The Myth of ‚Learning Styles‘

Man kann fast darauf wetten: Einmal im Jahr poppt das Thema auf und man versichert sich wieder gegenseitig, dass es „Lernstile“ nicht gibt. Die einen mit Nachdruck (so wie Markus Deimann und Christian Friedrich in der jüngsten Episode von „Feierabendbier“), die anderen etwas vorsichtiger (wie Elliott Masie im letzten Learning TRENDS Newsletter). Er verweist auch auf diesen Artikel, der angenehm unaufgeregt die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasst:

– Es gibt keine Belege dafür, dass Menschen spezielle Lernstile besitzen (wie es zum VARK, “Visual, Auditory, Reading, Kinesthetic“, nahelegt).
– Die Bestimmung von individuellen Lernstilen ist zudem alles andere als eine exakte Wissenschaft.
– Studien zeigen sogar, dass Lerner selbst oft dem Lernstil nicht folgen, den sie sich selbst zuschreiben.
– Und wenn sie ihrem Lernstil folgen, sind ihre Ergebnisse in der Regel nicht besser, als wenn sie es nicht täten.
– Nicht zuletzt geben oft das Thema oder die Aufgabe die Richtung der Beschäftigung vor. Bewegungsabläufe zum Beispiel versteht man am besten mit Hilfe von Bildern, unabhängig vom eigenen Lernstil.

Aber der Artikel unterstreicht auch, dass die Beschäftigung mit seinem eigenen Lernstil nicht nutzlos sein muss. Denn es ist eine gute Reflexion, um den eigenen Strategien, Routinen und Fähigkeiten auf die Spur zu kommen.
Olga Khazan, The Atlantic, 11. April 2018

Bildquelle: Mohammad Metri (Unsplash)

Von der Arbeits- zur Lernwelt

Die vernetzte Wissensgesellschaft, so die Autorin, sucht nach neuen Lernerfahrungen, „die nicht an schulischen Frontalunterricht erinnern“. Diese Lernerfahrungen gibt es, aber noch selten in Schulen und Büros. Stichworte lauten „vernetzte, spielerische Erfahrungen“, „erweiterte Realitäten, verschmilzt mit Gaming und Entertainment“ und „24/7“. Und dann folgen noch konkrete Lern- und Reiseempfehlungen:

„Inwieweit analog-digitale Wechselwirkungen Forschergeist wecken, intensive Lernerlebnisse erzeugen und damit ihre Aufenthaltsqualität und Relevanz steigern konnten, können interessanterweise die klassisch-kulturellen Lernorte, wie Museen und Bibliotheken bezeugen. So setzt das Wissenschafts-Center „Experimentarium“, nördlich von Kopenhagen, voll auf die Interaktion mit den Besuchenden, in Århus treffen sich Studierende zum Lernen lieber auf den Galerien und Terrassen im Kulturzentrum Dokk1 als in ihrer Universität und in Birmingham ist der Neubau der Bibliothek ein urbaner Magnet für Bürgerinnen und Bürger jeden Alters und jeder Herkunft. Nichts anders möchten Schulen und müssten Arbeitsstätten doch auch mit ihren Angeboten erzielen.“

Birgit Gebhardt, Arbeitswelten der Zukunft, 9. März 2018

Bildquelle: Villy Fink Isaksen (Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

A Taxonomy of Asynchronous Instructional Video Styles

Videos, so der Autor, sind schon lange das Medium der Wahl in Online-Kursen. Ob Videoportale wie YouTubeEdu, iTunesU und Ted Talks oder MOOC-Anbieter wie Coursera, EdX, Udacity, FutureLearn und Iversity – man setzt auf Videos, um Inhalte zu präsentieren. Um Lehrvideos herum gibt es zudem didaktische Konzepte wie den Flipped Classroom, und es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die sich mit dem richtigen Einsatz von Videos beschäftigen. Was fehlt, ist eine Taxonomie der Instructional Video Styles.

Vor diesem Hintergrund schlägt der Autor ein zweidimensionales Klassifikationsschema vor, das erstens danach fragt, ob und wie Menschen den Stoff präsentieren, und zweitens, welches Medium für die Präsentation genutzt wurde (Tafel, Slides, etc.). Wenn man aber bedenkt, dass zum Beispiel Menschen auch durch Avatare ersetzt werden können, ist auch mit dieser Taxonomie noch nicht das letzte Wort gesprochen.

