7 Things You Should Know About Open Education: Practices

Ich habe diese EDUCAUSE-Serie etwas aus den Augen verloren, aber es gibt sie noch. Hier wird im bewährten Format auf zwei Seiten erklärt, was hinter „open educational practices“ (OEP) steckt. Wichtige Stichworte sind: „a commitment to learner-driven education“ und „new approaches to co-creating knowledge“. Aber es gibt natürlich auch eine Definition:

OEP, das bedeutet „the use/reuse/creation of OER and collaborative, pedagogical practices employing social and participatory technologies for interaction, peer-learning, knowledge creation and sharing, and empowerment of learners”.

Im gleichen Format ist übrigens auch „7 Things You Should Know About Open Education: Content“ erschienen (via Feierabendbier).
Cable Green u.a., EDUCAUSE Learning Initiative (ELI), 12. Juli 2018

Das Hamburger Projekt „Digitale Unterrichtsbausteine“ – Martin Brause im Interview

Ein Blick über den Tellerrand von Corporate Learning: In Hamburg will man den Einsatz digitaler Medien im Unterricht ausbauen und bündelt deshalb Ressourcen und Kompetenzen in einem gemeinsamen Projekt. Im Interview berichtet Martin Brause, Chief Digital Officer der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg (BSB), von den Zielen, den Strukturen und den organisatorischen Prozessen des Projekts. Herauskommen sollen am Ende des Tages Open Educational Resources (OER), wobei um die genaue lizenzrechtliche Ausgestaltung der Unterrichtsbausteine wohl noch gerungen wird. Leider sind „benachbarte“ Punkte wie die Ausstattung der Schulen, Kompetenzen und Motivation der Lehrenden, etc. nicht Thema dieses Interviews.
Jöran Muuß-Merholz, Interview mit Martin Brause, OERinfo, 18. April 2018

Open Pedagogy Notebook

„This website is designed to serve as a resource for educators interested in learning more about Open Pedagogy“, heißt es einladend. Grundlage von Open Pedagogy (Notebook) sind die Prinzipien von Open Educational Resources (OER), die 5R’s und Offene Lizenzen, aber dann geht es um praktische Anwendungsfälle und Austausch. Die Seite scheint noch relativ neu zu sein. Der Grundsatzartikel „What is Open Pedagogy?“ ist empfehlenswert. Er spannt einen weiten Bogen, nicht nur zu OER, sondern zu „learner-centered approaches to education“, zu „constructivist pedagogy, connected learning, and critical digital pedagogy“.

Am Ende zählen die Initiatoren, Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, einige Beispiele für Open Educational Practices auf:

„- Adapt or remix OERs with your students. …
– Build OERs with your students.
– Teach your students how to edit Wikipedia articles. …
– Facilitate student-created and student-controlled learning environments. …
– Encourage students to apply their expertise to serve their community.
– Engage students in public chats with authors or experts.
– Build course policies, outcomes, assignments, rubrics, and schedules of work collaboratively with students.
– Let students curate course content. …
– Ask critical questions about “open.” …“

Ich werde Open Pedagogy Notebook mal auf dem Radar behalten.
Robin DeRosa und Rajiv Jhangiani, April 2018

Openness als Gegenstand von Bildungstheorie und Medienpädagogik

Markus Deimann (Fachhochschule Lübeck) hat den Vortrag, den er gerade auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) an der Universität Duisburg-Essen gehalten hat, schon im Netz geteilt. Der Titel lässt erahnen, dass es hier um grundsätzliche Fragen geht, denen ich mit einem kurzen Verweis nicht gerecht werden kann. Markus Deimann will jedenfalls Brücken schlagen: zwischen Hochschulen, digitaler Bildung und Openness. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn der Autor zugibt, dass die Diskussion noch ganz am Anfang steht.

