Mein Wochenausklang: Können wir noch (Bücher) lesen?

Wahrscheinlich werden jetzt viele nicken. Je mehr wir am Bildschirm arbeiten und je intensiver wir auf die Displays unserer kleinen Endgeräte starren, umso schwieriger wird es, Bücher zu lesen. Ist doch so, oder? Der amerikanische Autor Michael Harris, aufgewachsen vor dem Internet, wähnte sich lange Zeit immun gegen jede Leseschwäche, doch schließlich musste auch er das offensichtlich Unvermeidliche eingestehen:

„Turning, one evening, from my phone to a book, I set myself the task of reading a single chapter in one sitting. Simple. But I couldn’t. There was nothing wrong with my eyes. No stroke or disease clouded my way. Yet – if I’m being honest – the failure was also not a surprise.

Paragraphs swirled; sentences snapped like twigs; and sentiments bled out. The usual, these days. I drag my vision across the page and process little. Half an hour later, I throw down the book and watch some Netflix.” (Michael Harris, I have forgotten how to read, The Globe and Mail, 9. Februar 2018)

Das Lesen vor und mit dem Internet. Eine Frage, die ja für jede Form der Weiterbildung und des Lernens von Relevanz ist. Doch abgesehen von diesen und ähnlichen Bekenntnissen, was wissen wir eigentlich über das Lesen? Vorneweg: Gelesen wird wahrscheinlich mehr denn je. Auch der Buchhandel scheint sich inzwischen mit dem Internet und den eBooks arrangiert zu haben. Die Verkaufszahlen stimmen.

Was also hat sich verändert? Es gibt natürlich Experten, die diese Frage untersuchen. So zum Beispiel das Forschernetzwerk E-Read (Evolution of reading in the age of digitisation). Und dann Naomi S. Baron’s „Words Onscreen: The Fate of Reading in a Digital World“, aber, und hier schließt sich der Kreis, leider als Buch … Doch ich habe, Gott sei Dank, ein paar Artikel im Netz gefunden und für mich folgende Punkte als Zwischenfazit festgehalten. Erstens: Das Lesen eines Buchs ist wirklich etwas anderes. Das Haptische. Das Lineare. Es hat Einfluss auf unser Gedächtnis und die Fähigkeit, sich zu erinnern. Zweitens: Auch das Lesen von Büchern ist nichts Natürliches. Es braucht Disziplin. Es wird geübt, gelernt. Drittens: Es geht nicht darum, welche Form des Lesens besser oder schlechter ist. Das Lesen verändert sich. Es entwickelt sich weiter.

Ich würde dann, zumindest für mich, noch den Faktor Zeit hinzufügen. Wenn man sich einmal auf die Wissensarbeit im Netz eingelassen hat, fehlen schnell die ruhigen Minuten und Pausen. Immer kommen neue Nachrichten rein. Immer stehen einem alle Arbeitsmittel zur Verfügung, um noch eine Aufgabe zu erledigen, eine Mail zu lesen, einem Link zu folgen, an einer Präsentation zu arbeiten. Das ist verlockend. Auf der anderen Seite will ich mir auch nichts vormachen: Es gibt Bücher in meinem Regal, die mich schon seit 30 Jahren, länger als es das Internet gibt, anlachen. Oder sollte ich „auslachen“ sagen?

Bildquelle: Laëtitia Buscaylet (Unsplash)

