The Case(s) Against Personalized Learning

Die USA sind in der Regel einen Schritt weiter: in der Entwicklung von EdTech, in der Implementierung von EdTech in Schulen und Hochschulen und in der kritischen Auseinandersetzung mit der neuen Praxis und ihren Folgen. Das betrifft auch „personalized learning“, das ja gerne als zentrales Versprechen der Digitalisierung der Bildung gehandelt wird.

„Wissen digital zugänglich zu machen ist ein wichtiger Schritt der Bildungsrevolution. Der nächste heißt Personalisierung.“ (Jörg Dräger/ Ralph Müller-Eiselt: Die digitale Bildungsevolution, 2015, S. 61)

Trotzdem stehen wir noch am Anfang der Entwicklung. Das heißt, auch um Grundsätzliches wie Begriffe und Deutungen wird noch gestritten. Der vorliegende Artikel gibt drei Einwänden Raum:
Argument#1: The Hype Outweighs the Research („The evidence base is very weak at this point“, John F. Pane)
Argument #2: Personalized Learning is Bad for Teachers and Students („It’s behaviorism on a screen“, Alfie Koon)
Argument #3: Big Tech + Big Data= Big Problems („When Facebook promises personalization, it’s really about massive data collection“, Audrey Watters).

Der Artikel wird von weiteren Beiträgen zum Thema begleitet (Special Report: „Personalized Learning: Vision vs. Reality“). Und auch wenn Schulen hier im Mittelpunkt stehen, EdTech und „personalized learning“ sind eine Entwicklung, die keinen Bildungsbereich auslassen wird.
Benjamin Herold, Education Week, 7. November 2017

What I learned from the ICDE World Conference on Online Learning

Tony Bates war in Toronto auf der World Conference on Online Learning und fasst seine Eindrücke zusammen. Er schreibt zum einen „The future is scary“, denn:

„It is clear that post-secondary education will eventually be targeted on a significant scale by global, highly commercial, digital Internet companies, such as Amazon, Alibaba, and Facebook, and by technologies such as big data, massive online courses, and artificial intelligence.“

Diese Entwicklung wird möglicherweise Bildung kostengünstiger und damit für neue Zielgruppen erreichbarer machen, aber die Bildungsvielfalt reduzieren. „….but there is hope, too“, wenn Bildungsinstitutionen die digitale Transformation selbst aktiv gestalten und staatliche Stellen die Entwicklungen des Bildungsmarktes kritisch begleiten.

Und dann noch: „Printed books are still popular“, zumindest, wenn sie von Tony Bates geschrieben und signiert sind.
Tony Bates, e-learning and distant education resources, 23. Oktober 2017

What Ivanka Trump Knows about Ed-Tech

Audrey Watters führt ein: Inside Higher Ed asked a group of “experts” “what should Ivanka Trump read in order to learn about education technology?” I submitted an answer but it was not what they were looking for. So I’m publishing my thoughts (or 500 words, at least) here.“

In der New York Post (nicht zu verwechseln mit der „Fake News“ New York Times!) gibt es ein Statement von Ivanka Trump („Why we need to start teaching tech in Kindergarten“). Audrey Watters vermisst dort „learning“, aber auch „Curiosity. Civics. Citizenship. Scholarship. Research. The liberal arts“. Und vieles mehr. Vielleicht hätte sie einfach ein paar Buchtitel aufzählen sollen …
Audrey Watters, Hack Education, 11. Oktober 2017

Empowering Young Minds Everywhere: Five Teams Advance To Final Round Of $15M Global Learning XPRIZE

15 Millionen Dollar sind insgesamt ausgelobt. 1 Millionen hat jeder der fünf Finalisten bereits sicher. Die Hürde, die sie nehmen mussten: „… software solutions to enable children to teach themselves basic reading, writing and arithmetic.“ Jetzt sollen die Lösungen 15 Monate lang in Tansania getestet werden. Viele sind dabei: die UNESCO, das World Food Programme (WFP), das Government of Tanzania und Google, das 8.000 Pixel C-Tablets spendiert. Der Sieger („… whose solution enables the greatest proficiency gains in reading, writing and arithmetic“) erhält am Ende die verbleibenden 10 Millionen Dollar. Open Source/ Open Content sind Kriterien, die die Wettbewerber erfüllen müssen. Und was sich in Tansania bewährt … Das Projekt erinnert mich irgendwie an One Laptop per Child.

