Öffentliche Bibliothek als Bildungsplattform – OER für Lernteams in der Stadtbibliothek Köln

Die Bibliothek als Lernort, das ist jetzt eigentlich noch keine Nachricht. Aber es geht um Online-Kurse und um Menschen, die sich zum Lernen und zum Austausch über eben diese Kurse in der Bibliothek verabreden. Okay, Stand heute können sie sich nur in der Stadtbibliothek Köln verabreden. Aber das wird hoffentlich nicht lange so bleiben.

„Bei der re:publica 2018 stellten Philipp Schmidt vom MIT Media Lab und Bettina Scheurer von der Stadtbibliothek Köln in der Session „Fanclub Öffentliche Bibliotheken“ gemeinsam die Idee der Learning Circles in Öffentlichen Bibliotheken vor, die auf dem Konzept der von Philipp Schmidt gegründeten P2P-University basiert. Die Stadtbibliothek Köln bietet inzwischen eine Adaption des Konzeptes für „Lernteams“ innerhalb der Bibliothek an. Im Interview mit OERinfo sprechen sie über die Umsetzung von Lernen in „Lernteams“ in der Stadtbibliothek Köln.“
OERinfo – Informationsstelle OER, YouTube, 28. Juli 2018

Bildquelle: re:publica 2018

Nach „Aus“ kommt „Weiter“

„Wir Deutschen rühmen uns für unser System beruflicher Bildung. Wenn wir es retten wollen, müssen wir endlich ernst machen mit dem Schlagwort vom „lebenslangen Lernen“.

Ein kurzer, dringlicher Appell von Jan-Martin Wiarda, gerichtet vor allem an Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Vor Jahren hatte Jay Cross einmal vom „Spending/ Outcomes Paradox“ gesprochen: Die betriebliche Weiterbildung steckt 80 Prozent ihrer Ressourcen in formale Bildung und nur 20 Prozent in die Unterstützung des informellen Lernens, wo aber 80 Prozent aller Lernaktivitäten stattfinden („Informal Learning: Rediscovering the Natural Pathways That Inspire Innovation and Performance“, 2006). Jetzt zitiert Jan-Martin Wiarda den Ökonomen Thomas Straubhaar, der kürzlich auf ein vergleichbares Paradoxon hinwies: „Gut 90 Prozent aller Bildungsausgaben würden in die ersten 25 Lebensjahre gesteckt, bleiben weniger als zehn Prozent für die übrigen sechs Jahrzehnte Lebenserwartung, und das schon inklusive der betrieblichen Weiterbildung.“
Jan-Martin Wiarda, Blog, 30. Juli 2018

Bildquelle: Jan-Martin Wiarda (Blog)

Bildung in Deutschland 2018

Der neue Bericht „Bildung in Deutschland 2018“, erschienen am 22. Juni 2018, wartete noch auf eine Referenz an dieser Stelle. Das Ausharren hat sich gelohnt: Jetzt kann ich gleich auf Markus Deimann verweisen, der den Bericht kommentiert hat. Vorneweg: Es ist der siebte nationale Bildungsbericht, verfasst von einer Reihe renommierter Einrichtungen und Experten. Der Bericht will, auf 377 Seiten, eine empirische Bestandsauf­nahme für das deutsche Bildungswesen vorlegen, von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Ein Schwerpunktkapitel dieser Ausgabe widmet sich dem Thema „Wirkungen und Erträge von Bildung“.

Was ist nun Markus Deimann aufgefallen? Zuerst beobachtet er im Bildungsbericht ein Bildungsverständnis, das zwischen Selbst- und Fremdsteuerung schwankt. Auf der einen Seite geht es darum, durch Teilhabe an Bildungsprozessen das eigene Leben selbständig zu planen und zu gestalten. Und auf der anderen Seite steht der zielgerichtete Aufbau von Kompetenzen, die der Arbeitsmarkt nachfragt.

Dann hat sich Markus Deimann noch die 14 Stellen näher angeschaut, in denen im Bericht von der Digitalisierung die Rede ist und sieht hier „das Pendel mehr in Richtung der Fremdsteuerung“ schlagen. Ein Paradoxienmanagement (!), das dieses Spannungsverhältnis aufnimmt, reflektiert und nach einer Lösung sucht, könnte hier weiterhelfen. Aber an dieser Stelle sind die Hinweise des Autors sehr deutungsoffen. Jedenfalls nimmt er auch die Bildungswissenschaft selbst in die Pflicht, weiter über Bildung im digitalen Zeitalter nachzudenken.
Markus Deimann, MERTON – Onlinemagazin des Stifterverbandes, 24. Juli 2018

