Bildung im digitalen Wandel

Bei der Beschäftigung mit dem digitalen Wandel, so Sandra Hofhues (Universität zu Köln), sollte es nicht nur darum gehen, neue digitale Medien und Technologien im Lehren und Lernen einzusetzen. Das wäre nur „Toolisierung“. Idealerweise machen Bildungsinstitutionen deshalb auch das Medienhandeln im Alltag zum Thema, schauen, wie sich Kommunikationsprozesse weiterentwickeln, und wie die Digitalisierung einzelne Lebensbereiche durchdringt und verändert. Das wäre der Schritt von „digitaler Bildung“ zur „Bildung in der digitalen Welt“.

„Zudem bremst die weit verbreitete Unterscheidung in digital und analog mehr als vielfach bedacht. Digitale Medien sind längst keine Modeerscheinung jenseits der bekannten, „analogen“ Welt mehr. Weil sie allgegenwärtig sind, sollte man über Werkzeuge und Infrastrukturen hinaus über die Bildung in einer digitalen Gesellschaft beraten.“
Sandra Hofhues, Goethe-Institut e. V., Redaktion Magazin Sprache, Mai 2018

Agilität durch Design Thinking – auch für Bildungsverantwortliche

Natürlich ist Design Thinking auch in der Personalentwicklung und Weiterbildung längst angekommen. Doch Erfahrungsberichte darüber, wie man sich an einem Tag mit der Methode auseinandersetzt, sind selten. Diese Lücke schließt der Artikel. Nach einer kurzen Einführung wird beschrieben, wie sich die Teilnehmenden mit den einzelnen Prozessschritten – von der Problemdefinition bis zum Prototyping – auseinandergesetzt haben. Ausgangspunkt war die Frage: „Wie können wir lebenslanges Lernen am Arbeitsplatz nachhaltig unterstützen?“ Am Ende des Tages gab es zwei Prototypen: eine App, die verschiedene Weiterbildungskurse in der Umgebung anzeigte, und eine Smartwatch, die immer wieder Lernimpulse setzte. Wie die Teilnehmenden dorthin kamen, hält der Artikel fest. Spannend.
Pascal Frank, scil-Blog, 18. Mai 2018

Bildquelle: Christine Prefontaine  (Flickr, CC BY-SA 2.0)

What do Generation Z and millennials expect from technology in education?

Pearson, der Bildungskonzern, hat 2.558 Menschen in den USA zwischen 14 und 40 Jahren nach ihren „attitudes, preferences, and behaviors around technology in education“ gefragt. Dabei waren sie besonders an Unterschieden zwischen Nutzern der Generation Z (14 – 23 Jahre) und den Millennials (24 – 40 Jahre) interessiert. Wie es zu erwarten war, sind die Unterschiede nicht groß. Beide Generationen stehen dem Einsatz von Medien- und Netztechnologien im Bildungsbereich positiv gegenüber. Zwei Punkte schaffen es aber dann doch in die Zwischenüberschriften: „YouTube’s importance to Gen Z cannot be overstated“. Denn: „55 of Gen Z say YouTube has contributed to their education, learning, and/ or personal development in the past 12 months“ (Millennials: 40 Prozent). Und, der zweite Punkt: „Gen Z is the „App Generation“ – even in education“. Womit das auch geklärt wäre.
Pearson, 24. Mai 2018

Bildquelle: Hello I’m Nik (Unsplash)

Lernteams – Eine neue Lernmethode in der Stadtbibliothek

Ich habe ja an dieser Stelle schon ein- oder zweimal auf Stadtbibliotheken verlinkt, die ihren Mitgliedern Zugang zu Online-Kursen anbieten. Die Stadtbibliothek Köln geht jetzt noch einen Schritt weiter: Wer online lernt, kann sich in moderierten Lernteams wöchentlich mit anderen darüber austauschen. Aufhänger können Kurse auf Lynda.com sein, aber auch jeder beliebige MOOC. Mir gefällt die Idee, weil sie online und Präsenz nicht als Gegensätze oder konkurrierende Angebote sieht, sondern beides zu verbinden versucht. Gerade die Infrastruktur vor Ort und ihr Platz in der lokalen Community zeichnet ja Bibliotheken (aber auch Volkshochschulen!) aus. Indem sie aktiv aufnehmen, dass sich ihre Mitglieder heute selbstverständlich in virtuellen Netzen bewegen und dort auch lernen, kommen sie der Idee von Bildung in einer digitalen Welt ein Stück näher.

