A Domain of One’s Own

International, zum Beispiel an der University of Mary Washington, ist es schon länger ein Thema: „A Domain of One’s Own“. Also höchste Zeit, es auch hierzulande einmal auszuloten. So geschehen vor einigen Tagen auf dem ersten Netzwerktreffen für die Hochschullehre, organisiert vom Hochschulforum Digitalisierung. Ein Protokoll des Workshops zum Thema liegt hier vor. Doch was verbirgt sich hinter dem Stichwort „A Domain of One’s Own“?

„Eine Studentin oder ein Student erhält von der Hochschule zu Beginn des Studiums eigenen Webspace inklusive einer eigenen Domain, die sie ab diesem Moment für Lehr- und Lernzwecke, aber auch darüber hinaus als eigene Webpräsenz nutzen kann und darf. Die Nutzung der Domain wird daher idealerweise in Lehre und Lernen an der Hochschule integriert.“

Wenn man es genau nimmt, dann bilden die Projekte und Ideen rund um „A Domain of One’s Own“ das Gegenstück zur Debatte um Edtech & die Personalisierung des Lernens. Vielleicht geht es noch nicht einmal um die Verknüpfung mit der Hochschullehre, sondern um die Frage, wie wir uns in Zukunft souverän und selbstorganisiert im und mit dem Netz bewegen, jenseits von Facebook und Google. Stichworte wie „digital literacy“ und „eportfolio“ fallen fast zwangsläufig im Artikel. Und die Hochschulen bilden biografisch nicht den schlechtesten Startpunkt.

In Berlin haben es die Teilnehmenden im knappen Zeitfenster eines Workshops immerhin geschafft, die Aspekte „Governance, policy and administration“, „Technology, infrastructure, and production“ sowie „Pedagogy, learning and collaboration“ zu diskutieren. Jetzt darf man gespannt sein, ob eine Hochschule den Ball aufnimmt.
Jane Brückner, Markus Deimann und Christian Friedrich, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 4. Oktober 2017

 

It’s official – higher education students want staff to be better with digital, not to use more of it

Diese Studie („Student digital experience tracker 2017“, 40 S., pdf), an der 22.000 Studierende in UK teilgenommen haben, enthält viele Informationen über die Nutzung und die Erwartungen, was den Einsatz digitaler Systeme und Tools im Studium betrifft. Der Titel der Meldung bildet dabei nur einen Teilaspekt. Kapitelüberschriften lauten u.a.: „Access to basic services and digital devices“, „Course-related digital activities“ und „Institutional-level digital provision and support“. Was nach einer ersten Durchsicht, so Stephen Downes, auffällt: Viele Fragen kreisen um die Einbindung digitaler Systeme und Endgeräte und den Online-Zugriff auf Informationen. Themen wie „‚learn‘, ‚experience new things‘, or ‚go beyond the curriculum'“ mit Hilfe neuer Netztechnologien rücken da schnell in den Hintergrund.
Joint Information Systems Committee (Jisc), News, 11. September 2017

Kompetenzen für die Arbeitswelt von heute und morgen: 21st Century Skills and beyond

Vielleicht muten sich die Autoren doch auf knappem Raum etwas zu viel zu: Zuerst die Kompetenzen beschreiben, die in der Arbeitswelt von morgen gefordert werden; und dann noch die Wege skizzieren, auf denen diese Kompetenzen erworben werden können. Was den ersten Punkt betrifft, so wählen sie das (?) „21st Century Skills Modell“, um einige der Kompetenzen aufzuzeigen, mit denen wir uns zukünftig wappnen müssen. Was den zweiten Punkt betrifft, so ist es vielleicht doch etwas zu einfach, kurz auf problem- und erfahrungsbasiertes Lernen und einige aktuelle Ansätze wie den Inverted Classroom hinzuweisen. Aber sie sind hier natürlich nicht die Einzigen, die an dieser Stelle noch mehr Fragezeichen als Antworten haben. Einigkeit herrscht aber dahingehend, dass die bestehenden Lernkonzepte und -wege nicht zum Ziel führen.
Deborah Schnabel und Andre Hartmann, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 6. September 2017

Bildquelle: Charles Fadel, CC BY 3.0

Welche „Digitalen“ Kompetenzen benötigen wir in Zukunft? Ein Fallbeispiel mit generischem Wert

Das Fallbeispiel stammt aus der Schweizerischen Post. Joël Krapf ist Mitarbeiter, schreibt gerade an seiner Dissertation zum Thema und lässt uns über die Schulter auf das „laufende Verfahren“ schauen. Der Reihe nach: Über die Bedeutung digitaler Kompetenzen war man sich auch bei der Schweizerischen Post schnell einig. Um dann bei der Frage zu landen, was eigentlich unter „digitalen Kompetenzen“ zu verstehen ist.

