Die Ansprache kann nur eine sehr persönliche sein, wenn man sich im Messenger bewegt. Daher fiel die Entscheidung, Kurt Eisner selbst erzählen zu lassen. 

Auf der Projektseite steht eine Fülle weiteren Materialien und Medien zur Zeitgeschichte und zum Projekt bereit. Auch wenn der redaktionelle Aufwand dieses Projekts groß war: Ich würde mich freuen, wenn es nicht bei diesem einmaligen Experiment bleibt!
Bayerischer Rundfunk, Februar 2019

Bildquelle: Unbekannt (Wikipedia)

Epsiode 64: Kollektiv-Felsen, Lobhudelei, Literacies

Der „Open Education Podcast von Markus Deimann und Christian Friedrich“ ist etwas für Liebhaber. Man sollte natürlich Interesse am Stichwort „Open Education“ haben, ein paar Verbindungen zur Hochschul- und Podcast-Welt schaden nicht, aber man muss vor allem Zeit mitbringen. Obwohl diese Episode mit ca. 83 Minuten eine der Kürzeren ist! Ich höre den beiden jedenfalls gerne zu und nehme immer wieder Stichworte und Links mit. Dieses Mal zum Beispiel den Hinweis auf das Projekt „Leben & Lernen X.0“ im Frankfurter Museum für Kommunikation. Und, ja, liebe Kollegen, Eure Rubrik „Was wir gelesen haben“ habe ich vermisst und werde mich nun unangeleitet auf Eure Linkliste stürzen.
Markus Deimann und Christian Friedrich, Feierabendbier, 14. Februar 2019

Wie gut sind die Volkshochschulen für die Zukunft aufgestellt?

Eine kritische Verbeugung vor den Volkshochschulen in Deutschland, die gerade 100 Jahre alt geworden sind. Im Vorspann dieses Podcasts (5:20 Min.) heißt es: „Das Publikum: meist freudig lernende Bildungsbürger älteren Semesters – Junge Leute trifft man selten.“ Klaus Hurrelmann, der hier als Experte Rede und Antwort steht, wird auch gefragt, ob die Bildungsangebote im Netz nicht in Zukunft die Volkshochschulen ersetzen können. Seine Antwort: Ja, die Gefahr besteht, vor allem bei Jüngeren …
hr-iNFO, 13. Februar 2019

Bildquelle: https://www.100jahre-vhs.de

„Mehr als Bücher“: Was Bibliotheken zu besonderen Lernorten macht

Ein Interview mit Katherine McConachie, Learning Initiative Manager am MIT Media Lab. Im Rahmen des Projekts „Public Library Innovation Exchange“ bringt das MIT Wissenschaftler und öffentliche Bibliotheken zusammen (Ich vermute, das Projekt der Stadtbibliothek Köln gehört auch in diese Reihe.).
Einige Stationen des Interviews (5:43 Min.): Was macht Bibliotheken zu besonderen Lernorte? Welche Ausstattung brauchen Bibliotheken, um kreatives Lernen zu ermöglichen? Was ist die Rolle von Bibliotheken im 21. Jahrhundert? Welche Rolle spielen Bibliotheken bei der Förderung digitaler Bildung?
Nina Roßmann, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 4. Februar 2019

Bildquelle: MIT Media Lab