By the way, die Stadtbibliothek Köln lädt nicht nur zu Lernteams ein. Es gibt eine Digitale Werkstatt, Makerspace Workshops, Maker Kids, Virtuelle Realität, Nao-Roboter, 3-D-Druck und -Scan, Gaming und und und ….

„Man lernt nie aus und am besten lernt man gemeinsam! Unsere Lernteams verbinden die Vorteile des zeitlich flexiblen E-Learnings mit dem Erlebnis, mit anderen zusammen Neues zu entdecken.

Sechs Wochen lang lernen Sie zu Hause zu einem bestimmten, vorher angekündigten Thema an Hand von Online-Kursen von Lynda.com/Video2brain oder MOOCs (Massive Open Online Courses). Die Videotrainings können alle Bibliotheksmitglieder kostenlos über die E-Ausleihe nutzen oder sie sind frei im Netz verfügbar.

Unterstützend bieten wir eine kleine Lerngruppe von maximal 10 Personen an, die sich wöchentlich in der Bibliothek trifft. Während der Teamtreffen können Sie sich über Ihre Erfahrungen austauschen und weiter lernen. Die Gruppentreffen werden moderiert. Pro Kurs ist eine Reihe von sechs Treffen vorgesehen, danach beginnt wieder ein neues Lernteam zu einem neuen Thema.“

Stadtbibliothek Köln

Bildquelle: Raimond Spekking (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Schulzeugnisse ade?!

Über den „Zertifikats- und Abschluss-Wahnsinn“ schimpft Anja C. Wagner im akuellen Newsletter. Aber eigentlich ist es auch ein Blick auf unterschiedliche Systeme, Welten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, und die daran anschließende Frage, ob Industrie 4.0, ob Automatisierung und Künstliche Intelligenz, darauf Rücksicht nehmen werden.

„Mein Fazit, je länger ich über dieses Thema nachdenke:
– Bei den Grossunternehmen spielen Abschlüsse, Zertifikate und CV kaum mehr eine Rolle – dort arbeitet man an smarten Lösungen, um geeignete Fachkräfte zu finden.
– Die KMU wissen es nicht besser. Deren HR-Abteilungen filtern womöglich noch manuell entlang dieser Indikatoren. Allerdings nicht sklavisch. Hier kann man mit beruflicher Erfahrung in seinem CV sicherlich viel wettmachen. Und hier werden die privaten Plattformen der Tech-Giganten ihr Geschäftsmodell suchen und bessere Matchings empfehlen.
– Die einzigen, die weiterhin primär entlang der formalen Abschlüsse einstellen, ist der öffentliche Dienst. Es ist also ein geschlossener Kreis, eine Filterblase sozusagen.“

FrolleinFlow / FLOWCAMPUS, The NeWoS, Mai 2018

Warum muss Lernen agil werden?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis „Lernen“ und „agil“ zueinanderfinden. Leider. Aber abgesehen davon, kann ich dem Gedankengang von Werner Sauter folgen. Es geht um eine Lebenswelt, die sich immer schneller verändert. Also müssen wir uns und unsere Arbeits- und Lernprozesse immer wieder neu justieren. Dafür steht Agilität. Werner Sauter bringt noch Kompetenzen, die Ermöglichungsdidaktik und das Lernen im Netz ins Spiel. Am Ende wird agil zum Akronym:

A   lternierende Phasen von Lernen, Anwenden und Anpassen
G   emeinsame Werte- und Kompetenzziele und selbstorganisierte Kollaboration im Team
I    terative Sprints mit Reflektion und Adjustierung der Kompetenzziele
L   ernprojekte aus realen Arbeitsprozessen mit direkter Anwendungsorientierung“

Der Artikel ist übrigens Teil eines neuen Dossiers „Arbeit 4.0 und lebenslanges Lernen“ auf wb-web, das vorletzte Woche noch von einem Webinar „Weiterbildungs-Arbeit 4.0“ flankiert wurde.
Werner Sauter, wb-web, 24. April 2018

Bildquelle: geralt (pixabay, CC0)

 

Arbeit 4.0 und Selbstbedienung beim Lernen

Das fremdgesteuerte Lernen kann nicht die Antwort auf die Arbeitswelt von morgen sein. Karlheinz Pape unterstreicht, wie wichtig es ist, das Lernen mehr und mehr in die eigenen Hände zu nehmen und wirbt mit dem Bild der Selbstbedienung, das wir in vielen Bereichen des Alltags schätzen gelernt haben. Damit es mit der Selbstbedienung klappt, braucht es Learning & Development, aber mit neuen Aufgaben: Es stellt die richtige Infrastruktur zur Verfügung, füllt die Regale und steht beratend zur Seite, wenn doch mal Hilfe nötig ist.