Also hat man sich im ersten Schritt die vielen vorhandenen Modelle angeschaut und ist zu einer Unterscheidung gekommen: zwischen allgemeinen Kompetenzen, um in einer digitalen Welt erfolgreich bestehen zu können, und spezifischen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Tools. Im zweiten Schritt hat man 3.000 Kolleg*innen der Post gefragt, ob es sich auch aus ihrer Sicht um die „richtigen“ und „wichtigen“ Kompetenzen handelt. Die Richtung, so das Feedback der Befragten, stimmte. Also sind die Projektleiter im nächsten Schritt hingegangen und haben das Modell inhaltlich und grafisch angepasst (siehe unten).

Daepp, U. (2017): SkillChange Digitale Transformation. Welche (neuen) Kompetenzen benötigen die Mitarbeitenden der Schweizerischen Post im Zuge der Digitalen Transformation. unveröffentlichte Bachelorarbeit: Universität St.Gallen.

Wer jetzt vielleicht neugierig fragt, welche Kompetenzen denn wie und wann entwickelt werden, muss noch etwas Geduld mitbringen (und den Blog abonnieren). Gerade für die Entwicklung der Schlüsselkompetenzen ist das sicher eine spannende Frage (via Sabine Seufert).
Joël Krapf, Blog, 24. Juni 2017

Digital Literacy in Higher Education, Part II

2016 hat das New Media Consortium (NMC), das auch den jährlichen Horizon Report herausbringt, mit der Unterstützung von Adobe erste Grundlagen zum Thema „Digital Literacy“ aufgelegt. Zum Beispiel mit der Beschreibung von „three models of digital literacy“: „universal literacy“, „creative literacy“, „literacy across disciplines“. Der vorliegende Part II setzt die angefangene Arbeit fort.

So werden 11 verschiedene Digital Literacy-Modelle vorgestellt (und auch grafisch sehr schön zusammengefasst!). Die unterschiedlichen Schwerpunkte einzelner Konzepte werden beleuchtet. Dann blicken die Autoren in einzelne Bereiche wie „Humanities“, „Business“ und „Computer Science“, verlinken Materialien aus diesen Bereichen und stellen einzelne Digital Learning-Initiativen vor. Statements verschiedener Experten runden die Studie ab.

Abschließend: Die Autoren haben einen klaren Ausgangspunkt, „… the idea that digital literacy is about learners as creative producers“ (S.11) Sie weisen aber abschließend darauf hin, dass die Diskussion um Digital Literacy nie abgeschlossen sein wird. Denn wer weiß heute, ob nicht Augmented und Virtual Reality, Blockchain und Artificial Intelligence, aber auch die politischen Diskussionen um „fake news“, ganz neue Fragen und Antworten aufwerfen.
Alexander, B., Adams Becker, S., Cummins, M., and Hall Giesinger, C., Part II: An NMC Horizon Project Strategic Brief. Volume 3.4, August 2017 (pdf)

Can digital literacy be deconstructed into learnable units?

Eigentlich sind es vier Fragen, die Doug Belshaw beantwortet. Darin hält er fest, dass das, was wir “digitally literate” nennen, immer kontextabhängig und dynamisch ist, also kein Zustand, den man einmal erreicht hat und über den ein erfolgreich bestandener Test informiert. Auf die letzte Frage nach Quellen zum Thema, die er empfehlen kann, antwortet er: “There’s no substitute for keeping up-to-date by following people who are making sense of the latest developments.” Und zählt anschließend einige Experten und ihrer Twitter-Accounts auf …

“The three things I stress time and time again in my keynotes, writing, and workshops on this subject are:
1. Digital literacies are plural
2. Digital literacies are context-dependent
3. Digital literacies are socially-negotiated”

