Edu Trends | MENTORING

Gibt es eigentlich Informationen darüber, wie es hierzulande dem Thema bzw. dem Konzept Mentoring geht? Gerade im Zusammenhang mit dem Stichwort Medienkompetenz oder Netzkompetenzen höre ich ja immer wieder mal von Unternehmen, die auf Reverse Mentoring setzen und „Alt“ von „Jung“ lernen lassen. Das klassische Mentoring ist dann oft Führungskräfte-Trainings vorbehalten, wo Nachwuchskräften ein erfahrenes Leitungsmitglied an die Seite gestellt wird.

Die Experten des Observatory of Educational Innovation aus Monterrey (Mexiko) sprechen jedenfalls von einem „Boom“, der sie veranlasst hat, diese lesenswerte und ansprechend gestaltete Einführung und Übersicht vorzulegen.

„This edition offers an overview of mentoring as an educational trend, particularly in the field of higher education and entrepreneurship, including the following content:
– A tour of the evolution of mentoring in 10 key moments of history, from classical antiquity to the Digital Era.
– A proposal for the definition of mentoring in contrast to other terms with which it is oen easily confused in academic settings: tutoring, coaching, advising and counselling.
– A range of procedures to evaluate the quality of a mentoring process.
– And more…“

Observatory of Educational Innovation/ Tecnológico de Monterrey, Oktober 2017

Bildquelle: Umschlagbild „Edu Trends | MENTORING“ (pdf)

Ausbildung 4.0: Didaktische Gestaltung der betrieblich-beruflichen Ausbildung in Zeiten der digitalen Transformation

Wie verändert die digitale Transformation den Arbeitsalltag? Welche Kompetenzen werden zukünftig benötigt, um die neuen Anforderungen zu bewältigen? Und was bedeutet das für die Gestaltung von Ausbildungsprozessen und den Einsatz digitaler Medien?

Um diese Fragen zu beantworten, gehen die Autoren im ersten Kapitel den Veränderungen im Beschäftigungssystem nach. Hier kommen Frey/ Osborne und andere Studien zu Wort. Die Diskussion der Frage, welche Kompetenzprofile im digitalen Zeitalter gefragt sind, streifen sie deutlich kürzer. Im zweiten Kapitel widmen sie sich dem Einsatz und der Relevanz von digitalen Lernmedien, zollen aber auch hier der dünnen Datenlage Tribut. Da es sich aber nur um „zuarbeitende“ Kapitel handelt, funktioniert das Drehbuch der Autoren.

Denn im Mittelpunkt steht das LERN-Modell. Es soll helfen, die – mit Blick auf die digitale Transformation – adäquaten „Handlungssituationen 4.0“ wie auch die passenden Medien bei der Entwicklung und Strukturierung von Ausbildungsprozessen auszuwählen. Medien können also aus zwei Perspektiven betrachtet werden: als Bausteine einer Handlungssituation, die auf den zukünftigen Arbeitsalltag vorbereitet, und als Instrumente zur Unterstützung von Lernprozessen. Die Heuristik der Autoren arbeitet mit vier Ebenen („SAMR-Modell“, für die Experten), aber hier verweise ich auf die Grafik und/ oder das Original.
Heinz Gerholz und Markus Dormann, bwp@, Ausgabe Nr. 32, Juni 2017, 15. Oktober 2017 (pdf)

Mein Wochenausklang: You. Can. Learn. Anything.

Keine Lernstrategie ohne eine Vision, wie das Lehren und Lernen heute und morgen aussehen soll. Und keine Vision ohne einen Slogan, der die Botschaft auf den Punkt bringt. Wie ich darauf komme? Ich verwende immer mal Screenshots von den Anbietern von Online-Kursen, und dann springt mir öfters so ein Slogan ins Auge. Natürlich sind sie sich alle irgendwie ähnlich. Aber dann fallen einem doch Unterschiede auf, wenn man die Anbieter vergleicht. Oder wenn man nach längerer Zeit wieder auf eine Homepage schaut.

Da gibt es die Anbieter, die ihre Nutzer auf ihrem persönlichen Karriereweg unterstützen wollen und das direkt ansprechen. Beispiele sind hier Udemy mit „Be able“ und iversity mit „Get Ready for Take-off“ (bei einigen Anbietern gibt es auch deutsche Übersetzungen ihrer Slogans, aber die übergehe ich hier einmal). Zwei Varianten bieten LinkedIn Learning und edX, die zusätzlich auf den digitalen Charakter ihres Angebots hinweisen: „Develop your skills online, on your time“ (LinkedIn) und „Free online courses. Advance your career. Improve your life“ (edX).