„Der Beitrag beleuchtet die an das Hochschulsystem herantretenden Öffnungsbewegungen wie Open Access, Open Educational Resources und Massive Open Online Courses aus bildungstheoretischer Sicht und diskutiert die medienpädagogischen Implikationen. Als ein System mit einer überaus langen Traditionslinie, verstanden es Hochschulen sehr gut, sich zu etablieren und einen eigenen Code – Wahrheit, mit den Ausprägungen wahr/unwahr – herauszubilden. Diese kulturelle Errungenschaft scheint nun durch die digitale Transformation ins Wanken zu geraten. Somit stellt sich die Frage, wie Hochschulen darauf reagieren können? Als Orientierungsperspektive bietet sich ein neuer Code (Offenheit) an, der durch die oben genannten Öffnungsbewegungen emergiert.“

Markus Deimann, Google Docs, 19. März 2018

Auf ein Wort: OER haben enormes Potenzial für das lebenslange Lernen

In Deutschland ist in Sachen Open Educational Resources (OER) viel passiert in den letzten Jahren. Das betonen Ingo Blees (Koordinator der Informationsstelle OER), Verena Metze-Mangold (Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission) und Jöran Muuß-Merholz (OER-Experte der Bildungsagentur Jöran & Konsorten) in diesem Interview. Aber es geht noch mehr. Eine Schwierigkeit beim Sprechen über OER wird in den Statements auch wieder deutlich: Mal adressiert man Lernende, die Zugang zu Bildung benötigen, mal Lehrende, die Zugang zu Bildungsmaterialien benötigen, ohne sich um Urheberrechte sorgen zu müssen. Und nur im zweiten Fall geht es ausschließlich mit OER weiter.

„Muuß-Merholz: Wenn ich die Perspektive eines Educators irgendwo auf der Welt übernehme, ob in Deutschland oder Kirgisistan oder Swasiland, ob an einer Schule oder Hochschule oder im Weiterbildungsbereich, dann würde ich mir für 2030 wünschen, dass ich mich mit Hilfe von offenen Bildungsmaterialien voll auf meine Pädagogik, ihre Qualität und den Zugang dazu konzentrieren kann. Ich wünsche mir, dass sich Lehrkräfte dann keine Gedanken mehr um juristische, organisatorische oder technische Fragen machen müssen. OER kann viele Antworten liefern, um das Leben der Menschen zu erleichtern, die letztlich für die Bildung vor Ort verantwortlich sind, nämlich der Pädagogen.“

Deutsche UNESCO-Kommission, Newsletter, 1/2018

Urheberrecht und freie Lizenzen – 15 Fragen und Antworten

Wer als Pädagoge digitale Inhalte, Materialien oder Werkzeuge einsetzt, kommt ganz schnell auch mit rechtlichen Fragen in Berührung. Welche Materialien darf ich nutzen? Was ist urheberrechtlich geschützt? Wie kann ich sicherstellen, dass andere meine Materialien so nutzen, wie ich es möchte? Und schon ist man mit mehr als einem Bein im Thema „Freie Unterrichtsmaterialien“ (oder auch: Open Educational Resources, kurz: OER). Jöran Muuß-Merholz hat darüber gerade ein Buch geschrieben (Beltz Verlag) und natürlich unter einer freien Lizenz zur Verfügung gestellt (hier). In diesem Blogpost gibt es das Kapitel „Urheberrecht und freie Lizenzen – die 15 ersten Fragen und Antworten“, also die FAQs, in denen der Autor in einfachen Worten die Grundsätze des Urheberrechts und die Funktionsweise von freien Lizenzen erklärt.
Jöran Muuß-Merholz, Hochschulforum Digitalisierung/ Blog, 21. Februar 2018

Neuer Sonderband Synergie: Qualität von OER

Dieser Sonderband zum Fachmagazin Synergie ist wirklich ein Sonderband, das heißt, er ist eigentlich eine wissenschaftliche Studie, die im Umfeld der Hamburg Open Online University (HOOU) entstanden ist und einen ersten Schritt „zu einem deutschen Qualitätsmodell für OER“ darstellen soll. Verfasst wurde er von Olaf Zawacki-Richter und Kerstin Mayrberger.

Im Mittelpunkt der Studie steht eine systematische Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Sicherung von Qualität von Open Educational Re­sources (OER). Wobei der Fokus auf der Qualität der Lernmaterialien liegt. Diskutiert werden der Qualitätsbegriff, internationale Ansätze zur Qualitätssicherung und Qualitätskriterien, bevor man sich ersten Empfehlungen für ein Qualitätssicherungsverfahren für OER an der HOOU nähert.

Von einem „deutschen Qualitätsmodell“ ist übrigens explizit die Rede, obwohl ich da immer leicht zusammenzucke. An anderer Stelle heißt es etwas charmanter, dass man sich am Ende des Weges durchaus ein „HOOU-Label“ vorstellen könne …

„Der Aspekt der Qualität spielt spielt eine immer wichtigere Rolle in der Thematik der OER, weil sie unter anderem als Kritikpunkt gegenüber anderen Bildungsmaterialien gewertet werden könnte. Eine Unterscheidung zwischen besserer und schlechterer OER ist also notwendig.“

Redaktion Synergie, Synergie – Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre, Blog, 17. Januar 2018

Die neue OER-Timeline ist da!