Doug Belshaw, Literacies, 21. April 2017

Digital Literacy. An NMC Horizon Project Strategic Brief

New Media Consortium (NMC) und Adobe haben das Thema “digital literacy” vermessen, eher pragmatisch und auf der Grundlage einer eigenen Umfrage sowie anderer Hausprojekte (u.a. dem Horizon Report) als systematisch. Interessant ist, dass sie dabei Konzepte der Medien- und Informationskompetenz bewusst hinter sich lassen (was Publikationen hierzulande immer noch schwer fällt); und dass sie die aktive, kreative Seite von “digital literacies” in den Vordergrund rücken: “A key finding from both NMC’s research and NMC Horizon Report series is the growing recognition that students are makers within the digital world.” (S. 6) “… makerspaces as a pathway to digital literacy” (S. 14)

Ansonsten fasst der Report die Rückmeldungen und Beobachtungen in drei Perspektiven zusammen (”universal literacy, creative literacy, and literacy across disciplines”), verlinkt Best Practices und schließt mit vier Empfehlungen. Und er erinnert Leser (Hochschulleitungen …) an die Notwendigkeit eines strategischen Ansatzes, denn mit Big Data, Artificial Intelligence und Machine Learning klopfen schon die nächsten Entwicklungen an die Tür.
Alexander, B., Adams Becker, S. und Cummins, M., New Media Consortium (NMC), Volume 3.3, Oktober 2016 (pdf)

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Digitales Leben ¦ Lernen ¦ Leisten – Rückblick auf den scil Trend- & Community Day 2016

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, am scil Trend- & Community Day in St. Gallen teilzunehmen (nochmals besten Dank an das scil-Team!). Jetzt hat Christoph Meier, scil-Geschäftsführer, sehr schön und ausführlich den Tag, die Referenten und ihre Themen beschrieben, so dass ich kaum noch etwas hinzufügen kann. Das Umfeld der Kunstgiesserei Sitterwerk bot jedenfalls einen interessanten Kontrast zu den Themen der scil-Community. Das Ordnungsprinzip der dortigen Kunstbibliothek mit RFID-Chips und Scan-Vorrichtung war richtig zum Staunen! Der thematische Bogen des Tages spannte sich mit vielen Beispielen und Impulsen von den “großen” Fragen der Kompetenzentwicklung im Zeichen der Digitalisierung bis zu konkreten Projekten zur Entwicklung von “digital literacy”. Aber dazu mehr bei Christoph Meier …
Christoph Meier, scil-Blog, 20. September 2016

Medienkompetenz: Viel mehr als Technikwissen

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes “Medien anwenden und produzieren - Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung”, durchgeführt vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), liegt vor. Folgt man der Pressemitteilung, so bildete ein wichtiges Ergebnis dieses Projekts die (Neu-)Auslegung des Begriffs Medienkompetenz. Ihm ordnen die Autoren folgende Dimensionen zu:

- Medien zielgerichtet nutzen …
- Selbstständig lernen …
- Rechtliche, ethische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Mediennutzung berücksichtigen …
- Medien zum Austausch mit anderen und zur Zusammenarbeit nutzen …
- Sprache zielgerichtet nutzen …
- Innovationen aufgreifen und vorantreiben …

Natürlich kann man über den Begriff Medienkompetenz im Zeichen der Digitalisierung lange diskutieren. Hier lag der Fokus eher pragmatisch auf der Frage, wie man eine wichtige Querschnittskompetenz in bestehende Ausbildungsverordnungen integrieren kann.
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Pressemitteilung, 23. März 2016

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Mapping Digital Skills in HE

A few weeks ago this image/infographic was doing the rounds and being tweeted in my network (thank you Catherine Cronin!) – mapping digital skills in Irish Higher Education.

Bringing together themes of ‘tools and technology, ‘create and innovate’, ‘communicate and collaborate, this is a wonderful resource that can help map and highlight how skills cross sectors and areas of knowledge and capabilities. Examples include the humble (?) VLE … crossing ‘tools and technology’, ‘teach and learn’, and ‘communicate and collaborate’. 

Technology is now part of everyday life for all of us, whether as a student, teacher, administrator, technical specialist, or even just as an ordinary citizen.  The pace in which new technologies emerge from initial concept to widespread adoption is also much faster than ever before, new words being added to the dictionary each year and new websites and apps to get our heads around for anything from paying tax to ordering pizza; from watching the latest movies to speaking with distant relatives; or for learning a new skill and collaborating with others.

As part of the National Digital Skills Framework AllAboard are building, this is intended to be a flexible ‘organic’ (I don’t like phrase) document able to adapt as the learning technology environment changes.

What do you think – do they have everything here? Are the right kind of links and relationships represented?

Mapping Digital Skills in HE[click to enlarge]

Banner image: clement127 (CC BY-NC-ND 2.0)