Aufzeichnung Digitaltag 2020

Da ich es nicht anders oder besser sagen könnte: „Am 19.06.2020 fand der Digitaltag 2020 statt. wb-web hat sich mit verschiedenen Partnern aus dem Unterstützerkreis zusammengetan und eine Online-Veranstaltung unter dem Titel „Herausforderungen – Lösungen – Erfahrungen: Erwachsenen- und Weiterbildung aus der Krise begleiten“ auf die Beine gestellt. Die Aufzeichnung der Veranstaltung sowie eine Zusammenfassung der Fragen und Anmerkungen im Chatverlauf stehen nun online zur Verfügung.“

Mitgemacht haben wb-web und EULE, e-teaching.org, Deutscher Bildungsserver, Gütesiegelverbund Weiterbildung e.V., QUA-LiS NRW, Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) und EPALE. Alle hatten 20 Minuten, um sich, ihre Arbeit und/ oder ein einzelnes Projekt vorzustellen. Corona-Bezüge inbegriffen. Heraus kam ein „Paket“ von 2:35 Std.
Christina Bliss, wb-web, 22. Juni 2020

Microsoft Teams wird zur Lernplattform

Microsoft kündigt an, dass man zukünftig Online-Kurse auch direkt über MS Teams suchen und starten kann. In jedem Fall Online-Kurse der  eigenen Plattformen LinkedIn Learning und Microsoft Learn. Aber auch Drittanbieter und die Kunden selbst sollen Kurse auf Teams veröffentlichen können. Das sind die wichtigsten Informationen. Es gibt dann noch das Kleingedruckte: eine App, Badges und für Teamleads die Möglichkeit, den Aktivitäten einzelnen Lernenden zu folgen und Feedback zu geben.

Meine zwei Cent: Es ist eine Ankündigung. Microsoft trumpft natürlich mit der Integration der eigenen Dienste, der populären Kollaborations- und Lernplattformen. Viele klassische Lernplattform-Anbieter werden anmerken, dass sie viel mehr (oder weniger, je nach Perspektive) können.  Überhaupt Arbeiten & Lernen: Da ich hier mehr eine Haltung und eine Kultur sehe, zahlt eine solche Ankündigung aus meiner Sicht nur bedingt darauf ein. 

„Die Previewversion der App soll in den nächsten Monaten starten“, heißt es auf golem.de. Und: „Die Ankündigung ist Teil einer größeren Initiative von Microsoft, um Menschen eine Neuorientierung in der Karriere zu geben.“
Oliver Nickel, golem.de, 1. Juli 2020

Bildquelle: congerdesign (pixabay) 

Entwickelt werden oder selbst entwickeln?

Das Gute dieses Artikels: Er betont die zunehmende Bedeutung der Selbstorganisation auch in der Weiterbildung. Wo es an der Fähigkeit zur Selbstorganisation mangelt, können zum Beispiel E-Coaching-Tools unterstützen.

Ansonsten kommt der Artikel etwas steif daher und hangelt sich von Definition zu Definition. Konkrete Beispiele fehlen. Und über Begriffe wie „informelle Weiterbildungsformate“ (!?) könnte man sicher diskutieren.

Der Artikel ist eine frei zugängliche Auskopplung aus der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Personalführung“ mit dem Schwerpunkt Personalentwicklung.
Caroline Ruiner und Vera Hagemann, Personalführung, 7-8/ 2020 (pdf)

Working and learning remotely in Europe: the new normal?

Der Beitrag schaut auf einige Bewegungen und Zahlen der letzten Wochen und zieht eine Verbindung zwischen Homeoffice und Online-Learning (remote working/ remote learning). Das macht Sinn, denn wer erst einmal von zu Hause arbeitet, hat es einfacher, auch auf digitale Lernressourcen zuzugreifen. 

Doch das sind nur aktuelle Beobachtungen, die es einzuordnen und zu verstetigen gilt: „There is still a long way to go as only 8% of EU citizens followed an online course in 2019. More research is needed to develop the right policies to ensure that EU workers can reap the full benefits of distance working and learning, particularly given the inevitable loss in organisational informal learning and innovation – the most prominent channel of continuing learning – that is expected to follow the distancing of workers from physical workplaces.“
Cedefop (European Centre for the Development of Vocational Training), 26. Juni 2020

In der Zukunft

Wenn ich von Unternehmen höre, die Online-Kurse auf dem Markt einkaufen wollen, um ihr digitales Bildungsangebot zu erweitern, dann fällt regelmäßig auch das Stichwort „ZEIT Akademie“. Also nutze ich die Gelegenheit, auf eine offenes Video der Akademie zu verlinken, das mit dem Hashtag #LebenslangesLernen versehen ist. Die zentralen Stichworte des kurzen Teasers (2:42 Min.) lauten mobiles, modularisiertes und personalisiertes Lernen (Ralph Müller-Eiselt) und Working Out Loud (Sabine Kluge). Etwas scollen …
ZEIT Akademie

Essay von Habermas: Es bleibt die Literatur

So viel Zeit muss sein: Jürgen Habermas hat über die sozialen Medien nachgedacht. Arno Widmann wiederum hat den Essay gelesen und zusammengefasst. „Jürgen Habermas sieht unsere politische Zukunft durch die sozialen Medien bedroht. Hoffnung macht ihm die Asozialität von Kunst und Literatur.“

Noch ein halbes Zitat: „Habermas sieht die Gefahr, dass „sich die Meinungsbildung in den zersplitterten und gleichzeitig von selektiven Standards entlasteten Kommunikationsblasen gegen die rationalisierende Kraft einer diskursiven Vielfalt der Beiträge immunisiert.“
Arno Widmann, Berliner Zeitung, 28. Juni 2020