Bildquelle: Bildungsbericht

Working out loud, Agiles Lernen und Makerspaces

Das mmb-Institut hat für wb-web 124.242 Zeilen aus Social-Media-Beiträgen des zweiten Halbjahrs 2017 zu Weiterbildungsthemen untersucht, um „Trendbegriffe“ zu ermitteln. Was gefunden wurde:

Working out loud/ Learning out loud, Fehlerkultur, Agiles Lernen/ agile Bildungsinstitution/ Agility/ Agile Mind, Modern Workplace Learning, EdTech, Blockchain, Change/ Change Agent/ Change Management, Cloud, Makerspace, Open Hardware/ Open Source Hardware, Podcasts für die Weiterbildung. Hinweise zum methodischen Vorgehen enthält der Schlussbericht des mmb-Instituts.

Im vorliegenden Artikel gibt uns Lutz Goertz noch kurze Lesehilfen zu den einzelnen Begriffen mit. Sein Resümee: „Arbeiten und Lernen wachsen enger zusammen und sind einem ständigen Wandel unterworfen. Dabei greift die Bildungswelt auch internationale Trends und Workflows auf. Wichtig ist ferner das gemeinsame „Machen“, das Erarbeiten von Themen und Dingen mit einem bleibenden stofflichen Ergebnis.“
Lutz Goertz, wb-web, 13. Juli 2018

4 Ways to Create a Learning Culture on Your Team

Lernkultur, was ist das eigentlich? Die Autoren dieses Harvard Business Review-Artikels geben uns eine Lesehilfe an die Hand: „… a culture that supports an open mindset, an independent quest for knowledge, and shared learning directed toward the mission and goals of the organization“. Eine solche Lernkultur steht und fällt natürlich mit den Führungskräften, und an diese richten sich auch die vier Empfehlungen: „Reward continuous learning“, „Give meaningful and constructive feedback“, „Lead by example“ und „Hire curious people“. Einfach gesagt, schwer umgesetzt.
Tomas Chamorro-Premuzic und Josh Bersin, Harvard Business Review, 12. Juli 2018

Bildquelle: Val Vesa (Unsplash)

Bildung im digitalen Wandel

Bei der Beschäftigung mit dem digitalen Wandel, so Sandra Hofhues (Universität zu Köln), sollte es nicht nur darum gehen, neue digitale Medien und Technologien im Lehren und Lernen einzusetzen. Das wäre nur „Toolisierung“. Idealerweise machen Bildungsinstitutionen deshalb auch das Medienhandeln im Alltag zum Thema, schauen, wie sich Kommunikationsprozesse weiterentwickeln, und wie die Digitalisierung einzelne Lebensbereiche durchdringt und verändert. Das wäre der Schritt von „digitaler Bildung“ zur „Bildung in der digitalen Welt“.

„Zudem bremst die weit verbreitete Unterscheidung in digital und analog mehr als vielfach bedacht. Digitale Medien sind längst keine Modeerscheinung jenseits der bekannten, „analogen“ Welt mehr. Weil sie allgegenwärtig sind, sollte man über Werkzeuge und Infrastrukturen hinaus über die Bildung in einer digitalen Gesellschaft beraten.“
Sandra Hofhues, Goethe-Institut e. V., Redaktion Magazin Sprache, Mai 2018

Agilität durch Design Thinking – auch für Bildungsverantwortliche

Natürlich ist Design Thinking auch in der Personalentwicklung und Weiterbildung längst angekommen. Doch Erfahrungsberichte darüber, wie man sich an einem Tag mit der Methode auseinandersetzt, sind selten. Diese Lücke schließt der Artikel. Nach einer kurzen Einführung wird beschrieben, wie sich die Teilnehmenden mit den einzelnen Prozessschritten – von der Problemdefinition bis zum Prototyping – auseinandergesetzt haben. Ausgangspunkt war die Frage: „Wie können wir lebenslanges Lernen am Arbeitsplatz nachhaltig unterstützen?“ Am Ende des Tages gab es zwei Prototypen: eine App, die verschiedene Weiterbildungskurse in der Umgebung anzeigte, und eine Smartwatch, die immer wieder Lernimpulse setzte. Wie die Teilnehmenden dorthin kamen, hält der Artikel fest. Spannend.
Pascal Frank, scil-Blog, 18. Mai 2018

Bildquelle: Christine Prefontaine  (Flickr, CC BY-SA 2.0)

What do Generation Z and millennials expect from technology in education?