Bildung und Umgebung (I). Wege aus der pädagogischen Provinz

Der Autor arbeitet sich am Stand der Bildung ab, und wie bei vielen „schönen“ Texten kann man sich auch hier nie ganz sicher sein, alle Botschaften verstanden zu haben. Bildung, das nehme ich mit, hatte mit dem Lesen von Büchern zu tun und war in nationalen Traditionen (Provinz!) verwurzelt. Dann kam Bologna und bescherte zwar eine „Europa-Beamten-Bürokratie“, aber nicht die erhoffte, grenzüberschreitende Mobilität der Studierenden. Nicht bestellt, aber einflussreicher sind dagegen die sozialen Netzwerke, die von Silicon Valley aus den europäischen Kommunikations- und Bildungsraum prägen. In diesem ersten Teil drückt Heiko Christians vor allem sein Unbehagen an einigen aktuellen Veränderungen aus. Die Stichworte „Medienkometenz“ und „Bildungsroman“ fallen. Aber die Auflösung erfolgt wahrscheinlich erst in der Fortsetzung dieses Artikels. Mal sehen, ob sie der Verlag wieder offen ins Netz stellt…

„Dass sich gleichzeitig – nach Bologna, Pisa oder Lissabon (also nach dem »Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region« vom 11. April 1997) – weder die internationale Mobilität der Studierenden verbessert hat, die wahrscheinlich sogar im Mittelalter höher war als heute, noch die sogenannte Regelstudienzeit durchschnittlich besser eingehalten wird, ist als deprimierende Zwischenbilanz der Reform schon akzeptiert. Obwohl sie mit genau diesen Verheißungen eingeleitet worden war, zeigt sich jetzt, dass es womöglich doch weniger um studienorganisatorische als vielmehr um (macht)- politische Ziele gegangen sein dürfte.“

Heiko Christians, Merkur, Jahrgang 71, Heft 819, August 2017

Bildquelle: Goldmund100 (Luca Volpi, Wikimedia)

 

Medienkompetenz: Viel mehr als Technikwissen

Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes “Medien anwenden und produzieren - Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung”, durchgeführt vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), liegt vor. Folgt man der Pressemitteilung, so bildete ein wichtiges Ergebnis dieses Projekts die (Neu-)Auslegung des Begriffs Medienkompetenz. Ihm ordnen die Autoren folgende Dimensionen zu:

- Medien zielgerichtet nutzen …
- Selbstständig lernen …
- Rechtliche, ethische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Mediennutzung berücksichtigen …
- Medien zum Austausch mit anderen und zur Zusammenarbeit nutzen …
- Sprache zielgerichtet nutzen …
- Innovationen aufgreifen und vorantreiben …

Natürlich kann man über den Begriff Medienkompetenz im Zeichen der Digitalisierung lange diskutieren. Hier lag der Fokus eher pragmatisch auf der Frage, wie man eine wichtige Querschnittskompetenz in bestehende Ausbildungsverordnungen integrieren kann.
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Pressemitteilung, 23. März 2016

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Gerald Lembke: Sinnvolles digitales Lernen statt digitaler Dauerbeschallung

Digitales Lernen in Schulen und Hochschulen – Fluch oder Segen? Prof. Dr. Gerald Lembke ist Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Mannheim und Präsident des Bundesverbands für Medien und Marketing. Für viel Diskussion sorgte vor kurzem u.a. sein Interview in der SZ, in dem sich kritisch zum digitalen Lernen an deutschen Schulen äußerte.... weiterlesen →

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Lernen mit neuen Medien. Digital macht schlau!

Der ausführliche Artikel, das vorneweg, ist angenehm unausgewogen. Er beschreibt, wie sich einzelne Vorreiter dafür einsetzen, Schule und Digitalisierung zusammenzuführen. Gegen den Widerstand des Systems, von gehorsamen Kollegen oder ängstlichen Eltern. Eine iPad-Schule in den Niederlanden, der @Tastenspieler André Spang, “Minecraft” im Religionsunterricht, der Einsatz freier Lehrmaterialien aus dem Netz, Computerspiele im Unterricht, der Raspberry Pi in einer Computer AG, Programmieren als Schulfach, eine Online-Highschool in Florida. Die Themen sind problemlos auf andere Felder der Weiterbildung übertragbar. Die Herausforderungen, die aber wie gesagt hier hinter dem Weckruf zurückstehen, natürlich auch.
Jürgen Schaefer, GEO Magazin, Nr. 12/14