„We organized instructional video styles in two dimensions according to the level of human presence and to the type of instructional media. In addition to organizing existing instructional videos in a comprehensive way, the proposed taxonomy offers a design space, which should facilitate choice, as well as the preparation of novel video formats.“

Konstantinos Chorianopoulos, International Review of Research in Open and Distributed Learning (IRRODL), Vol 19, Nr 1, Februar 2018

#clc0711: Kompetenzen für Industrie 4.0 – Wie vernetzt man die vielen Teilnehmer?

Im Moment bilden sich ja landauf landab unter dem Dach der Corporate Learning Community regionale Gruppen. So wie zum Beispiel in Stuttgart. Joachim Niemeier hat jetzt einen kleinen Werkstattbericht geschrieben. In ihm schildert er, wie die Gruppe ihr letztes Treffen organisiert hat, um ihren eigenen Vorgaben – “Vernetzen”, “Lernen und Diskutieren”, “Informieren und Austauschen” und “Planen” – gerecht zu werden. Da war Improvisation gefragt. Meine Stichworte, die ich aus Joachims Beitrag mitnehme, lauten: „vom Hörsaal zu Gesprächsinseln“ und „von BarCamp-Tags zum Vernetzungstool“.
Joachim Niemeier, Corporate Learning Community, 20. März 2018

Mein Wochenausklang: Können wir noch (Bücher) lesen?

Wahrscheinlich werden jetzt viele nicken. Je mehr wir am Bildschirm arbeiten und je intensiver wir auf die Displays unserer kleinen Endgeräte starren, umso schwieriger wird es, Bücher zu lesen. Ist doch so, oder? Der amerikanische Autor Michael Harris, aufgewachsen vor dem Internet, wähnte sich lange Zeit immun gegen jede Leseschwäche, doch schließlich musste auch er das offensichtlich Unvermeidliche eingestehen:

„Turning, one evening, from my phone to a book, I set myself the task of reading a single chapter in one sitting. Simple. But I couldn’t. There was nothing wrong with my eyes. No stroke or disease clouded my way. Yet – if I’m being honest – the failure was also not a surprise.

Paragraphs swirled; sentences snapped like twigs; and sentiments bled out. The usual, these days. I drag my vision across the page and process little. Half an hour later, I throw down the book and watch some Netflix.” (Michael Harris, I have forgotten how to read, The Globe and Mail, 9. Februar 2018)

Das Lesen vor und mit dem Internet. Eine Frage, die ja für jede Form der Weiterbildung und des Lernens von Relevanz ist. Doch abgesehen von diesen und ähnlichen Bekenntnissen, was wissen wir eigentlich über das Lesen? Vorneweg: Gelesen wird wahrscheinlich mehr denn je. Auch der Buchhandel scheint sich inzwischen mit dem Internet und den eBooks arrangiert zu haben. Die Verkaufszahlen stimmen.

Was also hat sich verändert? Es gibt natürlich Experten, die diese Frage untersuchen. So zum Beispiel das Forschernetzwerk E-Read (Evolution of reading in the age of digitisation). Und dann Naomi S. Baron’s „Words Onscreen: The Fate of Reading in a Digital World“, aber, und hier schließt sich der Kreis, leider als Buch … Doch ich habe, Gott sei Dank, ein paar Artikel im Netz gefunden und für mich folgende Punkte als Zwischenfazit festgehalten. Erstens: Das Lesen eines Buchs ist wirklich etwas anderes. Das Haptische. Das Lineare. Es hat Einfluss auf unser Gedächtnis und die Fähigkeit, sich zu erinnern. Zweitens: Auch das Lesen von Büchern ist nichts Natürliches. Es braucht Disziplin. Es wird geübt, gelernt. Drittens: Es geht nicht darum, welche Form des Lesens besser oder schlechter ist. Das Lesen verändert sich. Es entwickelt sich weiter.

