Disrupt Education! (Wie) Können etablierte Bildungsanbieter radikale Innovationen gestalten – und wie kann mmb sie dabei unterstützen?

Wenn ich den Werbeblock einmal hinten anstelle: Ulrich Schmid (mmb Institut) spielt in diesem Beitrag durch, was Disruption für die Bildung hierzulande bedeutet oder bedeuten könnte. Konkret: Welche Folgen hat die Digitalisierung für die Bildung und etablierte Bildungsanbieter? Wo drohen disruptive Innovationen, bewährte Geschäftsmodelle zu hinterfragen? Und wie können Bildungsanbieter sich darauf einstellen und, gegebenenfalls, selbst neu erfinden?

Der Dreisatz des Beitrags:
a) Bildung ist ein komplexes Produkt (unsicher, ungeliebt, kontextabhängig, wenig wertgeschätzt);
b) Bildung bietet deshalb viele Einfallstore für Neueinsteiger, oder: „Bildung als Produkt oder Dienstleistung bietet also genügend Ansatzpunkte für Verbesserungen, und daher auch vielfältige Chancen für Disruption … „;
c) Doch: Etablierten Anbietern fehlen oft Wissen, Können, Ideen, Fantasie, Bereitschaft und Mut, auf diese Gefahren zu reagieren.

An dieser Stelle greift dann der mmb-Werbeblock. Interessant sind aber in jedem Fall die Beispiele für disruptive Bildungsprodukte, die Ulrich Schmid im Beitrag erwähnt. Ob sie in jedem Fall die Vorgaben des Disruption-Erfinders Clayton Christensen erfüllen, bin ich mir noch nicht sicher.
Ulrich Schmid, mmb Institut/ mmblog, November 2018

Wenn das Smartphone Nachhilfestunden gibt

Es gibt einige Erklärungen dafür, warum der Bildungsmarkt im deutschsprachigen Raum für Start-ups und Investoren nicht attraktiv ist („Warum gibt es in Deutschland kaum EdTech?“). Die große EdTech-Szene spielt in Silicon Valley. Vor diesem Hintergrund verlinke ich einmal auf diese Nachricht über das Wiener Start-up „Gostudent“, „… das Nachhilfestunden im Netz anbietet – mittels kostenloser Chatlösung können Schüler alle möglichen Fragen stellen – von Goethe bis zur Kurvendiskussion. In einem bezahlten Bereich gibt es Video-Nachhilfestunden und Chats mit Lieblingstutoren.“

Das Unternehmen berichtet von monatlich 250.000 Nutzern. Investoren scheinen interessiert. Vielleicht ist es die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Vielleicht ist es eine von vielen neuen Initiativen, denen nur etwas Aufmerksamkeit fehlt.
Johannes Steger, Handelsblatt, 8. November 2018

Bildquelle: Marten Bjork (Unsplash)

Unionsfraktion schlägt eine Art Bildungs-Netflix vor

Es nennt sich MILLA: „Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“. Was soll es leisten:

„Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine Art Bildungs-Netflix für alle: Eine Internetplattform, auf der jeder Bürger entsprechend seinen Interessen und beruflichen Bedürfnissen Onlinekurse aussuchen und an ihnen teilnehmen kann – wann immer es ihm passt, abends, unterwegs, in der Mittagspause. „Agiles Arbeiten in einer Bank“ zum Beispiel. Oder „Design Thinkin'“. Oder eine Programmiersprache.“

Kommen wir zu den noch dünnen Rahmenbedingungen. Finanziert werden soll es aus Steuergeldern („Die Teilnahme an den Kursen soll nämlich kostenlos sein; die Anbieter wiederum bekommen für ihre Leistungen Geld.“). Es soll Qualitätsstandards, also staatliche Kontrollen, geben, aber vieles ist noch offen. „Wir schaffen einen neuen Markt“, heißt es.

