Bollwerk gegen Populismus


Beim Stichwort „digital und analog zugleich“ bin ich hängengeblieben. Der Autor hat die neue Zentralbibliothek Oodi in Helsinki besucht und gerät ins Schwärmen. Was er gesehen hat, ist nichts weniger als die „Bibliothek der Zukunft“, ein „Konglomerat aus Begegnungs-, Wissens- und Produktionsstätte, verpackt im avantgardistischen Design der ALA-Architekten“, ein „Marktplatz für Kommunikation, Ästhetik und kreative Ideen“. Dazu gehören Makerspaces, Arbeirsplätze und Leseräume. 37 Stadtteilbibliotheken sind mit der zentralen Oodi vernetzt. 
Andreas Fanizadeh, TAZ, 15. Dezember 2018 

Bildquelle: Juho Grönholm, Antti Nousjoki, Janne Teräsvirta ja Samuli Woolston avustajineen valokuva Kulttuurinavigaattori, joka on Heikki Kastemaa, CC BY 3.0)

Dritte Orte – neues Blut für die kommunale Bildung

Lernorte waren lange Zeit fest an Bildungsinstitutionen gekoppelt. Gelernt wurde in Schulen, Hochschulen, Akademien, Bibliotheken und Volkshochschulen. Dort ging man hin. Heute gibt es das Internet: „Die Digitalisierung hat diese Lernräume explosionsartig und geradezu chaotisch erweitert. Das gesamte Internet ist zu einem Wissensraum geworden“, schreibt Joachim Sucker.

Also müssen sich die Träger klassischer Lernorte neu erfinden. Das Konzept der „dritten Orte“ (Ray Oldenburg), das derzeit immer häufiger in  Diskussionen und auf Folien auftaucht, könnte hierfür entsprechende Impulse liefern. „Der dritte Ort ist der Ort, an dem Sie sich in der Öffentlichkeit entspannen, wo Sie vertrauten Gesichtern begegnen und neue Bekanntschaften schließen.“ (Ray Oldenburg) Joachim Sucker geht in seinem Beitrag zuerst darauf ein, was diese „dritten Orte“ auszeichnet. Anschließend versucht er, einige Gelingensbedingungen festzuhalten: Kommunale Kooperation, Einbeziehung der Nutzer*innen, Energie, Begeisterung, Mut, Zeit und Geld. Bevor aus der Idee noch so etwas wie die Blaue Blume der Bildung wird …
Joachim Sucker, allesauszucker, 10. Dezember 2018

Bildquelle: Guido Gerding (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

MILLA – Die digitale Lernplattform

Darf ich noch einmal? Genau … MILLA. Es geht auch ganz schnell: Es gibt nämlich jetzt eine Video-Botschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die MILLA bewirbt. In drei Szenen schildern Menschen, wie ihnen MILLA in ihrem Alltag helfen würde. Danach kommen die Macher*innen des Konzepts zu Wort. 5:49 Min. Das Ganze ist professionell gemacht, ohne der Sachlage bzw. laufenden Diskussion etwas Neues hinzuzufügen.

Apropos laufende Diskussion: Die CDU hat letzte Woche auf ihrem Parteitag nicht nur einen Vorsitz gewählt. Es wurden auch Beschlüsse gefasst. So heißt es in dem entsprechenden Dokument unter „C 4, C 126“: „Deutschland braucht eine neue Weiterbildungskultur“, kurz MILLA. Ich bin allerdings kein CDU-Experte und weiß nun nicht, welche konkreten Handlungen mit einem Parteitags-Beschluss verknüpft sind.
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, YouTube, 6. Dezember 2018

 

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)

Was will MILLA?

Auch Bernd Käpplinger, Weiterbildungsforscher aus Gießen, kann mit MILLA, der Idee einer zentralen Bildungsplattform, wenig anfangen. Gibt es nicht schon genügend Angebote und Anlaufstellen im Netz? Eigentlich könnte das Interview nach zwei oder drei Absätzen schließen. Aber beide Gesprächsteilnehmer spekulieren noch eine Weile über mögliche Motive und Interessen hinter der Idee. Das Schlusswort hat wieder Bernd Käpplinger:

„Darum lautet meine Botschaft an den CDU-Parteitag: Wenn schon MILLA, dann nur als Teil einer weitergehenden Weiterbildungsinitiative, in die sich die Plattform sinnvoll und bürgernah einfügen müsste.“
Jan-Martin Wiarda, Interview mit  Bernd Käpplinger, Blog, 7. Dezember 2018

