Rezension: Grotlüschen, A., Pätzold, H.: Lerntheorien: in der Erwachsenen- und Weiterbildung (2020)

Um mich selbst etwas zu disziplinieren (mehr Bücher über Bildung und Lernen lesen!), habe ich zwischen den Jahren hier auf dem Blog eine Rubrik „Book Reviews“ angelegt. Und ein erstes Buch von meinem Stapel genommen und zusammengefasst. Den Anfang macht „Lerntheorien“ (2020) von Anke Grotlüschen und Henning Pätzold. Weitere sollen im Monatstakt folgen …
Jochen Robes, 22. Dezember 2022

Top 10 Buchempfehlungen zum Thema Lernen aus 2021

Dieser Beitrag macht mir ein schlechtes Gewissen. Matthias Wiencke breitet hier die Bücher zum Thema „Lernen“ aus, die er in diesem Jahr gelesen hat. Und einige davon liegen gerade in Sichtweite und warten auf die nächste Auszeit bzw. einen ruhigen Moment (über Weihnachten, ganz, ganz sicher!). Wie auch immer, ganz oben stehen auf der Liste von Matthias Wiencke „New Work braucht New Learning: Eine Perspektivreise durch die Transformation unserer Organisations- und Lernwelten“ von Jan Foelsing und Anja Schmitz sowie „Das neue Lernen heißt Verstehen“ von Henning Beck. Das sind gute Startpunkte …
Matthias Wiencke, LernXP: LernExplorer Podcast und Blog, 18. Dezember 2021

Bildquelle: Matthias Wiencke

Ich kann nicht mehr!

Ich nehme diesen interessanten Erfahrungsbericht von Nele Hirsch gerne mit in die Weihnachtstage! Er ist weniger ein Eingeständnis der eigenen Erschöpfung als ein lautes Nachdenken darüber, wie wir nach fast zwei Jahren Pandemie mit solchen Momenten umgehen. Nele Hirsch schildert ihre Gedanken aus der Perspektive „einer freiberuflich arbeitenden Pädagogin, die nicht institutionell eingebunden ist“. Aber ihre Stichpunkte – von „Offen kommunizieren“ bis „Krise als kollektiver Lernprozess“ passen sicher für viele, die im Bildungs- oder Weiterbildungsbereich arbeiten. Zum letzten Punkt merkt sie an:

„Was mir ein bisschen fehlt, ist Kommunikation darüber, wie man vom einen zum anderen kommt, d.h. Erfahrungsberichte, was man tun kann, gegen lähmende Erschöpfung und Ausgebranntsein. Besonders großartig fände ich es, wenn wir alle die derzeitigen Schwierigkeiten nicht nur als Anstoß zu mehr individueller Achtsamkeit verstehen, sondern vielmehr als kollektive Lernherausforderung, die dringenden Änderungsbedarf sichtbar macht. Die grundlegende Frage wäre dann nicht: ‘Wie kann ich besser funktionieren?’, sondern: ‘Was ist das für ein Bildungssystem, in dem wir alle immer funktionieren müssen – und wie könnte es anders sein?’“
Nele Hirsch, eBildungslabor, 16. Dezember 2021

Bildquelle: Matthäus-Heinrich (Wunderstock, CC0)

Was ist Neuroandragogik?

Der Artikel, das vorweg, kann nicht einlösen, was sein Titel verspricht. Einleitend heißt es: „Die Neuroandragogik befasst sich sowohl mit der Anatomie und Physiologie des erwachsenen Gehirns als auch mit den kognitiven Funktionen der für die Intelligenz, das Gedächtnis und das Lernen verantwortlichen Gehirnregionen.“

Es folgt eine kurze Aufzählung bekannter didaktischer Grundsätze – von der aktiven Einbeziehung der Lernenden bis zu dem Hinweis, dass aussagekräftige und für die Einzelnen relevante Informationen den Lernprozess bzw. Lernerfolg unterstützen. Es schließt mit einem Hinweis auf die Methode „Elevator Pitch“. Den habe ich mir notiert.
Ieva Margeviča-Grinberga, EPALE – Electronic Platform for Adult Learning in Europe, 29. Oktober 2021

Bildquelle: Annie Spratt (Unsplash)