Es beginnt 2001 mit einem Eintrag über MIT’s OpenCourseWare. Und es endet (vorläufig) mit dem OER-Fachforum 2017 in Berlin. Dazwischen liegen unzählige weitere Ereignisse und Aktivitäten. In den letzten Jahren wird zudem die Schlagzahl immer dichter. Die Timeline, so heißt es, wird fortlaufend ergänzt. Eine gute Übersicht.
Gabi Fahrenkrog, OERinfo – Informationsstelle OER/ Blog, 2. Februar 2018

Bildquelle: OERinfo

Mein Wochenausklang: Über einige Herausforderungen mit OER

Am 27. November werden in Berlin die besten Open Educational Resources im deutschsprachigen Raum gekürt. Vergeben werden die OER-Awards 2017. Ich bin nun Mitglied der Jury und habe in den letzten Tagen viele Einreichungen gelesen und bewertet. Denn die Zahl der Einreichungen hat sich gegenüber 2016 noch einmal mehr als verdoppelt.

Das Thema OER erlebt hierzulande gerade einen Aufwind. Offene Lehr- und Lernmaterialien stehen auf der bildungspolitischen Agenda ganz oben. Das BMBF fördert, große Bildungsinstitutionen und Stiftungen engagieren sich, aber auch viele Graswurzelprojekte haben sich OER auf ihre Fahnen geschrieben. Hier möchte ich aber schon einmal kurz stoppen und festhalten: OER ist vor allem ein Thema der Bildungs-Community und Bildungspolitik. Es geht um das Urheberrecht und Lizenzmodelle. Lernende interessiert, ob sie auf einen Kurs oder Materialien im Netz frei zugreifen können oder ob sie etwas zahlen müssen. Mehr in der Regel nicht. Deshalb richten sich OER-Projekte vor allem an Bildungsexperten und Lehrende, die selbst Lernangebote entwickeln wollen.

Wenn ich jetzt die Projektbeschreibungen der letzten Tage Revue passieren lasse, fällt noch ein anderer Punkt auf. Im Mittelpunkt vieler OER-Projekte stehen nach wie vor „Resources“, also Inhalte, Medien, Texte, Lernhilfen, Programmcodes. Auch in den Einreichungsbedingungen zum OER-Award wird vor allem nach dem Lizenzmodell, nach den „5Rs“ von David Wiley und nach der Sicherstellung der didaktischen und technischen Qualität gefragt. Es gibt auch die Frage nach der Nutzung, aber hier tun sich viele Projekte schon schwerer, Auskunft zu geben. Es gibt Zahlen über die Abrufe der Seiten, Feedback auf einzelne Funktionen und Angebote sowie Ideen zur Weiterentwicklung der Projekte. Kurz: Das Herzstück von OER, nämlich das Übernehmen und Einbetten der Lernmaterialien, bleibt oft im Dunkeln. Erfahrungsberichte von Nutzern sind selten.

Warum, so frage ich mich, werden OER-Projekte heute nicht noch stärker als Community-Projekte gedacht? Drei Punkte sind mir durch den Kopf gegangen:

  1. OER-Projekte sollten nicht nur als Repositories, sondern auch als Netzwerke gedacht, konzipiert, umgesetzt und gelebt werden.
  2. Best Practices (Fallbeispiele, Use Cases, Einsatzszenarien, …), in denen OER-Nutzer schildern, wie sie mit den Lehr- und Lernmaterialien gearbeitet haben, sollten ein wichtiger Baustein jedes einzelnen OER-Projekts sein.
  3. Regelmäßige Kampagnen (Themenwochen, BarCamps, Blogparaden, …), in denen sich OER-Macher und -Nutzer austauschen, signalisieren, dass ein Projekt „lebt“, und stützen die gemeinsame Arbeit und Weiterentwicklung des jeweiligen Vorahabens.

Es gibt sicher noch weitere Punkte, um OER aus der Spezialisten- und Ressourcen-Ecke herauszuholen. Das OER-Festival und der OER-Award sind Gelegenheiten, um das zu diskutieren.