„- CCI (New York, United States) is developing structured and sequential instructional programs, in addition to a platform seeking to enable non-coders to develop engaging learning content in any language or subject area.
Chimple (Bangalore, India) is developing a learning platform aimed at enabling children to learn reading, writing and mathematics on a tablet through more than 60 explorative games and 70 different stories.
Kitkit School (Berkeley, United States) is developing a learning program with a game-based core and flexible learning architecture aimed at helping children independently learn, irrespective of their knowledge, skill, and environment.
onebillion (UK/Malawi/Tanzania) is merging numeracy content with new literacy material to offer directed learning and creative activities alongside continuous monitoring to respond to different children’s needs.
RoboTutor (Pittsburgh, United States) is leveraging Carnegie Mellon’s research in reading and math tutors, speech recognition and synthesis, machine learning, educational data mining, cognitive psychology, and human-computer interaction.“

Global Learning XPRIZE, Press Release, 18. September 2017

Warum gibt es in Deutschland kaum EdTech?

Ja, es geht Andreas Wittke, Chief Digital Officer beim Institut für Lerndienstleistungen an der FH Lübeck/ oncampus, auch um die EdTech-Szene hierzulande. Aber vor allem um die Technikignoranz der Erziehungswissenschaftler. Ihr Mantra lautet „Die Technik muss der Didaktik folgen“. Auf diesem Boden, so der Autor, kann kein EdTech entstehen.

Aber dann zählt er doch einige zarte Anfänge und Hoffnungsträger auf. Eine Fachgruppe EdTech im Bundesverband Deutscher Startups. Natürlich Bertelsmann, auch wenn deren Herz eher für die amerikanische Szene zu schlagen scheint. Und Bemühungen um den Bildungsinformatiker als neuen Ausbildungsschwerpunkt. Nachvollziehbar, unterhaltsam und lesenswert!

„Das Problem ist jedoch, dass die Gesellschaft zunehmend technologisiert wird, aber die Bildung weiterhin das Analoge als Leitmedium sieht. Hier spaltet sich Bildung und Alltag. Jeder von uns kennt inzwischen die Alltagsprobleme, wie WLAN-Router anschliessen, Apps installieren, Online-Banking, Netflix bedienen, Navi einstellen oder Bluetooth Boxen anschliessen. Das sind alles Themen, die uns täglich Zeit und Nerven kosten, aber nicht vermittelt werden. Dabei kann es gar nicht fachlich vermittelt werden, denn ob es Netflix, Amazon und Co noch in fünf Jahren gibt, weiss kein Mensch. Wir müssen alle lernen, wie man diese Probleme adhoc lösen kann. Wer keine IT Kentnisse hat, wird von den Digitalisten früher oder später entweder nicht ernst genommen oder schlimmer, er wird übern Tisch gezogen. Wir steuern hier auf eine Zweiklassengesellschaft hin und unsere Ausbilder, Lehrer und Profs sitzen fast ausnahmslos in der zweiten analogen Klasse.“

Andreas Wittke, Online by Nature, 28. August 2017

Bildquelle: Die apokalyptischen Reiter (Gemälde von Wiktor Wasnezow, Wikipedia)

