KI-Campus: Eine neue Bildungsplattform für Künstliche Intelligenz entsteht

Es erinnert an Finnland und seine Plattform „Elements of AI“: die nationale Bildungsplattform für KI, die in den nächsten drei Jahren entstehen soll und deren Ziele Ulrich Schmid vom Konsortialpartner mmb Institut hier beschreibt. Der KI-Campus „richtet sich an alle Personen, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen für dieses Thema interessieren und dazu weiterbilden möchten oder müssen“. Es sollen neue digitale Inhalte entwickelt, aber auch bestehende kuratiert werden. Man hat sechs Leitlinien verabschiedet und will Ende 2020 mit den ersten Angeboten online gehen. Die weiteren Projektpartner sind der Stifterverband, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Hasso-Plattner-Institut (HPI) und neocosmo.

Nur am Rande: Zwar hat sich ja schon 2015 die Nationale Plattform „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) konstituiert, aber einen „Nachhaltigkeits-Campus“ als Online-Bildungsplattform gibt es meines Wissens nicht.
Ulrich Schmid, Bertelsmann Stiftung/ Digitalisierung der Bildung, 6. Dezember 2019

Bildquelle: Stifterverband/K3

How Will Content Discovery Evolve?

„It’s more important than ever to think about how employees will find the content they need. This is how the learning experience platform market came to be“, schreibt Analyst Josh Bersin. Und er stellt uns anschließend verschiedene Strategien und Perspektiven vor:

Ein klassischer Lernpfad („learning path“)? Oder „to guide learning according to skills“? Was ist mit der Idee von „page ranking for learning recommendations“? Oder, jetzt wird es etwas komplizierter, „offer solutions that actually ingest instructional content (text, video, audio), identify and categorize the instruction contained within it, and then create microlearning and personalized recommendations“?

Aber das ist noch nicht alles: „recommend content … through human support: Ask the learner.“ Schließlich: „The final approach is to embed learning into mandatory practices at work.“

Seine abschließende Empfehlung ist ein Aufruf, sich bewusst mit dieser Frage auseinanderzusetzen: „The LXP is not the solution to everything. Creating the right form of discovery is where you earn your pay. Make sure you are creating the right types of discovery for the best content you can find. Don’t let your L&D department turn into the training flea market.“
Josh Bersin, Chief Learning Officer, Dezember 2019

Bildquelle: Noble Mitchell (Unsplash)

Lernende Organisation und organisationales Lernen

Christoph Meier hat in diesem Beitrag einige Konzepte und Stichworte zusammengetragen. Die Unterscheidung von single loop learning, double loop learning und deutero learning zum Beispiel (nach Chris Argyris und Donald A. Schön). Die fünf „Disziplinen“ einer lernenden Organisation (nach Peter Senge).

Was ich in diesen Beschreibungen vermisse: Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Modellen und Praxis einer lernenden Organisation und dem wirtschaftlichen Handeln dieser Organisation (bzw. dieses Unternehmens)? Oder kann man erst beim Scheitern eines Unternehmens (von der Krise, dem Skandal bis zur Insolvenz) konstatieren, dass es wohl keine lernende Organisation war? Gibt es über diesen Punkt Studien oder Artikel?
Christoph Meier, scil-Blog, 5. Dezember 2019

Bildquelle: Meritt Thomas (Unsplash)

„OER kann in der Nutzung kostenlos und in der Produktion bezahlt sein!“

Auf das neue Buch von Jöran Muuß-Merholz, „Barcamps & Co.“, hatte ich ja bereits hingewiesen. Nun ist das Buch ja offen und frei (kostenlos) verfügbar, so dass sich die Frage aufdrängt, wie es denn finanziert wurde, wer wie an dem Buch verdient und welcher Aufwand mit diesem Weg verbunden ist.

