Mein Wochenausklang: Kann man Lernmotivation fördern?

Am Mittwoch bin ich in Berlin, auf dem 3. Deutschen Ausbildungsforum, und habe dort ein kleines Zeitfenster, um über Lernmotivation zu diskutieren. Beziehungsweise, wenn alles gut läuft, dann gebe ich anfangs einen kleinen Impuls und der motiviert hoffentlich die Teilnehmer, anschließend mit mir und den anderen zu diskutieren. Schon diese Zeilen deuten an, dass Motivation ein schönes, aber auch vertracktes Thema ist.

Was werde ich in Berlin erzählen? Das große Thema des Forums ist natürlich die „moderne Berufsausbildung“, zu der zweifelsohne auch virtuelle Lernumgebungen gehören. Und nicht erst die großen Online-Kurse mit den ebenso großen Abbruchquoten zeigen uns, dass Motivation etwas ist, über das es sich nachzudenken lohnt. Einerseits sind uns intrinsisch motivierte Lernende am liebsten. Andererseits wollen wir ja die Teilnehmer nicht abschreiben, die es aus anderen Motiven in einen Kurs verschlagen hat.

Im Corporate Learning 2025 MOOCathon stand letztes Jahr eine Kurswoche unter dem Titel: „Wie entstehen aus heutigen Kursteilnehmern die selbstorganisiert Lernenden von morgen?“ Ein Wochentag war der Motivation gewidmet. Und alles drehte sich um die Frage, was hier Corporate Learning eigentlich tun kann, ohne wieder in alte Muster zu verfallen, also Lernende immer wieder zu motivieren. Die Forumsdiskussionen in dieser Woche waren übrigens die intensivsten im ganzen MOOC! Wir hatten in diesem Zusammenhang auch ein paar Themen angestoßen, die es sich zu verfolgen lohnt (wenn man viel Zeit hat …). Zum Beispiel die Figur des Autodidakten, dessen intrinsische Motivation ja niemand in Frage stellt. Oder die Ermöglichungsdidaktik, die ja auch auf den eigenständigen und selbstgesteuerten Lernenden setzt.

Beim Stichwort E-Learning hat man sich lange darauf konzentriert, die Inhalte „motivierend“ zu gestalten. Interaktiv war und ist ein Zauberwort, Storytelling ein anderes, kurze Erklärfilme ein Format, das die Nutzer für nächste Schritte und Taten animieren soll. Motivationsdesign also. Inzwischen gehört die Selbstbestimmungstheorie von Edward L. Deci und Richard M. Ryan zum Handwerkszeug, wenn es um Motivation geht. Auch ich werde in Berlin also aufzeigen, wie man sich mit ihrer Hilfe von der Fixierung auf Lerninhalte und ihre Gestaltung lösen kann. Und von dem Gegensatzpaar von extrinsischer und intrinsischer Motivation.

Um dann werde ich sicher auch bei der Herausforderung landen, die Gabi Reinmann vor einiger Zeit sehr schön beschrieben hat: „Es gehört zu den Antinomien der Pädagogik und Didaktik, dass man Selbstbestimmung zum Ziel hat, aber auf dem Weg dahin allein mit Selbstbestimmung nicht auskommt.“

Monitor Digitale Bildung. Die Weiterbildung im digitalen Zeitalter

Letzte Woche der „Trendmonitor Weiterbildung“, diese Woche der „Monitor Digitale Bildung“. Die Studien geben sich gerade die Klinke in die Hand. Sei’s drum, die vorliegende Arbeit bildet die vierte und letzte Ausgabe des Monitors Digitale Bildung. Nach Ausbildung, Hochschulen und Schulen war jetzt die Weiterbildung an der Reihe. Herausgegeben wurde die Studie von der Bertelsmann Stiftung, durchgeführt vom mmb Institut. Ihre Grundlage bildet eine repräsentative 360°-Befragung, bei der Lernende, Lehrende und Entscheider zu Wort kamen.