Bildquelle: Wolfram Huke (Wikipedia, CC BY-SA)

Leben, Arbeit, Bildung 2035+

Vorneweg: Ich habe es noch nicht geschafft, diese Studie des Münchner Kreises und der Bertelsmann Stiftung, die diese Woche erschienen ist, komplett zu lesen (168 Seiten). Aber nach einem ersten Blick könnte sich die Lektüre lohnen. An dieser Stelle schon einmal die wichtigsten Eckdaten zur ersten Einordnung:

  • Der Münchner Kreis, so heißt es bescheiden auf der hauseigenen Webseite, ist „die führende unabhängige Plattform zur Orientierung für Gestalter und Entscheider in der digitalen Welt“.
  • Die aktuelle Zukunftsstudie geht der Frage nach, „wie Künstliche Intelligenz (KI) in den kommenden Jahren die Bereiche Leben, Arbeit und Bildung verändern wird“.
  • Um diese Frage zu beantworten, wurden über 500 ExpertInnen aus Wirtschaft und Wissenschaft befragt (Delphi-Methode).
  • Dabei wurden von den Herausgebern und ExpertInnen 53 Zukunftsthesen entwickelt und bewertet. Hinzu kommen Empfehlungen an die Politik.
  • 16 Thesen betreffen den Bereich „Bildung“. Und bei vier dieser 16 Thesen kamen die ExpertInnen zu der Einschätzung, dass ihre Realisierung in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich ist.
  • Eine „wahrscheinliche“ These lautet zum Beispiel:
    „Der KI-Architekt (analog zum Software-Architekten) ist ein anerkanntes Berufsbild in Deutschland.“
  • Eine „abgelehnte“ These dagegen lautet:
    „KI -Technologien haben das bestehende Bildungssystem (klassische Akteure, Einrichtungen, Abschlüsse) in Deutschland aufgelöst.“

    Die Erklärung: „52 Prozent der befragten ExpertInnen gehen davon aus, dass die These wahrscheinlich nie eintreffen wird. Aus einer Vielzahl an verschiedenen Gründen gehen die Angst vor Kontrollverlust, eine drohende Entmenschlichung und die fehlende technische Machbarkeit als die drei Hauptgründe gegen die These hervor.“

Angemerkt sei noch, dass auch eine Reihe von Thesen, die im Bereich „Arbeit“ entwickelt wurden, mit Bildungs- und Lernprozessen zu tun hat. Alle Thesen werden in Form von kurzen, einheitlichen  Steckbriefen vorgestellt.
Münchner Kreis und Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), 24. Juni 2020 (pdf)

Microcredentials: a new way of monetarising MOOCs?

Der Artikel nimmt einige Stichworte auf, die auf der Jahreskonferenz des European Distance Learning Network (EDEN) diese Woche gefallen sind. Im Kern geht es darum: Menschen lernen online, zum Beispiel auf MOOC-Plattformen, und möchten, dass diese Lernerfahrungen anerkannt und möglicherweise auf folgende akademische Abschlüsse angerechnet werden. Dafür braucht es Standards und Regeln für die Vergabe und Nutzung solcher Microcredentials. Graham Attwell verweist in seinem Beitrag auf das europäische Projekt MicroHE, das genau an dieser Aufgabe arbeitet. MOOC-Anbieter wie FutureLearn, auch das erwähnt der Autor, werben für ihre aktuellen Kurse mit dem (kostenpflichtigen) Erwerb solcher Microcredentials.
Graham Attwell, Pontydysgu – Bridge to Learning, 26. Juni 2020

Bildquelle: geralt (pixabay)

Stichwort Kompetenzorientierung

Die AutorInnen schaffen es wirklich, auf zwei Seiten die wichtigsten Diskussionen und Arbeitsfelder zum Begriff „Kompetenzorientierung“  zusammenzufassen. Da ist die Unterscheidung von Kompetenzen und Qualifikationen („vergleichsweise einfach“). Da ist die Abgrenzung von Kompetenzen zur Bildung („schwierig“). Auch die Stichworte Ermöglichungsdidaktik und Kompetenzstandards fallen. Okay, vielleicht hätte man noch von Kompetenzmodellen und Kompetenzmessung sprechen können, andererseits hätte das den Rahmen eines „Stichwort Kompetenzorientierung“ schnell gesprengt.

„Eine kompetenzorientierte Perspektive richtet sich auf das tatsächlich Gelernte und  umfasst auch informell erworbene Kompetenzen. Häufiger
taucht »Kompetenzorientierung« in der Literatur in einem anderen Kontext auf: als Beschreibung einer pädagogischen Praxis, die den Erwerb von Kompetenzen zum Ziel hat und damit mehr auf Output als auf Input setzt.“
Sabine Schwarz und Peter Brandt, weiter bilden, 2/ 2020

The times, they are a changin‘ – First steps to becoming a Digital First Learning Organisation

Dieser Beitrag der britischen eLearning-Experten von Kineo ist eine nützliche Sammlung von Empfehlungen für Unternehmen, die ihre Lernumgebungen systematisch weiterentwickeln wollen oder – mit Blick auf Corona – müssen. Aber mir gefällt vor allem, dass sie diese Empfehlungen explizit mit einem „Digital First“-Ansatz verbinden:

„Being a digital first learning organisation is not just about adopting digital technologies.  Whilst that’s obviously a fundamental aspect of a digital first delivery strategy, it requires more than that: a root and branch review of how learning is managed, organised, structured, designed and delivered. …

Many digital first organisations seek to nurture self-determination of personal learning and development; using digital technologies to support them. It’s an approach that recognises training as a continuous process and acknowledges the importance of allowing learners to take personal ownership of their development.“
Kineo, Blog, 23. Juni 2020

Bildquelle: Marvin Meyer (Unsplash)