Warum Bildung in der digitalen Welt offen, digital und partizipativ sein muss

Markus Deimann hat sich mit einer Keynote am Tag der Lehre an der DHBW Karlsruhe beteiligt. Das große Thema „offene Bildung“ hat er in seinem Vortrag auf drei Etappen heruntergebrochen: vom Startpunkt (MIT’s OpenCourseWare 2001) geht es über den MOOC-Hype (2011ff.) zum „#Neu_Start: Bildung in der digitalen Welt“. Ein kleines Readme sowie die Medien zum Vortrag stehen online.
Markus Deimann, markusmind.thoughts about education and technology, 29. März 2019

Bildquelle: MIT OpenCourseWare, https://ocw.mit.edu/about

Offene Bildungsressourcen und Open Education. Openness als Bewegung oder als Gefüge von Initiativen?

Es gibt eine neue Ausgabe der „MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung“, die sich ganz dem Thema „Open Educational Resources“ widmet. Herausgeber ist Markus Deimann. Ich habe den ersten Beitrag der Ausgabe von Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen) gelesen und kann ihn nur empfehlen. Er bietet uns eine interessante, differenzierte Lesart von „open“ an, nach der nicht alles, was mit dem Etikett daherkommt, einfach abgenickt werden kann. Schon die Diskussion um Massive Open Online Courses (MOOCs) hat uns ja gezeigt, dass offene Kursangebote nicht automatisch zu einer Öffnung von Bildung führen. Öffnung und Schließung von Wissen, so Michael Kerres, bedingen sich wechselseitig: „Ihr Zusammenspiel kann als elementarer Mechanismus gesellschaftlicher Entwicklung betrachtet werden, der regelmässig einer gesellschaftlichen Aushandlung bedarf.“

Michael Kerres, in: MedienPädagogik, 2019, Nr. 34 (Februar), S. 1–18

Weitere Artikel der Ausgabe: Franziska Bellinger, Kerstin Mayrberger: Systematic Literature Review zu Open Educational Practices (OEP) in der Hochschule im europäischen Forschungskontext; Annekatrin Bock, Maren Tribukait: Kultur des Teilens. Ein kritischer Blick auf ein zentrales Konzept der OER-Bewegung.

Bildquelle: Jan Tinneberg (Unsplash)

Für freie Lehrmaterialien – Markus Deimann im Interview

Markus Deimann, Bildungswissenschaftler an der FernUniversität Hagen, steht hier Rede und Antwort. Von der Frage, was Open Educational Resources (OER) eigentlich sind, bis zur konkreten Nutzung durch Lehrende. Auch die Förderung von OER in Deutschland ist ein Thema und die Frage, ob und wie sich hierzulande OER durchsetzen kann.

Die Schwierigkeiten von OER, und auch die gibt es, beginnen für Markus Deimann beim Begriff: „Open Educational Ressources klingt sperrig und technisch. Da gibt es einen Mismatch zwischen dem unhandlichen Begriff und der eigentlich guten Idee. OER sind Teil einer Kultur des Teilens. Da sind viele dafür, aber mit dem Begriff kann man nichts anfangen.“
Robert Meyer, Interview mit Markus Deimann, Netzpiloten Magazin, 6. März 2019

Open Educational Resources – eine Notwendigkeit für die digital gestützte Hochschullehre

Ja, warum sind freie Bildungsressourcen für die
Hochschule von morgen eine Notwendigkeit? Da ist vor allem, so die AutorInnen, die „Urheberrechtsproblematik“. Und, damit zusammenhängend, viele weitere Möglichkeiten des Austauschs, der Anpassung, überhaupt der kreativen, didaktischen Nutzung von Bildungsmaterialien, denen heute Grenzen gesetzt sind. Ein kurzer einführender Text mit einer nützlichen Liste „Beispiele zu OER“.
Martin Ebner und Sandra Schön, in: Marlene Miglbauer, Lene Kieberl & Stefan Schmid (Hrsg.): Hochschule digital.innovativ | #digiPH. Tagungsband zur 1. Online-Tagung, Graz 2018 (via Academia.edu) 

Bildquelle: Verein Forum neue Medien in der Lehre Austria

7 Things You Should Know About Open Education: Practices

Ich habe diese EDUCAUSE-Serie etwas aus den Augen verloren, aber es gibt sie noch. Hier wird im bewährten Format auf zwei Seiten erklärt, was hinter „open educational practices“ (OEP) steckt. Wichtige Stichworte sind: „a commitment to learner-driven education“ und „new approaches to co-creating knowledge“. Aber es gibt natürlich auch eine Definition:

OEP, das bedeutet „the use/reuse/creation of OER and collaborative, pedagogical practices employing social and participatory technologies for interaction, peer-learning, knowledge creation and sharing, and empowerment of learners”.