Online-Workshop: BMBF Projekt Open Source Metabildungsplattform

Die CampusSource Geschäftsstelle hatte vor einigen Tagen zu einem Workshop eingeladen, der sich mit der Entwicklung der Nationalen Bildungsplattform befasste. Die Nationale Bildungsplattform als „Meta-Plattform vernetzter digitaler Bildungsangebote“ wurde ja im Frühjahr 2021 von der Bundesregierung angestoßen, und an verschiedenen Stellen wird bereits an der Entwicklung erster Prototypen gearbeitet (unter anderem: BIRD, Fraunhofer FOKUS/ CLM, L3OOP). Von daher bieten die im Workshop-Programm aufgeführten Institutionen, ReferentInnen sowie die verlinkten Materialien eine gute Gelegenheit, Einblicke in die laufenden Projekte und Diskussionen zu gewinnen. Oder andersherum: Das BMBF bietet jedenfalls keinen mir bekannten Überblick über die Förderprojekte, die seit der Bekanntmachung am 26.04.2021 an den Start gegangen sind.
CampusSource, 9. November 2021

Quelle: Peter Hassenbach (BMBF)

Sinkt die Halbwertszeit von Wissen? Theoretische Annahmen und empirische Befunde

Von der „Halbwertszeit des Wissens“ ist ja regelmäßig auf Folien und in Artikeln die Rede. Doch wenn man es einmal in Ruhe liest, müsste man eigentlich sofort innehalten und fragen: Interessant, aber wie hat man das eigentlich gemessen? Und was hat man gemessen? Das haben sich die AutorInnen dieses Fachbeitrags (20 S.) auch gefragt und sind auf Spurensuche gegangen. Dabei sind sie in der Bibliometrie und Bibliotheksforschung fündig geworden: „Die Halbwertszeit von Wissen basiert somit auf der bibliothekarischen Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen und dem zeitlichen Zitationsverhalten in der Wissenschaft.“

Ihr Fazit: „Die These der „Halbwertszeit des Wissens“ beschreibt angeblich den Wissensverlust und das stetige Anwachsen von neuen Wissen in modernen Gesellschaften. Tatsächlich besitzt die These der Halbwertszeit keinerlei empirische Grundlage. Auch der Verfall des Wissens ist, wenn man es aus beruflicher und gesellschaftlicher Sicht betrachtet, kein Verfall, sondern eine Präzisierung, Aktualisierung und Erweiterung.“
Robert Helmrich und Ingrid Leppelmeier, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn, 2020

Bildquelle: BIBB

„We won’t have a teacher – we’ll be teaching each other!“ Learning Circles zur Begleitung des Online-Lernens

Auf die gerade an verschiedenen Orten entstehenden Learning Circles habe ich an dieser Stelle schon ein paar Mal hingewiesen. Jetzt schreiben Julia Zwick und Jöran Muuß-Merholz, dass die Materialien der Peer2Peer University – dort stammt die Methode her – übersetzt wurden und zum Download zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang erinnern sie noch einmal daran, was Learning Circles sind, wie man einen Learning Circle startet und wo man erste Erfahrungsberichte findet. Dabei wird auch Stadtbibliothek Köln gewürdigt, die hierzulande als erste mit der Methode experimentiert hat.

„Learning Circles sind kleine Lerngruppen für Menschen, die am gleichen Onlinekurs teilnehmen und sich an einem Tisch mit Menschen von Angesicht zu Angesicht dazu austauschen wollen.“
Julia Zwick und Jöran Muuß-Merholz, J&K – Jöran und Konsorten, 12. Oktober 2021

Der große Verstärker. Was macht die Bildung mit der Digitalisierung?

Jöran Muuß-Merholz erklärt uns, dass die digitale Medien keine Richtung vorgeben, sondern bestehende Richtungen verstärken – auch in der Bildung. Wer zum Beispiel Lernprozesse kontrollieren will, kann das mit digitalen Medien noch besser tun. Und wer auf Freiräume und Selbstlernen setzt, findet im Netz unendliche Möglichkeiten. Was wiederum zur grundsätzlichen Frage zurückführt: Welche Bildung wollen wir?

