Zentrale Online- und Datenplattform für die berufliche Weiterbildung

Manchmal geht es ja wirklich Schlag auf Schlag: Was gestern noch im Ideen- und Ankündigungsmodus war, was im Juni nur einen kurzen Passus in der Nationalen Weiterbildungsstrategie ausmachte, soll als Prototyp bereits Ende Oktober 2019 vorgestellt werden! Das Ziel ist eine zentrale Online- und Daten-Plattform für die berufliche Weiterbildung, die die Suche nach passgenauen Angeboten erleichtert. Und die Kompetenzanalyse und -entwicklung soll „intelligent unterstützt werden“.

Dahinter stehen das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Initiative Tech4Germany. Wer die Arbeit macht, wer das Konzept entworfen hat und was genau im Pflichtenheft steht, ist der kurzen Meldung leider nicht zu entnehmen.
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Meldungen, 13. August 2019

Bildquelle: BMAS/ BMBF

Hochschul-Bildungs-Report 2020: Jahresbericht 2019

„Im Hochschulbildungsreport 2020“, so ist zu lesen, „untersuchen der Stifterverband und McKinsey, wie gut die Hochschulen die Studierenden auf die Wirtschaft von morgen vorbereiten und formulieren Empfehlungen an Politik und Hochschulen“. Jetzt ist der Jahresbericht 2019 erschienen. Eine zentrale Botschaft lautet: Das wichtige Thema Weiterbildung scheinen die Hochschulen zu verschlafen. Es bewegt sich kaum etwas. Orientieren könnten sie sich an den Education-Start-ups, sie „mischen zunehmend den Weiterbildungsmarkt auf – auch im akademischen Bereich“ (S. 2).

Aber der Bericht enthält viele weitere Informationen, Modelle und Empfehlungen, über die man trefflich diskutieren (und sicher auch streiten) kann. Hier eine kleine Auswahl solcher Einstiegspunkte:

– das „Future-Skills-Framework“ (Technological Skills, Digital Citizenship Skills, Classical Skills), das die Initiatoren entwickelt und neben bereits existierende Modelle gestellt haben;
– die Education-Start-ups (von Coursera bis Babbel), die in der Studie als Benchmark innovativer Bildungsangebote gehandelt werden;
– die offene Sympathie für neue, umfassende, nationale Plattformlösungen auf dem Feld der Weiterbildung, wie sie von MILLA angeregt und in der kürzlich veröffentlichten Nationalen Bildungsstrategie fortgeschrieben wurde.

Hinzu kommen noch, wie gesagt, exklusives Datenmaterial aus Erhebungen und Umfragen sowie konkrete Empfehlungen an die Handlungsträger im Hochschulbereich. Und natürlich der jährlich bis 2020 fortgeschriebene Hochschul-Bildungs-Index. Hier heißt es:
„Der Hochschul-Bildungs-Index erreicht 2017 auf seiner Skala von 0 bis 100 Punkten lediglich 46 Punkte. Das ist zwar im Jahresvergleich ein Plus von 5 Punkten, aber viel zu wenig, um das Ziel von 70 Punkten zu erreichen, das für die sechs Handlungsfelder für das Jahr 2017 gesetzt wurde.“
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.), in Kooperation mit McKinsey & Company, August 2019

 

Kompetenzen von Lehrenden sichtbar machen

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung informiert, dass im Projekt GRETA ein Verfahren entwickelt wurde, um die Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung sichtbar zu machen. Damit stellt es sich in eine Reihe von Projekten wie das HFDcert. Es heißt: „Mit dem Validierungsinstrument PortfolioPlus erhalten Lehrende die Möglichkeit, über ihre Kompetenzen zu reflektieren, diese im Abgleich mit dem GRETA-Kompetenzmodell zu dokumentieren und anschließend bewerten zu lassen.“

Alle Personen, die lehrend in der Erwachsenen- und Weiterbildung tätig sind, können PortfolioPlus nutzen. Allerdings lese ich, dass man 70 Fragen beantworten muss. Diese muss man sich erst zuschicken lassen. Dann ausgefüllt zurückschicken, dann werden sie begutachtet, es gibt ein Beratungsgespräch, usw. Da ist das HFDcert natürlich schlanker, hat aber auch nicht den Anspruch, Kompetenzen anerkennen zu wollen.
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, GRETA, Juli 2019

12 Ideas for Amplified Forms of Digital Storytelling

Digital Storytelling ist ein spannendes Thema. Dieser Blog ist Digital Storytelling. Das Projekt des Bayerischen Rundfunks, „Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern“, ist Digital Storytelling in Reinkultur. Digital Storytelling kann vieles vereinen: die Form, in der wir eine Geschichte erzählen, mit der persönlichen Lernreise, die wir reflektieren.

Vor diesem Hintergrund ist die Aufzählung von Silvia Rosenthal Tolisano  eine anregende Sammlung weiterer Möglichkeiten. Hier ihre Punkte:
Curation as Storytelling, Storytelling across Space and Time, Explanation Videos, Snapchat Stories, Instagram Stories and Polls, Instagram Hashtags, Learning Stories, Video Selfies, Digital Books, Sketchnotes, Podcasts, Google Maps/Google Earth.
Silvia Rosenthal Tolisano, Langwitches, 7. Juli 2019

Bildquelle: Silvia Rosenthal Tolisano

Die Hochschule der Zukunft: Fels in der Brandung?