Karlheinz Pape schreibt auch: „Selbstbedienung wurde mal aus Kostengründen eingeführt.“ Das ist genau der Grund, warum es für den Weg zum selbstgesteuerten Lernen ein besseres Bild geben sollte.
Karlheinz Pape, Corporate Learning – Training und Wissensmanagement, 26. April 2018

Bildquelle: : : RoboSparrow : : (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

Teaching Machines, or How the Automation of Education Became ‚Personalized Learning‘

„Personalized Learning“ steht in einer langen Tradition. Es geht um die Geschichte der Automatisierung von Bildung, um ein Narrativ, das Silicon Valley und seine Investoren pflegen, das aber weit zurückreicht. In diesem Manuskript nimmt uns Audrey Watters wieder mit auf die Spurensuche, erzählt von obskuren Maschinen und Erfindern, von der „Ed-Tech Mafia“ und der amerikanischen Psychologie. Was die Sache heute so schwer zu fassen macht, ist die Tatsache, so Audrey Watters, dass wir früher noch den Vorhang heben konnten, um in das Innere dieser „teaching machines“ zu schauen und den jeweiligen Trick zu verstehen. Die Illusion „personalized learning“ ist weit schwerer zu durchschauen.
Audrey Watters, Hack Education, 26. April 2018

Bildquelle: CUNY Graduate Center’s Teaching and Learning Center (TLC)

Warum der Grundsatz „Pädagogik vor Technik“ bestenfalls trivial ist

In der neuesten Episode von Feierabendbier, dem Podcast von und mit Markus Deimann und Christian Friedrich, bei Kapitelmarke 34:55, gab es den Hinweis auf Axel Krommers interessanten Beitrag. In diesem nimmt der Autor, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Erlangen-Nürnberg, drei Lesarten des vielgehörten Rufs „Pädagogik vor Technik“ auseinander, nämlich:

– „dass Technik dem Menschen dienen sollte, nicht der Mensch der Technik.
– dass man sich zunächst auf das pädagogische Kerngeschäft konzentrieren sollte, bevor man das Klassenzimmer für Technik öffnet.
– dass pädagogische Entscheidungen vor technischen Entscheidungen getroffen werden müssen.“

Axel Krommer sieht hier „semantische Seifenblasen“, bewahrpädagogische Ängste, aber vor allem eine Ignoranz gegenüber den „komplexen Interdependenzen, die für das Verständnis der Kultur der Digitalität und der Veränderungen im Bereich des Lernens und Lehrens entscheidend sind“. Seine Argumente bringen es auf den Punkt.
Axel Krommer, Bildung unter Bedingungen der Digitalität, 16. April 2018

Weiterbildung 4.0 – Digitalisierung als Treiber und Innovator betrieblicher Weiterbildung

Alle drei Jahre befragt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Unternehmen zu deren Weiterbildungsaktivitäten. Jetzt liegen die Ergebnisse der neunten IW-Weiterbildungserhebung vor – mit dem Schwerpunkt auf Bildungsaktivitäten im Kontext der Digitalisierung. Hier die wichtigsten Sätze der Zusammenfassung:

„Die Digitalisierung geht mit einem steigenden Qualifikationsbedarf einher. … Steigender Weiterbildungsbedarf und neue Möglichkeiten der Wissensvermittlung wirken zusammen. Als wichtigstes Motiv für den Einsatz digitaler Lernangebote nennen Unternehmen, dass sich diese gut in den Arbeitsalltag integrieren lassen.“

Die Studie liefert die Schaubilder und Zahlen, die die Aussagen der Zusammenfassung stützen. Die Grundstimmung mit Blick auf die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Veränderungen ist (natürlich) positiv. Allerdings wirkt es auf mich mit jedem Tag irritierender, wenn von „digitalisierten Unternehmen“ oder „nicht-digitalen Kompetenzbereichen“ gesprochen wird.
Susanne Seyda, David B. Meinhard und Beate Placke, in: IW-Trends, Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung, 1/2018 (pdf)