Keine Studie ohne „Kernergebnisse“. Mit Blick auf die einzelnen Perspektiven und Kapitel halten die Autor*innen fest:

„1. Lernende: Digitale Weiterbildung geschieht vor allem informell und online zu Hause.“
„2. Angebote und Methoden: Google & Co. laufen traditionellen Anbietern den Rang ab.“
„3. Teilhabe: Sozial Benachteiligte profitieren bisher nicht von digitaler Weiterbildung.“
„4. Lehrende: Dozenten setzen digitale Lernmedien häufig ein, lassen aber noch viel didaktisches Potenzial ungenutzt.“
„5.  Weiterbildungsmarkt: Private Weiterbildungsanbieter sind öffentlich geförderten Anbietern beim digitalen Lernen oft voraus.“

Weitere Ergebnisse, Anmerkungen und interessante Details finden sich in den einzelnen Kapiteln. Zum Beispiel zur Frage, wie man es sich heute erklären kann, dass immerhin 54 Prozent der Befragten angeben, sich nicht entsinnen zu können, in den vergangenen zwölf Monaten „digital“ gelernt zu haben. Und zwar im weitesten Sinne, inklusive YouTube. Dann die Feststellung, dass nur 1 Prozent der Befragten kostenlose Online-Kurse (MOOCs) genutzt haben (okay, das ist jetzt vielleicht nicht so überraschend). Oder der Punkt, dass sich Lernende zwar an die Zugangswege zu Lernangeboten erinnern, zum Beispiel YouTube, nicht aber daran, von wem eigentlich ein Erklärvideo stammt. Offene Lernmaterialien (OER), das zeigen die Ergebnisse, spielen für Lehrende in der Weiterbildung eine, vorsichtig ausgedrückt, untergeordnete Rolle.

Ulrich Schmid (mmb Institut) hat inzwischen bereits eine kurze Lesehilfe zum Monitor veröffentlicht („Digital First in der Weiterbildung?“). Und über die mit dem Titelbild verbundene Botschaft denke ich noch nach …
Ulrich Schmid, Lutz Goertz und Julia Behrens, Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Februar 2018

Von der Bücherei zum Ideen-Tempel

Der lesenswerte Artikel bringt zusammen: einen neuen Typ von Bibliotheken als Orte der öffentlichen Kommunikation; das vitale Bedürfnis nach persönlichen Kontakten gerade in einer Welt, in der immer mehr Alltag online organisiert wird; und die Idee der „Dritten Orte“ (der Autor nennt sie mit einem kleinen Gedankensprung „Vierte Orte“), an denen Menschen sich ungezwungen treffen und austauschen können.

„In London werden die Stadtteilbibliotheken seit 2002 nach und nach durch „Idea Stores“ abgelöst, die dreimal so viele Nutzer anlocken. Die „Ideen-Läden“ sind Büchereien mit zusätzlichen Funktionen wie IT-Lernnetzwerken, Hausaufgabenbetreuung, Fernstudium, Erwachsenenbildung und Gastronomie. Vom Erscheinungsbild her dem Kaufhaus angeglichen und eingebunden in Szeneviertel und Einkaufszonen wird die Bibliothek zum Alltagskulturträger.“

Falk Jaeger, Der Tagesspiegel, 30. Januar 2018

Bildquelle: ceridwen (Wikimedia, CC BY-SA 2.0)

„Die Zukunft des Lernens ist Miteinander“ – Interview mit Deborah Schnabel von Creative Learning Space