Aber mit „free“ ist das ja so eine Sache. Einige Anbieter schleppen noch etwas MOOC-Geschichte mit sich herum, haben also mal mit Slogans geworben, die auch das „open“ betonten, aber wer traut sich heute noch, seine Vision mit einem Geschäftsmodell zu verknüpfen? Okay, eine Ausnahme gibt es: die Khan Academy („You can learn anything. For free. For everyone. Forever.“). Hier hat man offensichtlich Philanthropen in ausreichender Zahl um sich geschart.

Nun gibt es ja auch Anbieter von Online-Kursen, die aus der Welt der Hochschulen kommen. Hier wird Bildung häufig noch zweckfrei gedacht. Man spricht die Neugierde der Nutzer an, wie das britische FutureLearn der Open University („What would you like to learn?“) oder die gerade live gegangene Hamburg Open Online University („Was möchtest Du heute lernen?“). Erinnert mich aber irgendwie an IKEA.

Bleiben noch zwei unbescheidene Botschaften übrig: „Take the world’s best courses, online“ der weltweit größten Kursplattform von Coursera. Und: „Wir haben für jeden den richtigen Kurs“ aus Lübeck (mooin). Das schreit allerdings nach den Regeln zeitgemäßer Werbebotschaften nach einem Update („Für jeden den richtigen Kurs!“).

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt des Bildungsmarktes. Aber vielleicht überlegt ja gerade jemand, wie er die neue Lernstrategie des Hauses in eine ansprechende Formel kleidet und findet hier eine Inspiration.

Bildquelle: Austin Chan (Unsplash)

Marschallplan und digitalVHS

Sascha Lobo hat vor einigen Tagen nach einem „digitalen Marshallplan“ gerufen. Dort heißt es unter anderem: „Digitale Integration durch eine Digital-Volkshochschule“ (Punkt 8) Joachim Sucker hat den Ball aufgenommen und die „Digital-Volkshochschule“ mit Leben gefüllt. Ein programmatischer Artikel. Die Rede ist von einem „Kulturwechsel in der Bildung“, von Neugierde, neuen Lernorten und Markenbildung. Eine Agentur soll als Netzwerkknoten der neuen Bewegung entstehen. Akteure sind da, müssen aber unter der neuen Marke zusammengeführt werden. Das gilt auch für die Projekte, die sich in und außerhalb der Volkshochschulen in den letzten Jahren auf den Weg gemacht haben. Joachim Sucker zählt sie auf. Wo geht es also los?

„Und eines muss uns klar sein: Wir haben es hier mit einer Start-Up-Initiative zu tun. Das Risiko sollten wir eingehen. Erfolg wird sich einstellen, wenn die Initiativen möglichst frei agieren können und die Begeisterung auch bei den Geldgebern ist. Dieses dynamische, mehrdimensionales Netzwerk ist es wert ausprobiert zu werden. Anders wird es nicht funktionieren. Oder gibt es bessere Ideen für den geforderten Marshallplan für eine digitale VHS? Dann her damit, es ist dringend!“

Joachim Sucker, allesauszucker, 11. Oktober 2017

Bildquelle: Screenshot (http://blog.volkshochschule.de/)

„Alle Spiele sind ernsthaft“

Was habe ich aus diesem Interview mit Linda Breitlauch, Professorin für Intermedia Design an der Hochschule Trier, mitgenommen? Folgender Punkt: Spielekonzepte sind ja in der Erwachsenen- und Weiterbildung nichts Neues. Nur beim Übergang in die Online-Welt (Serious Games, Gamification) gibt es einen Bruch. Nur wenige Pädagog*innen wissen, wie und was online gespielt wird, und so schaffen es auch nur wenige Spiele und Spielkonzepte aus der digitalen Welt in die Weiterbildung.

„Manchmal hilft es tatsächlich auch, fertige Produkte zu nehmen und sie einfach im Kontext der Weiterbildung einzusetzen. Ich nehme jetzt mal als Beispiel Minecraft. Minecraft ist ein Spiel, das wirklich ausschließlich als Unterhaltungsspiel konzipiert und entwickelt worden ist, weltweit unglaublich erfolgreich war und dann von Lehrern entdeckt wurde und in Schulen eingesetzt wird, zum Beispiel für Erdkunde-Unterricht. Solche Ansätze kann man auch mit anderen Spielen verfolgen, die es bereits gibt.