Hier zwei Zitate von Jöran Muuß-Merholz, die hoffentlich auf das gesamte Interview neugierig machen:
„Das Buch ist ein gutes Beispiel dafür, dass bei OER die Nutzung des Materials kostenlos sein kann und gleichzeitig die Produzenten dafür bezahlt werden.“

„Wenn man praktisch mit OER arbeitet, dann stellt man schnell fest, dass jede zusätzliche Auflage bei der Lizenzierung [die über CC BY hinausgeht; JR] viel Arbeit in der Nachnutzung mit sich bringt.“
Gabi Fahrenkrog, Interview mit Jöran Muuß-Merholz, OERinfo – Informationsstelle OER, 4. Dezember 2019

Bildquelle: Collage Jöran mit Buch, Foto: Chris Dies, Agentur J&K – Jöran und Konsorten für OERinfo, Informationsstelle OER, CC BY 4.0 (mit Anpassungen)

I don’t want to learn

Ein lesenswerter Artikel: Warum reagieren wir abwehrend, wenn wir von der Notwendigkeit des Lernens, des lebenslangen Lernens hören? Es ist, so Gina Ebner nach einem Moment der Selbstreflexion, auch eine Frage der Formulierung …

„Let’s change the narrative on continuing vocational education and training, and adult education. Let’s stop telling people that they have to learn/train/upskill/reskill. At the workplace, let’s talk about the great opportunity that planned learning will bring and not that ‘we have to do a training’. In fact, let’s have more workplace learning during working hours to ease the pressure on the employees.

Let’s change our arguments to how much joy learning can bring; how many benefits there are, even if they are not financial; that it’s not a task, but an interesting and rewarding activity.

Let’s enjoy and promote all kinds of learning.
Learning can make you happy.“
Gina Ebner, EPALE (Electronic Platform for Adult Learning in Europe), 11. November 2019

Bildquelle: EPALE

By The Numbers: MOOCs in 2019

Die Zahl der Kurse und Lernenden, sie steigen auch im achten Jahr weiter, berichtet der MOOC-Informationsdienst Class Central. Wobei man sich schwer tut, verlässliche Zahlen der populären chinesischen Anbieter zu erhalten. Und es gibt noch mehr Online-Degrees und Microcredentials, aber nicht mit dem Schwung des letzten Jahres, als Dhawal Shah von der „second wave of MOOC Hype“ und „the year of MOOC-based degrees“ sprach. Weitere MOOC-Reports sollen zum Abschluss des Jahres folgen.
Dhawal Shah, Class Central/ MOOC-Report, 2. Dezember 2019

Microlearning – Lust und Neugier als Basis von LERNEN

Am Anfang vieler Bildungsinitiativen steht häufig die Frage: Wer macht eigentlich mit? Denn im Alltag nicken zwar alle, wenn sie nach der Bedeutung des Lernens gefragt werden. Aber dann gibt es immer Gründe, doch bei bestehenden Routinen und Prioritäten zu bleiben. Und ganz oben steht natürlich der Zeitmangel.

Vor diesem Hintergrund stellt Harald Schirmer (Continental) ein Microlearning-Konzept vor: Maximal 5-minütige Impulse, die Neugier wecken, einen „Aha-Effekt“ auslösen, inspirieren, Lust auf mehr machen. Kurze, selbsterstellte Videos bieten sich da an. Das Enterprise Social Network kann ein hervorragender Ort sein, um Microlearnings zu publizieren, aufzurufen, zu sammeln und zu kommentieren. Aber auch jeder Jour Fixe.

Harald Schirmer bzw. Continental stehen noch am Anfang. Sein erstes Fazit: „Seit einigen Monaten sind die Microlearning weltweit bei Continental im Einsatz, sehr wirksam in Abteilungsmeetings, Führungskräfterunden, im Revers Mentoring, als globale Lern-Inspiration oder als Video in unserer aktuellen #Passion2Learn Campagne. Es wurden relativ schnell weit über 100 Microlearning gesammelt, beschrieben oder als Video skalierbar geteilt.“

Abschließend fragt er, was noch fehlt, was unklar ist oder besser beschrieben werden sollte. Hier meine spontanen Zurufe, die irgendwie alle um den Punkt „das Lernen sichtbar machen“ kreisen:

– Struktur: Könnte jedes ML mit einem kleinen „Call to Action“ schließen? Was will ich – als Kreativer – als Nächstes tun? Was können andere tun, wenn sie das Thema interessiert? Suche ich MitstreiterInnen?
– Kampagne: Die populärsten ML könnten prämiert werden, sie könnten der Aufhänger für ein größeres „Microlearning“-Event sein – vor Ort oder virtuell.
– Gamification/ Motivation: Das Teilen von ML (oder das aktive Aufnehmen und Weiterentwickeln eines Themas) könnte mit dem Erwerb von Badges verbunden werden.
– Nachhaltigkeit: Kann man die ML thematisch clustern, könnte man sie als Indikatoren für größere Kampagnen oder Initiativen lesen. Als bottom-up-Bildungsbedarfsanalyse …
– Nachhaltigkeit: Man könnte die Kreativen nach 8 Wochen interviewen und fragen, welchen Spuren das ML bei ihnen oder in ihrem Umfeld hinterlassen hat.
– Organisation: Könnte man Beispiele für ML-Formate präsentieren und beschreiben (wenn man nicht beim Video stehenbleiben will)?
Harald Schirmer, Blog, 26. November 2019  

Augmentationsstrategien und Personalentwicklung

Das scil-Team hat wieder die Ergebnisse eines Innovationskreises, an dem die Schweizer Post, SBB und ZF Friedrichshafen teilgenommen haben, in einem Abschlussbericht (63 S.) dokumentiert. Der Fokus des Innovationskreises lag dieses Mal auf dem Zusammenspiel von Menschen und Smart Machines sowie seinen Konsequenzen für Personalmanagement und -entwicklung. Augmentation steht dabei für eine Perspektive, die verschiedene Strategien dieses Zusammenspiels diskutiert.

„Im Rahmen der gemeinsamen Arbeit wurden eine ganze Reihe von Arbeitshilfen entwickelt, die einzelne Aufgaben und Schritte in diesem Gesamtprozess unterstützen. Angefangen von Ressourcensammlungen zur Orientierung und Sensibilisierung der Beschäftigten (sowie ggf. auch der Führungskräfte) über Analysewerkzeuge, Raster zur Entwicklungsplanung oder Hilfen zur Pulsmessung bzw. Veränderungsbegleitung bis hin zu einem Raster für die Wirkungsmessung.“

Der Arbeitsbericht kann kostenfrei bestellt werden.
Christoph Meier, swiss competence center for innovations in learning (scil), scil Arbeitsbericht 30, November 2019

Video for learning – 15 things the research says – some may shock you…

Die heutige Begeisterung für Video, so Donald Clark, ist die eine Sache. Aber als Bildungsexperten sollten wir wissen, welche Regeln für den Video-Einsatz in Lernprozessen gelten. Unzählige wissenschaftliche Studien helfen da weiter. Einige Ergebnisse und Erfahrungen zählt Donald Clark in seinem Beitrag auf. Zum Beispiel: „Keep videos at 6 minutes or less – the less the better.“ Oder: „Should you give learners control of video? Yes.“ Und: „For subjects that are semantically rich, getting rid of the face is a good thing as it reduces cognitive load.“ Oder: „The smaller the screen the less you learn.“ 

15 Punkte. Die meisten Erkenntnisse kommen weniger überraschend als es der Titel des Beitrags andeutet. Viele Erkenntnisse müssen auch nicht absolut gelesen werden, da uns Videos heute ja nicht unmittelbar und isoliert begegnen, sondern als Bausteine von Plattformen, Webseiten, Prozessen, Aufgaben, kurz: Lernumgebungen. Trotzdem kann man natürlich vieles falsch machen.
Donald Clark, Donald Clark Plan B, 30. November 2019

Bildquelle: Charles 			</div><!-- .entry-content -->
	    
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Vom E-Learning zum Lernen in der digitalisierten, vernetzten Gesellschaft – Jochen Robes im Gespräch

In eigener Sache: Am 16. Dezember werde ich noch einmal in Leipzig sein. Auf dem Christmas Special zum HR Innovation Day, zu dem mich Peter M. Wald eingeladen hat. Dort werde ich auch einen Workshop moderieren. Zum Aufwärmen habe ich einige Fragen des Gastgebers beantwortet. Sie betreffen (natürlich) den Workshop, aber auch aktuelle Lerntrends, neue Herausforderungen für Personaler, die Rolle digitaler Werkzeuge und, ja, „Lern Hacks“.
Peter M. Wald, Interview mit Jochen Robes, Leipziger-HRM-Blog, 1. Dezember 2019