Pearson, der Bildungskonzern, hat 2.558 Menschen in den USA zwischen 14 und 40 Jahren nach ihren „attitudes, preferences, and behaviors around technology in education“ gefragt. Dabei waren sie besonders an Unterschieden zwischen Nutzern der Generation Z (14 – 23 Jahre) und den Millennials (24 – 40 Jahre) interessiert. Wie es zu erwarten war, sind die Unterschiede nicht groß. Beide Generationen stehen dem Einsatz von Medien- und Netztechnologien im Bildungsbereich positiv gegenüber. Zwei Punkte schaffen es aber dann doch in die Zwischenüberschriften: „YouTube’s importance to Gen Z cannot be overstated“. Denn: „55 of Gen Z say YouTube has contributed to their education, learning, and/ or personal development in the past 12 months“ (Millennials: 40 Prozent). Und, der zweite Punkt: „Gen Z is the „App Generation“ – even in education“. Womit das auch geklärt wäre.
Pearson, 24. Mai 2018

Bildquelle: Hello I’m Nik (Unsplash)

Lernteams – Eine neue Lernmethode in der Stadtbibliothek

Ich habe ja an dieser Stelle schon ein- oder zweimal auf Stadtbibliotheken verlinkt, die ihren Mitgliedern Zugang zu Online-Kursen anbieten. Die Stadtbibliothek Köln geht jetzt noch einen Schritt weiter: Wer online lernt, kann sich in moderierten Lernteams wöchentlich mit anderen darüber austauschen. Aufhänger können Kurse auf Lynda.com sein, aber auch jeder beliebige MOOC. Mir gefällt die Idee, weil sie online und Präsenz nicht als Gegensätze oder konkurrierende Angebote sieht, sondern beides zu verbinden versucht. Gerade die Infrastruktur vor Ort und ihr Platz in der lokalen Community zeichnet ja Bibliotheken (aber auch Volkshochschulen!) aus. Indem sie aktiv aufnehmen, dass sich ihre Mitglieder heute selbstverständlich in virtuellen Netzen bewegen und dort auch lernen, kommen sie der Idee von Bildung in einer digitalen Welt ein Stück näher.

By the way, die Stadtbibliothek Köln lädt nicht nur zu Lernteams ein. Es gibt eine Digitale Werkstatt, Makerspace Workshops, Maker Kids, Virtuelle Realität, Nao-Roboter, 3-D-Druck und -Scan, Gaming und und und ….

„Man lernt nie aus und am besten lernt man gemeinsam! Unsere Lernteams verbinden die Vorteile des zeitlich flexiblen E-Learnings mit dem Erlebnis, mit anderen zusammen Neues zu entdecken.

Sechs Wochen lang lernen Sie zu Hause zu einem bestimmten, vorher angekündigten Thema an Hand von Online-Kursen von Lynda.com/Video2brain oder MOOCs (Massive Open Online Courses). Die Videotrainings können alle Bibliotheksmitglieder kostenlos über die E-Ausleihe nutzen oder sie sind frei im Netz verfügbar.

Unterstützend bieten wir eine kleine Lerngruppe von maximal 10 Personen an, die sich wöchentlich in der Bibliothek trifft. Während der Teamtreffen können Sie sich über Ihre Erfahrungen austauschen und weiter lernen. Die Gruppentreffen werden moderiert. Pro Kurs ist eine Reihe von sechs Treffen vorgesehen, danach beginnt wieder ein neues Lernteam zu einem neuen Thema.“

Stadtbibliothek Köln

Bildquelle: Raimond Spekking (Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Schulzeugnisse ade?!

Über den „Zertifikats- und Abschluss-Wahnsinn“ schimpft Anja C. Wagner im akuellen Newsletter. Aber eigentlich ist es auch ein Blick auf unterschiedliche Systeme, Welten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, und die daran anschließende Frage, ob Industrie 4.0, ob Automatisierung und Künstliche Intelligenz, darauf Rücksicht nehmen werden.

„Mein Fazit, je länger ich über dieses Thema nachdenke:
– Bei den Grossunternehmen spielen Abschlüsse, Zertifikate und CV kaum mehr eine Rolle – dort arbeitet man an smarten Lösungen, um geeignete Fachkräfte zu finden.
– Die KMU wissen es nicht besser. Deren HR-Abteilungen filtern womöglich noch manuell entlang dieser Indikatoren. Allerdings nicht sklavisch. Hier kann man mit beruflicher Erfahrung in seinem CV sicherlich viel wettmachen. Und hier werden die privaten Plattformen der Tech-Giganten ihr Geschäftsmodell suchen und bessere Matchings empfehlen.
– Die einzigen, die weiterhin primär entlang der formalen Abschlüsse einstellen, ist der öffentliche Dienst. Es ist also ein geschlossener Kreis, eine Filterblase sozusagen.“

FrolleinFlow / FLOWCAMPUS, The NeWoS, Mai 2018