In 20 Jahren, so die AutorInnen, wird es den einen Typ Hochschule nicht mehr geben (by the way, gibt es den denn heute noch?). Die Zielgruppe der Studierenden wird vielfältiger. Hochschulen als Bildungsorte müssen sich neu definieren. Vor diesem Hintergrund sind vier Szenarien denkbar:

„- Hochschulen mit stark ausgeprägtem Third-Mission-Profil als regionaler Motor,
– Online-Hochschulen mit größtmöglicher Flexibilität für berufstätige Studierende,
– Lernbegleiterhochschulen mit individuellem Lerntempo und Curriculum oder
– Tertiäre Bildungsinstitute, die berufliche und akademische Ausbildung vereinen.“

Die Schwerpunkte sind nachvollziehbar. Weitere sind denkbar. Dem kurzen Artikel fehlt jedoch der Raum, um die Szenarien etwas trennschärfer zu beschreiben und Anknüpfungspunkte zu bereits bestehenden Organisationstypen aufzuzeigen.
Frank Ziegele, Philipp Neubert und Lisa Mordhorst, Magazin Hochschulsport, 02/ 2019 (via CHE)

Bildquelle: Magazin Hochschulsport

Book review: Open and Distance Education Theory Revisited

Obwohl Tony Bates selbst ein Kapitel beigetragen hat, weist er uns in seiner Review auf ein Problem hin, das sich in dieser Übersicht verschiedener „theories of open and distance learning“ wiederfindet:

„This is because I am seeing an increasing divergence between the ‘old’ field of open and distance education, and the newly emergent field of digital learning. Unfortunately the digitalization of education seems increasingly to be running in parallel and separately from open and distance education, but nevertheless the increasing digitalization of teaching and learning has massive theoretical and practical implications for open and distance learning.“

Auch über „Open Pedagogy“ hätte sich Tony Bates ein paar Zeilen gewünscht. Die vier „foundational theories“, die es in diese Übersicht geschafft haben, kreisen um die Begriffe „autonomy and independence“, „industrialized teaching and learning“, „transactional distance“ und „openness“ (geschrieben von Markus Deimann).

Auch auf einen weiteren Umstand weist Tony Bates hin: „Lastly I am sure readers will see the irony of a book on open and distance education which costs US$45 for an electronic version and US$30 to download a single chapter, especially since the authors get no payment from the publisher. This is predatory publishing – the complete opposite of open publishing.“
Tony Bates, Online Learning and Distance Education Resources, 1. Juli 2019

Bildquelle: Springer

Bildung und Digitalisierung

Die aktuelle Ausgabe von „Aus Politik und Zeitgeschichte“ widmet in verschiedenen Beiträgen dem Thema „Bildung und Digitalisierung“. Aufhänger ist der Digitalpakt. Die Beiträge selbst spannen einen Bogen von Kindertagesstätten und Schulen bis zur Hochschule im Zeichen der Digitalisierung. Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung stehen nicht im Fokus, sind aber natürlich Gegenstand des allgemeinen Bildungsdiskurses, den zum Beispiel Jöran Muuß-Merholz im einleitenden Essay („Der große Verstärker. Spaltet die Digitalisierung die Bildungswelt?“)
aufnimmt.
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 27-28 /2019), Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), 28. Juni 2019

Geschichte lernen per Messenger

Noch einmal 5:04 Minuten über ein Bildungs-Highlight der letzten Monate, das digitale Storytellingprojekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner!“ BR-Redakteurin Eva Deinert berichtet über die Überlegungen, die zum Projekt führten, sowie einige Herausforderungen, die entstehen, wenn historische Komplexität auf einen Kurznachrichtendienst trifft.
Theresa Samuelis, Interview mit Eva Deinert, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 18. Juni 2019

Bildquelle: Unbekannt (Wikipedia)

Lernen mit digitalen Karteikarten

Ich habe vor allem und zuerst nach einem Grund gesucht, nach langer Zeit wieder einmal auf den wunderbaren ToolBlog von Stephan List zu verlinken. In diesem Artikel berichtet er von einigen Programmen, mit denen er gerade experimentiert. Es geht um das Prinzip der Lernkartei nach Sebastian Leitner. Die Programme heißen Anki, Mochi und Quizlet.
Stephan List, ToolBlog, 14. Juni 2019

Bildquelle: strichpunkt (pixabay)

Darf es ein bisschen mehr Erwachsenenbildung sein?

In der Nationalen Weiterbildungsstrategie, die im Juni 2019 veröffentlicht wurde, findet die allgemeine Erwachsenenbildung, so Lars Kilian, fast keine Beachtung. An einer einzigen Stelle im Dokument wird der Deutsche Volkshochschulverband erwähnt. Der Fokus liegt ganz auf der beruflichen Weiterbildung. Das ist problematisch, weil so viele Bevölkerungsgruppen und Bildungsinteressierte ausgeblendet werden. Vor diesem Hintergrund zeigt der Autor Verbindungen auf, die zwischen den in der Strategie geschilderten Herausforderungen und den Angeboten der Erwachsenenbildung bestehen.

„Wie soll gesellschaftliche Teilhabe gelingen, wenn nur berufliche Qualifizierung fokussiert wird, aber ein Teil der Bevölkerung neue Begrifflichkeiten und dahinterstehende Konzepte oder neue Formen der Organisation des Miteinanders durch Digitalisierung nicht versteht? Mit Blick auf den demografischen Wandel sind hiervon sicher nicht wenige betroffen.“
Lars Kilian, wb-web, 28. Juni 2019