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)


Digitalisierung und hochschuldidaktische Weiterbildung: Eine Kritik

Ich habe mir viele Stellen in diesem Text von Gabi Reinmann angestrichen (der Anhang zum Blogpost!). Hier meine Summary: In der Diskussion um die Digitalisierung der Hochschullehre kann es, so Gabi Reinmann, nicht darum gehen, Lehrende einfach „fit“ für den digitalen Wandel zu machen. Das würde an der Oberfläche bleiben und tiefergehende Veränderungen – sie nennt hier eine fortschreitende „Algorithmisierung und Personalisierung, Vermessung und datenbasierte Verbesserung“ – nicht in den Blick bekommen.

Vor diesem Hintergrund sollte sich die didaktische bzw. wissenschaftsdidaktische Weiterbildung am Ideal einer Scholarship of Teaching bzw. Digital Scholarship orientieren. Was das genau beinhaltet und wie sie erreicht werden kann, bitte ich im Original von Gabi Reinmann nachzulesen. Aber die folgende, wie ich finde gut nachzuvollziehende Selbstbeobachtung möchte ich gerne noch mitnehmen:

„Selber schwanke ich bei meinen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen zwischen Freude und Entsetzen: Freude über die didaktische Kreativität, die digitale Technologien früher wie heute anregen, und Entsetzen über die Bildungsfeindlichkeit so mancher 4.0-Ideen. Ich schwanke zwischen positiver Erwartung an eine gestärkte Wissenschaftsdidaktik auch dank zahlreicher Initiativen in der Lehre und großer Sorge vor einer umfassenden Instrumentalisierung von Bildung und Didaktik für außerwissenschaftliche Zwecke.“

Gabi Reinmann, in: J. Heider-Lang & A.Merkert (Hrsg.): Digitale Transformation in der Bildungslandschaft – ein mehrperspektivischer Zugang. Augsburg: Hampp (Preprint via Gabi Reinmann)

Bildquelle: George Pagan III (Unsplash)

Ein offener Brief: MILLA, Schulcloud und das offene Netz

Noch eine Rückmeldung zu MILLA, dem „Modularen Interaktiven Lebensbegleitenden Lernen für Alle”, der CDU. Wobei Christian Friedrich und Bernd Fiedler ausschließlich die Konzeptidee einer zentralen Bildungsplattform aufnehmen und ihr die Leitideen der Wikimedia Deutschland gegenüberstellen. Der Satz „Es gibt bereits eine Plattform für lebenslanges Lernen: das offene Netz“ bringt es sehr schön auf den Punkt.

Die Autoren des Bildungskonzepts MILLA sind übrigens inzwischen selbst in die Diskussion eingestiegen und haben auf einige Fragen geantwortet.
Christian Friedrich und Bernd Fiedler, Wikimedia Deutschland/ Blog, 30. November 2018

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)

Pizza, Taxis und Erwachsenenbildung: Karrieremöglichkeiten in unserer Online-Welt

Der Artikel ist vor allem ein Appell und löst von daher nicht ganz ein, was sein Titel verspricht. Seinen Aufhänger bildet die Gig-Economy, die auf einer wachsenden Zahl an Selbständigen und Teilzeitbeschäftigten aufbaut. Wie funktionieren hier, jenseits der Weiterbildung klassisch Beschäftigter, Kompetenzentwicklung und Wissenserwerb? Wo und wie muss die Erwachsenenbildung aktiv werden?

Dazu der Autor: „Genauso wie diese Plattformen [der Gig Economy} Pizzakäufer/innen und -verkäufer/innen verbinden, müssen sie in der Erwachsenenbildung Ausbildende mit Lernenden verbinden. Wir müssen mit ihnen Umgebungen schaffen, in denen Ausbildende innovative Ansätze entwickeln können, um auf neu aufkommende Bedürfnisse einzugehen.“

Weitere Stichworte sind der flexible Zugriff auf kurze „Lern-Bits“ sowie die Online-Validierung informell erworbener Kompetenzen.
Andrew McCoshan, EPALE, 30. November 2018

Bildquelle: Hans (pixabay, CC0)

JIM-Studie 2018

Die neue JIM-Studie ist da. In der 20. Auflage, herausgegeben vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) und wieder mit allen wichtigen Daten und Informationen über den medialen Alltag von Jugendlichen in Deutschland. Befragt wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren, ein „repräsentatives Abbild der ca. 6,4 Mio. deutschsprachigen Jugendlichen“.

