Lernende Organisation und organisationales Lernen

Christoph Meier hat in diesem Beitrag einige Konzepte und Stichworte zusammengetragen. Die Unterscheidung von single loop learning, double loop learning und deutero learning zum Beispiel (nach Chris Argyris und Donald A. Schön). Die fünf „Disziplinen“ einer lernenden Organisation (nach Peter Senge).

Was ich in diesen Beschreibungen vermisse: Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Modellen und Praxis einer lernenden Organisation und dem wirtschaftlichen Handeln dieser Organisation (bzw. dieses Unternehmens)? Oder kann man erst beim Scheitern eines Unternehmens (von der Krise, dem Skandal bis zur Insolvenz) konstatieren, dass es wohl keine lernende Organisation war? Gibt es über diesen Punkt Studien oder Artikel?
Christoph Meier, scil-Blog, 5. Dezember 2019

Bildquelle: Meritt Thomas (Unsplash)

I don’t want to learn

Ein lesenswerter Artikel: Warum reagieren wir abwehrend, wenn wir von der Notwendigkeit des Lernens, des lebenslangen Lernens hören? Es ist, so Gina Ebner nach einem Moment der Selbstreflexion, auch eine Frage der Formulierung …

„Let’s change the narrative on continuing vocational education and training, and adult education. Let’s stop telling people that they have to learn/train/upskill/reskill. At the workplace, let’s talk about the great opportunity that planned learning will bring and not that ‘we have to do a training’. In fact, let’s have more workplace learning during working hours to ease the pressure on the employees.

Let’s change our arguments to how much joy learning can bring; how many benefits there are, even if they are not financial; that it’s not a task, but an interesting and rewarding activity.

Let’s enjoy and promote all kinds of learning.
Learning can make you happy.“
Gina Ebner, EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe), 11. November 2019

Bildquelle: EPALE

Microlearning – Lust und Neugier als Basis von LERNEN

Am Anfang vieler Bildungsinitiativen steht häufig die Frage: Wer macht eigentlich mit? Denn im Alltag nicken zwar alle, wenn sie nach der Bedeutung des Lernens gefragt werden. Aber dann gibt es immer Gründe, doch bei bestehenden Routinen und Prioritäten zu bleiben. Und ganz oben steht natürlich der Zeitmangel.

Vor diesem Hintergrund stellt Harald Schirmer (Continental) ein Microlearning-Konzept vor: Maximal 5-minütige Impulse, die Neugier wecken, einen „Aha-Effekt“ auslösen, inspirieren, Lust auf mehr machen. Kurze, selbsterstellte Videos bieten sich da an. Das Enterprise Social Network kann ein hervorragender Ort sein, um Microlearnings zu publizieren, aufzurufen, zu sammeln und zu kommentieren. Aber auch jeder Jour Fixe.

Harald Schirmer bzw. Continental stehen noch am Anfang. Sein erstes Fazit: „Seit einigen Monaten sind die Microlearning weltweit bei Continental im Einsatz, sehr wirksam in Abteilungsmeetings, Führungskräfterunden, im Revers Mentoring, als globale Lern-Inspiration oder als Video in unserer aktuellen #Passion2Learn Campagne. Es wurden relativ schnell weit über 100 Microlearning gesammelt, beschrieben oder als Video skalierbar geteilt.“

Abschließend fragt er, was noch fehlt, was unklar ist oder besser beschrieben werden sollte. Hier meine spontanen Zurufe, die irgendwie alle um den Punkt „das Lernen sichtbar machen“ kreisen:

– Struktur: Könnte jedes ML mit einem kleinen „Call to Action“ schließen? Was will ich – als Kreativer – als Nächstes tun? Was können andere tun, wenn sie das Thema interessiert? Suche ich MitstreiterInnen?
– Kampagne: Die populärsten ML könnten prämiert werden, sie könnten der Aufhänger für ein größeres „Microlearning“-Event sein – vor Ort oder virtuell.
– Gamification/ Motivation: Das Teilen von ML (oder das aktive Aufnehmen und Weiterentwickeln eines Themas) könnte mit dem Erwerb von Badges verbunden werden.
– Nachhaltigkeit: Kann man die ML thematisch clustern, könnte man sie als Indikatoren für größere Kampagnen oder Initiativen lesen. Als bottom-up-Bildungsbedarfsanalyse …
– Nachhaltigkeit: Man könnte die Kreativen nach 8 Wochen interviewen und fragen, welchen Spuren das ML bei ihnen oder in ihrem Umfeld hinterlassen hat.
– Organisation: Könnte man Beispiele für ML-Formate präsentieren und beschreiben (wenn man nicht beim Video stehenbleiben will)?
Harald Schirmer, Blog, 26. November 2019  