Kurz: Skepsis scheint angebracht.
Henrike Roßbach, SZ.de, 5. November 2018

Bildquelle: Ankush Minda (Unsplash)

 

B. F. Skinner: The Most Important Theorist of the 21st Century

Burrhus Frederic Skinner (1904 – 1990), amerikanischer Psychologe, prominentester Vertreter des Behaviorismus, Erfinder der „Skinner Box“ und des programmierten Lernens. Im Rahmen ihrer Recherchen zur Geschichte von „Education Technology“ hat Audrey Watters natürlich auch viel Zeit mit Skinner verbracht. Einiges von dem, was sie in den Archiven und Texten gefunden hat, hat sie in diesen lesenswerten Artikel einfließen lassen. Aber ihr wichtigster Punkt ist zweifellos die Linie, die sie von Skinner zu den Silicon Valley-Exponenten und ihren sozialpolitischen Ideen und Utopien zieht, zu Zuckerberg & Co. „… Seymour Papert lost and B. F. Skinner won“, heißt es an einer Stelle.
Audrey Watters, Hack Education, 18. Oktober 2018

Bildquelle: Silly rabbit (Wikipedia, CC BY 3.0)

Learning + Development: Zukunft der Bildung

Es ist zwar erst Oktober und damit noch keine „10 Trends“-Saison, aber der Autor, Josef Buschbacher, riskiert trotzdem schon mal einen Wurf. Von 1) „Lernen on Demand – Just-in-Time-Lernen“ bis 9) „Neue Technologien, EdTech, im Kontext der Bildung werden noch schneller entwickelt …“). Und weil der zehnte und letzte Punkt einen Blick über den Tellerrand riskiert und gleich noch mit dem Termin einer EdTech-Konferenz 2019 verknüpft ist, zitiere ich ihn ausführlich:

„10. Hört sich zwar spacig an- ist aber schon sehr weit fortgeschritten. Die Computer-Hirn-Schnittstelle (CHS) ist eine sehr direkte Form des Austausches zwischen Hirn und PC / Rechner. Durch Veränderungen der Vorstellung werden Hirnaktivitäten genutzt um zu lernen, PC Programme oder Maschinen zu bedienen oder zu steuern. Die ethischen Fragen sind enorm und dafür haben wir auch noch keine passende Antwort. Auf der EdTEch Konferenz werden wir die Computer-Hirn-Schnittstelle testen und Sie können sich ein Bild von den Chancen und Risiken machen.“
Josef Buschbacher, CLC Learning & Change GmbH, 14. Oktober 2018

Bildquelle: jejimenezlc (pixabay, CC0)

Podcast: What’s in your #EdTech bag (#EdTechRations)

Nearly two years ago I was invited to appear on Vicki Davis’ Every Classroom Matters podcast to talk about self-publishing books and to give advice to teachers and educators on what to do and how to do it. Last month I was again invited by Vicki to appear on her new ’10-Minute Teacher Show’, this time to talk about our choice for technology we choose to buy for ourselves, for own use and our own bags/pockets. This follows up on my last book, the ‘Emergency Rations #EdTechRations: What’s so important we can’t leave it at home?

David Hopkins, author of Emergency Rations #EdTechRations: What’s so important we can’t leave it at home?, talks about the educational technology that educators around the world carry in their bags and pockets.

In the podcast Vicki and I briefly discuss bags, pockets, cables, charging, devices, technology, connectivity, connected lives, and many many more EdTech-relevant things.   

Listen to the podcast on the link here – What’s in Your Edtech Bag: Trends and Tools from Educators and the World – or on the embedded player below:

25 Years of Ed Tech: Themes & Conclusions

Anfang Juli hatte Martin Weller bereits einen lesenswerten Artikel zum Thema veröffentlicht („Twenty Years of Edtech“), auf den ich auch an dieser Stelle hingewiesen hatte. Was ich in der Folge jedoch übersehen habe: Martin Weller hat anschließend jedem Jahr und jeder Technologie noch einen eigenen Blogbeitrag gewidmet. Es sind jetzt sogar 26 Jahre bzw. Beiträge geworden. 2018, das nur am Rande, steht übrigens für ihn im Zeichen von „Critical Ed Tech“.

Mit dem vorliegenden Beitrag schließt diese Serie. Martin Weller hält hier hoch, was sich aus seiner Sicht durch alle Jahre und Entwicklungen zieht: zum Beispiel, dass im Widerstand der Hochschulen gegenüber schnellen Veränderungen auch eine Stärke liegt; dass EdTech ein Bereich ist, wo sich viele Disziplinen und Menschen für eine bestimmte, oft kurze Zeit treffen – was zu fortwährenden Wiederholungen und Schleifen in der Diskussion führt; dass sich die Frage, ob neue Technologien in der Bildung eine unterstützende oder (die Lehrenden) ersetzende Funktion haben, wie ein roter Faden durch die Geschichte von EdTech zieht.