Die Autoren betonen einleitend mit Blick auf die letzten 20 Jahre sowohl den Wandel wie auch die Konstanz: So hat sich einerseits das Medienangebot vervielfacht, und so wurden studiVZ und schülerVZ von WhatsApp, Instagram und Snapchat abgelöst. Andererseits haben Bücher und Radio ihren Platz in der Freizeitgestaltung Jugendlicher ohne große Abstriche bewahren können.

Die Studie enthält auch ein Kapitel „20 Jahre JIM-Studie“. Das ist mit Blick auf einige Entwicklungen schon aus historischer Sicht lesenswert, schließlich war 1998 noch die Zeit der HiFi-Anlagen. Ansonsten werden die bewährten Kennzahlen zu Medienausstattung, Freizeitaktivitäten sowie einzelnen Aspekten der Medien- und Internetnutzung hochgehalten. Hier die Ergebnisse, die die Redaktion selbst im ersten Absatz der heutigen Pressemitteilung hervorhebt:

„Der Siegeszug von Netflix und Co. bei den Jugendlichen hält an. Die Hälfte der Zwölf- bis 19-Jährigen schaut regelmäßig Sendungen, Serien und Filme bei Netflix (47 %), jeder Fünfte nutzt Amazon Prime Video (22 %). Damit hat sich der Anteil regelmäßiger Netflix-Nutzer im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (2017: 26 %). Weiterer Gewinner bei den Jugendlichen ist Spotify, erstmals verzeichnet die Musiknutzung über Spotify einen höheren Anteil regelmäßiger Nutzer als die Musiknutzung live im Radio.“

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), 28. November 2018

Wie jeder Ort zum Lernort wird

Für die aktuelle Ausgabe der „Weiterbildung“ habe ich ein paar Gedanken zum Stichwort „Lernorte“ festgehalten. Meine kurzen, aktuellen Referenzen lauten „Lernteams in der Stadtbibliothek“, „MOOCbars an den Volkshochschulen“ und „Blended Learning bei Audi“. Hier der Vorspann:

„Die Digitalisierung hat die Diskussion um Lernorte, Lernumgebungen und das Lernen vor Ort neu beflügelt. Der virtuelle Raum als Lernraum wurde zur Option. Zuerst als die schlechtere Wahl, die nur Erfahrungen aus zweiter Hand ermöglichte und nur kleine Bausteine komplexer Lernprozesse zu unterstützen schien. Dann als Gegenentwurf und Konkurrenz zum Präsenzlernen. Webinare, MOOCs, soziale Netzwerke erweitern den Möglichkeitsraum des Lernens. Klassische Bildungsträger sehen sich herausgefordert, ihre Rolle und ihre Angebote neu zu definieren. Sich vor Ort zu treffen, muss heute einen Mehrwert bieten, der nicht mehr selbstverständlich ist. Hinzu kommt: Für viele Menschen ist ein Alltag ohne die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung nicht mehr denkbar. Die Unterscheidung in ein Lernen vor Ort und ein Lernen im virtuellen Raum ist für sie eine künstliche, alltagsfremde Unterscheidung.“
Jochen Robes, Weiterbildung, 6/2018 (pdf)

Digital Competence Framework for Educators (DigCompEdu) – Ein Interview mit Dr. Christine Redecker

Neben dem „Digital Competence Framework for Citizens“ (DigComp 2.1) gibt es jetzt auch ein Modell, das beschreibt, „welche Kompetenzen Lehrende haben müssen, um digitale Medien sinnvoll einzusetzen“. Es umfasst vier Kernbereiche, die pädagogischen und didaktischen Kompetenzen der Lehrenden, und zwei „Flügel“, die die beruflichen Kompetenzen der Lehrenden und die Kompetenzen der Lernenden ansprechen. Wie das DigComp 2.1 ist auch das DigCompEdu eine Initiative der Europäischen Kommission. Allerdings sind beide Modelle – auf den ersten Blick – unterschiedlich aufgebaut.

Quelle: Europäischen Kommission/ Joint Research Center (JRC)

Im Interview gibt Christine Redecker einen kurzen Überblick über das Modell, den Stand der Arbeit, ein Selbsteinschätzungstool, das die Anwendung des Kompetenzmodells unterstützen soll, weist dann aber auch darauf hin, dass hier die Arbeit der Europäischen Kommission endet. Interessant.
Robin Rentrop, Interview mit Christine Redecker, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 12. November 2018

Bildquelle: Europäische Kommission