Ich würde dann, zumindest für mich, noch den Faktor Zeit hinzufügen. Wenn man sich einmal auf die Wissensarbeit im Netz eingelassen hat, fehlen schnell die ruhigen Minuten und Pausen. Immer kommen neue Nachrichten rein. Immer stehen einem alle Arbeitsmittel zur Verfügung, um noch eine Aufgabe zu erledigen, eine Mail zu lesen, einem Link zu folgen, an einer Präsentation zu arbeiten. Das ist verlockend. Auf der anderen Seite will ich mir auch nichts vormachen: Es gibt Bücher in meinem Regal, die mich schon seit 30 Jahren, länger als es das Internet gibt, anlachen. Oder sollte ich „auslachen“ sagen?

Bildquelle: Laëtitia Buscaylet (Unsplash)

Bildung ist kein Softwarecode

Fast hätte ich jetzt den zweiten Eintrag in das digitale Tagebuch des Dr. D. verpasst! Ein Plädoyer, über einige grundlegende Fragen, die mit der Digitalisierung verbunden sind, nachzudenken und nicht reflexhaft der vom Silicon Valley diktierten Agenda zu folgen. Dazu ruft uns Dr. D. zwei Buchempfehlungen zu: „World Without Mind. The Existential Threat of Big Tech“ (Franklin Foer) und „Reclaim Autonomy. Selbstermächtigung in der digitalen Weltordnung“ (Jakob Augstein).
Markus Deimann, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 26. Januar 2018

Bildquelle: Taras Shypka (Unsplash)

Mein Wochenausklang: Akademische Fallgruben

Im Moment verbringe ich wieder etwas Zeit mit der Lektüre akademischer Arbeiten, von Hausarbeiten, Exposés, bis zur einen oder anderen Master-Thesis. Das gehört irgendwie zum Paket, das man unterschreibt, wenn man einen Lehrauftrag annimmt. Natürlich haben die Arbeiten in meinem Fall alle etwas mit digitaler Bildung zu tun. Doch der Begriff ist in der Hochschullehre noch nicht so richtig angekommen, denn Konjunktur haben gerade Themen wie Mobile Learning oder Microlearning.

Nun sind diese Aufgaben für die Studierenden natürlich auch wichtige Fingerübungen im akademischen Arbeiten. Das ist mit Fragen, Irrtümern und Missverständnissen verbunden, und dafür gibt es ja die Hilfestellungen und Rückmeldungen der Betreuer. Und ich möchte an dieser Stelle, ganz frisch, die drei Probleme nennen, mit denen die meisten Studierenden zu kämpfen haben. Wobei ich jetzt mal Formalia und Formulierungsfragen außen vor lasse.

Punkt 1: Systematisches und Begriffliches
Die erste Herausforderung besteht oft darin, das Feld der digitalen Bildung zu sortieren und zu systematisieren. Sind E-Learning, Mobile Learning und Microlearning, um mal bei diesen Begriffen zu bleiben, Phänomene, die nebeneinanderstehen und die man einfach – von 1.1. bis 1.3. – nacheinander beschreiben kann? Oder ist E-Learning nicht der Begriff, der die übrigen bereits einschließt? Und ist nicht Microlearning meist auch Mobile Learning? Ich könnte hier noch eine Weile fortfahren. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Begriffe (oder Kategorien) nicht entstanden sind, um die Welt besser zu verstehen, sondern um Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Punkt 2: Theorie und Didaktik
Zu (fast) jeder Arbeit, die sich mit digitaler Bildung beschäftigt, gehört heute leider ein Abschnitt über Lerntheorien (keine Angst, ich werde sie jetzt nicht aufzählen!). Aber obwohl hier schon fast alles gesagt wurde, kann es zuweilen in den Arbeiten sehr bunt werden. Zum einen stehen diese Theorien in den Schilderungen oft nebeneinander, als ob Pädagogen hingehen und je nach Thema und Tageszeit die eine oder andere Theorie aus dem Regal nehmen. Häufig werden diese Theorien auch zu handelnden Subjekten, die alles Mögliche unternehmen, unterstützen, beweisen, unterstellen, behaupten usw. Und dann natürlich die Unterscheidung zwischen Theorie und Didaktik, die häufig in der Beweiskette einfach mal übersprungen wird.