Zur Dominanz von US-Plattformen

„Seecontainer für die Bildung“: Ein Appell zur Zusammenarbeit und für die Entwicklung offener Standards in der Bildung. Christien Bok ist Educational Innovation Manager bei SURF, einer niederländischen Bildungskooperative. Was sie fürchtet, ist eine Dominanz großer Plattformen im Bildungsbereich, getragen von den Big Five (Apple, Facebook, Google, Amazon, Microsoft) oder Anbietern wie Coursera oder Udemy. Denn diese Anbieter sind nicht am Schutz von Werten wie Privatsphäre, Sicherheit, Zuverlässigkeit, Transparenz, Gleichheit und demokratischer Kontrolle interessiert. Deshalb braucht es Gegengewichte in Form von internationalen Vereinbarungen und offenen Standards. Anwendungsfelder, die Christien Bok nennt: die Identität der Studierenden, die Zertifizierung und Validierung von Lernleistungen, Studiendaten. Gute, wichtige Punkte!
Christien Bok, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 20. November 2019

Bildquelle: Moritz Kindler (Unsplash)

„Ein radikaler Gegner des Mainstreams“

So viel Zeit muss sein. Hans Magnus Enzensberger feiert seinen 90. Geburtstag. Sein „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ (1970) ist ein Meilenstein und enthält Ideen, die erst mit dem Web 2.0, Social Media und „user-generated content“ wieder auf die Agenda kamen, doch in der Regel ohne an die Tradition kritischer Öffentlichkeit anzuknüpfen. In diesem Interview darf Alexander Kluge über seine Begegnungen mit Hans Magnus Enzensberger sprechen. Ein Grund mehr, es hier zu verlinken.
Stephan Karkowsky, Interview mit Alexander Kluge, Deutschlandfunk Kultur, 11. November 2019

Bildquelle: Felix König (Wikimedia, CC BY 3.0)

CDU und Weiterbildungsplattform Masterplan.com starten heute eine parteiinerne Pilotphase für nationales Mega-Projekt

Die Überschrift wird klarer, wenn man auch die zweite Schlagzeile liest: „Masterplan für MILLA“. MILLA, das war eine Schlagzeile aus dem November 2018, als Mitglieder der Unionsfraktion, allen voran Thomas Heilmann, eine Plattform für ein  „Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“ ankündigten. Ich überspringe jetzt einige Zwischenschritte, unter anderem die Verkündung der Nationalen Weiterbildungsstrategie im Sommer, und komme zur heutigen Meldung:

„Die CDU hat gemeinsam mit Masterplan.com, der Plattform für lebenslanges Lernen, ein Programm für digitale Weiterbildung entwickelt. Der rund 8-stündige Kurs zur Digitalisierung startet heute in die Pilotphase und soll als Vorbild für das im Dezember auf dem Parteitag verabschiedete Konzept für das bundesweite Weiterbildungsangebot MILLA (Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle) dienen.“

Man hält also Kurs. Nach wie vor ist von „eine Art Netflix der Weiterbildung für sämtliche Bürger“ die Rede. Masterplan.com existiert erst seit 2017 und scheint mit diesem Projekt auf die Überholspur zu wechseln. An den acht Stunden Videolektionen ist viel Politprominenz beteiligt, vor allem aus dem Unionsumfeld. Das Vermarktungs- und Vernetzungskonzept wirkt stimmig.
Masterplan, Pressemitteilung, 5. November 2019

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)

 

Learning Analytics and ‘Learning Design’

Zu beiden Stichworten, „learning analytics“ und „learning design“, liefert der Artikel mehr Fragezeichen als Antworten. Tony Bates berichtet von einer Studie an der britischen Open University, die mehr als 55 Kurse und die Aktivitäten von 50.000 Studierenden untersucht hat, um einen Zusammenhang zwischen dem Design der Kurse und dem Erfolg der Studierenden festzustellen. Gefunden wurde: nichts.