Das Video (6:26 Min.), heißt es, ist Teil einer Reihe „Impulse zur Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung von und mit Jöran Muuß-Merholz“, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ).
Jöran Muuß-Merholz, J&K – Jöran und Konsorten, 27. Oktober 2021

Weiterbildung braucht Raum – Lernwelten der Zukunft

Heute habe ich aus der Ferne an einem hybriden Event, dem 2. Forum Netzwerk@BW, teilgenommen. Es wurde veranstaltet vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg und fand sowohl in Stuttgart als auch im Netz statt. Und die TeilnehmerInnen im Netz, man erwähnte 180 Anmeldungen, waren eindeutig in der Überzahl. Den roten Faden des Programms bildeten 45-minütige Vorträge, die durch die Reihe etwas zu lang für meinen Geschmack waren. 

Viele bekannte Gesichter. Ich habe die Keynote von Julian Nida-Rümelin gehört, der frei über „Bildung im Zeitalter der Digitalisierung“ sprach. Er begann – natürlich – mit einem kleinen Abstecher, der in die griechische Philosophie und die Renaissance führte. Beim Stichwort „digitale Bildung“ angekommen, betonte er die Bedeutung von Orientierungswissen und Urteilskraft, um mit der Fülle von Informationen im Digitalen umgehen zu können. Europa empfahl er einen eigenen Weg der Digitalisierung, jenseits vom Silicon Valley und von China, den er „human-centered“ nannte. Dann ging es für ihn zum Bahnhof, wo sein Zug nach Berlin wartete.

Ich habe mir dann noch zwei Vorträge angehört, die das Raum-Thema der Konferenz direkt aufnahmen. Richard Stang, Leiter Learning Research Center an der Hochschule der Medien in Stuttgart, hatte fast schon zu viele Stichworte mitgebracht, um die selbst gestellte Vorgabe, „Raumgestaltung für Lernen – Konzepte für die berufliche Bildung“, zu untermauern. Notiert habe ich mir das „Schaffen von Ermöglichungsräumen“ sowie das „Vier-Raum-Modell“. Und natürlich kam er auch mit Beispielen guter Lernräume daher.

Von Sirkka Freigang, inzwischen Global Head of Smart Learning bei der Rooom AG, gab es dann den Ausflug in zukünftige IoT-basierte Lernumgebungen. Dabei bin ich natürlich gerne ihrer „Life Experience“ gefolgt und hatte so die Referentin auch als Avatar auf meinem Smartphone bzw. an meiner Zimmerwand!

Anschließend kam noch „Teilgeber“ Karlheinz Pape, Corporate Learning Community, der auch vor Ort war und für das selbstgesteuerte und informelle Lernen warb, in und mit den sozialen Netzwerken.

Kurz: Es war eine runde Veranstaltung, sehr schön moderiert von der Comedy-Company, die man vielleicht im Vortragsblock noch etwas bunter und abwechselungsreicher hätte gestalten können. Und als ich auf LinkedIn das sonnige Gruppenfoto von Thomas Jenewein gesehen habe, habe ich schon etwas bedauert, nicht in Stuttgart gewesen zu sein.    

ENC163 – Berufen statt zertifiziert – ein Makroblick auf Bildung mit Anja C. Wagner

Für alle Podcast-LiebhaberInnen (aber nicht nur) hier noch eine Empfehlung: In dieser Folge des Education NewsCast spricht Thomas Jenewein (SAP) mit der „Bildungsquerulantin“ Anja C. Wagner. Sie beginnen mit den großen Veränderungen unserer Arbeitsgesellschaft und landen schließlich bei der Frage, wie die Bildungs- und Lernprozesse aussehen müssen, mit denen wir diesen Veränderungen begegnen. Zwei Themen bzw. Stichworte habe ich mir notiert: zum einen das Plädoyer Anja Wagners für mehr Experimente und Experimentierräume in der Bildung; und zum anderen ihre Erinnerung an die wachsende Bedeutung des informellen Lernens, also der Tatsache, dass immer mehr Lernaktivitäten außerhalb der traditionellen Bildungsinsitutionen stattfindet. Auch und vor allem im Internet.
Thomas Jenewein, Education NewsCast 163, 25. Oktober 2021