Punkt 3: Gegenwart oder Zukunft
Sind Mobile Learning oder Microlearning eigentlich schon Alltag in den Unternehmen, Hochschulen oder Akademien? Oder sind es laufende Verfahren, bei denen im Einzelfall geschaut werden muss, wo die Beteiligten gerade stehen? Ich muss zugeben, dass es oft schwer ist, sich hier von Außen ein Bild zu machen und zu beurteilen, wie es um die Umsetzung einer Lernform in der Praxis steht. Wenn ich allerdings merke, dass mir selbst Erfahrungen und Empirisches aus Studien fehlen, dann formuliere ich vorsichtig und abwägend. Könnte man erwarten, passiert aber selten.

Das für den Moment. Gibt es weitere Fallgruben beim Verfassen (und Lesen) akademischer Arbeiten? Vielleicht kommen ja am Wochenende noch Punkte dazu. An die Arbeit.

Bildquelle: Sebas Ribas (Unsplash)

EPALE-Schwerpunktthema: Soziale Medien in der Erwachsenenbildung

Auf EPALE („E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa“) haben sich im Februar einige Artikel eingefunden, die für den Einsatz von Social Media in der Erwachsenenbildung werben. Die Beispiele stammen aus ganz Europa und unterschiedlichen Bereichen. In einem Beitrag zählt  EPALE Themenkoordinator Andrew McCoshan folgende Vorteile des Einsatzes von Social Media auf: „Flexibility“, „Stimulating collaboration“, „‘Real-world’ connectivity“ und „Involving learners in finding and sharing resources“.

Und er legt noch sechs praktische Einsatzszenarien nach: „1. Group chats“, „2. Sending tweets“, „3. Keeping and collating educational resources“, „4. Using personal blogs“, „5. Sharing photos“ und „6. Recording and posting videos“.
Barbara Hiller, EPALE, 1. Februar 2018

Gute Lernorte in der digitalen Gesellschaft. Oder: Was Schulen von Starbucks lernen können

Auf der einen Seite ist da dieses Versprechen, das uns die Digitalisierung mitgebracht hat: „anytime“ und „anywhere“ arbeiten und lernen zu können. Und auf der anderen Seite suchen Menschen doch wieder bestimmte Orte auf, um dieses Versprechen einzulösen: Coworking Spaces, Starbucks, ja, sogar Bibliotheken. Daraus entwickelt Jöran Muuß-Merholz gleich eine „Checkliste für angenehme Lernorte“: Mobiliar, Atmosphäre, Infrastruktur, Willkommen, Kaffee, Regeln, Copräsenz.

„Lernen im digitalen Zeitalter kann Anywhere und Anytime stattfinden. Aber es gibt keinen Raum mit Namen „Anywhere“ – jedes Lernen braucht einen konkreten Ort. Wir können die Freiräume, die der digitale Wandel ermöglicht, für die Gestaltung guter Räume nutzen. Gute Lernorte setzen auf eine Verbindung von alten und neuen Konzepten: Bibliotheken und Kaffeehäuser, Coffeeshops und Coworking Spaces. Wir brauchen Lernsäle statt Lesesäle.“

Jöran Muuß-Merholz, J&K – Jöran und Konsorten/ Blog, 25. Februar 2018

Bildquelle: Anita Hart (Flickr, CC BY-SA 2.0)

VR in der Grundbildung: Eine Reise um die Welt

Eine „Reise um die Welt“ mit Virtual Reality. Natur erleben in Norwegen, Karneval in Venedig und Tauchen in Australien. Das hat die Mannheimer Abendakademie im Bereich der Grundbildung (Alphabetisierung) für ihre Kursteilnehmer möglich gemacht. Digitale Bildung.

„Keine/r der Teilnehmenden – auch keine/r der zu Beginn Skeptischen – verweigerte sich der neuen digitalen Technik, alle vertrugen die Reise in die virtuelle Welt sehr gut. Wir ernteten Begeisterung, Erstaunen und ein euphorisches „Danke“ für das Entführen in andere Länder. Zum Schluss wurde ein vielfacher Ruf nach Wiederholung laut und viele neue Ziele wurden gewünscht.“

Silvia Szabó, vhs/ Erweiterte Lernwelten, 21. Februar 2018

Bildquelle: rawpixel.com (Unsplash)