Man widmet sie quasi um, dafür muss man dann nichts Neues herstellen. Deswegen muss man sich einfach mal anschauen, was es an Spielen eigentlich gibt und in welchen Kontexten man sie einsetzen kann. Da muss man zugeben, dass es noch relativ wenig Fachexperten gibt, die sowas bewerten können, weil sie wissen müssen, welche didaktischen Modelle in der Weiterbildung funktionieren und auf der anderen Seite müssen sie auch alle Spiele kennen.“

Anonsten: Wie immer, wenn über Spiele geredet wird, werden viele interessante Beispiele genannt. Ob Serious Games allerdings noch als Trend durchgehen? Die Frage nach der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Spielen ist dagegen eine, mit der man sich im Gespräch gegenseitig nur quälen kann. Und der abschließende Hinweis auf die überall integrierten Schrittzähler zeigt, wo uns Gamification heute schon überall ganz selbstverständlich begegnet.
Angelika Gundermann, Interview mit Linda Breitlauch, wb-web, 12. September 2017

Bildquelle: Andrew Robles (Unsplash)

Empowering Young Minds Everywhere: Five Teams Advance To Final Round Of $15M Global Learning XPRIZE

15 Millionen Dollar sind insgesamt ausgelobt. 1 Millionen hat jeder der fünf Finalisten bereits sicher. Die Hürde, die sie nehmen mussten: „… software solutions to enable children to teach themselves basic reading, writing and arithmetic.“ Jetzt sollen die Lösungen 15 Monate lang in Tansania getestet werden. Viele sind dabei: die UNESCO, das World Food Programme (WFP), das Government of Tanzania und Google, das 8.000 Pixel C-Tablets spendiert. Der Sieger („… whose solution enables the greatest proficiency gains in reading, writing and arithmetic“) erhält am Ende die verbleibenden 10 Millionen Dollar. Open Source/ Open Content sind Kriterien, die die Wettbewerber erfüllen müssen. Und was sich in Tansania bewährt … Das Projekt erinnert mich irgendwie an One Laptop per Child.

„- CCI (New York, United States) is developing structured and sequential instructional programs, in addition to a platform seeking to enable non-coders to develop engaging learning content in any language or subject area.
Chimple (Bangalore, India) is developing a learning platform aimed at enabling children to learn reading, writing and mathematics on a tablet through more than 60 explorative games and 70 different stories.
Kitkit School (Berkeley, United States) is developing a learning program with a game-based core and flexible learning architecture aimed at helping children independently learn, irrespective of their knowledge, skill, and environment.
onebillion (UK/Malawi/Tanzania) is merging numeracy content with new literacy material to offer directed learning and creative activities alongside continuous monitoring to respond to different children’s needs.
RoboTutor (Pittsburgh, United States) is leveraging Carnegie Mellon’s research in reading and math tutors, speech recognition and synthesis, machine learning, educational data mining, cognitive psychology, and human-computer interaction.“

Global Learning XPRIZE, Press Release, 18. September 2017

Mathe büffeln am PC. Wie beeinflussen die Medien das Lernen?

Bitte einmal in diese Folge der Reihe „SWR2 Wissen: Aula“ reinhören. In ihr schildert Hans W. Giessen, Informationswissenschaftler an der Universität des Saarlandes, was wir heute über das mediengestützte Lernen wissen. Dabei arbeitet er sich an einer Aussage des US-amerikanischen Psychologen Richard Clark ab, der 1983 behauptet hatte, „dass das Medium, mit dessen Hilfe Lerninhalte vermittelt werden, vermutlich keinen Einfluss auf das Lernen selbst habe“. Eine Steilvorlage für den Autor, der in der Folge viele einzelne Studien zitiert und ein differenzierteres Bild entwirft: je nach Lernertyp, nach Mediencharakteristika, nach investierter Zeit und nach Thema kann das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen, werden Lernende unterstützt oder eben nicht.