Das Interview ist, kurz gesagt, ein Plädoyer für das Aufbrechen formaler Lernstrukturen. Das hat eine räumliche Komponente, wenn man zum Beispiel an einen typischen Vorlesungsraum denkt. Das betrifft aber vor allem den Willen und den Wunsch der Beteiligten, etwas anders zu machen, Lernräume gemeinsam und den eigenen Anforderungen und Interessen folgend zu gestalten. Natürlich fällt im Interview das Stichwort „Makerspaces“. Und selbstredend gilt das Aufbrechen formaler Strukturen auch für den virtuellen Raum. Etwas ernüchternd ist Deborah Schnabels Antwort auf die Frage nach Best Practices: „Ich würde mir tatsächlich wünschen, mehr Best Practice-Beispiele zu kennen und mir da auch Wege wünschen, wie diese sichtbarer gemacht werden können.“
Florian Hanke, Interview mit Deborah Schnabel, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 17. Januar 2018

Bildquelle: Toa Heftiba (Unsplash)

Stadtbibliothek bietet E-Learning an

Mitglieder der Stadtbibliothek in Ulm können auf über 2.000 Online-Kurse zugreifen. Von daheim oder in den Räumen der Bibliothek. Wer einen gültigen Bibliotheksausweis besitzt, kann das Angebot ohne weitere Kosten nutzen. Es umfasst Kurse von Anbietern wie Lecturio, Lynda.com , „Ich will Deutsch lernen“ und Rosetta Stone. Wenn ich es richtig verstehe, gab es 2016 bereits 100.000 Buchungen. Das sind die guten Nachrichten (siehe auch den Kommentar von Christine Liebhardt). Und man trifft auf sie immer häufiger („E-Learning – ein neues Angebot der Stadtbücherei“).

Die Kehrseite: Natürlich kosten diese Angebote. Die Anbieter schalten ihre Kurse nicht umsonst frei. In Ulm ist die Rede von Sondermitteln im Rahmen einer Online-Offensive und von einem Förderprogramm des Deutschen Bibliotheksverbands. Diese Mittel laufen irgendwann aus. Und dann?
swp.de, 17. Januar 2018

Frontalunterricht oder agile Entwicklungswerte?

Werner Sauter nimmt eine aktuelle Schlagzeile zum Anlass, um über Agilität zu schreiben. Es geht ihm um Merkmale „agilen Lernens“ oder „agiler Entwicklung der Mitarbeiter“. Das liest sich, wenn ich das sagen darf, noch nicht „rund“, und ich meine dabei nicht nur den Begriff des „agilen Lernens“ selbst. Mein Zögern hängt vielmehr damit zusammen, dass in kontinuierlichen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen (lebenslanges Lernen) ja Agilität schon implizit angelegt ist. Zumindest in erfolgreich verlaufenden Veränderungsprozessen. Auch die Merkmale agiler Entwicklung, die Werner Sauter aufzählt, sind die gleichen Merkmale, die gestern noch das kompetenzorientierte Lernen in einer digitalisierten Arbeitswelt beschrieben haben. Das macht sie jedoch nicht weniger wichtig oder weniger richtig!
Werner Sauter, BlendedSolutions’s Blog, 14. Januar 2018

Bildquelle: Feliphe Schiarolli (Unsplash)

Digital-VHS im Dschungel der Diskussionen

Wir sind noch in der Startphase des neuen Jahres. In diese Zeit fallen Rück- und Ausblicke. Joachim Sucker hat unter dem Stichwort „Digital-VHS“ einige der laufenden Aktivitäten und Diskussionen zusammengestellt. Lernkompetenzen, Mitarbeiter-Kompetenzen, vhs-Cloud und neue Lernräume lauten seine Stichworte. Mein Eindruck: Es wird mehr, es geht voran, aber es bleibt viel zu tun. Das Thema hält halt nicht still …

Hier seine Zeilen über neue Lernräume in Zeiten der Digitalisierung:

„Noch etwas im Verborgenen wird über den dritten Ort gesprochen. Im Zuge kommunaler Kulturarbeit rückt die Kooperation zwischen Bibliotheken und Volkshochschulen in den Fokus kommunaler Gremien. An unterschiedlichen Orten werden neue Konzepte ausprobiert, wobei die Bibliotheken z.B. in Köln agile Bildungsarbeit integrieren. Aus VHS-Perspektive wird die Latte in Köln recht hoch gelegt. Dazu folgt auch noch ein Blogpost. Andernorts werden neue Bildungshäuser entstehen (Wolfsburg, Norderstedt), die diesen Gedanken aufnehmen. Ein Blick ins nahe Ausland (Kerkrade, Oslo etc.) kann für Inspiration sorgen und Volkshochschulen wichtige Impulse geben.“

Joachim Sucker, allesauszucker, 17. Januar 2018

Bildquelle: Chris Abney (Unsplash)

wb-web weiter auf Erfolgskurs

Kann man das neue Jahr besser starten als mit einer Empfehlung? Es geht um wb-web, das „Portal für Lehrende der Erwachsenen- und Weiterbildung“, betrieben vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn und nach zwei Jahren schon eine feste Größe in der Bildungscommunity. Die Redaktion nimmt das Jubiläum zum Anlass, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die komenden Ereignisse zu werfen:

„Was erwartet Sie 2018 auf wb-web? Wir haben uns wieder Einiges vorgenommen: Da wären der Relaunch des Forums in Verbindung mit dem Dossier „E-Learning“ im Januar, eine Webinar-Aktion zusammen mit dem Unterstützerkreis anlässlich der didacta, die Entwicklung des Dossiers „Arbeit 4.0″, erste Facebook-Marketing-Kampagnen und aus aktuellem Anlass Inhalte und Aktionen zu den Themen Kulturerbe (Europäisches Kulturerbejahr 2018) und Datenschutz (Datenschutzgrundverordnung 2018).“

Regina Kahle, wb-web, 4. Januar 2018

wb-web weiter auf Erfolgskurs

Kann man das neue Jahr besser starten als mit einer Empfehlung? Es geht um wb-web, das „Portal für Lehrende der Erwachsenen- und Weiterbildung“, betrieben vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn und nach zwei Jahren schon eine feste Größe in der Bildungscommunity. Die Redaktion nimmt das Jubiläum zum Anlass, das letzte Jahr Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die komenden Ereignisse zu werfen:

„Was erwartet Sie 2018 auf wb-web? Wir haben uns wieder Einiges vorgenommen: Da wären der Relaunch des Forums in Verbindung mit dem Dossier „E-Learning“ im Januar, eine Webinar-Aktion zusammen mit dem Unterstützerkreis anlässlich der didacta, die Entwicklung des Dossiers „Arbeit 4.0″, erste Facebook-Marketing-Kampagnen und aus aktuellem Anlass Inhalte und Aktionen zu den Themen Kulturerbe (Europäisches Kulturerbejahr 2018) und Datenschutz (Datenschutzgrundverordnung 2018).“

Regina Kahle, wb-web, 4. Januar 2018

DIE Forum Weiterbildung 2017: Erwachsenenbildung und Öffentlichkeit

Noch auf der Rückfahrt vom diesjährigen DIE Forum bin ich in die Buchhandlung im Frankfurter Hauptbahnhof und habe mir ein dünnes Reclam-Heftchen, Marie-Luisa Fricks „Zivilisiert streiten“, gekauft. Das war nämlich die Leseempfehlung, mit der einige Stunden zuvor ein „Philosophisches Café“ den Tag in Siegburg abschloss. Überhaupt war es ein kurzweiliger Tag, zu dem auch die Keynote von Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung) und vier Arbeitsgruppen beitrugen. In einer davon, der Arbeitsgruppe II, haben wir intensiv das Thema „Digitale Öffentlichkeit und Herausforderungen der Erwachsenenbildung“ diskutiert. Mit mir saßen Tine Nowak (Universität Köln) und Caja Thimm (Universität Bonn) auf dem Podium. Weitere Impressionen vom Tag via Storify.