Kurz: Ein schöner Abschluss einer Serie, die sich zu den Highlights des Jahres gehört und die man auch als Corporate Learning-Interessierte mit Gewinn lesen kann.
Martin Weller, The Ed Techie, 5. September 2018

Bildquelle: Jeff Cooper (Unsplash)

Is The LMS A Distraction In EdTech Futurology?

Der Autor blickt auf das Gesamtvolumen des (amerikanischen?) EdTech-Marktes und konstatiert, dass der Anteil der Lernplattformen hier bei höchstens 10 Prozent liegt („no priority!“, „a commodity?“). Was Analysten, Industrie und Verbraucher stattdessen zu interessieren scheint:

„- Virtual and Augmented Realities, AI and Machine Learning, Gamification, Microlearning
– Mobile, Data, Analytics, Personalization
– Lower cost of devices, the Cloud, Internet of Things, 5G networks (depending on the country), Cybersecurity“

Wo könnte also die Zukunft der LMS-Anbieter liegen? Zwei Optionen werden angedeutet: „Moving past the LMS“, was bedeutet, stärker in die oben aufgezählten Bereiche zu investieren;  und „From LMS to Learning OS”, was darauf abzielt, sich als Marktplatz neu zu erfinden.
Moodle News, 15. August 2018

Bildquelle: Arnaud Papa (Unsplash)

Burda Medien beteiligt sich an eLearning-Plattform

Jetzt habe ich in den letzten Wochen so viele Beiträge mit dem Stichwort „EdTech“ verlinkt, dass ich an dieser Nachricht nicht vorbeigehen kann: „Hubert Burda Media baut seine internationalen Aktivitäten aus und investiert in die amerikanische eLearning-Plattform Skillshare, die eine Vielzahl von Kursen aus kreativen, technischen und businessorientierten Disziplinen anbietet. An der Finanzierungsrunde über 28 Millionen Dollar beteiligten sich neben BurdaPrincipal Investments (BPI) auch Union Square Ventures, Amasia und Spero Ventures.“ So heißt es auf CHECK.point eLearning und einigen anderen Portalen mit Wirtschaftsnachrichten.

Nach dem Investment von Bertelsmann in Udacity macht also wieder ein deutscher Medienkonzern einen Bogen um die heimische EdTech-Szene und beteiligt sich lieber an einer amerikanischen Plattform. Skillshare nennt sich selbst „an online learning community with thousands of classes in design, business, tech, and more“. Skillshare wurde parallel, aber unabhängig von der MOOC-Welle gegründet. Es gibt Kurse, die offen sind, und ein Premium-Modell, das Zugang zu „mehr“ verspricht. Aus der Ferne scheint es irgendwie eine Mischung aus Udemy und P2PU zu sein.
CHECK.point eLearning, 30. Juli 2018

Bildquelle: Pepi Stojanovski (Unsplash)

EdTech: Junge Unternehmen in den Startlöchern

In der mmb-Trendanalyse im Auftrag von wb-web taucht der Suchbegriff „EdTech“ an prominenter Stelle auf – mehr als 2.500 mal. Grund genug für Lutz Goertz, diesen Begriff einmal etwas ausführlicher zu erläutern:

„EdTech ist ein sogenanntes „Kofferwort“, bei dem zwei Begriffe zu einer Kurzform zusammengezogen werden, in diesem Fall „Educational“ und „Technology“. Im weiteren Sinn sind hier mit „EdTech“ also Bildungstechnologien gemeint. Im engeren Sinn versteht die E-Learning-Community darunter eine neue Teilbranche „EdTech-Unternehmen“, die mit innovativen digitalen Lernservices und -produkten neue Nischen im Bildungsmarkt besetzen.“

Der Artikel geht auch auf die Schwierigkeiten ein, eine EdTech-Szene in Deutschland zu etablieren. Die kritische Diskussion um EdTech, in der es vor allem um die Dominanz von Silicon Valley im Bildungsbereich geht, wird von Lutz Goertz allerdings nur ganz vorsichtig angedeutet. Links zu Autor*innen wie Audrey Watters (Hack Education) und Markus Deimann (Feierabendbier) fehlen.
Lutz Goertz, wb-web, 13. Juli 2018

Bildquelle: Tumisu (pixabay, CC0)