„In other words, even with a large base of learning designs (55) and learners (nearly 50,000) the study failed to find any correlations that would explain student success or failure related to different learning designs.“

Über die Gründe kann man jetzt spekulieren: Liegt es am Design der Kurse? An den Parametern für die Online-Aktivitäten der Studierenden? Dazu Tony Bates:

„What the study did find though raises a lot of questions about the OU’s learning design process:

– the OU’s learning design rubric makes no recommendation regarding priorities for the seven activities;
– however, most modules are heavy on instructional (instructor-directed) activities such as assimilation (reading, or viewing videos) and assessment, and are relatively light on the more learner-centred activities such as production and experience;
– quantifying different learning activities is problematic: time spent on an activity is a crude measurement of learning effectiveness
– VLE trace behaviour is also a poor measure of actual student learning activity.“
Tony Bates, Online Learning and Distance Education Resources, 18. Oktober 2019

Bildquelle: https://www.tandfonline.com/toc/cdie20/current

 

How will higher education respond to climate change? Part 1

„This is a very large topic“, schreibt Bryan Alexander und teilt seine Anmerkungen und Gedanken deshalb in vier Beiträge auf (Part 2, Part 3, Part 4). Weil das Thema so wichtig ist, der Autor viele Aspekte anspricht und ich dem Thema in Zukunft mehr Aufmerksamkeit widmen will, wiederhole ich an dieser Stelle nur die einleitenden Zeilen: 

„With this post I’d like to begin exploring the topic and open up a conversation. I’m going to blog about different aspects of the issue this week, starting with the nature of the involved academic population. … Then I’ll move on to introduce the role of the physical campus; next, the academic mission; finally, intersections with the rest of the world.“

Stephen Downes, der diesen Beitrag in seinem Newsletter verlinkt hat, zitiert aus einem weiteren Paper („Higher Education’s Role in Adapting to a Changing Climate“) noch ein interessantes Statement: Higher Education Institutions „can serve as ‘hubs’ in their local communities for creating, testing, and disseminating knowledge about regional climate projections and adaptation strategies, and should work directly with their local communities to explain the science and implement solutions.“
Bryan Alexander, Blog, 14. Oktober 2019

Bildquelle: Tobias Möritz [Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

7 Major Learning Styles and the 1 Big Mistake Everyone Makes

Laura Lynch fasst die Diskussion um individuelle Lernstile so zusammen, wie ich es auch tun würde: „That said, while the learning style theory—that individual students might have a style that helps them learn better—may be complete bunk, presenting material in a variety of ways does have a lot of merit.“

Also, es gibt keine (nennenswerten) wissenschaftlichen Belege dafür, dass Lernstile existieren oder dass man bessere Lernerfolge erzielt, wenn man einem favorisierten Lernstil folgt. Aber wer Lernumgebungen konzipiert, sollte trotzdem eine Bandbreite von Möglichkeiten anbieten.  

„This is important because most of us process information best when we encounter it in a variety of ways—social and solitary and physical and logical. What this means for the practical implementation of your course is that you shouldn’t try to optimize material for one kind of learning style over another, but rather, you should present course materials in a range of learning styles so that all learners can engage with it on multiple fronts.“
Laura Lynch, LearnDash, 15. Oktober 2019

Bildquelle: Jesper Sehested  (flickr, CC BY 2.0)

Integrating the Science of How We Learn into Education Technology

Es ist nur ein kurzer HBR-Artikel, deshalb darf man keine große Antworten erwarten. Stattdessen pickt sich Stephen M. Kosslyn eine wissenschaftliche Erkenntnis über das Lernen heraus: das Prinzip der „desirable difficulties“ (oder „wünschenswerten Erschwernissen“), nachdem Menschen am besten lernen, wenn – kurz gesagt – die Anforderungen nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer sind. Diese Erkenntnis in klassischen Lernumgebungen mit vielen Teilnehmern umzusetzen, ist schwer. Hier kann Technologie bzw. hier können Plattformen und Systeme helfen. Das Beispiel des Autors verbindet „personalized“ und „active learning“.

„Clearly, technology opens up huge opportunities to use the science of learning in new ways. To take advantage of these opportunities, we need to have clear learning outcomes, we need to measure each student’s progress in achieving those outcomes very granularly, and we need to shift to a focus on active learning.“
Stephen M. Kosslyn, Harvard Business Review, 11. Oktober 2019

Bildquelle: Randy Fath (Unsplash)