Im gleichen Format ist übrigens auch „7 Things You Should Know About Open Education: Content“ erschienen (via Feierabendbier).
Cable Green u.a., EDUCAUSE Learning Initiative (ELI), 12. Juli 2018

Das Hamburger Projekt „Digitale Unterrichtsbausteine“ – Martin Brause im Interview

Ein Blick über den Tellerrand von Corporate Learning: In Hamburg will man den Einsatz digitaler Medien im Unterricht ausbauen und bündelt deshalb Ressourcen und Kompetenzen in einem gemeinsamen Projekt. Im Interview berichtet Martin Brause, Chief Digital Officer der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (BSB), von den Zielen, den Strukturen und den organisatorischen Prozessen des Projekts. Herauskommen sollen am Ende des Tages Open Educational Resources (OER), wobei um die genaue lizenzrechtliche Ausgestaltung der Unterrichtsbausteine wohl noch gerungen wird. Leider sind „benachbarte“ Punkte wie die Ausstattung der Schulen, Kompetenzen und Motivation der Lehrenden, etc. nicht Thema dieses Interviews.
Jöran Muuß-Merholz, Interview mit Martin Brause, OERinfo, 18. April 2018

Open Pedagogy Notebook

„This website is designed to serve as a resource for educators interested in learning more about Open Pedagogy“, heißt es einladend. Grundlage von Open Pedagogy (Notebook) sind die Prinzipien von Open Educational Resources (OER), die 5R’s und Offene Lizenzen, aber dann geht es um praktische Anwendungsfälle und Austausch. Die Seite scheint noch relativ neu zu sein. Der Grundsatzartikel „What is Open Pedagogy?“ ist empfehlenswert. Er spannt einen weiten Bogen, nicht nur zu OER, sondern zu „learner-centered approaches to education“, zu „constructivist pedagogy, connected learning, and critical digital pedagogy“.

Am Ende zählen die Initiatoren, Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, einige Beispiele für Open Educational Practices auf:

„- Adapt or remix OERs with your students. …
– Build OERs with your students.
– Teach your students how to edit Wikipedia articles. …
– Facilitate student-created and student-controlled learning environments. …
– Encourage students to apply their expertise to serve their community.
– Engage students in public chats with authors or experts.
– Build course policies, outcomes, assignments, rubrics, and schedules of work collaboratively with students.
– Let students curate course content. …
– Ask critical questions about “open.” …“

Ich werde Open Pedagogy Notebook mal auf dem Radar behalten.
Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, April 2018

Openness als Gegenstand von Bildungstheorie und Medienpädagogik

Markus Deimann (Fachhochschule Lübeck) hat den Vortrag, den er gerade auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) an der Universität Duisburg-Essen gehalten hat, schon im Netz geteilt. Der Titel lässt erahnen, dass es hier um grundsätzliche Fragen geht, denen ich mit einem kurzen Verweis nicht gerecht werden kann. Markus Deimann will jedenfalls Brücken schlagen: zwischen Hochschulen, digitaler Bildung und Openness. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn der Autor zugibt, dass die Diskussion noch ganz am Anfang steht.

„Der Beitrag beleuchtet die an das Hochschulsystem herantretenden Öffnungsbewegungen wie Open Access, Open Educational Resources und Massive Open Online Courses aus bildungstheoretischer Sicht und diskutiert die medienpädagogischen Implikationen. Als ein System mit einer überaus langen Traditionslinie, verstanden es Hochschulen sehr gut, sich zu etablieren und einen eigenen Code – Wahrheit, mit den Ausprägungen wahr/unwahr – herauszubilden. Diese kulturelle Errungenschaft scheint nun durch die digitale Transformation ins Wanken zu geraten. Somit stellt sich die Frage, wie Hochschulen darauf reagieren können? Als Orientierungsperspektive bietet sich ein neuer Code (Offenheit) an, der durch die oben genannten Öffnungsbewegungen emergiert.“

Markus Deimann, Google Docs, 19. März 2018

Auf ein Wort: OER haben enormes Potenzial für das lebenslange Lernen

In Deutschland ist in Sachen Open Educational Resources (OER) viel passiert in den letzten Jahren. Das betonen Ingo Blees (Koordinator der Informationsstelle OER), Verena Metze-Mangold (Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission) und Jöran Muuß-Merholz (OER-Experte der Bildungsagentur Jöran & Konsorten) in diesem Interview. Aber es geht noch mehr. Eine Schwierigkeit beim Sprechen über OER wird in den Statements auch wieder deutlich: Mal adressiert man Lernende, die Zugang zu Bildung benötigen, mal Lehrende, die Zugang zu Bildungsmaterialien benötigen, ohne sich um Urheberrechte sorgen zu müssen. Und nur im zweiten Fall geht es ausschließlich mit OER weiter.

„Muuß-Merholz: Wenn ich die Perspektive eines Educators irgendwo auf der Welt übernehme, ob in Deutschland oder Kirgisistan oder Swasiland, ob an einer Schule oder Hochschule oder im Weiterbildungsbereich, dann würde ich mir für 2030 wünschen, dass ich mich mit Hilfe von offenen Bildungsmaterialien voll auf meine Pädagogik, ihre Qualität und den Zugang dazu konzentrieren kann. Ich wünsche mir, dass sich Lehrkräfte dann keine Gedanken mehr um juristische, organisatorische oder technische Fragen machen müssen. OER kann viele Antworten liefern, um das Leben der Menschen zu erleichtern, die letztlich für die Bildung vor Ort verantwortlich sind, nämlich der Pädagogen.“

Deutsche UNESCO-Kommission, Newsletter, 1/2018