OnTour: #Zukunftswerkstatt

Keine Universität, keine Schule, sondern eine Zukunftswerkstatt. Die hat Google vor einem Monat in München eröffnet. Aus den vielen Kurzmeldungen zum Termin vor Ort, habe ich mir das Protokoll von André Spang herausgesucht, der in Wort und Bild einige Eindrücke zusammengefasst hat. Es wird natürlich um die Vermittlung digitaler Kompetenzen gehen, es soll Kurse, auch online, und Zertifikate geben. André Spang erinnert das Ganze an eine Art Makerspace. Mit der Initiative „Zukunftswerkstatt“ steht Google nicht allein. Und man kann das eine (Weiterbildung) nicht ohne das andere (Vermarktung) sehen. André Spang:

„„Spannend“ auch, wie die großen Technologiefirmen auf den Bildungsmarkt drängen, denn Apple und Microsoft bieten mit ihren Angeboten Apple Teacher und Microsoft Innovative Educator Expert schon lange Angebote speziell für Lehrende an (ähnlich wie Google mit seinem Google Certified Innovator) und ich denke, weitere Angebote werden folgen. Im Ansatz kann man das begrüßen, realistisch muss man aber sehen, dass diese Unternehmen klar auch wirtschaftliche Interessen verfolgen (müssen) …“

André Spang, @tastenspieler, 17. Juli 2017

Meinungsbeiträge: New Educonomy

Zum Stichwort „New Educonomy“ hat die Redaktion der Bundeszentrale für politische Bildung jetzt noch zwei Positionen ergänzt: Martina Schmerr (GEW) und Tobias Kollmann (Universität Duisburg-Essen) nehmen jeweils Stellung zum Verhältnis von Bildungsbereich und Digitalisierung, ohne sich aber richtig ins Gehege zu kommen. Während Martina Schmerr für Grenzen und Transparenz plädiert, unterstreicht Tobias Kollmann die Bedeutung digitaler Kompetenzen und den Nachholbedarf in Deutschland. Beides kann man gut nacheinander lesen.
Bundeszentrale für politische Bildung/ werkstatt.bpb.de, 27. Juli 2017

Rethinking Edtech

Wie funktioniert EdTech, also “educational technology” als Markt? David Kernohan bietet uns seine Lesart an: Kapitalgeber, die in den letzten Jahren viel in EdTech-Projekte investiert haben und auf ihre Rendite oder, noch besser, einen Käufer warten, sowie eine Vorliebe für behaviouristische Denkmodelle. Alles in allem, “it is a surprisingly conservative field in terms of approach”. Das zeigt auch das Beispiel MOOCs.

“You could connect these trends together to explain something like the MOOC, which started with an explicitly connectivist underpinning but pivoted quickly (with the pressure of growth and massification) to a behaviourist model, though with a cognitive science gloss via the collection and use of administrative user data.”
David Kernohan, Medium, 8. Februar 2017

The EdTech Rebel Alliance

Die “EdTech Rebel Alliance” im Titel gibt es noch nicht. Aber Graham Brown-Martin wünscht sie sich sehnlichst. Denn nach Besuch der letzten EdTech-Konferenzen vermisst er den Geist der 1980er, also den von Seymour Papert, den “Constructionism” und die Idee, das “learning could be a reconstruction of knowledge rather than simply a transmission”. Damals sah man in Computern noch “subversive instruments of change”. Heute, z.B. auf der BETT Show 2017, stehen sie für Graham Brown-Martin vor allem für Effizienz und Instruktion, Automatisierung und Standardisierung. Und das lockt das große Kapitel. Deshalb der sympathische Aufruf:

“EdTech Rebels of the World, Unite! You have nothing to lose but your chains!”
Graham Brown-Martin, Medium, 1. Februar 2017 

What does Brexit mean for EdTech?

Donald Clark hat - und zwar in seiner Rolle als “EdTech entrepreneur” - für den Brexit gestimmt. Ganz einfach, weil der EdTech-Markt ein englisch-sprachiger Markt ist, getrieben von amerikanischen Investoren und mit Potential in Asien. Und Europa? War schwierig und bleibt schwierig, weil viele Sprachen und Kulturen. Kurz: “We have the largest and most successful EdTech market in Europe, it is more likely to grow as a result of this vote.”
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 26. Juni 2016