Vorneweg: So richtig packen kann mich die Bildungsempirie auch hier nicht. Denn bei jeder Studie und bei jedem Befund, der angeführt wird, möchte ich wissen, was die Projektleiter eigentlich unter „Lernen“ verstehen, wie groß und ausgewählt ihre Zielgruppe war, was eigentlich untersucht wurde, usw. Hinzu kommt, dass schon die zentrale Fragestellung der Sendung impliziert, dass es heute immer noch ein Lernen mit und ein Lernen ohne Medien gibt. Dass aber unser Alltag, unser Lernalltag, in weiten Teilen bereits digitalisiert und medialisiert ist, bevor Pädagogen sich an ihre Konzepte setzen, geht in dieser Sendung etwas unter.

Aber das alles mal beiseite. Wenn man sich die 30 Minuten anhört, wird man nämlich schnell merken, dass hier Form und Inhalt nicht zusammenpassen. Studien zu zitieren, Namen von Autoren aufzuzählen und Ergebnisse wiederzugeben, bei denen auch die Nebensätze wichtig sind, schöpfen die Möglichkeiten des Mediums Radio (oder Podcast) nicht aus. Spannender wäre es vielleicht gewesen, dass Thema in einem Dialog aufzunehmen und vielleicht auch den einen oder anderen empirischen Befund kritisch zu hinterfragen.
Hans W. Giessen, SWR2 Wissen/ Aula, 24. September 2017

How Generations X, Y, and Z May Change the Academic Workplace

Das Thema ist übertragbar: Wir haben die Silent Generation, Baby Boomers, Generation X, Millennials und Generation Z, die heute nebeneinander in Unternehmen und Organisationen arbeiten und sich in wesentlichen Routinen und Bedürfnissen voneinander unterscheiden, nicht zuletzt durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit neuen Technologien. Die Autorin macht die Unterschiede zwischen den Generationen und mit Blick auf die Hochschulen an vier Punkten fest: „smartphone use“, „teaching styles“, „the value of college“ und „faculty culture“ und gibt etwas praktische Lebenshilfe. Übertragen auf Corporate Learning wären das: unterschiedliche Anforderungen an den Zugang zu Lernangeboten, an Lehr- und Lernformate und an die Unternehmens- und Lernkultur.
Sarah Brown, The Chronicle of Higher Education, 17. September 2017 (Registrierung erforderlich)

Who’s building the infrastructure for lifelong learning?

Wenn ich es richtig verstanden habe, steht „infrastructure“ hier für so etwas wie eine „konzertierte Aktion“, ein „society-wide commitment“. Das, so die Autorin, Professorin an der London Business School, ist dringend notwendig, um den komplexen Anforderungen eines dynamisch sich verändernden Arbeitsmarktes zu begegnen:

„Part of the challenge of building anticipation and enabling people to engage in lifelong learning is that this is not a single point of intervention. Of course, fundamentally it is the responsibility of each individual to act on the emerging reality that continuous learning is crucial to a productive life. But anticipating jobs and providing access to lifelong learning demands a complex system involving multiple stakeholders:

educators that extend the reach of their programs from being front-ended on teenagers and 20-somethings to delivering educational options to students of all ages; governments that commit to helping citizens understand future job markets and the skills they will require, and that realign tax and financial incentives; and corporations that create work environments that support education and enable employees to engage in extended periods of training.“

Es folgen kurze Hinweise auf erste Piloten: Bildungsanbieter (edX, Coursera, Khan Academy, LinkedIn Learning), Staaten (Frankreich, Dänemark, Singapur), Unternehmen (AT&T, Westpac). Dann der Hinweis auf das Buch der Autorin …
Lynda Gratton, MIT Sloan Management Review, 8. September 2017

Marketing für betriebliche Bildung? Was L&D Profis von Marketing-Profis lernen können

Bildung und Marketing sind zwei Dinge, die nicht automatisch zusammenfinden. Vor allem, wenn es um das innerbetriebliche Lernen geht. Doch wenn man Mitarbeiter motivieren will, sich für eine Sache zu begeistern, dann ist man schon mit einem Bein im Marketing: Wie weckt man ihre Aufmerksamkeit? Wie spricht man sie richtig an? Wie begleitet man sie?

Christoph Meier hat wieder an einem Online-Summit der eLearning Guild teilgenommen und einige Stichworte und Beispiele zum Thema zusammengefasst. Hier eine Auswahl seiner 12 Überschriften bzw. Absätze:
1) Lernaktivitäten als Kundenreise verstehen
2) Emotionen ansprechen
8) Die Zielgruppen gut kennen und verstehen
12) In Kampagnen denken
Christoph Meier, scil-Blog, 31. August 2017